Dieser Dracula ist anders. Nach den Hammer-Produkten in Primärfarben war lange Zeit Ruhe um den Beißer aus Transsilvanien bis sich Star-Regisseur John Badham an den Stoff erinnerte und neu interpretiert in Szene setzte. Badham orientierte sich dabei mehr am Theaterstück von Hamilton Deane und John L. Balderston als an den Schauerroman von Bram Stoker. Das Wichtigste: Er interpretierte die Rolle des Grafen anders. Nicht die Bestie wie in den Hammer-Filmen stand im Mittelpunkt, sondern der verführerische, gnadenlose Graf.
Die Schauspieler waren perfekt: Der junge Frank Langella spielt den Grafen, schön, zielstrebig und ohne Gnade. Vor allem sein Spiel mit den Händen ist verführerisch. Zur Schauspielleistung von Sir Laurence Oliver braucht man nichts zu verlieren außer WUNDERBAR. Und dass obwohl die Zeit von Sir Laurence abgelaufen war und er sterbenskrank war. Auch dem Spiel des ewigen Dr. Loomis aus Halloween Donald Pleasence ist es ein Genuss anzusehen. Große Schauspielkunst der Truppe.
Trotz preiswerter Produktion ist die Ausstattung wunderbar. Hauptsächlich in Cornwall gedreht hat Dracula eindrucksvolle Locations: Die Irrenanstalt ist das Camelot Castle Hotel in Tintagel, Draculas Schloss ist St. Michael Berg, eine halbe Meile vor der Küste – es ist durch einen Damm verbunden – von Marazion an der Südwestspitze von Cornwall. Ungewöhnlich ist in einem Dracula-Film der Einsatz von Strom und sogar eines schnittigen Automobils. Hier bricht der Film wohltuend aus der Tradition der klassischen Filme aus, zeigt aber auch, dass Technik einen Grafen nicht zur Strecke bringen kann.
Die Innenausstattung orientiert sich derweil am Gothic Horror der alten Lugosi-Filme. Und auch wie bei Lugosi sieht der Zuschauer bei Langella keine Vampirzähne. Dennoch ist der Film keineswegs unblutig. Immer wieder schockieren den Zuschauer der Liebesgeschichte brutale Szenen, wie das Durchtrennen von Hälsen oder ein Genickbruch. Richtig angsteinflößend ist die lebende Tote Lucy. Hier hat später Francis Ford Coppola genau hingeschaut als er seine Dracula-Version drehte. Badhams Tote war nicht anmutig oder gar schön, sondern ihr zerfetztes Totenhemd mit zerfetzten bleichem Gesicht ist wahrlich erschreckend. Hier wurde die Maske von Linda Blair aus Exorzist von 1973 wieder aufgenommen. Der lebende Tote wird nicht romantisiert oder verkitscht, sondern es ist ein kalter, bleicher, muffiger Tod in nassen Gräbern. Der wahrhaftige Teufel ist in den Leib von Lucy gefahren – übrigens werden bei Badham die Rollen von Lucy und Mina vertauscht und auch die Familienverhältnisse geändert.
Ich hatte den Dracula-Film einstmals im Fernsehen gesehen und war damals enttäuscht. Es war mir als Jugendlicher zuviel Gefühl, zuviel Tragik im Film. Ich wollte Action, wie ich sie aus den Hammer-Filmen kannte. Vor allem Frauen erliegen der Faszination des dunklen Fürsten. Der bissige Gentleman als Herzensbrecher, der aber nur seine Interessen durchsetzen will. Der alte gierige Mann sucht sich junge Frauen aus, die er verführen und beherrschen kann. Und sie verfallen dem Manipulator willenlos. Der Liebesakt in Rot bedient gängige Klischees. Heute kann ich die vermittelte Tragik mit dem Leid besser verstehen und die 2009 veröffentlichte DVD-Fassung unterstützt die traurige Stimmung des Films noch mehr. Durch geschicktes Color-Grading wurde die Farbe im Film reduziert, so dass Dracula dunkel, leblos wirkt. Der Blutverlust des Films wirkt sich auf das Bild aus. Aus dem Film entweicht die Farbe, das Leben, die Freude. Die Stimmung der Szenerien überträgt sich auf den Zuschauer durch eine eindrucksvolle Kameraleistung von Gilbert Taylor, der schon mit Regiegenie Stanley Kubrick Dr. Seltsam, mit Polanski Macbeth und mit Hitchcock Familiengrab gedreht hat.
Aber den absoluten Kick des Films bringt der Score von John Williams. Der Soundtrack Dracula wird zu Höchstpreisen unter Sammlern gehandelt und wer ihn gehört hat, der weiß warum. Williams liefert einen Höhepunkt seines Schaffens ab. Star Wars, Indiana Jones, Superman und Jaws sind großartig – Dracula reiht sich in dieses Werk ein.
Für mich ist Dracula ein reifer Film für gereifte Zuschauer. Wer Trashkino braucht, der greift zu Wes Craven. Wer aber schaudern will, der greift zu John Badhams Dracula.
Eine wohltuende Überraschung ist dieses Bonbon, das wahren Vampirfreunden einfach Spaß machen muss. Der Film Shadow of the Vampire ist ein Genuss. Shadow of the Vampire zeigt in einer fiktiven Story, was wirklich hinter der besten Dracula-Verfilmung aller Zeiten stecken könnte. Was wäre, wenn Max Schreck in Murnaus Klassiker Nosferatu – eine Symphonie des Grauens in Wahrheit doch ein Vampir gewesen wäre?
Ein netter Gedanke und daraus entstand ein atmosphärisch dichter Film mit den beiden Hollywoodstars John Malkovich als Friedrich Wilhelm Murnau und Willem Dafoe als Vampir Max Schreck. Dafore wurde mit dem Oscar für seine eindrucksvolle Leistung und nochmal für die ausdrucksstarke Maske nominiert. Als Gage für sein realistisches Auftreten im Film bekommt der Vampir die Hauptdarstellerin versprochen – auch ein interessantes Geschäftsmodell, das Hollywood wieder einführen sollte.
Der Film ist voller Extreme: Murnau ist ein Besessener und Schreck ist es ebenso – aber eben jeder auf seine Weise. Aber anders als bei klassischen Dracula-Verfilmungen kommt dieses Mal keine Sympathie für den Vampir auf. Die gnadenlosen Helden des düsteren Filmes gehen buchstäblich über Leichen. Murnau opfert bedenkenlos seine Mitarbeiter für die Kunst, denn wir wissen ja, für die Kunst müssen Opfer gebracht werden. Der Vampir dagegen hat einfach nur Hunger, fett Kohldampf und spielt sich selbst als gieriger verbitterter Mann. Wer ist nun das größere Monster? Der Künstler oder der Vampir?
Und der Film von No-Name E. Elias Merhige ist eine wunderbare Hommage an den Meisterregisseur Plumpe, der sich als Künstler Murnau nannte. Der Film spielt wunderbar mit der Filmtechnik der damaligen Zeit – wir standen mitten im Expressionismus. Sehr schön ist ein Dialog von Murnau und Schreck vor einer gemalten Sonne in der Höhle des Vampir. Wir lernen viel über das Filmemachen im Stummfilmzeitalter, wenngleich das Genie des wahren Murnaus mit seiner neuartigen Montageart ein wenig auf der Strecke bleibt. Wenn ein Film wie „The Artist“ den Stummfilm im heutigen Kino wieder aufleben lässt, dann ist Shadow of the Vampire eine schöne Verbeugung an diese vergangene Zeit und ein blutiger Leckerbissen für Vampirfans.
Ich taste mich langsam in die Welt der Comics vor. Nachdem ich als Kind die Hefte verschlang, herrschte bei mir lange Jahre komplette Comic-Abstinenz. Aber jetzt bin ich wieder im Comic-Fieber und als Dracula-Fan erwarb ich den Panni-Comic Dracula: Die Graphic Novel. Nach dem Roman von Bram Stoker erzeugten Leah Moore und John Reppion sowie Zeichner Colton Worley ihre Interpretation des berühmten Vampirromans. Ich war skeptisch, sehr skeptisch – doch die Graphic Novel überzeugte mich auf der ganzen Linie. Ich war überrascht, wie dicht sich das Autorenehepaar an das Original von Stoker hielten. Es sind zahlreiche Originalzitate verwendet. Zum Glück wurde das viktorianische Englisch nicht in einer konforme Neusprache verwandelt. Natürlich wurde hier und da gekürzt, doch entfernte sich das Autorenduo nicht weit vom Original.
Und so wurde das prüde England in die Neuzeit gerettet zusammen mit den zahlreichen sexuellen Anspielungen. Ich kann das pubertäre Gejaule von New Morning-Fans nicht mehr hören, wie sexy der Vampir doch sei. Leute, greift zum Original und wenn ihr es aufgrund der Sprache nicht mehr lesen könnt, dann nehmt diesen Comic.
Die Spannung steigt Seite für Seite, die Erotik und Angst gehen Hand in Hand. Die grafische Interpretation des einstigen Werbegrafikers ist Colton Worley gelungen. Schriftbild, Typografie, die gedeckten Farben, Linienführung – hier passt alles zusammen.
Diese Adaption Dracula: Die Graphic Novelvon Bram Stokers Stoff ist gelungen und jedem Dracula-Fan ans Herz gelegt.
Durch das Lesen einer BA-Arbeit einer Bekannten zum Thema Vampire entdeckte ich meine alte Liebe zu Dracula-Filmen wieder. Sicherlich habe ich mindestens 50 verschiedene Verfilmungen des Stoffes von Bram Stoker auf DVD oder Blu ray. Künftig will ich in diesem Blog Zug um Zug über meine Dracula-Filmsammlung berichten. Ich loser Reihenfolge schaue ich mir immer wieder die Verfilmungen an und blogge darüber. Den Beginn macht die Francis Ford Coppola-Verfilmung Bram Stoker’s Dracula aus dem Jahr 1992.
Aus heutiger Sicht mutet der Film wie ein großer Videoclip an, damals hatte er mir im Kino gefallen, weil er sich zum einen relativ eng an die Vorlage von Bram Stoker hielt, zum anderem bildgewaltig dargestellt wurde. Nach wiederholten Ansehen bleibt die Faszination für das Set. Wer Kostüme liebt, wird diesen Film lieben und sieht über die Schwächen einiger Darsteller hinweg. Vor allem die Kostüme der japanischen Designerin Eiko Ishioka hatten und haben es mir bis heute angetan. Durch Coppola bekam ich Zugang zu dieser Designerin und verehre ihre Arbeit bis heute.
Der Film lebt von den Kostümen, die auch mit dem Oscar ausgezeichnet wurden. Viele bleiben mir in Erinnerung: Die rote Rüstung von Dracula, die Insektenähnlichen Klauen von Renfield, das echsenhafte Hochzeitskleid von Lucy oder das hochgeschlossene gedämpfte Kleid von Mina als die das erste Mal ihren Prinzen trifft. Farben spielen in diesem Film einer große Rolle. Das dunkle Rot der Rüstung, das lüsterne Orange von Lucys Nachgewand oder ihr erotisches, eng anliegendes Schlangenkleid beim Abendempfang, Dieses Set schafft Atmosphäre und beherrscht den Film. Ein letzter optischer Höhepunkt des Films war das Ende des Grafen. Imposant war das Reisedress von Dracula am Ende des Films – als hätte Gustav Klimt die Darsteller eingekleidet. Jugendstil pur. Mit dem Filmset verbunden war auch eine extrem eindringliche Kameraarbeit von Michael Ballhaus, garniert mit visuellen Effekten aus dem Höhepunkt der MTV-Zeit. Der Film beginnt mit einem optischen Leckerbissen: Der Graf tritt gegen die Türken an und schlachtet seine Feinde ab. Fast erinnerten die Szenen an alte Scherenschnitten oder die Rotovisionstechnik von Ralph Bashki aus „Herr der Ringe“. Dracula pfählt seine Gegner grausam, bis dieser zu einer List greifen. Aus dem Verteidiger der Kirche, wird in einer dramatischen Sequenz ein Geschöpf der Nacht. Er schwört Gott ab und versinkt in Blut.
Coppola versteht es, einen eindringlichen Dracula als Oper für das Kinos zu inszenieren, griff aber leider bei manchen Darsteller voll daneben. Zunächst die guten Darsteller: Dazu gehört ganz klar mein Liebling Tom Waits als Irrer Renfield. Wunderbar, wie er den zerrissenen Insassen des Irrenhauses spielt, Spinnen und Würmer vertilgt und sich in der fabelhaften Gefängniskleidung von Eiko Ishioka mit überlangen Armen in die Schauspielgeschichte spielt. Großartig. Auch die Leistung von Gary Oldman als Dracula sucht seinesgleichen. Er gibt eine sehr emotionale Interpretation des Grafen, sehr eindringlich. Oldman zeigt die Zerrissenheit der Figur sehr glaubwürdig.
Ganz und gar nicht auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft, aber nicht negativ spielt Anthony Hopkins den Retter Abraham van Helsing. Zwar gibt er dem Professor eine eigene Interpretation, aber den Holländer nehme ich ihm nicht immer ab. Aber zumindest kopiert Hopkings nicht die großen van Helsing-Vorbilder, sondern sucht seinen eigenen Weg, schießt aber über das Ziel hinaus. Herzhaft lachen musste ich über die Ankunft van Helsing bei Lucy. Die Szene ist ähnlich des Auftretens von Max von Sydow beim Exorzist 1973. Der Retter kommt als Schatten – schönes Filmzitat. Und damit komme ich zur den beiden absoluten Fehlbesetzungen des Films: Wionna Ryder als Mina und Keanu Reeves als Jonathan Harker. Beide waren zur Zeit des Films absolute Superstars, bringen aber in Bram Stoker´s Dracula kein besondere Leistung. Wahrscheinlich wurden sie aufgrund ihrer damaligen Popularität von Coppola gewählt. Heute zeigt sich, dass die Figuren blas sind und hölzern durch die Szenen agieren. Wie gut hätte Dracula werden können, wenn die beiden Hauptdarsteller besser besetzt wären. Zumindest Ryder versucht gegen Ende etwas von Schauspiel, während der junge Reeves, der seine Frau an den alten Vampir verlor, mehr Kampf, mehr Spannung hätte zeigen können. Dracula ist schließlich auch ein Liebesfilm. Hier bitte mehr Konflikte, mehr Tiefe der Darsteller und Emotionen, wenn sich Mina von ihrem Mann abwendet und sich dem alten Grafen hinwendet.
Natürlich ist der Film aufgrund seiner Geschichte hoch erotisch und zeigt für einen US-Film viel Haut und sogar Brüste. Wer bei den entsprechenden Szenen genau hinsieht, sieht eine schöne Monica Bellucci in ihrem ersten US-Film als eine von Draculas Bräuten, nackt, sehr erotisch und wunderschön.
Alles in allem ist Bram Stoker’s Dracula einer der besseren Dracula-Verfilmungen. Francis Ford Coppola zeigte wieder, dass der einst junge Wilde es immer noch drauf hat. Mir macht der Film nach fast 20 Jahren immer noch Spaß. Sicherlich liegt es daran, weil sich Coppola immer wieder an Murnau orientiert hat. Coppola bezeichnete Nosferatu als beste Dracula-Verfilmung aller Zeiten.
Wer sich für politischen Journalismus interessiert, kommt an Richard Nixon natürlich nicht vorbei. Der republikanische Präsident, der 1994 an einem Herzinfakt starb, bewegte die Gemüter. Über Ostern beschäftigte ich mich wieder mit ihm und schaute mit die legendäre Verfilmung der David Frost-Interviews an. Ich nahm mir einen Nachmittag Zeit, sah mir erst das Originalfernsehduell Frost/Nixon – Das Original-Interview zur Watergate-Affäre an und anschließend die Verfilmung Frost/Nixon [Blu-ray] von Ron Howard.
Absolut kongenial umgesetzt bringt die Verfilmung der heutigen MTV-Generation das Thema Nixon näher. Aber wahrscheinlich schaltet sie nach den ersten 15 Minuten ab, denn außer Dialoge ist nichts zu sehen. Es wird nichts erklärt, sondern vorausgesetzt: Wer nicht weiß, dass Nixon zwar enorme außenpolitische Erfolg hatte, aber durch Watergate als erster Präsident zurücktreten musste. Ohne Action, aber voll emotionalen Sprengstoff gelingt es diesem 117minütige Politkammerspiel mich voll in seinen Bann zu packen. Es zeigt den Showmaster, der dem abgebrühten Politikmenschen Nixon die Statements entlockt, wozu Staatsanwalt oder Politikjournalisten nie in der Lage waren. Nixon gesteht seine Fehler in Watergate ein und bedauert, dass amerikanische Volk betrogen zu haben. Im Original und in der Verfilmung eine Wahnsinnsleistung. Was ist geblieben? Der Film bringt es auf den Punkt. Die Macht des Fernsehens wird reduziert auf ein Bild. Das Bild eines verzweifelten, zerstörten, gepeinigten Richard Milhouse Nixon. Frank „Dracula“ Langella als Nixon ist grandios, sogar besser als Anthony Hopkins in der Verfilmung von Oliver Stone. Aber natürlich ist dieser Film Hollywood und einige Sachen sind frei erfunden, sie das nächtliche Telefonat Nixon mit Frost. Auch die Reihenfolge der Interviews sind historisch falsch, aber egal, so passt es besser in einen Spannungsbogen einer Hollywoodverfilmung.
Jeder angehende Journalismus sollte sich die Originalinterviews ansehen und dann prüfen, ob er in diese Branche wirklich einsteigen will. Die Bänder von 1977 sind ein wichtiges Zeitdokument. Leider habe ich nie die kompletten Tapes gesehen, sondern nur die 100minütige Zusammenfassung auf einer DVD. Vielleicht bekomme ich Frost/Nixon – The Complete Interviews [UK Import] ja mal zum Geburtstag. Dennoch: Eine Lehrstunde in Sachen Journalismus, in Sachen Politik und in Sachen Ethik.
Nicht erst seit Apples iPad mache ich mir meine Gedanken über eBooks. In meinem Bekanntenkreis diskutiere ich viel über diesen neuen Trend am Buchmarkt, der mit Amazons Kindle interessant wurde und durch das iPad hoffentlich ein Massenmarkt wird. Nach langen Überlegungen bekenne ich: Ich bin ein Fan von eBooks – im Moment lese ich gerade mal wieder Bram Stokers „Dracula“ am Sony PRS-700.
Eine Buchhändlerin sagte mir, die eBooks seien ein weiterer Verfall von Kultur. Das denke ich nicht. Vielmehr ist es eine Änderung der Wirtschaft. Vielleicht brauche ich ihre Leistungen als Buchhändlerin nicht mehr, wenn sie sich nicht auf den neuen Markt einstellt. Der Wert des Kulturgutes Schrift wird durch das eBook nicht geschmälert. Schrift bleibt für mich gleich, egal ob sie auf Papyrus, Papier oder als elektronische Tinte E-Ink daher kommt. Natürlich ist die Haptik eines Buches schön und wir haben uns an diese Haptik gewöhnt. Und natürlich wird das Buch als gedruckte Version so schnell nicht aussterben und das will ja auch keiner. Die Vorteile eines Buches sind klar: Ich nehme kein elektronisches Lesegerät zum Entspannen in die Badewanne oder zum Sonnenbaden an den Baggersee mit.
Einen klaren Vorteil für mich sehe ich bei eBooks auf Reisen: Ich musste mich bisher entscheiden, welches Buch in den Flieger oder in die Bahn mitnehme. Entsprach das Buch nicht meinen Vorstellungen und langweilte mich, musste ich blöd in der Gegend herumschauen. Nun habe ich einen kleinen elektronischen Buchkoffer dabei. Das wird durch das iPad noch besser: Ich hab ab und zu mal Lust auf elektronische Comics und freu mich auf Innovationen in der Branche.
Ich denke auch, dass durch elektronische Bücher wieder mehr gelesen wird. Die neuen Geräte, seien es die Kindles, Sony Readers oder iPads machen Lust auf Lesen. Alle wollen es ausprobieren. Und auch die Klassiker kommen wieder. Nachdem das Copyright abgelaufen ist, gibt es die Bücher kostenlos. Ich lese gerade wieder eine Menge von Klassikern, die ich in der Schule lesen musste und nicht verstand. Heute erkenne ich die Schönheit der Werke. Eine schöne Quelle ist das Gutenberg Projekt, eine etwas kleinere Quelle ist in Österreich Audio, Media Digital. Hier gilt kein DRM und das ist gut so. Ich hoffe, dass dies künftig auch für Bücher gilt, so wie es heute für Musik gilt. Das komische System DRM hält nur die unbedarften Kunden vom Kopieren ab, die Cracks knacken DRM sowieso.
Das eBooks bietet aber auch neue Chancen der Content-Vermittlung. Wenn es wirklich gelingt, Multimedia-Books auf den Markt zu bringen, dann haben wir eine tolle Mischung von Text, Bild, Audio und Video. Das bringt die Welt voran. Aber natürlich werden sich auch die Distributionswege ändern.
Wozu brauche ich als Autor eigentlich noch einen Verlag? Die Aufgaben wie Marketing, Vertrieb und Lektorat können anders gelöst werden – und ich sage mal: Ohne Verlage gäbe es ggf sogar mehr Kreativität, weil der Filter Verlagsinteresse wegfällt. Die Einnahmen kommen dem Autoren zu gute und werden nicht vom Verlag aufgefressen. Das ist Revolution und gefällt nicht. In Deutschland gibt es zudem die Buchpreisbindung. Ich frage mich, warum ein Buch in elektronischer Form genauso teuer sein soll, wie die gedruckte Ausgabe. Wer verdient denn da mit und hält großzügig die Hand auf? Ich bin selbst Autor zahlreicher Bücher und ich kann Ihnen sagen: Ich bin durch meine Bücher nicht reich geworden, aber andere haben gut daran verdient.
Und eBooks haben einen gewaltigen Vorteil: Mein Keller wird leerer. Derzeit stapeln sich tonnenweise Bücher im Keller, an Regalen, in Kisten und Kartons. Künftig brauche ich Platz auf dem hauseigenen Medienserver und fertig. Bücherverbrennen ist nicht mehr. Und auch Fahrenheit 451 gehört der Vergangenheit an.
Als Jugendlicher entwickelte sich meine Liebe zu klassischen Science-Fiction- und Horror-Filmen. Es bedurfte langen Diskussionen mit meinen Eltern, dass ich mir entsprechende Filme im familieneigenen Grundig-Fernseher ansehen durfte. Mein Vater nannte diese Art von Filmen immer „Spökel-Filme“ und lehnte sie grundsätzlich ab. Na ja, aber ich setzte mich durch und durfte mir am Freitag Abend im ZDF die Reihe „Der phantastische Film“ ansehen. Meine Eltern gingen nach dem Aktuellen Sportstudio ins Bett und ich hatte zu vorgerückter Stunde den Fernseher für mich. Mit Chips und Mineralwasser bewaffnet machte ich es mir in den Wohnzimmersesseln bequem. Eine Decke hatte ich immer am Mann. Zum einen wegen der nächtlichen Kälte, zum anderen als Notbehelf für den Kopf, wenn der Film doch grusliger war als gedacht. Im nachhinein waren die Filme doch recht harmlos, aber allesamt große Klassiker: „King Kong“, die Dracula-Reihe mit Christopher Lee (letzter Teil war der unsägliche „die Herren Dracula“). Eindruck machte auf mich „Ich folgte einem Zombie“, „Fluch der Mumie“ oder „Rosemaries Baby“. Richtig Angst hatte ich aber vor allem bei dem ZDF-Teaser „Der phantastische Film“. Wenn ich diesen Vorspann überstanden hatte, dann war der anschließende Film gar nicht mehr so schlimm. Das war wirklicher Horror: Da verwandelte sich ein Mann in einen Werwolf, ein Kopf brannte, Hörner wuchsen, Fledermäuse flogen und ein Kopf explodierte – alles in Zeichentrickmanier. Dazu eine moderne Schauermusik von Heinz Edelmann, wirklich zum Gruseln. Bevor der Film losging, hatten noch die adretten ZDF-Ansagerinnen ihren Auftritt. Damals gab es noch Ansagerinnen. Sie hatten Vampirzähne im Mund oder waren maskiert. Was waren das für Zeiten?
Hollywood reagiert auf einen schrumpfenden Markt wie immer. Sie setzen auf Altbewährtes. Wenn ein Film in der Vergangenheit seinen Markt gefunden hat, dann tut er es sicher auch in der Gegenwart. Also werden alte Filme neu verfilmt, ein Remake eben. Das hat mal gut funktioniert, mal ging es in die Hose. So gibt es „Frankenstein“-Verfilmungen aus der Stummfilmzeit, die dann mit Boris Karloff neu verfilmt wurden. Die Neuverfilmung der Gegenwart mit Robert de Niro ging daneben. „Dracula“ ist ein ähnliches Beispiel. Mal als genialer Nosferatu von Murnau als Stummfilm (vor kurzem restauriert aus DVD erschienen), dann in den 30er Jahren mit Bela Lugosi, in den 60er mt Christopher Lee und dann nochmals verfilmt von Coppola. Klar, es gab noch viele Varianten des Themas auf der Leinwand und in der Glotze, aber darum geht es nicht. Ich habe Ben Hur aus der Stummfilmzeit genauso genossen, wie die Technicolor-Version mit Charlton NRA Heston. Ich habe bei „Chainsaw“ früher mehr Angst gehabt also heute und war schockiert, wie brutal Rob Zombie bei „Halloween“ vorgegangen war. Jetzt lese ich, dass „My fair Lady“ neu verfilmt wird. Es grünt so Grün, wenn Spaniens Blüten blühen? Wahrscheinlich ist dann Tausendsassa Hans Zimmer für die Musik zuständig, oder man unterlegt den Film mit Beats und betont den Bass ein wenig mehr. Da hätte ich noch einen Vorschlag für eine Neuverfilmung: „West Side Story“. Coole Rapper von der Westside liefern sich Bandenkriege und aus Maria machen wir Mary. Sie war eigentlich auf Crack, hat aber dann doch ihre Liebe gefunden. Das ist der Stoff aus dem Kassenschlager sind … Mein Gott, schmeiß Ideen vom Himmel