Mein klares Ja zu eBooks

Nicht erst seit Apples iPad mache ich mir meine Gedanken über eBooks. In meinem Bekanntenkreis diskutiere ich viel über diesen neuen Trend am Buchmarkt, der mit Amazons Kindle interessant wurde und durch das iPad hoffentlich ein Massenmarkt wird. Nach langen Überlegungen bekenne ich: Ich bin ein Fan von eBooks – im Moment lese ich gerade mal wieder Bram Stokers „Dracula“ am Sony PRS-700.
Eine Buchhändlerin sagte mir, die eBooks seien ein weiterer Verfall von Kultur. Das denke ich nicht. Vielmehr ist es eine Änderung der Wirtschaft. Vielleicht brauche ich ihre Leistungen als Buchhändlerin nicht mehr, wenn sie sich nicht auf den neuen Markt einstellt. Der Wert des Kulturgutes Schrift wird durch das eBook nicht geschmälert. Schrift bleibt für mich gleich, egal ob sie auf Papyrus, Papier oder als elektronische Tinte E-Ink daher kommt. Natürlich ist die Haptik eines Buches schön und wir haben uns an diese Haptik gewöhnt. Und natürlich wird das Buch als gedruckte Version so schnell nicht aussterben und das will ja auch keiner. Die Vorteile eines Buches sind klar: Ich nehme kein elektronisches Lesegerät zum Entspannen in die Badewanne oder zum Sonnenbaden an den Baggersee mit.
Einen klaren Vorteil für mich sehe ich bei eBooks auf Reisen: Ich musste mich bisher entscheiden, welches Buch in den Flieger oder in die Bahn mitnehme. Entsprach das Buch nicht meinen Vorstellungen und langweilte mich, musste ich blöd in der Gegend herumschauen. Nun habe ich einen kleinen elektronischen Buchkoffer dabei. Das wird durch das iPad noch besser: Ich hab ab und zu mal Lust auf elektronische Comics und freu mich auf Innovationen in der Branche.
Ich denke auch, dass durch elektronische Bücher wieder mehr gelesen wird. Die neuen Geräte, seien es die Kindles, Sony Readers oder iPads machen Lust auf Lesen. Alle wollen es ausprobieren. Und auch die Klassiker kommen wieder. Nachdem das Copyright abgelaufen ist, gibt es die Bücher kostenlos. Ich lese gerade wieder eine Menge von Klassikern, die ich in der Schule lesen musste und nicht verstand. Heute erkenne ich die Schönheit der Werke. Eine schöne Quelle ist das Gutenberg Projekt, eine etwas kleinere Quelle ist in Österreich Audio, Media Digital. Hier gilt kein DRM und das ist gut so. Ich hoffe, dass dies künftig auch für Bücher gilt, so wie es heute für Musik gilt. Das komische System DRM hält nur die unbedarften Kunden vom Kopieren ab, die Cracks knacken DRM sowieso.
Das eBooks bietet aber auch neue Chancen der Content-Vermittlung. Wenn es wirklich gelingt, Multimedia-Books auf den Markt zu bringen, dann haben wir eine tolle Mischung von Text, Bild, Audio und Video. Das bringt die Welt voran. Aber natürlich werden sich auch die Distributionswege ändern.
Wozu brauche ich als Autor eigentlich noch einen Verlag? Die Aufgaben wie Marketing, Vertrieb und Lektorat können anders gelöst werden – und ich sage mal: Ohne Verlage gäbe es ggf sogar mehr Kreativität, weil der Filter Verlagsinteresse wegfällt. Die Einnahmen kommen dem Autoren zu gute und werden nicht vom Verlag aufgefressen. Das ist Revolution und gefällt nicht. In Deutschland gibt es zudem die Buchpreisbindung. Ich frage mich, warum ein Buch in elektronischer Form genauso teuer sein soll, wie die gedruckte Ausgabe. Wer verdient denn da mit und hält großzügig die Hand auf? Ich bin selbst Autor zahlreicher Bücher und ich kann Ihnen sagen: Ich bin durch meine Bücher nicht reich geworden, aber andere haben gut daran verdient.
Und eBooks haben einen gewaltigen Vorteil: Mein Keller wird leerer. Derzeit stapeln sich tonnenweise Bücher im Keller, an Regalen, in Kisten und Kartons. Künftig brauche ich Platz auf dem hauseigenen Medienserver und fertig. Bücherverbrennen ist nicht mehr. Und auch Fahrenheit 451 gehört der Vergangenheit an.

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3 Antworten to “Mein klares Ja zu eBooks”

  1. Franz Says:

    Von mir hörst Du keinen grundsätzlichen Widerspruch 🙂 Trotzdem ein „aber“: Mich schrecken die Kosten ab, ganz ehrlich. Ich habe zu wenig Zeit zum Lesen, als dass sich die Anschaffung eines eBook-Readers rechtfertigen lassen würde. Denn sind wir ehrlich: Die Technik, die es im Moment gibt, will in zwei Jahren kein Mensch mehr. Geschätzte 20 Bücher würde ich in dieser Zeit lesen, die Hälfte davon gibt’s nicht in elektronischer Form. Also bleiben 8 Bücher, die ich auch als eBook bezahlen muss. Und das Gerät kostet 300 Euro, mindestens (oder bei iPad gleich mal das Doppelte). Also kostet mich jedes Buch, das ich lese schlappe 30 Euro mehr als ein gedrucktes. Das ist mir die ideelle Unterstützung einer neuen Technologie ebenso wenig wert wie der Coolness-Faktor. Dann lieber Hörbücher, die ich auf meinem Handy oder MP3-Player ohne Zusatzkosten abspielen kann. Schont gleichzeitig die Augen, die ohnehin schon 10 Stunden am Tag in einen Bildschirm starren müssen.

  2. Bernd Says:

    Hallo,
    heutzutage muss alles immer ganz schnell verfügbar sein!
    Wer nach etwas sucht, möchte es sofort haben.
    Weil er z.B. eine wichtige Information dringend braucht oder einfach nicht die Zeit und die Nerven hat, stundenlang in der Stadt nach einem parkplatz zu suchen…
    Ebooks kann man zu Tausenden auf dem Computer abspeichern, die nehmen nicht viel Platz weg. Die Bibliothek ist quasi immer dabei.
    Für den deutschen Michel ist das Ganze noch sehr suspekt, in Deutschland gibt es mehr Ratgeberebooks oder Ebookreporte, die Problemlösungen bieten. Der Buchliebhaber wird immer zum richtigen Buch greifen, aber wer von der jüngeren Generation liest denn noch?
    Und wenn, wird alles schnell konsumiert…
    Ex und Hopp Generation eben.
    da muss der Markt sich eben anpassen, sonst wird das Buch ein Nischenprodukt für Intellektuelle und davon kann auch keiner leben.
    Ja, ich gebe zu, ich verkaufe Ebooks in einem Online-Shop,
    es ist eine andere Branche, aber man muss anbieten, was der Markt verlangt: Schnelle Information zu Sachthemen und dafür braucht man keinen Ebook- Reader. Ich wette, dass höchstens 20% aller Deutschen
    überhaupt wissen, was ein ebook ist und wenn sich das wie in den USA in Zukunft ändern wird, dann wird der Markt richtig wachsen…
    Aber 300€ für einen Reader bezahlen, dass macht kaum einer…
    Was Franz sagt zum Thema Hörbücher, finde ich übrigens richtig.
    Allerdings fehlt manchmal auch die Muße, in Ruhe stundenlang zuzuhören. Aber das ist nur meine Meinung jeder sieht es eben anders.
    Ich mache jetzt auch keinen Werbelink, ich wollte nur mal meinen senf dazugeben.
    Kleiner Tipp: Ein paar Bookmarktools und ein Plugin zum twittern wären vielleicht nicht schlecht…
    man ist ja immer so bequem…
    Bernd

  3. Serimi Says:

    Absolut richtig. eBooks sind die Zukunft. Allerdings frage ich mich ob es sich quer duch alle gesellschaftliche Schichten zieht. Das Argument man müsse sich erst ein Gerät anschaffen um darauf Bücher, die wieder etwas kosten, lesen zu können ist für manche nicht ganz nachvollziehbar. Sehr gespannt bin ich auch auf rechtlichen Folgen zwecks Buchbindung. Will be discussed 😉

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