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Meine Juxebox Rock ola spielt auf – Record Store Day (4)

20. April 2013

Zu Ehren des Record Store Day am 20. April werde ich einen Nachmittag meine Rock ola mit D-Markstücken füttern. Die Rock ola ist eine Juxebox, wie sie früher in Gaststätten stand. Sie war mit Singles bestückt. Wer eine D-Mark-Münze hineinwarf, konnte sechs Songs auswählen und nacheinander abspielen.

Meine Rock ola steht im Wohnzimmer und stammt aus einer Gaststätte aus Niederbayern. Meine Frau schenkte mir sie zum Geburtstag, nachdem sie ein Bekannter von ihr vollkommen restauriert hatte. Ich bin stolzer Besitzer einer Rock ola 403 aus dem Jahre 1963. Sie hat Platz für 100 Songs auf 50 Singles (A und B Seiten). Die Seriennummer der Wallmount lautet 257182.

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Wir haben nette Geschichten mit dem Teil erlebt. Meine Kinder laden Freunde aus der Nachbarschaft ein und hören auf dem alten Kasten Musik. Es ist eine Show, wenn der Greifer sich nach der Auswahl des entsprechenden Songs die Single angelt. Die Single wird auf den Plattenteller gehievt und der Tonarm senkt sich. Die Nadel findet die Rille. Dann setzt das Dröhnen der 250 Watt Boxen ein und der Songs donnert durchs Wohnzimmer. Die Kinder, die sonst nur digitalen Klang in unserem Haushalt vernehmen, sind komplett begeistert.

Übrigens ihre Mütter sind es noch vielmehr. Verträumt trinken sie ihren Espresso. Im Grunde die Rock ola ein Kommunikationszentrum, ähnlich wie damals in den Gaststätten. Die Mütter geraten ins Schwärmen und bei den Oldies hippt so mancher Fuß im Takt.

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Im Moment habe ich noch rund 20 Stück eine DM-Münzen, mit denen ich die Juxebox füttere. Natürlich kann ich das Teil auch auf Freispiel stellen, aber mit Münzen ist es stilechter.

Ich muss in nächster Zeit meine Singles auswechseln. Viele Lieder kann ich nicht mehr hören. Ich hab sie bestückt mit alten Heuler aus den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Vielleicht sind jetzt die achtziger Jahre an der Reihe. Genügend Singles finden sich ja im Kellerarchiv.

Im Grunde ist ein Tag mit meiner Rock ola mein persönlicher Beitrag zum Record Store Day. Es hat ja auch entfernt damit zu tun.

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Schallfolie von ELP: Brain Salad Surgery

18. November 2012
Das Giger-Cover und die Schallfolie.

Das Giger-Cover und die Schallfolie.

Beim vierten Album von Emerson, Lake & Palmer mit dem Namen Brain Salad Surgery trafen Giganten aufeinander: Musikalisch waren ELP auf dem Zenit ihres Schaffens angekommen und sie baten den Schweizer Künstler H.R. Giger um die Gestaltung des Covers. Giger ist der breiten Masse durch das Alien-Monster bekannt.

Jetzt entdeckte ich in meiner Single-Sammlung eine Rarität aus dem Jahre 1973. Es handelt sich um eine Schallfolie, die von der britischen Musikzeitschrift New Musical Express herausgegeben wurde. Ich denke, es ist ein Geschenk an die Leser gewesen, genaues weiß ich aber nicht. Die Schallfolie ist eine dünne Folie, die auf eine Single gelegt wurden musste. Allerdings wurde sie anders als die normale Single nicht mit 45 Umdrehungen pro Minute abgespielt, sondern mit 33.5.

Bei den Aufnahmen handelt es sich um einen Querschnitt des damals neuen ELP-Albums Brain Salad Surgery. Der Titel stammt übrigens nicht wie viele vermuteten von Pete Sinfield sondern aus dem Lied „Right Place, Wrong Time“ des genialen Voodoo-Sängers Dr. John.

Die Soundqualität der Schallfolie ist schauderhaft, vor allem nach heutigen Maßstäben gemessen. Aber die Idee hat mir gefallen. Es war lange vor aufgeklebter Heft-CD oder passwortgeschütztem Download-Bereich eine nette und preiswerte Art der Kundenbindung. Das Label war übrigens Manticore. Das war das eigene Label der drei Musiker, das zu Brain Salad Surgery gegründet wurde. Alle künftigen und auch die vorigen ELP-Platten erschienen dann bei Manticore.

Die Schallfolie war in ein schönes Cover gelegt. Es handelt sich um eine verkleinerte Kopie des Plattencovers der damaligen Zeit. Zwei Bilder von H.R. Giger sind darauf zu sehen. In den späteren Ausgaben der Schallplatte zierten die Fotos die Vorder- und Rückseite der Schallplatte. In der ersten Ausgabe war es noch ein Klappcover, eben wie diese Single. Die Rückseite war violett mit dem Schriftzug Brain Salad Surgery.

Das aufgeklappte Cover.

Das aufgeklappte Cover.

Der Buchladen wird sterben

10. Oktober 2012
Digitale Lesegeräte auf der Buchmesse. Foto: Bernd Hartung

Digitale Lesegeräte auf der Buchmesse. Foto: Bernd Hartung

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels betreibt Lobbyarbeit und hält an alten Zöpfen fest. Seinen Mitgliedern streut er Sand in die Augen. Anstelle seine Mitglieder auf die neue Zeit vorzubereiten, hat sich der Verband den Erhalt der bestehenden Strukturen auf seine Fahnen geschrieben. Diesen Eindruck bekam ich bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Gottfried Honnefelder, seines Zeichens Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagte: „Der unabhängige Buchhandel ist mehr als nur ein Vertriebsweg, denn Literatur entsteht in Wechselwirkung mit der Kultur ihrer Verbreitung“, so Honnefelder. „Eine Bildungsnation braucht den stationären Buchhandel.“

Hallo Herr Honnefelder, die Bildungsnation hat längst entschieden! Ich sage: Der Buchhandel über die Form des traditionellen Buchladens an der Ecke wird sterben. Die Bildungsnation hat auch den Schallplatten- und CD-Laden sterben lassen. Musik gehört auch zur Bildung, zur Kultur und siehe da, trotz Sterben des Schallplatten- und CD-Laden gibt es weiterhin Musik. Diese Kulturform ist ins Netz gewandert und hat sich geändert. Ich bestelle meine Musik entweder als CD bei Amazon und Co oder lade sie bei Amazon oder iTunes. Und genauso wird es den Büchern ergehen. Ich kaufe entweder die Papiervariante oder lese ein eBook über Onlineshops.

Und gleich geht das große Wehklagen los: Untergang des Abendlandes und so. Erinnern Sie sich bitte. Wenn jemand in den achtziger Jahren gesagt hätte, dass Plattenläden sterben würden, dann wäre er ausgelacht worden. Schallplatten haben Millionenumsätze generiert – Michael Jacksons Thriller war eines der meist verkauftesten Alben. Und heute? Die Musikindustrie musste sich den Gegebenheiten anpassen. Napster war eine Kriegserklärung, die legalen Geschäfte kamen mit iTunes und Amazon. Musik wird aus dem Netz geladen. Aber nicht mehr die Musikindustrie hat den Daumen drauf, sondern neue Player sind aufgetaucht.

Warum ich welches Album kaufen soll, sagt mir auch das Netz. Empfehlungsmarketing von meinen Freunden funktioniert. Wenn mir Gleichgesinnte sagen, dass neue Dylan-Album sei hervorragend, dann brauche ich keinen Musikkritiker oder einen Plattenhändler mehr. Soziale Netzwerke helfen mir den Überblick zu bewahren, was neues am Markt erschienen ist. Wie sagte ein amerikanischer Student: Wenn die Nachricht wichtig für mich ist, wird sie einen Weg zu mir finden, egal über welchen Kanal. So sieht doch die Realität aus.

Und immer höre ich: Mein Buchhändler berät mich doch so gut, dann antworte ich: Er ist Händler und seine Aufgabe ist es zu verkaufen. Wenn er 20 Minuten mir ein Buch schmackhaft macht, ist das wunderbar, als Verkäufer ist er allerdings nicht zu gebrauchen, denn der Ladenbesitzer muss Miete zahlen. Empfehlungsmarketing im Buchbereich ist noch sensibler als bei Musik. Ich muss noch mehr Vertrauen zu meinen Freunden haben, denn ich zum Lesen brauche ich deutlich mehr Zeit als zum Anhören einer CD.

Und die Buchläden vor Ort schließen schon jetzt: Gottfried Honnefelder weiß es doch genau. In Essen warf Thalia hin. Seit der Einweihung des Baedeker-Hauses vor 84 Jahren war hier nie etwas anderes als eine Buchhandlung. Am 15. Oktober ist Schluss damit. Das Stammhaus von Heinrich Hugendubel in München am Literaturhaus, das seit 1893 Bestand hatte, ist geschlossen. Die Mayersche Buchhandlung in Köln in der Schildergasse schließt und wird wohl – ironisch – einem Apple Retail Store weichen.

Der Buchvertrieb über stationäre Buchläden geht zurück und wird bis auf wenige Läden nicht mehr existieren. Ich sage voraus, dass der Siegeszug von eBooks gerade erst begonnen hat. Nach Aussage der Bitkom lesen derzeit elf Prozent aller Bundesbürger E-Books. Rund ein Viertel (23 Prozent) aller Bundesbürger lesen elektronische Publikationen (Zeitungen, Comcis, Bücher, auf Tablets, E-Readern oder Smartphones.

Ich glaube aber auch, dass es weiter Bücher geben wird, allerdings in anderen Editionen. Ich kaufe mir weiterhin schön aufgemachte Editionen, liebevoll gestaltete Exemplare. Das Taschenbuch oder das gebundene Buch mit nur Text, dies kann ich digital genauso lesen. Bei der Musik kaufe ich das Album oder den Song digital, aber Special Editions mit DVD, Booklets und Konzertkarten oder hochwertigen Drucken, erwerbe ich analog. Diese Chance sehe ich auch für Bücher. Einen edlen Bildband erwerbe ich lieber analog, aber das geht auch über Onlineshops. Also lieber Herr Gottfried Honnefelder bereiten Sie bitte die Branche auf die Zeitenwende vor.

Musiktipp: Richard Wahnfried: Tonwelle

8. April 2012

Es gibt Musik, die einfach Geschichte gemacht hat und selbst eine tolle Geschichte ist. Im Moment bin ich wieder auf meinem Klaus Schulze Tripp und ich habe dabei sein Projekt Richard Wahnfried wieder entdeckt. Wer auf elektronische Musik steht und die Tonwelle nicht kennt, der steht nicht auf elektronische Musik – so einfach ist das. Ich liebe Richard Wahnfrieds Tonwelle.

Dabei will ich nicht die alte Aufnahme hier in dem Mittelpunkt stellen, sondern die Neuauflage. Tonwelle war 1981 das zweite Richard Wahnfried-Album von Klaus Schulze mit interessanter Besetzung: Mit Gitarrist Manuel Göttsching arbeitete er erstmals seit seinem Ausstieg aus Ash Ra Tempel wieder zusammen. Den Gesang steuerte Michael Garvens bei und für den Beat sorgte der Santana-Drummer Michael Shrieve.

Die Tonwelle hatte bei uns eine nette Geschichte. Was aber bei uns als Jugendliche in den achtziger Jahren immer für Streit sorgte: In welcher Geschwindigkeit läuft die Platte? Natürlich spielte ich sie in 33 Umdrehungen pro Minute ab, schließlich war es eine Langspielplatte und die gehören in 33 abgespielt. Aber einmal haben wir vergessen, die Geschwindigkeit beim Single-Hören umzustellen und die Tonwelle spielte auf 45 Umdrehungen pro Minute. Das war der Hammer! Die Musik hatte eine Power – unglaublich. Es waren nur die beiden Stücke Schwung und Druck.

Und bei der Wiederveröffentlichung der CD sorgte Schulze für eine Überraschung. Er brachte ein Doppelalbum der Tonwelle heraus, eine CD in 33, die andere CD in 45. Das ist Kunst auf hohem Niveau. Schulze sagt selbst: „Ich habe die Aufnahmen zum ersten Mal nach 30 Jahre wieder gehört und finde die Aufnahme im langsameren Tempo sehr viel besser, obwohl ‚Schwung‘ und ‚Druck‘ nicht mehr so ganz passen. Aber wenn man die Titel auch noch verändern würde, würde es nur noch zu mehr Verwirrungen führen. Ich bin mir sicher, dass diese neuen Versionen den alten und neuen Fans gefallen werden.“

Der Schulze ist ein Schlitzohr und hat sich mal wieder seinen Platz in der Musikgeschichte gesichert. Natürlich geht der Streit unter den Hardcore-Fans los, schließlich heißt die Neuveröffentlichung: Richard Wahnfrieds Tonwelle und der Künstler Klaus Schulze. Es ist nicht Richard Wahnfried: Tonwelle – ein kleiner, aber feiner Unterschied. Mir ist es egal. Ich bin froh, dass ich meine LP nun ausmustern kann und laut, aber ganz laut den Klangteppich des Herrn Schulze auf CD lauschen kann.

Das Ende der Kompaktkassette

20. Juli 2010

Ich weine der Audio-Kassette keine Träne nach. Vor kurzem habe ich gelesen, dass die Produktion der Audio-Kassette eingestellt wurde – zumindest in Niedersachsen bei Pallas. Die Kompaktkassette gehört damit der analogen Vergangenheit an. Aus, Schluss, Ende, vorbei. MP3 oder optische Datenträger haben die Kassette gekillt. Hier haben wir zum Beispiel die Sony C-90 HF Audiokassetten (90min) 5er Pack

Ich erinnere mich vor allem an Bandsalat, wenn das Band mal wieder gerissen ist. Mit einem Bleistift oder Kugelschreiber im Transporträdchen wollte ich das Band aufwickeln. Meist vergebens, gleich wegwerfen wäre besser gewesen. Was gab es nicht alles: Chrome, Eisen/Ferro oder ganz teuer Metallbänder. Meine erste Schneider-Kompaktanlage – das Geld dafür bekam ich von meiner Konfirmation – hatte nur eine Taste Chrom an/aus. Den Genuss von Reineisenbändern hatte ich nie bei meinen Kassetten. Später kamen Kassettendecks von JVC hinzu. Vor allem ein Doppeltape-Deck hatte es mir angetan – zum Kassettenkopieren. Theoretisch, denn praktisch habe ich es meiner Erinnerung nach nur einmal gemacht. Es war bei Queen: Flash – auch eine schreckliche Aufnahme. Ich habe in der Regel Kopien von meinen Schallplatten auf Kassette gezogen, um Mucke fürs Auto zu haben. Im Handschuhfach flogen die Dinger durch die Gegend. Aufnahmen vom Radio mochte ich nicht, denn die DJs quatschten oftmals in den Song oder blendeten ihn zu früh aus. Ganz schlimm waren auf Bayern 3 die Verkehrsdurchsagen, die mitten in einen Song platzen. Ich hab noch eine Beatles-Aufnahme mit einer Stauwarnmeldung vor Marktheidenfeld.

Damit ist jetzt Schluss. Ich habe nie bespielte Audiomusikkassetten gekauft und auch als Kind waren mir Märchenkassetten ein Ekel. Ich wollte Vinyl und hab davon zum Leidwesen meiner Frau noch Tonnen im Keller. Während ich Kassetten sofort wegwarf, hüte ich LPs wie meinen Augapfel. Auch meinen Kindern bleiben Kassetten erspart. Sie setzen gleich auf MP3 und den iPod. Ich habe sogar noch einen 10er Pack Audiokassetten im Keller gefunden. Originalverpackt von TDK, Chrome – ich werde sie entsorgen.

Ippen weckt Ängste

17. März 2009

Der Münchner Merkur ist eine konservative Heimatzeitung in Oberbayern, die ihre Auflage vor allem in den Landkreisen um München macht. Verleger dieser Zeitung ist Dirk Ippen, ein Verleger aus Westfalen, der den Merkur von einem verschlafenen Blatt nach vorne gebracht hat. „Tippen für Ippen“ hieß es immer wieder unter Journalistenkreisen. Der Herr Verleger hat auch eine Kolumne in der Zeitung, die er früher auch im Web publizierte. In seiner jüngsten Samstagskolumne setzt sich Ippen mit einer schönen, neuen Welt ohne Bücher auseinander. Er betrauert eine Welt ohne Papierbücher, die durch Amazons Kindle und Sony E-Book-Reader entstehen wird. Man könne künftig keine Fragen beantworten in der Art: Welche drei Bücher nehme ich auf eine einsame Insel mit.

Ippen ist geschickt und appelliert an die Ängste seines älteren Zielpublikums, das eine Welt ohne Bücher auf sich zukommen sieht, nach dem Motto: Früher war alles besser. Sicherlich, der Zeitungsmann Ippen muss so argumentieren, denn auch eine Zeitung ist im modernen Zeitalter in Gefahr. Die Kosten laufen davon, denn Werbeeinnahmen gehen zurück: Der Ippen-Konzern hat den Weg Richtung neuer Medien besser in Angriff genommen als so mancher andere verschlafene Zeitungsverlag. Trauer.de und andere Plattformen sind dazu Beispiele. Daher muss Ippen in seiner Kolumne kein falsches Spiel führen und Ängste wecken. Das hat er eigentlich nicht nötig.

Er weiß, dann kein Medium ein anderes komplett ersetzt hat: Theater gibt es trotz Kino weiterhin, Kino weiterhin trotz DVD. Das Trägermedium wechselt, heiß es Schellack, Schallplatte, CD oder mp3 – die Musik bleibt die gleiche. Genauso ist es mit der Information. Nachrichten will der Leser, sei es in dem Flugblatt des Mittelalters, der Zeitung oder der Website. Das gilt für Bücher ebenso. eBooks werden das gedruckte Buch nicht ersetzen, aber der Vertrieb von Büchern wird sich ändern.

Auch Ippen muss den Klassiker (als Buch) kennen von Nikolas Negroponte: Total digital. Darin beschreibt der ehemalige Leiter des MIT, dass alles was digital vertrieben wird, auch künftig so vertrieben wird. Ich habe dazu bereits gebloggt. Und Ippen wäre kein guter Geschäftsmann (was er zweifelsohne ist), wenn er nicht nach neuen preiswerteren Distributionswegen sucht. Also lieber Dr. Ippen, vielleicht weniger zurückschauen, also vielmehr nach vorne und nehmen Sie hier Ihre älteren Leser auf die spannende Reise mit. 

„Sound“ schließt zum Jahresende

23. Dezember 2008

Der Schallplattenladen meiner Jugend schließt zum Jahresende. Meine Frau hat mir eben aus der Lokalzeitung vom Münchner Merkur vorgelesen, dass der SoundMusic Store in Fürstenfeldbruck zum Jahresende schließen wird. Inhaber Rudi „Sound“ Hasmiller packt CDs und LPs zusammen und schließt nach 33 Jahren sein Geschäft. Schade, aber konsequent. Das Geschäft bestand seit 1976.

Für meine Heimatstadt war der Rudi immer eine Institution in Sachen Rockmusik. Als junger Mensch verbrachte ich grundsätzlich den Samstag Vormittag im Geschäft von Rudi in der Ledererstraße. Ich hörte Platten, später CDs und habe auch immer einen Kaufabschluss getätigt. Mit dem Fahrrad bin ich immer unterwegs gewesen, immer bedacht, dass Plattencover nicht in die Speichen des Radls zu bekommen. Meinen Freund Roland ist dies mal passiert. Das Cover zerriss, die Schallplatte im Inneren zerbrach, als es Roland der Länge nach hinstreckte. Kulanz von Rudi: Er tauschte die kaputte Platte anstandslos um. Dies war das beste Kundenbindungsprogramm des Jahres. In Windeseile sprach sich diese Tat unter uns Jugendlichen herum und Rudi war unser Held. Der zweite Schallplattenladen, „die Schallplatte“, wurde künftig von uns links liegen gelassen. Wir gingen alle zum Rudi Sound.

Die Schaufenster des Ladens mit großen Plakaten verklebt, im Inneren lief meist schwerer Hardrock der 70er: Deep Purple, Rainbow, Whitesnake. Rudi war ein Experte und gab klare Empfehlungen. Man konnte die ausgewählte Musik über verschiedene Kopfhörer anhören und anschließend mit Musikexperten im Raum philosophieren.

Ich erinnere mich, dass ich aus London einmal eine Schallplatte von Emerson, Lake & Powell mitbrachte. Es war eine Nachfolgeformation von Emerson, Lake & Palmer, nur eben Carl Palmer wurde durch Cozy Powell ausgetauscht. Diese Platte war in Deutschland nicht erschienen, warum weiß ich nicht. Rudi war von der Information begeistert und ich sollte sie mitbringen. Wir hören sie den ganzen Vormittag in seinem Laden und er bestellte sie über einen Schallplattenimport, nur dass er sie auch im Laden führen konnte. Cool. Ich glaube, die Schallplatte steht bei ihm heute noch im Regal zum Verkauf. 

Otto, bitte lass es sein

28. November 2008

Ich sitze gerade vor dem Rechner, um etwas zu arbeiten, da läuft auf SuperRTL die alte Show „Hilfe, Otto kommt“. Es ist eine Aufzeichnung von 1983. Ich habe auf eine Aufzeichnung bei YouTube gefunden. Warum habe ich damals in den achtziger Jahren eigentlich so über Otto Waalkes gelacht? Wahrscheinlich haben es mir als Teenager die Sparwitze wirklich etwas gegeben. Ich erinnere mich, dass ich mir die Schallplatten von Otto total gerne reingezogen habe und auch bei „Hilfe, Otto kommt“ konnte ich so gut wie jeden Witz mitsprechen. Ich hatte damals wirklich über Hänsel-und-Gretel-Interpretation im Gewand der Musik der Neuen Deutschen Welle gelacht. Heute verziehe ich keine Miene, muss aber das exzellente Gitarrenspiel des Komikers loben. Komisch, was das Gehirn so alles speichert. Von Chemie, Mathe und Physik aus dieser Zeit weiß ich nix mehr, aber üble Otto-Herrenwitze und Ottifanten sind mir präsent.

Ich habe die Schallplatten und Bücher verschlungen und auch der erste Kino-Film war okay. Dann wurde Otto mir zu simpel. Richtig bergab ging es mit dem Film „Otto, der Außerfriesische“ von 1989 und eine Zumutung war für mich der Schinken aus dem Jahr 2004 „7 Zwerge – Männer allein im Wald“ . Aber sieben Millionen Zuschauer können wohl nicht irren und gingen in den deutschen Kinos. Mir war es zu blöd. Mit 60 ging Otto nochmals auf Tour „Otto – das Original“. Lieber Otto, nimm es mir nicht übel: Ich bleib lieber zu Hause und höre meine alten Otto-Platten an, versprochen.