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Zwischen Trödel und Erinnerungen – mein Morgen auf dem großen Flohmarkt von Brüssel

15. September 2026

Ich liebe Flohmärkte. Vielleicht deshalb, weil man nie weiß, was einen erwartet. Es ist ein bisschen wie eine Reise ohne Fahrplan: Man beginnt zu suchen, obwohl man eigentlich gar nicht weiß, wonach. Und manchmal findet man etwas, das man überhaupt nicht gesucht hat. Genau dieses Gefühl hatte ich auf dem großen Flohmarkt am Place du Jeu de Balle im Brüsseler Marollenviertel. Ich habe dieses Mal nichts gekauft, aber sehr viel entdeckt.

Schon beim Betreten des Platzes wurde mir klar: Das hier ist kein sauber durchorganisierter Antiquitätenmarkt, auf dem kostbare Stücke sorgsam ausgeleuchtet hinter Glas präsentiert werden. Hier herrscht das wunderbare Chaos. Kisten stehen auf dem Boden, Gegenstände liegen auf Decken und Tischen, Möbel warten auf neue Besitzer. Dazwischen Händler, Sammler, Touristen, Neugierige und Menschen, die offenbar ganz genau wissen, wonach sie suchen. Ich gehörte eher zur letzten Kategorie – nur ohne zu wissen, was ich suchte. Von einer Freundin bekam ich den Tipp, diesen Flohmarkt zu besuchen.

Hier liegt die Vergangenheit auf dem Pflaster
Ich begann zu stöbern. Alte Bücher auf Französisch, ein paar Schallplatten, viele Gläser, Porzellan, Schmuck, Kameras, Besteck, Bilder, Spielzeug, Uhren, Postkarten und Fotografien. Die Vielfalt war enorm, aber bei mir funkte es nicht. Zum einen scheute ich die Verhandlungen auf Französisch, zum anderen war im Koffer eigentlich kein Platz mehr. Aber schauen kostet ja nichts. Dazwischen immer wieder Dinge, deren Funktion sich mir nicht auf Anhieb erschloss.

Besonders alte Fotografien ziehen mich magisch an. Fremde Menschen schauen darauf in die Kamera, ernst oder lachend, elegant gekleidet oder mitten im Alltag. Irgendwann war dieses Foto für jemanden wichtig. Es stand vielleicht auf einem Schreibtisch oder lag Jahrzehnte in einem Familienalbum. Jetzt liegt es für ein paar Euro auf einem Brüsseler Flohmarkt. Wer waren diese Menschen? Was wurde aus ihnen? Wer hat das Foto aufgenommen? Natürlich bekomme ich darauf keine Antwort. Aber vielleicht braucht es die auch gar nicht.

Während ich zwischen den Ständen unterwegs war, merkte ich wieder, warum mich Flohmärkte faszinieren. Jeder Gegenstand besitzt eine Vergangenheit. Manches ist aber auch einfach nur Müll.
Eine alte Tasse ist eben nicht nur eine alte Tasse. Vielleicht stand sie jeden Morgen auf demselben Küchentisch. Eine Schallplatte wurde möglicherweise hundertmal aufgelegt, bis jede Note vertraut war. Mit einem alten Spielzeugauto hat vielleicht ein Kind stundenlang auf dem Wohnzimmerboden gespielt. Ich habe ein paar interessante französisches Platten mit Chansons entdeckt, aber aufgrund des Transportproblems die Scheiben nicht gekauft.

Vielleicht hätte ich die eine oder andere Postkarte gekauft, aber dann setzte der Verstand ein. Was soll ich damit? Aber die Geschichten dahinter sind interessant. Postkarten haben oft eine Reise hinter sich und können eine Geschichte erzählen. Jemand hat sie ausgesucht, ein paar persönliche Worte geschrieben, eine Briefmarke aufgeklebt und sie einem Menschen geschickt, an den er gerade dachte. Heute landet sie in einer Kiste auf dem Place du Jeu de Balle. Ich finde solche Gedanken wunderbar, eine Recherche-Arbeit für einen Geschichtenerzähler.

Der Flohmarkt gehört zu den Marollen, einem der charaktervollsten Viertel Brüssels. Hier begegnet mir eine andere Stadt als auf dem prachtvollen Grand-Place oder in den eleganten Galeries Royales Saint-Hubert. Das Brüssel der Marollen ist rauer, lebendiger und weniger herausgeputzt. Es sind aber auch viele Taschendiebe unterwegs, also nicht allzu offen umherschreiten und Taschen eng am Körper tragen.

Das Schönste an diesem Flohmarkt ist für mich der Zufall. Im Internet finde ich heute innerhalb weniger Sekunden fast alles. Ich gebe einen Begriff ein und bekomme tausende Treffer. Algorithmen schlagen mir anschließend noch vor, was mir ebenfalls gefallen könnte. Auf dem Flohmarkt funktioniert die Welt anders. Hier muss ich schauen, genau hinschauen und ich muss aber auch den finanziellen Wert einer Ware einschätzen können.
Ich muss eine Kiste durchwühlen, mich bücken, einen Gegenstand umdrehen und manchmal erst den Staub wegwischen. Kein Algorithmus hätte es mir vorgeschlagen.
Klar ist: Auf diesem Markt gibt es jede Menge Krempel. Dinge, die ich nicht einmal geschenkt haben möchte. Kuriositäten, bei denen ich mich frage, warum sie überhaupt jemand aufgehoben hat. Aber genau das gehört dazu. Denn wer entscheidet eigentlich, was wertvoll ist?
Ein Gegenstand kann objektiv nahezu wertlos sein und trotzdem einen ungeheuren persönlichen Wert besitzen. So geht es mir oft. Vielleicht erinnert er mich an meine Kindheit, an meine Großeltern, an eine frühere Reise oder an eine längst verschwundene Welt. Dann wird aus Krempel plötzlich ein Schatz.

Während ich weiter über den Markt ging, kam mir noch ein anderer Gedanke. Wir werfen unglaublich viel weg. Geräte werden ersetzt, obwohl sie noch funktionieren. Möbel verschwinden, weil sie nicht mehr modern sind. Bücher werden aussortiert, Schallplatten abgegeben, Geschirr entsorgt. Auf dem Flohmarkt bekommt all das eine zweite Chance. Das gefällt mir.

Der Flohmarkt auf dem Place du Jeu de Balle gehört für mich zu jenen Orten, an denen man Brüssel besonders unmittelbar erleben kann. Nicht als perfekt inszenierte europäische Hauptstadt, sondern als lebendige Stadt voller Menschen, Erinnerungen und Geschichten. Ich verlasse solche Märkte immer mit dem Gefühl, ein wenig durch die Zeit gereist zu sein.

Konzertkritik: B-52s in der Berliner Zitadelle

7. Juli 2026

Mitte der 80er Jahre des vergangene Jahrhunderts machte mich mein Schulfreund Robert auf eine Band aufmerksam, die ich vom Namen her in ein anderes Genre verordnet hätte B-52s. Es war ein Bomber, obwohl die schrille Musik eingeschlagen hatte, wie eine Bombe. Die B-52s klangen wie eine wilde Party aus den 80ern: New Wave und Post-Punk mit knalligen Surf-Gitarren, treibenden Synthesizern und vor allem den unverwechselbaren Doppelstimmen von Kate Pierson und Cindy Wilson – mal schrill, mal sinnlich, immer exzentrisch.


Dazu kommen absurde, spielerische Texte voller Kitsch, Sci-Fi und Camp-Humor. Der Sound ist tanzbar, energiegeladen und hat diesen unnachahmlichen Retro-Futurismus: gleichzeitig altmodisch und total eigen. Songs wie Rock Lobster oder Love Shack sind Paradebeispiele – laut, schräg und unwiderstehlich.


Jetzt habe ich die Band in der Berliner Zitadelle wieder gesehen und es war ein Erlebnis. Es war einer dieser Sommerabende, an denen die Luft so schwer und warm ist, dass man das Gefühl hat, die Zeit stehe still. Die Zitadelle Spandau, dieses monumental schlafende Gemäuer aus dem 16. Jahrhundert, hatte sich für eine Nacht in etwas Leichteres verwandelt – in einen Ort der reinen, schreienden Lebensfreude. Und dann kamen die B-52s.
Drei alte Leute Fred Schneider, Kate Pierson und Cindy Wilson betraten die Bühne, und irgendetwas in der Brust – tief drin, da wo man Dinge aufbewahrt, die man nie ganz erklären kann – zog sich zusammen. Nicht vor Trauer. Vor Wiedererkennung. Und die Stimme der 78jährigen von Kate Pierson war noch immer ein Hammer.


Schon bei den ersten unverkennbaren Riffs von „Planet Claire“ lag eine beinahe greifbare Elektrizität in der Abendluft. Die Band schaffte es ab der ersten Sekunde, diese ganz besondere, bittersüße Melancholie des Abschieds mit einer puren, unbändigen Lebensfreude zu verschmelzen. Es war unmöglich, sich dem hypnotischen Groove und dem einzigartigen, perfekt gealterten Gesangsharmonien zu entziehen. Als dann die ikonischen Klänge von „Love Shack“ und schließlich das ekstatische „Rock Lobster“ durch die alten Gemäuer der Zitadelle hallten, gab es kein Halten mehr: Wildfremde Menschen lagen sich tanzend in den Armen, schrien sich die Kehle aus dem Leib und feierten das Leben, die Musik und diese unvergängliche Band. Es war kein bloßes Konzert – es war eine emotionale Zeitreise, ein farbenfrohes Fest der Nostalgie, das uns mit glücklichen Tränen in den Augen und einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit in die Berliner Nacht entließ

Für Einsteiger empfehlenswert ist für mich das Album B52

Zurück in die Zukunft – heute kommt der DeLorean DMC-12 zu uns

21. Oktober 2015

Bitte haltet heute Ausschau nach einem DeLorean DMC-12.

Bitte haltet heute Ausschau nach einem DeLorean DMC-12.

Schaut heute Abend hinaus in die Nacht. Vielleicht seht ihr den silbernen DeLorean DMC-12. Heute ist es schließlich soweit:
Am 26. Oktober 1985 brach Marty McFly samt Jennifer Parker und Emmett Brown ins Heute auf. Am heutigen 21. Oktober 2015 um 19 Uhr kommen sie in der Gegenwart an. Also bitte ich euch, genau um diese Uhrzeit nach einem DeLorean Ausschau zu halten. Und es muss nicht die Straße sein, sondern dieser DeLorean kann auch fliegen. Der Spaß dauert nur ein paar Stunden. Um 19:28 Uhr bricht das Team wieder in die Vergangenheit auf. Um 21 Uhr landen sie am 26. Oktober 1985.


Die ganze Sache kommt aus dem Filmklassiker Zurück in die Zukunft . Geschichte über Zeitreisen gab es schon immer, aber selten waren sie so nett verpackt, wie in Back to the Future. Damals im Kino habe ich mich herzlich amüsiert und mit meinen Kindern schaue ich die drei Teile von Robert Zemeckis gerne an. Der Teil 1 stammt aus dem Jahr 1985 und ich war noch Schüler. Ich genoss die Erfindungen des Fluxkompensator und ich hing meinen Träumen nach. Ausführlicher werde ich mich mit den Filmen am 26. Oktober in diesem Blog beschäftigten. Dann startet Marty McFly zum Datum 5. November 1955. Und wir wissen ja alle, was dann passiert … Inzwischen baue ich an meinem DeLorean aus Lego 21103 .

Lego21103

DeLorean DMC-12 – Traumauto aus dem Kino auf der IHM

16. März 2015

Ein DeLorean DMC-12 auf der IHM 2015.

Ein DeLorean DMC-12 auf der IHM 2015.

Für viele, unter anderem auch mich, ist der DeLorean DMC-12 ein Traumwagen. Zum ersten Mal habe ich das Automobil in dem wunderbaren Streifen Zurück in die Zukunft gesehen. Ausgestattet mit dem von Dr. „Doc“ Emmett L. Brown erfundenen Fluxkompensator (richtig übersetzt Flusskondensator da englisch flux capacitor) konnte man mit dem DeLorean Zeitreisen unternehmen. Mit 140 km/h (88 mph) sorgte der Fluxkompensator dafür, dass der wegen der DeLorean mit seiner Edelstahl verkleideten Karosserie durch die Zeit reisen konnte. Der Film hatte einige Wahnsinn gute Gags, und wahnsinnig gute Einfälle. Und er hatte eben einen wahnsinnig coolen Wagen, den DeLorean DMC-12. Das Auto selbst war wohl ein Flop, aber es hat im Herzen der Filmfreunde immer einen Platz.


Das erste Mal live habe ich den DeLorean DMC-12 auf einer Veranstaltung in San Francisco gesehen. Dort stand im Gamesbereich auf der MacWorld Expo das umgebaute Fahrzeug zum Anschauen. Anfassen, oder gar einsteigen war strengstens verboten. Laut Wikipedia gibt es von den 8583 gebauten Exemplaren gibt es weltweit noch rund 4000.
Jetzt vor kurzem habe ich wieder eine Variation des Autos entdeckt, auf der Internationalen Handwerksmesse in München. Die Messe selbst war relativ langweilig. Nicht im Kfz-Bereich, sondern in der Gartenausstellung wurde ich fündig. Im Gartenbereich hatte ein Landschaftsgärtner das Fahrzeug ausgestellt. Und das war ein absoluter Hingucker. Vor allen Messebesucher um die 40 gingen um den Wagen herum und diskutierten über ihre Jugenderinnerungen. Als sie damals Zurück in die Zukunft mit Michael J. Fox gesehen hatten. Hier zeigte sich einmal wieder, wie sehr Filmmotive sich in das kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft entbrennen. Der DeLorean DMC-12 war so ein Filmmotiv. Ganze Generationen von Kinobesuchern träumten von diesem Auto. Leider bin ich noch nie einen DeLorean DMC-12 gefahren, geschweige denn durch die Zeit gereist. Das hat auch die Internationale Handwerksmesse IHM nicht geändert.