Mitte der 80er Jahre des vergangene Jahrhunderts machte mich mein Schulfreund Robert auf eine Band aufmerksam, die ich vom Namen her in ein anderes Genre verordnet hätte B-52s. Es war ein Bomber, obwohl die schrille Musik eingeschlagen hatte, wie eine Bombe. Die B-52s klangen wie eine wilde Party aus den 80ern: New Wave und Post-Punk mit knalligen Surf-Gitarren, treibenden Synthesizern und vor allem den unverwechselbaren Doppelstimmen von Kate Pierson und Cindy Wilson – mal schrill, mal sinnlich, immer exzentrisch.

Dazu kommen absurde, spielerische Texte voller Kitsch, Sci-Fi und Camp-Humor. Der Sound ist tanzbar, energiegeladen und hat diesen unnachahmlichen Retro-Futurismus: gleichzeitig altmodisch und total eigen. Songs wie Rock Lobster oder Love Shack sind Paradebeispiele – laut, schräg und unwiderstehlich.
Jetzt habe ich die Band in der Berliner Zitadelle wieder gesehen und es war ein Erlebnis. Es war einer dieser Sommerabende, an denen die Luft so schwer und warm ist, dass man das Gefühl hat, die Zeit stehe still. Die Zitadelle Spandau, dieses monumental schlafende Gemäuer aus dem 16. Jahrhundert, hatte sich für eine Nacht in etwas Leichteres verwandelt – in einen Ort der reinen, schreienden Lebensfreude. Und dann kamen die B-52s.
Drei alte Leute Fred Schneider, Kate Pierson und Cindy Wilson betraten die Bühne, und irgendetwas in der Brust – tief drin, da wo man Dinge aufbewahrt, die man nie ganz erklären kann – zog sich zusammen. Nicht vor Trauer. Vor Wiedererkennung. Und die Stimme der 78jährigen von Kate Pierson war noch immer ein Hammer.

Schon bei den ersten unverkennbaren Riffs von „Planet Claire“ lag eine beinahe greifbare Elektrizität in der Abendluft. Die Band schaffte es ab der ersten Sekunde, diese ganz besondere, bittersüße Melancholie des Abschieds mit einer puren, unbändigen Lebensfreude zu verschmelzen. Es war unmöglich, sich dem hypnotischen Groove und dem einzigartigen, perfekt gealterten Gesangsharmonien zu entziehen. Als dann die ikonischen Klänge von „Love Shack“ und schließlich das ekstatische „Rock Lobster“ durch die alten Gemäuer der Zitadelle hallten, gab es kein Halten mehr: Wildfremde Menschen lagen sich tanzend in den Armen, schrien sich die Kehle aus dem Leib und feierten das Leben, die Musik und diese unvergängliche Band. Es war kein bloßes Konzert – es war eine emotionale Zeitreise, ein farbenfrohes Fest der Nostalgie, das uns mit glücklichen Tränen in den Augen und einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit in die Berliner Nacht entließ
Für Einsteiger empfehlenswert ist für mich das Album B52





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