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Estland (16): Kino auf dem Geburtsort einer Nazi-Größe

25. Januar 2025

Ich bin ein Kinofan und schaue mir in aller Welt gerne Kinos und Filmtheater an. So auch in Estland. Dort gab es Multiplex-Kinos wie bei uns und auch kleine Arthouse-Kinos. Und es gibt das Sõprus in Tallinn. Das Sõprus (Estnisch für „Freundschaft“) ist das Kino der Altstadt für Filmbegeisterte und zeigt die Filme aus dem internationalen Festivalgeschehen. Die Filme werden meist in der Originalsprache mit estnischen und/oder russischen Untertiteln gezeigt. Aber es ist auch ein Ort schwieriger Vergangenheit.

Das Cinema Sõprus wurde 1955 eröffnet und spiegelt die sowjetische Architektur und Ideologie jener Zeit wider. Der Name „Sõprus“, was auf Estnisch „Freundschaft“ bedeutet, ist ein Relikt aus der sowjetischen Ära und sollte die Idee der Freundschaft zwischen den sozialistischen Staaten symbolisieren.

Das Gebäude wurde im Stil des sozialistischen Klassizismus erbaut, einer Mischung aus monumentaler Architektur und dekorativen Elementen, die die sowjetische Macht und den kulturellen Anspruch der damaligen Zeit widerspiegeln sollten. Die prächtige Fassade mit ihren Säulen und dekorativen Details zeigt, dass das Kino als kulturelles Aushängeschild der Stadt dienen sollte. Es war eines der modernsten Kinos in Tallinn und ein wichtiger Treffpunkt für Filmfreunde.

Im Inneren verfügte das Kino über einen großen, luxuriös gestalteten Saal, der sowohl für Filmvorführungen als auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt wurde. Es war ein Ort, der nicht nur Filme präsentierte, sondern auch die sowjetische Kulturpolitik förderte, indem er vor allem Filme aus dem sozialistischen Block zeigte.

Wandel nach der Unabhängigkeit
Nach der Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit im Jahr 1991 erlebte das Cinema Sõprus, wie viele Institutionen aus der Sowjetzeit, einen Wandel. Die Nutzung des Gebäudes veränderte sich, und es wurde zunehmend ein Ort für ein breiteres Publikum. Der Fokus verlagerte sich von der Propaganda hin zur Präsentation internationaler Filme, unabhängig von politischen Agenden.

Das Kino wurde restauriert, wobei der historische Charme des Gebäudes erhalten blieb. Es entwickelte sich zu einem Zentrum für Cineasten, das besondere Filme abseits des Mainstreams zeigt, darunter Arthouse-Produktionen, Retrospektiven und internationale Festivalhits.

Geburtsort von Alfred Rosenberg
Aber der Ort hat auch eine Vergangenheit des Nationalsozialismus. Der spezifische Standort des Cinema Sõprus, an der Kreuzung von Vana-Posti und Suur-Karja, war im frühen 20. Jahrhundert von Wohn- und Geschäftshäusern geprägt, die jedoch während des Zweiten Weltkriegs insbesondere durch die Bombardierungen im März 1944 stark beschädigt wurden. Viele dieser Gebäude wurden entweder im Krieg zerstört oder später während der sowjetischen Besatzung abgerissen, als Tallinns Stadtbild im Rahmen der sowjetischen Ideologie teilweise modernisiert wurde.

Dort stand auch das Geburtshaus von Alfred Rosenberg, einer der ideologischen Architekten des Nationalsozialismus. Er wuchs in der Nähe des heutigen Standorts des Cinema Sõprus in Tallinn auf. Rosenberg wurde am 12. Januar 1893 in Reval (dem heutigen Tallinn) geboren und verbrachte seine Kindheit in einem Haus in der Suur-Karja-Straße, die sich unweit des heutigen Kinos befindet.

Das Wohnhaus, in dem Rosenberg aufwuchs, stand in einem Viertel, das damals von der deutschbaltischen Oberschicht geprägt war. Tallinn (damals Reval) war ein kulturelles Zentrum der Deutschbalten, und Rosenbergs Herkunft und Erziehung in dieser Gemeinschaft prägten seine späteren Überzeugungen und Ideologien.

Das Gebäude, in dem er aufwuchs, existiert heute nicht mehr, da viele Gebäude in der Umgebung während des Zweiten Weltkriegs beschädigt oder zerstört wurden. Der heutige Standort des Cinema Sõprus wurde nach dem Krieg neu bebaut, sodass keine sichtbaren Spuren von Rosenbergs früherem Wohnhaus mehr vorhanden sind.

Die Verbindung von Alfred Rosenberg mit Tallinn ist jedoch ein historischer Aspekt, der in der Stadt wenig thematisiert wird, da seine späteren Rollen und Ideologien in der nationalsozialistischen Bewegung von großer historischer Kontroverse geprägt sind.

Lesung der örtlichen Hobbygeschichtler Meisaha

17. Mai 2024

Ehrenamtlich engagierte ich mich zusammen mit anderen in einem Zusammenschluss von Geschichtsinteressierten zu unserer Wohnortgemeinde Maisach. Einmal im Jahr bringen wir im Advent die Publikation Meisaha heraus mit Artikeln zu historischen Themen über den Ort, ich darf dabei das Layout machen und auch Artikel beisteuern.

Und wir wollen als Hobbygeschichtler unsere Ergebnisse unters Volk bringen. Unsere Chefredakteurin Conny handelte mit der Gemeindebücherei eine Lesung aus, zu der 40 Interessierte erschienen. Ein großer Erfolg für eine kleine Gemeinde in Oberbayern.

Sieben Autoren, darunter auch ich, trugen ihre gekürzten Meisaha-Artikel vor und ernteten großen Applaus. Das Spektrum war enorm und bunt: Von der Frühgeschichte bis hin zur Geschichte mittelständischer Betriebe der Gegenwart.

Der eine oder andere Vortragende hatte geübt, um eine gute Show hinzubekommen. Vorgabe war, nicht länger als rund 10 Minuten. Eine Lesung war schon etwas ungewohnt für mich, einen bestehenden Text vorzutragen. Normalerweise spreche ich sehr viel freier bei meinen Vorträgen und Seminaren. Da war eine klassische Lesung schon eine andere Herausforderung. Einerseits den Text zu lesen, andererseits den Kontakt zu den Zuhörern aufrecht zu erhalten und nicht aus dem Fluss zu kommen. Obwohl wir alles Amateure sind, hat die Lesung sehr gut zu geklappt.

Einige lasen von ausgedruckten Texten vom Blatt, andere lasen direkt aus dem Meisaha-Heft vor und ich verwendete das iPad, um aufgrund meiner schlechten Augen die Schrift zu vergrößern. Meinen Artikel hatte ich vorher massiv gekürzt, damit ich die Zeitvorgaben in etwa einhalten kann. Zwei Vorträge habe ich mitgefilmt, um auch ein wenig Material für soziale Netzwerke zu haben. Es gibt eine Facebook-Seite von Meisaha. Die veraltete Website soll als nächstes Projekt angegangen werden.

Die Lesung
Unsere Chefredakteurin Conny Schader machte den Anfang und las die Historie der Firma Feicht in Maisach. Es ist eine traditionsreiche Schreinerei, die sich heute auf u.a. Küchen aus eigener Werkstatt spezialisiert hat.

Sehr viel persönlicher ging es bei Annemarie Karg zu. Sie berichtete von ihrer eigenen interessanten Familiengeschichte in Gernlinden, einem Ortsteil von Maisach. Ihr Artikel zeigte, wie schwer das damalige Leben war und welche Herausforderungen es zu bewältigen galt.

Einem Dauerthema im Ort widmete sich Helga Rueskäfer. Sie führte die Highlights der 80jährigen Geschichte des Maisacher Freibades aus, eines der schönsten Freibäder im Landkreis. Eine unendliche Geschichte war der Untertitel.

Über die Zeit der Befreiung von den Nationalsozialisten im Dorf berichtete Charly Muth. Anhand von zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen war sein Thema 1945: Der Einmarsch der amerikanischen Truppen und die ersten Wochen nach der Besetzung. Die Lesung zeigte, welcher Schrecken der Zweite Weltkrieg war, wie verblendet einige ihrem Führer nachhingen und wie sehr die Zivilbevölkerung litt.

Auf die Suche nach Erdöl in der Gemeinde machte sich Stefan Schader. Seine Lesung hieß Texas in Maisach oder die Suche nach Erdöl und Erdgasvorkommen auf dem Gebiet der Gemeinde Maisach in den 1950er bis 1970er Jahren. Interessant, was es so alles in einer so kleinen Gemeinde gab. Aus Maisach ist nie Dallas geworden.

Ich widmete mich einem emotionalen Thema Alberto – ein italienisches Herz in Maisach. Alberto war der Besitzer der örtlichen Eisdiele, der an Krebs verstarb. Seine Frau und Kinder führen die Eisdiele weiter. Das Schicksal von Alberto zeigte, wie sehr ein ganzer Ort an seiner Eisdiele und seinen Betreibern hin.

In die Vorzeit versetzte uns Fritz Aneder mit seinem Artikel über spektakuläre Gräberfunde in Gernlinden. Unter einer Küche wurden Gräber entdeckt, ein guter Stoff für einen Horrorfilm.
Smalltalk und Netzwerken war anschließend angesagt. Wir konnten noch ein paar Meisaha-Hefte unters Volk bringen.

Exemplare gibt es weiterhin in der Gemeinde zu erwerben. Und weil das Ganze so gut gelaufen ist, haben wir für 2025 auch gleich einen Termin zu einer Lesung in der Gemeindebücherei festgelegt. Jetzt geht es aber an das Schreiben der Artikel für das Meisaha-Heft 2024.

Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park

9. Mai 2024

In Erinnerung an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland findet in Russland die traditionelle Militärparade statt. Zu diesem Anlass marschieren jedes Jahr tausende Soldaten über den Roten Platz, begleitet von Panzern und Kampfjets. Wie schon in den Vorjahren steht die Parade im Zeichen des russischen Angriffs auf die Ukraine.

Der Kriegsverbrecher Putin vermischt hier zwei komplett unterschiedliche Ereignisse. Einmal den Sieg über den Faschismus 1945 und den verbrecherischen Überfall Russlands auf die Ukraine. Das gilt es strikt zu trennen.

Vor kurzem besuchte ich sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park. Es ist eine Gedenkstätte und zugleich Soldatenfriedhof im Treptower Park in Berlin. Für mich ist es ein beeindruckendes Denkmal, das an die gefallenen Soldaten der Roten Armee während des Zweiten Weltkriegs erinnert. Es wurde am 8. Mai 1949, dem vierten Jahrestag des Endes des Krieges, eingeweiht und ist eines der größten Kriegsdenkmäler in Deutschland.

Das Ehrenmal befindet sich auf einem ausgedehnten Gelände im Treptower Park, einem der größten Parks Berlins. Es erstreckt sich über eine Fläche von 100.000 Quadratmetern und bildet eine eindrucksvolle Kulisse für das zentrale Monument. Ich habe zwei VR 360 Videos aufgenommen, um die Dimension des Ortes einzufangen.

Das Zentrum des Ehrenmals ist eine imposante Statue eines sowjetischen Soldaten, der ein kleines deutsches Mädchen vor den Fängen des Faschismus befreit und dabei ein Hakenkreuz zertritt. Die Statue ist 12 Meter hoch und aus rotem Granit gefertigt. Sie steht auf einem massiven Podest, das mit Reliefs geschmückt ist, die Szenen aus dem Krieg und dem Sieg über den Nationalsozialismus darstellen.

Umgeben ist die Hauptstatue von weiteren Skulpturen, die verschiedene Aspekte des Krieges und des Sieges symbolisieren. Ein breiter Weg führt die Besucher durch das Gelände, vorbei an einer Reihe von Steinblöcken, die die Namen von über 7.000 sowjetischen Soldaten tragen, die hier begraben sind. Diese Soldaten starben während der Schlacht um Berlin im Frühjahr 1945. Über den Tod deutscher Soldaten und der deutschen Zivilbevölkerung, die durch Hitlers Verbrechen gestorben sind, ist an diesem Ort nichts zu finden. Hier ein klassisches Video vom Ehrenmal.

Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park ist nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch ein Ort der Reflexion und des Respekts. Und als ich mir diese monumentale Gelände ansah dachte ich über die aktuelle russische Invasion in der Ukraine nach. Putin bezeichnete die ukrainische Führung als Faschisten und rechtfertigt so den Einmarsch seiner Truppen als Befreiung vom Faschismus. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine ist ein Verbrechen.

Hitler Tagebücher komplett veröffentlicht

25. Februar 2023

Die braune Vergangenheit verkauft sich noch immer bestens. Kaum eine Woche in der Hitler und seine Mischpoke nicht durch die Gazetten getrieben werden oder dass eine mehr oder weniger marktschreierische Sendung in der Glotze läuft: Hitlers Hund, Hitlers Wohnung, Hitlers Autos. Das war so und es ist so. Die Faszination am absoluten Bösen ist allgegenwärtig.

Als Jugendlicher entsetzten mich die gefälschten Hitler-Tagebücher vom Stern und als junger Erwachsener blieb mir das Lachen im Halse bei Schtonk! von Helmut Dietl stecken. Als junger Journalist versuchte ich den Hype um diese Hitler Tagebücher zu verstehen. Wegweisend halte ich das Buch Der Skandal um die Hitler-Tagebücher von Michael Seufert.

Michael Seufert war zum Zeitpunkt des Skandals Redakteur beim STERN und kennt alle Beteiligten. Schonungslos und detailliert berichtet er, warum ausgerechnet im Fall Hitler-Tagebücher alle normalen Kontrollmechanismen beim Stern versagten. Dieses Buch ist die persönliche und spannende Aufarbeitung einer wahren Geschichte, die vor allem von Machtgelüsten, Geheimhaltungswahn und Karrieren, von Blindheit und der Gier nach dem großen Geld handelt.

Ausgezeichnet gemacht war die Podcast-Reihe Faking Hitler vom Stern. Aber ich war neugierig und wollte einmal gerne einen Blick in die Fälschungen werfen. Und nun ist es soweit: Nach 40 Jahren wurden die gefälschten Hitler-Tagebücher veröffentlicht. Der NDR veröffentlicht die gefälschten Hitler-Tagebücher von 1983 in einer kritischen Ausgabe mit wissenschaftlichen Kommentierungen des Historikers Professor Hajo Funke von der FU Berlin.

Dem NDR ist es gelungen, die kompletten 60 Bände der „Hitler-Tagebücher“ lesbar und auch recherchierbar zu machen. Mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz konnte die gefälschte Handschrift Hitlers in ein Transkript übersetzt werden. Damit wird erstmals in vollem Umfang deutlich, in welcher Absicht die Fälschungen verfasst wurden und wie der Stern bereit war, die NS-Geschichte neu zu deuten und zu verharmlosen. Diese sind unter ndr.de/hitlertagebuecher abrufbar. Die Suche ist hier zu finden.

Für den Historiker Prof. Hajo Funke von der FU Berlin, der für den NDR die „Tagebücher“ gelesen und das Projekt wissenschaftlich begleitet hat, ein klarer Akt von Geschichtsfälschung: „Diese Tagebücher sind Ausdruck von Holocaustleugnung. Das ist eindeutig. Sie wollten Hitler von den schlimmsten Verbrechen der Nazis freisprechen“, so Funke in einer Pressemitteilung des NDR. Die Historikerin Heike Görtemaker, die ebenfalls Teil des wissenschaftlichen Beirats war, unterstreicht die massive historische Umdeutung. „Der fiktive Hitler hat mit nationalsozialistischen Gewaltverbrechen nichts zu tun. Er ist sogar derjenige, der versucht, andere seiner Parteigenossen im Zaum zu halten“, so Görtemaker. „Kujau erfindet hier eine positive Hitlerfigur.“

Nach der Veröffentlichung im Netz verbrachte ich einen Tag mit dem Lesen des wirren Zeugs von Fälscher Konrad Kujau. Hitler wusste angeblich nichts vom Holocaust. Das ist die zentrale Erzählung der gefälschten „Hitler-Tagebücher“, die der NDR nach 40 Jahren zum ersten Mal vollständig auswerten konnte. Bislang heute liegen die Originalbände der „Tagebücher“ gesperrt im Safe bei Gruner + Jahr. Dem Projekt des NDR liegen Kopien der Tagebücher zugrunde.

An zahlreichen Stellen erzählt die Fälschung, die der Stern 1983 Zug um Zug als historische Wahrheit veröffentlichen wollte, wie sich ein vermeintlicher Hitler um eine wohlwollende Lösung für die Juden einsetzt. So schreibt der vermeintliche Hitler am 31. Juli 1941, man solle die Juden zur schnellen Auswanderung bewegen oder ihnen „einen sicheren Landstrich in den besetzten Gebieten suchen, wo sie sich selbst ernähren und verwalten können.“ Zu diesem Zeitpunkt war der Holocaust längst von den Nazis radikal entfesselt. Damit wird deutlich, was der Stern 1983 damit meinte, „die Geschichte des Dritten Reiches wird in großen Teilen neu geschrieben werden müssen.“

Wie böswillig die Tagebücher arbeiten, zeigt der Eintrag vom 20. Januar 1942, an dem die Wannsee-Konferenz stattfand, bei der die Deportation der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas zur Vernichtung organisiert wurde. Sogar an diesem Tag zeichnet der vermeintliche Hitler ein vollkommen verzerrtes Geschichtsbild: „Erwarte die Meldungen der Konferenz über die Judenfrage. Wir müssen unbedingt einen Platz im Osten finden, wo sich diese Juden selbst ernähren können.“ Diese historische Holocaustfälschung zieht sich in den Tagebüchern über viele Jahre. Hier Zitate vom NDR:

5.2.1942: „Hake nochmals nach, wo nur die ganzen Juden hin sollen. Glaube, darum soll ich mich auch noch kümmern.“
18.2.1942: „Was wird nur mit den Juden. Keiner will sie haben.“
21.5.1942: „Möchte nur wissen, wie weit Himmler mit dem Judenproblem ist.“
29.11.1942: „Wir kommen nicht weiter mit dem Judenproblem. Keiner will sie haben, selbst unbesiedeltes Gebiet stellt man uns für die Umsiedelung nicht zur Verfügung.“
23.5.1943: „Sorge macht mir unser Judenproblem. Nach den mir vorliegenden neuesten Meldungen will sie keiner haben.“
11.1.1945: „Nun sehe ich das ich mit den Juden viel zu human umgegangen bin.“

Mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz konnten die Fälschungen erstmals auch vollständig nach Schlagworten durchsucht werden. Dabei zeigt sich, dass alle Begriffe des Holocaust nicht vorkommen. Schlagwörter wie „Endlösung“, „Gaskammer“ oder Hinweise auf die Vernichtungslager Auschwitz, Sobibor, Majdanek oder Treblinka fehlen vollständig.

Doch wie ist die „Holocaust-Fälschung“ in die Tagebücher gekommen? Wie die neuen Recherchen belegen, war der Fälscher der „Hitler-Tagebücher“, Konrad Kujau, tiefer in ein neonazistisches Umfeld verstrickt als bislang bekannt. So hatte Kujau bis in die frühen 80er-Jahre hinein Kontakte zum Umfeld des Neonazi-Führers Michael Kühnen, der Leiter der später verbotenen Aktionsfront Nationaler Aktivisten (ANS) war. Kujau war offenbar eng verbunden mit dem Pressesprecher Kühnens, Lothar Zaulich, mit dem er gemeinsam in den 70er-Jahren Hitlerfälschungen verkaufte. So erstellte Zaulich Reproduktionen von Hitler-Portraits und brachte Kujau bei, wie man sie mit gefälschten Hitler-Unterschriften versieht.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelte gegen Zaulich von Oktober 1983 bis März 1984, weil er im Verdacht stand, Kujau bei der Herstellung und dem Verkauf seiner Fälschungen unterstützt zu haben. In den Verhören nach dem Stern-Skandal berichtete Zaulich, dass seine Zusammenarbeit mit Kujau mit einer Diskussion darüber begann, wie einfach es sei, historische Dokumente zu fälschen – Zaulichs Beispiel dafür war die angebliche „Vergasungslüge“ der Alliierten. Eine direkte Teilnahme Zaulichs an der Fälschung der „Hitler-Tagebücher“ konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Bei der Durchsuchung von Zaulichs Wohnung am 13. Oktober 1983 fand die Polizei allerdings weitere Hinweise auf eine enge Zusammenarbeit, etwa ein professionelles Fotolabor, eine Werkstatt zur Herstellung von Reproduktionen und Das Buch der NSDAP von 1934 mit „fertigen Bildelementen von bekannten Kujau-Fälschungen“. Eine andere Quelle bestätigt, wie Kujau und Zaulich die Hitler-Handschrift perfektionierten. So sollen sie aus historischen Dokumenten die Unterschrift Hitlers abfotografiert haben, um sie auf weißes Papier zu projizieren. „Mittels dieser Projektionen übte dann der spätere Hitlertagebuchfälscher Konrad Kujau das Autogramm Hitlers stundenlang, bis er es mit äußerster Präzision in jeder Lebenslage aus dem Handgelenk schreiben konnte“, beschreibt es später der Neonazi und Kühnen-Vize Thomas Brehl in seiner Autobiographie. „Weder Michael Kühnen noch ich verstanden es damals, dass die Verstrickung des Pressechefs der neonazistischen ANS/NA in die Stern-Affäre von den Behörden, zumindest aber von den Medien totgeschwiegen wurde“, so Brehl.
Der Stern äußert sich auf Anfrage nicht zu den neuen Recherchen des NDR, so der NDR in einer Pressemitteilung. Man betont lediglich, dass man die Originale der Tagebücher nie für die Öffentlichkeit freigegeben habe, um „Missbrauch zu verhindern“. Eine 2013 vom Stern zugesagte Freigabe der Originale an das Bundesarchiv ist bis heute nicht erfolgt.

Erinnerung an die Pogromnacht 1938

9. November 2017

Vergessen wir unsere Vergangenheit? Nein, ein klares Nein, ich zumindest nicht. Für mich ist es wichtig, meinen Kindern Geschichte weiterzugeben, denn aus der Geschichte lernen wir. Daher war es für mich heute wichtig, an die Pogromnacht 1938 in Deutschland zu erinnern. Niemals wieder darf so etwas passieren und dennoch begegne ich heute einen Hass auf der Straße und im Netz, den ich nicht für möglich gehalten hätte. Immer wieder stoße ich auf eine Neiddiskussion, auf eine Unzufriedenheit, auf ein Geschwätz von oben und unten.
Heute wurde es mir wieder bewusst, wie wichtig an die Erinnerung an die Pogromnacht von 1938 ist. Und ich habe an verschiedene persönliche Ereignisse gedacht: Mir sind spontan zwei Ereignisse eingefallen: Zum einen der Besuch in der neuen Synagoge in München, zum anderen das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Synagoge in München
Mit meiner Frau besuchte ich im Frühjahr diesen Jahres die Synagoge in München. Das Jüdische Zentrum München ist das Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern in der Altstadt Münchens. Zu ihm zählen die im November 2006 geweihte Hauptsynagoge Ohel Jakob, ein Kultur- und Gemeindehaus mit Versammlungsräumen, Schule, Kindergarten, Jugendzentrum und Restaurant sowie das Jüdische Museum. Ich hatte das Haus zu seiner Eröffnung besucht und mir war es wichtig, das Gemeindezentrum zusammen mit meiner Frau zu besuchen und den Erklärungen zu lauschen. Die Münchner Bauwerke befinden sich am Sankt-Jakobs-Platz zwischen der Schrannenhalle, dem katholischen Kloster der Armen Schulschwestern mit angegliederter Kirche St. Jakob und dem Oberanger.


Wikipedia beschreibt das Innere der Synagoge wie folgt: „Der Sockel der 28 Meter hohen Synagoge, die 585 Sitzplätze aufweist, erinnert an die Klagemauer, den einzig erhaltenen Teil des Jerusalemer Tempels. Darüber thronen – in einem quaderförmigen Oberlicht – ineinander verschachtelte Davidsterne aus Stahl. Sie sind verglast und mit einem bronzefarbenen Metallnetz verhängt. Das Oberlicht soll tagsüber Licht einlassen und nachts Licht in die Umgebung abgeben. Die einfallenden Sonnenstrahlen werden mehrfach gebrochen und tauchen das Innere der Synagoge, das mit Zedernholz aus dem Libanon und hellem Jerusalem-Stein verkleidet ist, in warmes Licht.

Der Glasaufbau deutet ein Zelt an, das die 40-jährige Wanderung der Juden durch die Wüste Sinai symbolisiert. Das sechs Meter hohe Portal wurde in Budapest gefertigt. Darauf stehen (von oben nach unten, von links nach rechts) die ersten zehn Buchstaben des hebräischen Alphabets, das auf hebräisch auch zum Zählen benutzt wird; sie erinnern damit an die Zehn Gebote.


Für mich haben die Räume eine würdevolle Atmosphäre. Ich verstehe die umfangreichen sichtbaren und unsichtbaren Sicherheitsmaßnahmen vor der Synagoge und zugleich widert es mich an, dass ich so ein Haus vor hirnlosen Deppen beschützen muss. Mir war es wichtig für mein Verständnis des Judentums, dieses Haus einmal zu besuchen. Und – nur so nebenbei – das Essen im Restaurant ist wirklich gut. Bei der Besichtigung war es mir wichtig, dass meine Frau und ich Hand in Hand durch den Gang der Erinnerung gehen. In einem 32 Meter langen, unterirdischen Gang der Erinnerung zwischen dem Gemeindezentrum und der Synagoge sind rund 4500 Namen von Münchner Juden verewigt, die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. 4500 Namen, 4500 Schicksale – es hat mich schwer erschüttert.

Holocaust-Mahnmal
Wenn ich in Berlin bin und es meine Zeit erlaubt, besuche ich das Mahnmal in Berlin für die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten im Holocaust ermordeten Juden. Das Mahnmal hat nicht direkt mit der Pogromnacht zu tun, aber ist für mich ein wichtiges Denkmal. Das Mahnmal, das von Peter Eisenman entworfen wurde und aus 2711 Beton-Stelen besteht, wurde zwischen 2003 und Frühjahr 2005 auf einer rund 19.000 Quadratmeter großen Fläche in der Nähe des Brandenburger Tors errichtet. Ich sehe immer wieder Jugendliche, die mit Selfies in dem Steinmeer posieren und es ist natürlich geschmacklos.


Anfang 2017 kam es zu einer von den Medien stark beachteten Aktion von Shahak Shapira. Er zeigte in seinem Projekt Yolo­caust den leichtfertigen Umgang mit dem Denkmahl. Er kombinerte Selfies, die am Mahnmal geschossen wurden, mit historischen Fotos von Konzentrationslagern und Massengräbern. Die Reaktion war enorm.

 

Hitlers Türklinke in US-Börsen

6. Mai 2015

Die Türklinke zu Hitlers Arbeitszimmer im Führerbau an der Arcisstraße 12.

Die Türklinke zu Hitlers Arbeitszimmer im Führerbau an der Arcisstraße 12.

Vor kurzem eröffnete in München das NS-Dokuzentrum am Königsplatz in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Führerbau. In der Arcisstraße 12 ist heute die Hochschule für Musik untergebracht, das Gebäude war aber einstmals der Repräsentationsbau von Adolf Hitler.


Speziell für Mitglieder des PresseClubs München machte der Kanzler der Hochschule Dr. Alexander Krause eine Hausführung durch den ehemaligen Führerbau. Der Nationalsozialismus übt auf Leute leider noch immer eine Faszination aus. Gegenstände aus dem Umfeld des Massenmörders Adolf Hitler erzielen unter braunen Sammlern Höchstpreise.

Online-Auktion der Türklinke von Adolf Hitler samt Zertifikat.

Online-Auktion der Türklinke von Adolf Hitler samt Zertifikat.

Das gipfelt in zum Teil kuriosen Auktionen. Nach Angaben von Alexander Krause gibt es im Internet bespielsweise Versteigerungen der Türklinke von Adolf Hitlers Arbeitszimmer. In US-Auktionsbörsen gibt es die Türklinke samt offiziellen Echtheitszertifikat für rund 300 US-Dollar – ein braunes Schnäppchen aus Hitlers Arbeitszimmer. „Ich kann Ihnen versichern, dass Hitlers Türklinke nach wie vor an der Tür von Hitlers Arbeitszimmer ist“, scherzte Kanzler Krause. Irgendwie dachte ich dabei an eine Folge der NDR-Serie Der Tatortreiniger – Insider wissen Bescheid. Sachen gibts!

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Besuch in Hitlers Arbeitszimmer – der Ort des Münchner Abkommens

5. Mai 2015

Vor diesem Kamin wurde das Münchner Abkommen ausgehandelt.

Vor diesem Kamin wurde das Münchner Abkommen ausgehandelt.

Irgendwann wurde ich mir die Geschichte des Raums in dem ich saß schlagartig bewusst. Ich hörte auf einmal den Vortrag von Dr. Alexander Krause nicht mehr. Krause ist Kanzler der Hochschule für Musik in der Münchner Arcisstraße 12. In dem Gebäude befand sich der Führerbau, hier residierte Adolf Hitler. Mir wurde bewusst, wo ich hier war und was hier in diesem Raum geschehen ist.

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Dr. Alexander Krause dozierte in einem Hörsaal im ersten Stock des Gebäudes vor Mitgliedern des Münchner PresseClubs. Im Laufe des Vortrags wurde es mir schlagartig bewusst, wo ich mich befand. Es war nicht mehr ein einfacher Hörsaal mit Stühlen, Tischen und Klavier. Es war ein Raum, der Geschichte atmet. Es war das ehemalige Arbeitszimmer von Adolf Hitler.

Das historische Foto vom Münchner Abkommen.

Das historische Foto vom Münchner Abkommen.

In diesem Raum, im so genannten Führerbau an der Arcisstraße 12 in München, unterzeichnete der britische Premier Neville Chamberlain, der französische Premierminister Edouard Daladier, der italienische Diktator und Ministerpräsident Benito Mussolini und der deutsche Diktator Adolf Hitler am 30. September 1938 das so genannte Münchner Abkommen über die unverzügliche Abtretung des Sudentengebietes an das Deutsche Reich. Die westlichen Staatsmänner glaubten, durch diese Konzession einen Krieg abgewendet zu haben. Doch schon im März 1939 brach der Gröfaz diese Vereinbarung, ließ deutsche Truppen in Prag einmarschieren und proklamierte das Protektorat Böhmen und Mähren. Dieser Gewaltakt erwies sich im Rückblick als entscheidender Schritt zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.


Nachdem die Vorlesung von Dr. Krause vorbei war, streifte ich durch diesen historischen Raum. Ich berührte Gegenstände, den Kamin und ich ging auf den Balkon des Gebäudes. Den Blick auf die Arcisstraße nahm ich nicht wahr, sondern ich sog die Atmosphäre des Raumes auf. Ich schauderte. Auf dem Balkon hatte ich die Straße im Rücken und schaute mir den Bau im Dunkel an. Der Reichsadler samt Hakenkreuz ist freilich nicht mehr da, vor meinem geistigen Auge sah ich das Symbol des Nationalsozialismus auftauchen.

Dr. Alexander Krause hatte einige historische Fotos aus seinem hervorragenden Buch Arcisstraße 12 dabei, die die historische Situation von damals zeigten. Für mich ein Lehrbeispiel von historischer Vermittlung für die ich dankbar bin. In wenigen Metern Entfernung eröffnete das NS-Dokuzentrum am Königsplatz in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Führerbau. Das werde ich mir nun ansehen.

Persönlicher Nachruf zu Otfried Preußler

20. Februar 2013

Die kleine Hexe und der Räuber Hotzenplotz tragen Trauer – so treffend beschrieb mein Twitter-Kollege Marcus Bölt den Tod von Otfried Preußler. Am Montag, 18. Februar, starb der 89jährige Kinderbuchautor in Prien am Chiemsee. Jedes Familienmitglied bei uns war ein Preußler Fan und trauert nun.

Hotzenplotz

Es begann mit meiner Mutter. Sie wollte mir eine Freude machen, als ich als Kind krank im Bett lag. Meine Mutter schenkte mir damals eine Langspielplatte vom Räuber Hotzenplotz und ich weiß, wie ich als kleiner Bub die Kasperl-Geschichte mochte. Ich lag auf meinem Bett, hörte immer wieder die Schallplatte und studierte das Plattencover mit dem Gartenzaun, den Räubergesellen und am meisten beeindruckte mich der Hut mit einer langen Feder. Vielleicht wurde da meine Vorliebe für Hüte gelegt. Erst nach der Schallplatte bekam ich die Bücher zu Weihnachten und viel später verzauberte mich der Film mit dem großartigen Gert Fröbe.

hexe

K2 liebt dagegen die kleine Hexe- Sicher liegt es daran, dass ihre Großmutter sie immer als kleine Hexe bezeichnet. Tagelang schmökerte K2 in ihrer Ausgabe der kleinen Hexe und es war das erste Buch, dass K2 den stolzen Eltern komplett allein vorlas. Abends lag die Familie im Bett und K2 zückte die kleine Hexe und las Kapitel für Kapitel laut vor. Erst Buchstabe für Buchstabe, dann Wort für Wort und schließlich Satz für Satz. Eigentlich sollte es ja umgekehrt sein. Eigentlich sollten Eltern den Kindern etwas vorlesen, aber im Fall der kleinen Hexe war es genau anders herum. K2 übte an der Geschichte ihre Lesefähigkeiten und wurde von Kapitel für Kapitel besser. Unsere kleine Hexe wollte uns beweisen, dass sie lesen kann. Das war der ehrgeizige Wunsch von K2. Im 1957 erschienenen Roman war es der sehnlichstes Wunsch der kleinen Hexe, mit den großen Hexen auf dem Blocksberg zu fliegen. Ich bin mal gespannt, ob der nächste Wellensittich bei uns zu Hause auf den Namen Abraxas getauft wird. Carlos Santana würde sich sicher freuen.

krabat

K1 dagegen widmete sich mit mir in den vergangenen drei Monaten der Preußler Geschichte Krabat. Er musste im Deutschunterricht die Geschichte lesen. Ein eindrucksvoller Roman, den ich aber erst als Erwachsener richtig begriffen hatte. Die sorbische Volkssage ist voller Anspielungen auf die Verführungen des Nationalsozialismus. Mein Sohn mochte die Geschichte, um die Zauberei, die schwarze Mühle und der Sieg des Guten über das Böse. Wir haben zusammen für die Deutschschulaufgabe die Geschichte gelesen, analysiert und interpretiert. Ich habe mir den Film angesehen, nachdem mein fantastischer 3D-Kollege Alex Lemke die Tricks der fliegenden Raben geschaffen hatte. Zum Tode von Otfried Preußler werden wir wohl die 3fach CD Krabatmit einer Lesung von Krabat durch Otfried Preußler heraussuchen und sie noch einmal anhören.

Lieber Otfried Preußler, du hast unserer Familie viel Spaß bereitet. Vielen Dank für deine Ideen, deine Einfälle, deinen Zauber und deine Fantasie. Du hat Generationen meiner Familie geprägt und ich hoffe, dass meine Kinder deine Bücher an ihre Kinder irgendwann weitergeben. Du hast alle möglichen Preise für dein Werk erhalten: Verdienstorden, Jugendbuchpreise, Literaturpreise, Bundesverdienstkreuz – aber vor allem hast du das Wertvollste bekommen: Unser Lachen und unsere Freude, die meiner gesamten Familie.

Hakenkreuze in Spiele

7. Oktober 2009

Wolfenstein ist aus dem Programm genommen

Eine interessante Frage stellte mir neulich ein Bekannter: Warum muss aus Spielen jedes einzelne Hakenkreuz entfernt werden, wenn man es in Deutschland verkaufen will? Aktuelles Beispiel ist der Egoshooter „Wolfenstein“. Activision Blizzard hat die Händler Ende September aufgerufen, ihr Spiel aus den Regalen zu nehmen, weil bei der Überprüfung ein Hakenkreuz durchgerutscht sei.

Nur damit keine Zweifel aufkommen. Ich brauche keine nationalsozialistischen Symbole und hab auch nix mit dem alten oder neuen Nazi-Pack am Hut. Dennoch ist die Frage des Kollegen richtig: Warum muss aus Spielen jedes einzelne Hakenkreuz entfernt werden, wenn man es in Deutschland verkaufen will? Während hingegen ein Spielfilm durchaus Symbole des Nationalsozialismus enthalten kann, ein Beispiel dafür ist der Film „Operation Walküre“.

Ein Blick in die Rechtsliteratur besagt: Erlaubt ist in Deutschland eine Hakenkreuzdarstellung nach § 86 Absatz 3 StGB nur, wenn sie „der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient“.

In einem PC-Spiel wie Wolfenstein werden aber keine geschichtlichen Zusammenhänge dargestellt, sondern es geht um reine Unterhaltung. Insofern kann ein Hakenkreuz hier leicht als den Nationalsozialismus verherrlichendes Symbol gewertet werden. Spielehersteller gehen dieser Diskussion aus dem Weg und entfernen die entsprechenden Symbole, wie unlängst bei Activision Blizzard geschehen. In Deutschland ist das Hakenkreuz aus gutem Grund verboten, im Ausland nicht, deshalb gibt es in den USA das Spiel mit den Nazi-Symbolen.

Im Fernsehen sieht man Hakenkreuze im Zusammenhang mit Dokumentationen oder mit der Darstellung der deutschen Geschichte. Auch Filme werden genau geprüft, wie sie mit dem Hakenkreuz umgehen. Grundsätzlich gilt bei Filmen aber der Kunstbegriff.

Interessant ist aber die Weiterentwicklung des Kulturbegriffs. So sind von einigen Videogames als Kulturgut offiziell anerkannt. Gelten dann für Spiele und Filme die gleichen Maßstäbe? Ich bin gespannt, wie die Debatte weitergeht.