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Erinnerung an die Pogromnacht 1938

9. November 2017

Vergessen wir unsere Vergangenheit? Nein, ein klares Nein, ich zumindest nicht. Für mich ist es wichtig, meinen Kindern Geschichte weiterzugeben, denn aus der Geschichte lernen wir. Daher war es für mich heute wichtig, an die Pogromnacht 1938 in Deutschland zu erinnern. Niemals wieder darf so etwas passieren und dennoch begegne ich heute einen Hass auf der Straße und im Netz, den ich nicht für möglich gehalten hätte. Immer wieder stoße ich auf eine Neiddiskussion, auf eine Unzufriedenheit, auf ein Geschwätz von oben und unten.
Heute wurde es mir wieder bewusst, wie wichtig an die Erinnerung an die Pogromnacht von 1938 ist. Und ich habe an verschiedene persönliche Ereignisse gedacht: Mir sind spontan zwei Ereignisse eingefallen: Zum einen der Besuch in der neuen Synagoge in München, zum anderen das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Synagoge in München
Mit meiner Frau besuchte ich im Frühjahr diesen Jahres die Synagoge in München. Das Jüdische Zentrum München ist das Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern in der Altstadt Münchens. Zu ihm zählen die im November 2006 geweihte Hauptsynagoge Ohel Jakob, ein Kultur- und Gemeindehaus mit Versammlungsräumen, Schule, Kindergarten, Jugendzentrum und Restaurant sowie das Jüdische Museum. Ich hatte das Haus zu seiner Eröffnung besucht und mir war es wichtig, das Gemeindezentrum zusammen mit meiner Frau zu besuchen und den Erklärungen zu lauschen. Die Münchner Bauwerke befinden sich am Sankt-Jakobs-Platz zwischen der Schrannenhalle, dem katholischen Kloster der Armen Schulschwestern mit angegliederter Kirche St. Jakob und dem Oberanger.


Wikipedia beschreibt das Innere der Synagoge wie folgt: „Der Sockel der 28 Meter hohen Synagoge, die 585 Sitzplätze aufweist, erinnert an die Klagemauer, den einzig erhaltenen Teil des Jerusalemer Tempels. Darüber thronen – in einem quaderförmigen Oberlicht – ineinander verschachtelte Davidsterne aus Stahl. Sie sind verglast und mit einem bronzefarbenen Metallnetz verhängt. Das Oberlicht soll tagsüber Licht einlassen und nachts Licht in die Umgebung abgeben. Die einfallenden Sonnenstrahlen werden mehrfach gebrochen und tauchen das Innere der Synagoge, das mit Zedernholz aus dem Libanon und hellem Jerusalem-Stein verkleidet ist, in warmes Licht.

Der Glasaufbau deutet ein Zelt an, das die 40-jährige Wanderung der Juden durch die Wüste Sinai symbolisiert. Das sechs Meter hohe Portal wurde in Budapest gefertigt. Darauf stehen (von oben nach unten, von links nach rechts) die ersten zehn Buchstaben des hebräischen Alphabets, das auf hebräisch auch zum Zählen benutzt wird; sie erinnern damit an die Zehn Gebote.


Für mich haben die Räume eine würdevolle Atmosphäre. Ich verstehe die umfangreichen sichtbaren und unsichtbaren Sicherheitsmaßnahmen vor der Synagoge und zugleich widert es mich an, dass ich so ein Haus vor hirnlosen Deppen beschützen muss. Mir war es wichtig für mein Verständnis des Judentums, dieses Haus einmal zu besuchen. Und – nur so nebenbei – das Essen im Restaurant ist wirklich gut. Bei der Besichtigung war es mir wichtig, dass meine Frau und ich Hand in Hand durch den Gang der Erinnerung gehen. In einem 32 Meter langen, unterirdischen Gang der Erinnerung zwischen dem Gemeindezentrum und der Synagoge sind rund 4500 Namen von Münchner Juden verewigt, die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. 4500 Namen, 4500 Schicksale – es hat mich schwer erschüttert.

Holocaust-Mahnmal
Wenn ich in Berlin bin und es meine Zeit erlaubt, besuche ich das Mahnmal in Berlin für die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten im Holocaust ermordeten Juden. Das Mahnmal hat nicht direkt mit der Pogromnacht zu tun, aber ist für mich ein wichtiges Denkmal. Das Mahnmal, das von Peter Eisenman entworfen wurde und aus 2711 Beton-Stelen besteht, wurde zwischen 2003 und Frühjahr 2005 auf einer rund 19.000 Quadratmeter großen Fläche in der Nähe des Brandenburger Tors errichtet. Ich sehe immer wieder Jugendliche, die mit Selfies in dem Steinmeer posieren und es ist natürlich geschmacklos.


Anfang 2017 kam es zu einer von den Medien stark beachteten Aktion von Shahak Shapira. Er zeigte in seinem Projekt Yolo­caust den leichtfertigen Umgang mit dem Denkmahl. Er kombinerte Selfies, die am Mahnmal geschossen wurden, mit historischen Fotos von Konzentrationslagern und Massengräbern. Die Reaktion war enorm.