Posts Tagged ‘Paul McCartney’

Buchkritik: Linda McCartney Life in Photographs

19. Oktober 2013

Linda

Für mich ist Linda McCartney keine der Spitzenfotografen. Sie hatte den fotografischen Blick, wie es Andreas Feininger ausdrückte. Und sie hatte durch ihre Heirat mit Beatles Paul einen wunderbaren Vorteil vor ihrer fotografischen Konkurrenz. Sie kam nahe an die Beatles heran und drückte im entscheidenden Moment ab.

So entstanden eindrucksvolle Fotos aus dem Rock’n Roll Zirkus der damaligen Zeit. Viele davon sind in dem schönen Fotoband Life in Photographs zusammengefasst. Sie zeigen eine Nähe zu den Superstars der Szene, denn Linda hatte die wichtigsten Rockmusiker vor der Linse. Sie war übrigens die erste Fotografin des amerikanischen Rolling Stones, die ein Coverbild hatte. Es war damals 1968 Eric Clapton, und Linda McCartney zeigte, dass eine Frau in die Männerwelt der Rockfotografie vordringen kann.

Vor zwei Jahren kam die Highend-Version des Buches für 2000 Euro heraus. Das war es mir nicht wert. Ich hab mir die Volksausgabe für 50 Euro gekauft und interessiere mich auch für die iPad-Version. Diese Version im iBookstore gibt es für 9 Euro. Sie enthält 170 Fotos, ausgewählt aus den über 200.000 Bildern aus Linda McCartneys Archiv – die meisten davon mit Zoomfunktion. Ich halte es für eine gelungene Umsetzung eines Fotobuches. Als Bonusmaterial gibt es in der eBook-Version ein Video-Interview mit Paul McCartney und seinen Töchtern Stella und Mary. Gerade mit den Videos spielt das eBook seine volle Stärke aus.

Aber zurück zum Inhalt: Die große Leistung von Linda McCartney ist die unmittelbare Nähe. Sie schafft es, den richtigen Blick einzufangen. Technisch gibt es zahlreiche bessere Fotografen. Ihre Leistung ist die absolute Nähe zu den Künstlern.

Als Linda McCartney durch ihre Heirat berühmt wurde, stand sie selbst im Focus der Berichterstattung. Sie gab uns einen Einblick in ihre Familie. Private Bilder vom Familienleben der McCartneys wurden von ihr veröffentlicht. Besser als jede Homestory und mit dem Blick einer liebenden Mutter und Ehefrau. Das macht für mich die Faszination des Buches Life in Photographs aus. Schaut mal hinein, das Buch ist bei meinem Lieblingsverlag Taschen erschienen. Auch interessant ist übrigens das neue Album von Paul McCartney New. Der 71jährige lässt es richtig krachen.

Yoko Ono wird 80. Jahre – alles Gute von mir

18. Februar 2013

Heute feiert Yoko Ono ihren 80. Geburtstag. Da gratuliere ich natürlich der alten Dame in aller Form. Inzwischen habe ich meinen persönlichen Frieden mit Yoko Ono gemacht. Für uns Beatles-Fans war sie zeitweise ein Stein des Anstoßes. Galt sie doch als Trennungsgrund für die Beatles.

Heute wissen wir, es ist Quatsch. Zwischen Paul McCartney und John Lennon kriselte es schon länger. Vielleicht hat die starke Persönlichkeit Yoko Ono die Trennung der Fab Four beschleunigt, aber sie war sicherlich nicht der Grund für die Trennung. Ich möchte mich für den Groll, den ich Frau Ono entgegenbrachte aufrichtig entschuldigen. Ihr wird es wohl egal sein.

Sie als Künstlerin hatte die Herausforderung zu bewältigen mit John Lennon als großen Künstler an ihrer Seite zu bestehen. Sie war nicht ein Anhängsel, sondern eine eigenständige, starke Frau. Die Liebe zwischen John und Yoko war unheimlich stark und sie musste erleben, wie der Irre Mark Chapman die Liebe ihres Lebens erschoss. Am 8. Dezember 1980 tötete der Irre den Beatle und Yoko Ono musste diesen Mord mitansehen – grausam.

ono

Dass so ein Mord ein Leben prägt, ist nur verständlich. Als Beatles-Fan trauerte ich um den Tod von John Lennon. Ich hatte Mitleid mit der Familie. Kein Verständnis hatte und habe ich dafür, dass Yoko Ono die blutverschmierte Brille von John Lennon auf dem Cover ihres Albums Season of Glass abgebildet hat. Das Album war zugegeben hervorragend, nur das Cover war für mich eine Beleidigung und ein Schock. Das habe ich Frau Ono bis heute nicht verziehen, auch zum 80. Geburtstag nicht. Um es diplomatisch zu sagen: Yoko Onos Alben waren in der Regel nicht mein Fall. Ich habe mir die Lennon-Aufnahmen mit ihr gekauft, die Solo-Aufnahmen mied ich in der Regel bis auf Season of Glass, wahrscheinlich weil es mit den gleichen Musikern aufgenommen wurde wie Milk and Honey. Unlängst habe ich auch Signature wieder komplett durchgehört, wunderschön.

Hier meine Videoerinnerung an die Stawberry Fields:

Seit 1980 kämpft sie erfolgreich dafür, dass der Mörder Chapmann hinter Gittern bleibt – und das ist meiner Meinung nach gut so. Die Bewährungsgesuche Chapmanns lehnte sie immer wieder ab. Im August 2012 war es wieder einmal soweit. Mark Chapmann stellte zum siebten Mal ein Gesuch auf Entlassung aus der New Yorker Anstalt Wende Correctional Facility, aber die Witwe von John Lennon lehnte ab. Begründung: Sie habe Angst um ihr Leben. Ich war zufällig bei der Ablehnung des Antrags in New York und besuchte den Ort des Mordes: Das Dakota Building, in dem die Familie Lennon/Ono wohnte und in dem Roman Polanski auch schon sein grausames Rosemaries Baby gedreht hatte.

Der Ort des Mordes an John Lennon.

Der Ort des Mordes an John Lennon.

Um auf andere Gedanken zu kommen, besuchte ich mit meiner Frau die Strawberry Fields im nahegelegenen Central Park. Hier hat Yoko Ono ihrem Mann ein Denkmal hinterlassen. Beatles Fans aus aller Welt legen hier Blumen nieder, singen Lieder von John Lennon und gedenken seiner. Das wird heute am 80. Geburtstag seiner geliebten Frau Yoko Ono nicht anders sein. Also: Alles Gute zum Geburtstag liebe Yoko Ono und wie wir in Bayern sagen: Samma wieder guat.

Bei den Strwberry Field wird gefeiert.

Bei den Strwberry Field wird gefeiert.

Social Media-Appell: Paul McCartney soll Museum Beatlemania retten

15. Juni 2012

Als Beatles-Fan muss ich jetzt Farbe bekennen. Das Hamburger Beatles Museum soll Ende Juni 2012 geschlossen werden, weil die Besucherzahlen nicht ausreichen. Statt der erwarteten 200.000 Fans kamen jährlich nur 50.000 nach Hamburg. Damit beträgt nach Museumsangaben der jährliche Verlust bei 500.000 Euro. Somit soll Ende Juni Schluss mit dem Museum sein. Das ist schade, sehr schade. Für mich geht damit ein Teil unserer Populärkultur verloren.

Jetzt haben die Mitarbeiter einen Aufruf via YouTube gestartet. Gerichtet ist er an uns alle, aber vor allem an Sir Paul. Mit den Worten „Dear Paul“ appellieren die Mitarbeiter des Museums an Paul McCartney und bitten um Hilfe. Ganz nach dem Motto der Beatles-Songs „With a Little Help from My Friends“ und „Help“.

Das Museum Beatlemania liegt auf Reeperbahn und erinnert an auf fünf Etagen an die Fab Four und ihre Hamburger Zeit. In Liverpool lebt eine ganze Industrie von den Beatles, in Hamburg schafft es nicht einmal ein Museum mit rund 1000 Exponaten. Das ist für mich eine Schande. Dabei war Hamburg mit dem Star Club doch eigentlich die Wiege der Beatles.

Da ich nicht glaube, dass Paul meinen Blog auf dem Schirm hat, gilt es doch für mich als Beatles-Fan diese Videopetition zu verbreiten. Am Ende des Videos heißt es: „Bitte, wenn Du irgendeine Möglichkeit siehst, uns zu unterstützen, lass es uns wissen“ Vielleicht schafft es Social Media ja, das Museum Beatlemania zu retten oder eine Lösung zu finden. Also Retweeten und teilen. All together now!

Musiktipps: Leonard Cohens „Old Ideas“ und Paul McCartneys „Kisses on the Bottom“

15. Februar 2012

Im Moment höre ich die neue Musik von alten Männern: Leonard Cohen und Sir Paul McCartney. Beide haben in den vergangenen Wochen neue Aufnahmen veröffentlicht und beide bräuchten es aus Geldgründen eigentlich nicht mehr zu tun. Dennoch taten sie es und es ist gut so. Die Alben heißen bei Leonard Cohen „Old Ideas“ und bei Sir Paul „Kisses On The Bottom“.

Der Kandadier Cohen, mittlerweile 77 Jahre alt, birgt keinerlei musikalische Überraschungen mehr, aber viel Altersweisheit. Cohen macht das, was er schon immer hervorragend konnte: Er erzählt Geschichten, mal brummt er sie, mal summt er sie. Immer würdevoll, voller Humor und gefühlvoll – so kennen und lieben wir Cohen. Beim ersten Reinhören stellt der geneigte Hörer fest: Alle Erwartungen erfüllt – der Lala-Chor hält sich zurück, die Elektronik auch. Beim ersten Hören denkt man sich aber auch: Dieses Mal ist es ganz schön öde geworden. Aber wie immer bei Cohen kommt die Schönheit nach dem dritten, vierten Mal Hören hervor. Zwar schreibt man so keine Hitmusik, aber der bald 80-Jährige muss auch keine Hits abliefern. Seine Fans werden kaufen und genießen und ein paar neue Fans finden sicher Gefallen an der mystischen Stimme des Barden, die intensiv und voller Zärtlichkeit ins Ohr geht. Vieles hat mich persönlich berührt, einiges hat mich nachdenklich gemacht. Ein wunderbares Album, das ich alleine genießen kann. Leonard Cohen, das hast du prima gemacht.

Sehr viel skeptischer war ich da schon bei Sir Paul. Als Beatles-Fan muss ich gesehen, ich sah die Solo-Projekte der Fab Four bis auf George Harrison immer skeptisch. Lennon war mir zu viel aufgeblasene Politik, McCartney war mir zu viel aufgeblasener Weichspühler, Ringo Star hat Humor, aber eben nur begrenztes Talent – wobei Ringo der Glückspilz des Jahrtausends war. Aber „Kisses on the Bottom“ ist interessant. Paul spielt und interpretiert die Musik seiner Vätergeneration. Ja, Paul ist alt geworden und er ist reif geworden. Der britische Arbeiterjunge macht auf Jazz und er macht es gut. Ich hatte geglaubt, dass Paul McCartney bei seiner Vergangenheit ins Easy Listening abrutscht, aber er ist wohl durch Diana Krall und Band beim Jazz geblieben. Vom Pop-König ist nicht viel geblieben und den Thorn als Jazzer wird Paul nie erreichen, aber das Album macht Spaß und ich kann die Stimme von Paul genießen.

Beide Alben Leonard Cohens „Old Ideas“ und Paul McCartneys „Kisses On The Bottom“ sind für mich klare Kauftipps.