Posts Tagged ‘Leerstand’

750 Jahre Münchner Geschichte – und niemand weiß, was daraus werden soll: Rettet das Zerwirkgewölbe!

28. August 2026

Wer München abseits von Marienplatz, Viktualienmarkt und Hofbräuhaus entdecken möchte, sollte einen Blick in die Ledererstraße werfen. Dort steht mit dem Zerwirkgewölbe eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Stadt – und zugleich ein Stück Münchner Geschichte, das viele Einheimische kaum kennen. Das Gebäude stammt aus dem späten 13. Jahrhundert und gilt als das zweitälteste Bauwerk Münchens. Damit ist es rund 750 Jahre alt und älter als viele der bekannten Sehenswürdigkeiten der Altstadt. Ich bin enttäuscht, dass dieses Gebäude verfällt. Es ist doch für mich ein historisches Juwel.

Seinen ungewöhnlichen Namen verdankt das Zerwirkgewölbe seiner früheren Nutzung. Hier wurde einst das bei herzoglichen Jagden erlegte Wild zerlegt und verarbeitet. „Zerwirken“ ist ein alter Begriff aus der Jägersprache und bedeutet so viel wie fachgerechtes Zerlegen von Wildbret. Im Laufe der Jahrhunderte diente das Gebäude unter anderem als herzogliches Falkenhaus, gehörte zeitweise zum Hofbräuhaus und beherbergte später eine Wildmetzgerei. Meine Eltern haben wir noch von der Metzgerei erzählt.

Besonders sehenswert sind die historischen Fresken an der Fassade. Sie zeigen Jagdszenen und erinnern an die ursprüngliche Nutzung des Hauses. Wer aufmerksam durch die schmale Gasse schlendert, entdeckt hier ein mittelalterliches München, das sich zwischen den touristischen Hotspots beinahe versteckt.

Das Zerwirkgewölbe war über die Jahrzehnte nicht nur Metzgerei und Gastronomiebetrieb, sondern auch Kultur- und Ausgehort. In den 1990er- und 2000er-Jahren waren dort unter anderem Studiobühnen des Gärtnerplatztheaters und der Theaterakademie untergebracht. Später zog der Hip-Hop-Club Crux ein, in dem bis in die 2010er-Jahre getanzt und gefeiert wurde. Das war nie meine Musik und daher war mir der Club unbekannt. Anschließend befanden sich dort verschiedene Gastronomiebetriebe wie die Spezlwirtschaft und das Restaurant Fedora.

Heute steht das denkmalgeschützte Gebäude vor einer ungewissen Zukunft. Nach sieben Jahren des Leerstands wird über Sanierung und neue Nutzungskonzepte diskutiert. Gerade deshalb lohnt sich ein Besuch: Das Zerwirkgewölbe ist nicht nur ein beeindruckendes Zeugnis der Stadtgeschichte, sondern auch ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Zukunft Münchens auf besondere Weise begegnen.

Bedarf mehr besteht. Eine Machbarkeitsstudie kam allerdings zu dem Ergebnis, dass nach einer umfangreichen Sanierung verschiedene Nutzungen denkbar wären: Wohnen, Büros, Gewerbe oder Kultur. Bayerns Bauminister Christian Bernreiter hatte dabei betont, dass nicht die maximale Gewinnerzielung im Vordergrund stehen solle. Ziel sei vielmehr, diesen historischen Ort wieder öffentlich zugänglich zu machen und mit einer angemessenen Nutzung zu beleben.

Das Problem: Bislang gibt es noch kein konkretes Nachnutzungskonzept. Noch im Juli 2026 teilte die Immobilien Freistaat Bayern mit, dass Sondierungen und Gespräche mit potenziellen Interessenten liefen. Zugleich hängt der Umfang der notwendigen Sanierung stark davon ab, was später in dem Gebäude stattfinden soll. Substanzerhaltende Arbeiten werden nach Angaben des Freistaats bereits vorgenommen.

Politisch ist ein Verkauf durchaus umstritten. In München gibt es Forderungen, das Zerwirkgewölbe in öffentlicher Hand zu behalten und beispielsweise für kulturelle, soziale oder gemeinwohlorientierte Zwecke zu nutzen. Auch ein Erwerb durch die Stadt wurde ins Gespräch gebracht.

Interessant ist deshalb vor allem, was nicht feststeht: Es gibt derzeit weder einen beschlossenen neuen Gastronomiebetrieb noch ein Museum, Kulturzentrum oder Wohnprojekt. Die früher einmal diskutierte Idee eines „Mini-Hofbräuhauses“ ist ebenfalls nicht die aktuelle Planung.

Wo die Stadt Lübeck atmet: Übergangsinseln für Mensch und Natur

8. September 2025

Die Übergangsinseln in Lübeck sind Teil der städtischen Initiative „Übergangsweise“, die seit 2022 darauf abzielt, die Altstadt attraktiver und zukunftsfähiger zu gestalten. Ziel ist es, den gesellschaftlichen Dialog zu fördern und neue Formen des Zusammenlebens in der Innenstadt zu erproben. Klingt gut, ich sehe zudem einen Beitrag zur Klimagestaltung in einer Stadt, um mehr Grün in die Beton- und Steinwüsten zu bekommen.

Am Geibelplatz an der Kleinen Gerichtslaube „Burrecht“ gegenüber dem Heiligen-Geist-Hospital entstand eine grüne Insel zum Seele baumeln lassen, der zudem das lokale Kleinklima verändert. Maßnahmen gegen Hitze in Städten müssen meiner Meinung nach eine Stadtbegrünung durch Bäume, Gründächer und Fassadenbegrünung, die Schatten spenden und durch Verdunstung kühlen.

In Lübeck fand ich ein interessantes Experiment vor. Dabei handelt es sich um gestaltete Aufenthaltsbereiche in Form von Sitzgelegenheiten, dekorativen Elementen und Informationsmaterialien, die bewusst ohne Konsumzwang angeboten werden. Passanten, Touristen und Anwohner können hier verweilen, ins Gespräch kommen oder ihre Gedanken auf vorbereiteten Karten hinterlassen.

Die Übergangsinseln werden von verschiedenen lokalen Partnern wie Buchhandlungen, Cafés, Ateliers und kleinen Geschäften betreut und individuell gestaltet. Sie dienen nicht nur als Sitzmöglichkeiten, sondern sollen auch Impulse geben, wie Innenstädte künftig genutzt und weiterentwickelt werden können. Themen wie Leerstand, Innovation, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft stehen dabei im Vordergrund. Das Projekt verfolgt den Ansatz, Veränderungen sichtbar zu machen und Beteiligung zu fördern, anstatt ausschließlich auf wirtschaftliche Nutzung von Flächen zu setzen. Ich kann nicht beurteilen, ob dieses Experiment gelungen ist. Gelungen ist aber die Stadtbegrünug.
Es hat sich der Koberg in eine grüne Oase verwandelt. Zwischen Tomaten, Minze und Rucola lassen sich von der Stadt der Zukunft träumen. Einfach niederlassen und genießen, denn zwischen knapp 200 grünen Hochbeeten gibt es außer Müßiggang nicht viel zu tun, herrlich!

Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau betont die Bedeutung solcher Projekte für die Innenstadtentwicklung. Innenstädte müssten auch künftig Orte der Begegnung, Kommunikation und Teilhabe bleiben, gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung. Erste Rückmeldungen sind positiv: Die Übergangsinseln schaffen neue Aufenthaltsqualität, fördern Kreativität und stärken die Bindung zwischen lokalen Akteuren und der Bevölkerung.

Langfristig sind die Übergangsinseln Teil eines umfassenderen Konzepts. Ein zentraler Baustein ist das geplante „Übergangshaus“, ein ehemaliges Kaufhaus, das bis 2028 zu einem Innovationszentrum umgebaut werden soll. Hier sollen Kultur, Kreativität und digitale Formate zusammengeführt werden, um die Altstadt als lebendigen Ort für Handel, Freizeit und Austausch zu erhalten.

Die Übergangsinseln leisten damit einen Beitrag zur Belebung der Lübecker Innenstadt, indem sie neue Räume der Begegnung schaffen und Diskussionen über die Zukunft urbaner Räume anstoßen. Bei mir waren leider auch notorische Säufer an der Straße gegenüber unter einem großen Baum, die den Genuss störten.