Posts Tagged ‘Kalter Krieg’

Zwölf Uhr mittags – Western Matinee am Sonntag, 24. August im Scala FFB

22. August 2025

Zwölf Uhr mittags gilt nicht ohne Grund als Klassiker des Westerngenres und als filmisches Meisterwerk. Durch die besondere Verknüpfung formaler Mittel – Regie, Kamera, Schnitt, Musik und Schauspiel greifen ineinander – entfaltet der Film eine zeitlose Wirkung. In unserer Western-Matinee im Scala Fürstenfeldbruck zeigen wir diesen Klassiker am Sonntag, 24. August um 10:45 Uhr zusammen mit einer Einführung. Karten gibt es hier.

Fred Zinnemanns reduzierte Inszenierung und Crosbys prägnante Schwarzweiß-Bilder schaffen eine dichte Atmosphäre zwischen flirrender Hitze und eiskalter Angst. Die nahezu in Echtzeit erzählte Handlung baut eine unerträgliche Spannung auf, unterstützt vom taktgebenden Tick der Uhren und Tiomkins eindringlicher Musik.

Dabei bleibt der Film immer mehr als ein Thriller: In seinem Kern ist es eine moralische Fabel über Mut und Verantwortung. Der einsame Held, der im Stich gelassen wird, spricht universelle Gefühle an – sei es in Bezug auf politische Verfolgung im Kalten Krieg oder ganz allgemein auf die Einsamkeit desjenigen, der gegen den Strom schwimmt.

Trotz (oder gerade wegen) seiner Einfachheit erlaubt High Noon vielfältige Deutungen und behält eine aktuelle Relevanz: Themen wie Zivilcourage, Loyalität und Angst vor sozialer Ächtung sind zeitlos. Formal besticht der Film durch seinen konsequenten Bruch mit Western-Konventionen und die Konzentration auf Spannung durch Zeitdruck und Charakterzeichnung statt durch Action. Diese stilistische und inhaltliche Stringenz macht Zwölf Uhr mittags zu einem Paradebeispiel dafür, wie filmische Stilmittel – von der Bildkomposition über die Montage bis zur musikalischen Untermalung – gezielt eingesetzt werden können, um Spannung zu erzeugen und eine Aussage zu transportieren.

Nicht zuletzt dank der herausragenden schauspielerischen Darstellung Gary Coopers und seiner Kollegen wird der Zuschauer emotional mitgerissen und zum Nachdenken angeregt. Zwölf Uhr mittags ist somit weit mehr als ein Western: ein Stück Filmgeschichte, das Unterhaltung mit Tiefgang verbindet, und ein filmisches Lehrstück darüber, wie Form und Inhalt sich perfekt ergänzen können. Wir freuen uns, diesen Klassiker am Sonntag, 24. August um 10:45 Uhr zeigen zu können. Karten gibt es hier.

Filmtipp: Tetris von Jon S. Baird auf Apple TV+

18. April 2023

Das allererste was ich getan habe, als der Abspann des Tetris Films bei Apple TV über den Bildschirm lief war folgendes: Ich holte aus einer Vitrine meinen allerersten GameBoy hervor, steckte Batterien rein, suchte aus der Spielesammlung die Cartridge von Tetris und setzte mich auf Sofa und spielte, spielte und spielte.

Der Film Tetris von Jon S. Baird hatte mir gefallen, denn ich mag Geschichten über Videospiele und deren Erfinder. Das ist Kultur und Geschichten über Videospiele ist Kulturjournalismus pur. Leider wird das von der etablierten Kulturpresse nur bedingt abgebildet und Videogames fristen in der klassischen Presse eher ein Nischendasein, wenn überhaupt. Sie haben aber für mich die gleiche Berechtigung wie andere Phänomene der Pop-Kultur. Natürlich mag ich die Spiele auch selbst, aber die Hintergründe zu Spielen interessieren mich doch sehr.

Aber zurück zum Film: Die Geschichte von Tetris ist ja allseits bekannt. Ich habe sie in so viel Magazinen und Büchern gelesen. Aber jetzt diese Geschichte auf die Beamerleinwand zu sehen, war doch etwas besonderes. Tetris spielt in der Zeit des Kalten Krieges und im frühen Silicon Zeitalter. Zu Hause stand bei mir mein Atari 2600.

Ich hörte als Jugendlicher von weit entfernten Messen, die CES in Las Vegas, die ich erst Jahrzehnte später persönlich besuchen sollte. Dort entdeckte Henk Rogers das Spiel des russischen Programmieres Alexei Paschitnow. Rogers erkannte das enorme Spielpotenzial dieses einfachen, aber genialen Spiels und versuchte die Vertriebslizenzen zu erwerben. Er wusste, dass Nintendo den GameBoy auf den Markt bringen würde und Tetris war das ideale Spiel für diesen Handheld. Aber, es war, wie gesagt, der kalte Krieg und die damalige Sowjetunion war ein zäher und nicht kalkulierbarer Verhandlungspartner. In vielen wunderbaren Details stellt der Film diese Situation und diese graue Zeit da, die wir uns heute gar nicht mehr vorstellen können. Gerade die Geschehnisse in der Sowjetunion unter Michael Gorbatschow zeichnete den Film ideal: düstere Bilder, düstere Musik, düstere Schauspieler. Der besondere Reiz sind natürlich die Unterbrechungen in 16 Bit Grafik, die ich gefeiert habe.

Vielleicht funktioniert Tetris nur in Teilen als Thriller als der er ursprünglich gedacht war. Als Thriller enttäuscht der Film ein wenig, aber der über die Genregrenzen hinaussieht, wird ein Juwel entdecken. Die Thrillerelemente tauchen erst zum Ende des Films auf und sind gut inszeniert, vor allem wenn sie mit 16 Bit Grafik angereichert werden. Vor allem funktioniert Tetris als Zeitdokument und gibt uns einen Einblick in vergangene Zeiten. Er ist ein Film, der Mut macht Grenzen zu überwinden, es ist ein Film über Freundschaft und Ehrlichkeit. Und der Film ist eine Verbeugung vor dem großen Programmierer Alexei Paschitnow, der ein Holzspiel seiner Jugend ins digitale Zeitalter übertrug und einen zeitlosen Mythos schuf, der die Welt der Spiele veränderte.

Videospiele waren in meiner Jugend immer Jungsache. Und dann kam Tetris und änderte alles. Das ist übrigens auch ein Buch, das ist sehr empfehlen kann. Das Zeitalter der Jungs endete mit Tetris. Selbst meine Mutter, die für mich als Jugendlicher damals schon eine ältere Frau war, aber zu Tetris Zeiten jünger war, als ich heute bin. Diese Frau war der Sucht nach den fallenden Klötzchen verfallen. Ich bekam einen GamesBoy geschenkt und sie spielte damit. Auf einmal waren Videospiele ein Zeitvertreib für die gesamte Familie und nicht nur für pubertierende Jungs wie mich.

Es gibt unzählige Tetris-Clones. Ich spielte das Spiel gerne auf dem C64. Und es soll wohl auch ein Tetris für das Atari 2600 geben, was ich aber nie gespielt, geschweige denn besessen habe. Der Jäger und Sammler ist nach dem Film wieder in mir erwacht …

Filmtipp Gorky Park

30. März 2019

Gorky Park war anders als die meisten Thriller, die ich bis dahin im Kino gesehen hatte. Damals im Jahre 1983 spielten meine Krimis in New York oder Chicago, die deutschen Tatorts im Pott oder Derrick ermittelte in Grünwald. Der US-Film Gorky Park spielte in Moskau und zeigte Mordermittlungen aus der Sicht der sowjetischen Polizei. Im Kino hatte mir der Film gefallen und jetzt schickte mir die Agentur die DVD zur Rezension, nachdem der Streifen Gorky Park für DVD und Bluray aufgelegt wurde.

Nachdem ich in Erinnerungen hatte, dass Gorky Park mir damals gefallen hatte, zelebrierte ich den Filmabend. Ich legte russisches Knabberzeugs bereit, schenkte mir ein Glas russischen Wodka ein und los ging’s.

Um was gehts? Im Moskauer Gorky Park werden drei bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen gefunden. Inspektor Arkady Renko übernimmt die Ermittlungen. Er ist fest entschlossen, die Toten zu identifizieren und den Mörder zu finden. Doch von verschiedenen Seiten wird er vor allzu intensiven Nachforschungen gewarnt. Trotzdem lässt er nicht locker und erhält zudem Hilfe von FBI-Agent William Kirwill. Prompt kommen die beiden einer brisanten Staatsaffäre auf die Spur. 

Es war eine spannende Inszenierung von Michael Apted mit William Hurt und Lee Marvin in den Hauptrollen. Und während des Films wurde mir bewusst, dass die Geschichte heute nicht mehr so erzählt werden könnte. Inzwischen wäre durch DNA-Analyse die Geschichte in Sekunden geklärt und auch das Thema Zobel als Wirtschaftsgut der UdSSR hat sich erledigt. Der Roman Gorki Park (mit i statt y) von Martin Cruz Smith läuft heute ins Leere.

Aber vielleicht macht gerade das den Reiz des Films aus. Es ist eine Zeitreise in den Kalten Krieg. Die Sowjetunion bestand 1983 noch. Und natürlich konnten die Amerikaner nicht in Moskau drehen – das war erst 1988 bei Walter Hills Red Heat der Fall. So wurde im Winter im schottischen Glasgow und Helsinki in Finnland gedreht. Die Details sind sehr genau und machen Spaß. Der Film vermittelt eine kalte Thriller-Atmosphäre und hat eine Erzählweise der Filme der Endsiebziger und Anfang Achtziger. Immer wieder kam bei mir durch Kamerastil und Plot die Atmosphäre eines Dirty Harry auf. Also für mich ist Gorky Park eine Filmempfehlung für einen unterhaltsamen Abend für eine erwachsene Welt. Jugendliche werden sich bei Gorky Park einfach nur langweilen. 

William Hurt spielt hervorragend, Lee Marvin ist mir persönlich zu übertrieben als geldgieriger böser Kapitalist. Die Musik von James Horner ist prima, reicht nicht an seine späteren Meisterwerke wie Brainstorm, Star Trek III, Aliens oder Titanic heran. 

Ich erinnerte mich noch im Kino damals 1983 an den Schluss des Films. Der Held geht zurück nach Moskau, die Heldin wählt die Freiheit in den USA. „Irgendwann sehen wir uns wieder, irgendwann.“ Im Kino dachte ich mir damals 1983 „träumt weiter“. Dann nur 6 Jahre später kam der Zerfall des Ostblocks, die Auflösung der Sowjetunion und die Deutsche Vereinigung. Wie sich die Zeiten ändern …