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Filmkritik: „Alte Liebe“ (2026) von Andreas Dresen

28. September 2026

Ich ertappte mich beim Ansehen des Films, dass ich mich immer wieder selbst erkannt habe. Alte Liebe ist wunderbares Schauspielkino mit ein wenig Längen, aber sehr unterhaltsam. Ein Film, der zum Nachdenken anregt, wenn man sich mit Beziehungen und dem Älterwerden beschäftigen will.

Im Mittelpunkt stehen Lore und Harry, gespielt von Dagmar Manzel und Joachim Król. Die beiden sind seit rund 40 Jahren verheiratet. Harry ist inzwischen pensioniert, kümmert sich um seinen Garten, trinkt sein Bier und scheint mit einem eher ruhigen Leben durchaus zufrieden zu sein. Lore dagegen arbeitet weiterhin als Bibliothekarin. Sie spürt immer stärker, dass ihr etwas fehlt: Sie möchte reisen, etwas erleben und fragt sich, welche Möglichkeiten sie in ihrem Leben verpasst hat.

Das Interessante daran: „Alte Liebe“ ist weniger eine klassische Liebesgeschichte als eine Bestandsaufnahme einer jahrzehntelangen Ehe. Lore und Harry reden viel miteinander, verstehen sich aber trotzdem nicht immer. Alte Eifersüchteleien, Enttäuschungen und unterschiedliche Vorstellungen vom Ruhestand kommen wieder hoch. Als ihre erwachsene Tochter zum dritten Mal heiraten möchte, verschärfen sich die Konflikte. Hinter den alltäglichen Streitereien steckt schließlich die große Frage: Kann man sich nach 40 gemeinsamen Jahren noch einmal verändern – und kann man sich vielleicht sogar neu ineinander verlieben?

Die Kombination aus Andreas Dresen und Drehbuchautorin Laila Stieler funktioniert einwandfrei. Die beiden haben bereits bei „Gundermann“, „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ und „In Liebe, Eure Hilde“ zusammengearbeitet. „Alte Liebe“ ist ihre neunte gemeinsame Arbeit. Vorlage ist der gleichnamige Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder.

Dresen kommt dabei genau das zugute, was viele seiner besten Filme auszeichnet: Er interessiert sich für gewöhnliche Menschen, ihre kleinen Verletzungen, ihre Schwächen und ihren oftmals ziemlich trockenen Humor. Dadurch wird Alte Liebe bissig, ironisch, sentimental, heiter und zart. Gerade Joachim Król und Dagmar Manzel sind für diese Mischung sehr passend.

Alte Liebe ist einer dieser angenehm unspektakulären, aber ehrlichen Dresen-Filme, die gerade deshalb lange nachwirken. Keine künstlich konstruierte Romanze, sondern Liebe nach vier Jahrzehnten – mit Gewohnheiten, Verletzungen, Langeweile, Zärtlichkeit und der Frage, ob ein Neuanfang auch mit über 60 noch möglich ist.

„Alte Liebe“ – vom pointierten Dialogroman zum Kinofilm
Die Vorlage zu „Alte Liebe“ stammt von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder und erschien 2009. Die besondere Stärke des Buches liegt in seinen Dialogen und verbalen Schlagabtauschen. Heidenreich und Schroeder erzählen weniger eine klassische Handlung als vielmehr „Szenen einer Ehe“: mal komisch, mal böse, dann wieder überraschend zärtlich. Hinter den alltäglichen Streitereien stehen große Fragen: Was ist aus unseren Träumen geworden? Haben wir richtig gelebt? Und was bleibt von der Liebe, wenn man fast ein ganzes Leben miteinander verbracht hat?

Andreas Dresen und Drehbuchautorin Laila Stieler übertragen diesen Ton ins Kino und verdichten die literarische Vorlage stärker zu einer filmischen Geschichte. Mit Dagmar Manzel als Lore und Joachim Król als Harry bekommen die Wortgefechte Gesichter, Gesten und vor allem jene stillen Momente, die ein Roman nur beschreiben kann. Der Film bewahrt dabei die Mischung aus Ironie, Melancholie und Zärtlichkeit der Vorlage, rückt aber das emotionale Wiederannähern des Ehepaares stärker in den Vordergrund.

So ergänzen sich Buch und Film hervorragend: Der Roman lebt vor allem vom Wortwitz und der genauen Beobachtung einer jahrzehntelangen Beziehung, Dresens Film von seinen Schauspielern und den Zwischentönen. Beide erzählen letztlich dieselbe schöne und ein wenig schmerzhafte Wahrheit: Auch eine alte Liebe ist niemals fertig – solange zwei Menschen noch bereit sind, einander neu zu entdecken.

Was der Löffel so bedeutet

25. März 2015

Die Wieskirche bei unserem Besuch.

Die Wieskirche bei unserem Besuch.

Bei meinem Besuch der eindrucksvollen Wieskirche in der Nähe von Steingaden entdeckte K2 zahlreiche Löffel. K2 war fasziniert von den dargebotenen Löffeln in den Geschäften vor der Kirche. Einstmals gab es in diesen Läden für die Pilger ausschließlich Devotionalien wie Heiligen Bilder, Kreuze, Amulette oder sonstiger Heilsbringer. Unter anderem gab es auch Löffel. Heute sind diese Devotionalienhändler eher zu Kitsch- und Ramschläden verkommen. Neben Rosenkränzen gibt es Tischdecken, Ansichtskarten, lustig bedruckte T-Shirts und allerlei Nippes.


Bei mich faszinierten die Löffel. Also machte ich mich ein wenig auf die Suche nach der Geschichte von Löffeln. Der Löffel war für mich und meine Kinder das erste Ess-Instrument, noch vor Messer und Gabel. Obwohl meine K1/2 schon größer sind, darf ich ihre Babylöffel nicht wegschmeißen. Sie hängen sehr an ihren Löffeln. Und auch bei mir entdeckte ich Löffel im Keller, die mir zu meiner Taufe geschenkt wurden. Diese nennen sich Patenlöffel. Sie symbolisieren für mich, dass der Täufling immer genügend zu essen haben soll. Freunde von mir berichten, dass sie zu ihrer Hochzeit entsprechende Hochzeitslöffel geschenkt bekommen haben. Ich interpretiere die Schenkung so, dass das junge Ehepaar nie Hunger leiden soll.

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Verwandte von mir sammelten Löffel mit Motiven von Städten darauf. Diese Städte hatten sie besucht und bei jedem Besuch kauften sie einen Löffel, einmal mit dem Wappen der Stadt, einmal mit dem Bild einer Sehenswürdigkeit. So kam bei einigen meiner Verwandten eine stattliche Sammlung zusammen. Ich selbst bekam von meiner Großmutter einstmals einen solchen Löffel geschenkt. Aber ich habe mich entschlossen, keine Sammlung an Löffeln zu beginnen. Löffel sind nicht so mein Ding.
Durch das Interesse von K2 an den Löffel mit Heiligenmotiven in der Wieskirche recherchierte ich ein wenig. Der Löffel gilt als ein Symbol der Macht. Ich habe gelesen, dass der Löffel an manchen Orten auch eine Art Rechtsstatus symbolisiert. Der Löffel demonstriert den Herrschaftsanspruch noch heute in einigen ländlichen Gegenden. Bauernfamilien vererben das Besteck des Bauern an seinen Nachfolger weiter – der Löffel des Hofes wird übergeben. Hier symbolisiert der Löffel eine Art Erblöffel.
Viele kennen noch den Spruch, er hat den Löffel abgegeben. Das bedeutet den Tod eines Menschen.

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Besser kommunizieren – das Vier Ohren Modell von Friedemann Schulz von Thun

7. Februar 2015

Warum scheitert Kommunikation?

Warum scheitert Kommunikation?

Der eine oder andere wird folgende Situation kennen. Ehemann und Ehefrau sitzen gemeinsam beim Abendessen. Der Mann puhlt mit seiner Gabel im Essen herum, legt etwas an den Tellerrand und fragt: „Was ist denn das?“ – Die Ehefrau antwortet erzürnt: „Wenn es dir nicht schmeckt, kannst du ja woanders essen!“
Frau und Mann scheinen nicht kompatibel, sie verstehen sich im Moment nicht. So wie es im Eheleben ist, gibt es auch zahlreiche Kommunikationsprobleme im Berufsleben. Kommunikation hat verschiedene Ebenen und nur wer dies beispielsweise in Ehe und Geschäftsleben berücksichtigt, der wird besser verstanden.

4 Ohren Modell im Seminar.

4 Ohren Modell im Seminar.

In einem Seminar über interne und externe Kommunikation stellten mein Kollege Dr. Michael Homberg und ich den Teilnehmern den Kommunikationsklassiker das Vier Ohren Modell von Friedemann Schulz von Thun vor. Schulz von Thun ist Psychologe und er ist davon überzeugt, dass jede Nachricht vier verschiedene Ebenen hat. Sind Sender und Empfänger auf der gleichen Ebene, dann läuft die Kommunikation reibungslos. Sind sie auf unterschiedlichen Ebenen, kann es zu Missverständnissen kommen.
Das 4 Ohren Modell von Schulz von Thun besteht aus folgenden Ebenen:
• die Sachebene (eine Sachinformation, worüber ich informiere)
• die Beziehungsebene (was ich von dir halte)
• die Selbstoffenbarungsebene (was ich von mir zu erkennen gebe)
• die Appellebene (was ich erreichen möchte)
In einem Gespräch mit Michael Homberg stelle wir das Vier Ohren Modell in einfachen Worten vor und geben praktische Beispiele. Wie kann es sein, dass ich etwas sagen möchte und es kommt beim Gegenüber völlig falsch an.