Posts Tagged ‘Umweltzerstörung’

Filmkritik: Kraken – Wenn der Kraken aus den Tiefen erwacht – Norwegens beeindruckende Monster-Antwort auf Godzilla

23. Juli 2026

Mit Kraken wagt sich das norwegische Kino an ein Genre, das in Skandinavien bislang eher selten besetzt ist: den klassischen Monsterfilm. Regisseur Pål Øie verbindet die uralte Legende des Kraken mit den spektakulären Landschaften des Sognefjords und schafft damit eine atmosphärisch dichte Kulisse, die dem Film einen unverwechselbaren nordischen Charakter verleiht. Als Godzilla-Fan musste ich mir die Film natürlich reinziehen und bin sehr angetan. Bitte den Film nicht verwechseln mit dem russischen Film gleichen Titels.

Besonders gelungen sind die beeindruckenden Naturaufnahmen und die visuelle Umsetzung des titelgebenden Seeungeheuers. Für eine europäische Produktion dieser Größenordnung können sich die Spezialeffekte durchaus sehen lassen und sorgen immer wieder für starke Kinomomente.

Darüber hinaus versucht Kraken mehr zu sein als reine Monster-Unterhaltung. Die Handlung greift Themen wie Umweltzerstörung und menschliche Eingriffe in empfindliche Ökosysteme auf und verleiht dem Film damit eine aktuelle gesellschaftliche Ebene. Dieser Ansatz sorgt dafür, dass die Geschichte über die reine Jagd auf ein Seeungeheuer hinausgeht.

Zwar bleiben einige Figuren und Handlungselemente etwas schematisch, und nicht jede dramaturgische Entscheidung entfaltet die gewünschte Wirkung. Dennoch überzeugt Kraken durch sein hohes Tempo, seine Atmosphäre und den Mut, norwegische Mythologie mit modernem Creature-Horror zu verbinden. Wer sich auf ein spannendes Monsterabenteuer vor spektakulärer Fjordkulisse einlässt, wird hier gut unterhalten.

Insgesamt ist Kraken ein ambitionierter Genrebeitrag, der zeigt, dass große Monster nicht nur in Hollywood und Japan ihr Unwesen treiben können. Mit seiner Mischung aus nordischer Mythologie, Naturgewalt und Umweltbotschaft bietet der Film kurzweilige Unterhaltung und setzt zugleich einen interessanten Akzent im europäischen Genrekino.

Ein stählerner Zeuge vom Sterben der Wale

23. Juni 2025

Wie brutal der Walfang war und ist, zeigt sich für mich an einem Symbol im Stadtteil Leith in Edinburgh, direkt am Uferbereich „The Shore“. Dort steht eine auffällige Harpunenkanone, die an die lange und bedeutende Geschichte des Walfangs in Schottland erinnert. Sofort kommen wir Moby Dick und andere Geschichten über dieses grausame Unterfangen der Menschen an ihrer Umwelt in den Sinn.

Diese Kanone wurde einst für den industriellen Walfang verwendet und ist heute ein stummes Zeugnis einer vergangenen Epoche. Sie stammt aus der Zeit des modernen Walfangs und basiert auf dem norwegischen Modell von Svend Foyn, das ab 1870 durch den Einsatz von Treibladungen die Jagd auf Wale erheblich effizienter machte. Die industrielle Jagd begann. Der Mensch rüstete auf und die Wale hatten keine Chance.

Leith war seit dem 17. Jahrhundert ein Zentrum des Walfangs. Zunächst segelten Schiffe von hier aus in arktische Gewässer, insbesondere nach Grönland. Lokale Unternehmer wie Peter Wood betrieben dort Walfangstationen und errichteten Tran-Schmelzhütten im Bereich Timber Bush. Ein neuer Abschnitt begann im Jahr 1908, als das Unternehmen Christian Salvesen mit seiner antarktischen Flotte operierte. Die Firma entwickelte sich zum weltweit führenden Walfangunternehmen mit Hauptquartier in Leith und einer bedeutenden Basis in Leith Harbour auf der Insel Südgeorgien. Von dort aus wurden Wale im Südpolarmeer gefangen, zerlegt und verarbeitet – ein Geschäft, das bis 1965 andauerte.

Die heute in Leith sichtbare Harpunenkanone wurde 1996 von Christian Salvesen aufgestellt, als das Unternehmen seinen Hauptsitz verlegte. Sie dient als Mahnmal und Erinnerungsstück an die Rolle Schottlands in der weltweiten Walfangindustrie. Ergänzt wird dieses maritime Erbe durch weitere Denkmäler in der Umgebung, etwa das Merchant Navy Memorial, das der zivilen Handelsschifffahrt gewidmet ist. Das Denkmal ist ein paar Meter weiter zu sehen.

Die Harpunenkanone steht somit nicht nur für eine technologische und wirtschaftliche Blütezeit, sondern auch für den Wandel im gesellschaftlichen Umgang mit Natur und Tierwelt. Sie symbolisiert die industrielle Ausbeutung der Meere ebenso wie das zunehmende Bewusstsein für deren Schutz. Wenn sich dieser Gedanke wirklich durchsetzen würde und kein frommer Wunsch bleibt.