Posts Tagged ‘Digital Signage’

Wenn die Anschlagtafel verschwindet: Maisach könnte daraus echte Digitalisierung machen

18. August 2026

40 Anschlagtafeln in unserer Gemeinde Maisach werden aus Kostengründen nicht mehr gebraucht. Ich sehe diese Krise als Chance und mache mal einen Vorschlag. Statt lediglich einen analogen Informationskanal abzuschaffen, könnte Maisach die Gelegenheit nutzen, etwas Neues zu schaffen: ein gemeinsames Digital-Signage-Netz in örtlichen Geschäften und Ärzten, das Gemeinde, Vereine und Gewerbetreibende miteinander verbindet.

Die Entscheidung der Gemeinde Maisach, amtliche Bekanntmachungen künftig digital zu veröffentlichen und die bisherigen Anschlagtafeln nicht mehr zu betreiben, spart Aufwand und Kosten. Gleichzeitig entsteht damit eine interessante Frage: Muss Digitalisierung bedeuten, dass Informationen künftig hauptsächlich auf einer Internetseite oder App zu finden sind? Oder könnte der Abschied von den Anschlagtafeln zum Ausgangspunkt für eine wesentlich sichtbarere Form der Digitalisierung im Ort werden?

Eine Möglichkeit wäre ein lokales Digital-Signage-Netz. Bildschirme könnten an stark frequentierten Stellen in Maisach und seinen Ortsteilen installiert werden – beispielsweise in Geschäften, Kneipen, Bäckereien, Cafés, Banken, Arztpraxen oder anderen Gebäuden. Statt einer Vielzahl einzelner Anschlagtafeln gäbe es damit digitale Informationspunkte mitten im täglichen Leben.

Auf diesen Displays könnten unterschiedliche Inhalte zentral gesteuert ausgespielt werden. Denkbar wären Hinweise der Gemeinde, Veranstaltungstermine örtlicher Vereine, Informationen zu Festen und Aktionen sowie Nachrichten aus dem Gemeindeleben. Gleichzeitig könnten teilnehmende Gewerbetreibende die Kapazitäten nutzen, um eigene Angebote, Veranstaltungen oder Dienstleistungen zu präsentieren: Speisekarten, Aktionen. Angebote

Damit würde aus einer Anschlagtafel ein gemeinsames lokales Kommunikationsmedium.
Eine organisatorische Schlüsselrolle könnte dabei ein Gewerbeverein in Kooperation mit der Gemeinde übernehmen. Sie könnten das System betreiben, teilnehmende Unternehmen koordinieren und Regeln dafür festlegen, welche Inhalte ausgespielt werden. Auch die Finanzierung ließe sich gemeinschaftlich organisieren. Ob und in welchem Umfang die Gemeinde selbst Inhalte zuliefern oder sich beteiligen könnte, müsste rechtlich und organisatorisch geprüft werden.
Gerade darin liegt ein möglicher Vorteil gegenüber den bisherigen Anschlagtafeln. Ein digitales System müsste nicht für jeden neuen Hinweis vor Ort angefahren werden. Inhalte könnten zentral eingespielt, zeitlich geplant und nach Ablauf automatisch entfernt werden. Ein Veranstaltungshinweis könnte beispielsweise zwei Wochen vor dem Termin erscheinen und anschließend selbstständig aus dem Programm verschwinden. Auch unterschiedliche Inhalte für einzelne Ortsteile wären technisch denkbar.

Für die Geschäfte könnte das Modell ebenfalls interessant sein. Wer einen Bildschirm in seinem Laden oder Schaufenster betreibt, würde nicht nur lokale Informationen sichtbar machen, sondern bekäme gleichzeitig eine zusätzliche Präsentationsfläche für eigene Angebote. Über ein gemeinsames Netzwerk könnten zudem Aktionen mehrerer Betriebe beworben werden – vom verkaufsoffenen Sonntag über Märkte bis zu gemeinsamen Gutscheinen oder Veranstaltungen.

Entscheidend wäre allerdings, das Projekt nicht einfach als Sammlung digitaler Werbebildschirme aufzubauen. Damit ein solches Netz tatsächlich einen Mehrwert für den Ort bietet, bräuchte es klare Regeln. Kommunale Informationen, Vereinsleben und lokale Veranstaltungen müssten einen festen Platz erhalten. Werbung sollte erkennbar davon getrennt werden. Ebenso müssten Datenschutz, technische Betreuung, Finanzierung und Verantwortlichkeiten geklärt sein.

Ein solches Modell könnte sogar ein Problem lösen, das bei einer rein digitalen Veröffentlichung im Internet bestehen bleibt: Nicht jeder Bürger besucht regelmäßig die Internetseite der Gemeinde oder folgt lokalen Organisationen in sozialen Netzwerken. Bildschirme an Orten, die Menschen ohnehin im Alltag aufsuchen, bringen digitale Informationen dagegen wieder in den öffentlichen Raum.

Die Abschaffung der 40 Anschlagtafeln müsste deshalb nicht nur das Ende eines alten Informationssystems bedeuten. Sie könnte der Anlass sein, über ein neues nachzudenken: dezentral sichtbar, aber zentral organisiert; digital, aber trotzdem vor Ort; offen für Gemeinde und Vereine und gleichzeitig wirtschaftlich interessant für das örtliche Gewerbe.

Statt die analoge Anschlagtafel lediglich durch eine Internetseite zu ersetzen, könnte Maisach damit einen Schritt weitergehen – hin zu einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur für das lokale Leben.

Storytelling um Statuen – Freiheitsdenkmal in Riga

13. Januar 2020

Das Freiheitsdenkmal in Riga

Das Freiheitsdenkmal in Riga

In Riga, der Hauptstadt Lettlands, gibt es zahlreiche Statuen und Monumente zu berichten. Überall in der Hauptstadt stehen Denkmäler, die an berühmte Persönlichkeiten oder Taten der lettischen Geschichte erinnern. Und das Schöne ist, dass es immer wieder interessante Geschichten um diese Statuen gibt, die es wert sind, erzählt zu werden.

Freiheitsdenkmal
Das wichtigste Denkmal ist mit Sicherheit das Freiheitsdenkmal. Das 40 m hohe Denkmal wurde von den Bildhauer Karlis Zale gestaltet und symbolisiert die Freiheit des lettischen Volkes. Das Volk spendete die Mittel für das Monument, welches am 18. Dezember 1935 mit einer großen Feier eröffnet wurde. Der Hauptteil besteht aus einer Reihe von Skulpturen, die gemeinsam „Mutter Lettlands“ genannt werden. Auf der Vorderseite befindet sich die Inschrift mit den Worten „für Vaterland und Freiheit“. Das Freiheitsmonument krönt eine Frauenfigur, die drei goldenen Sterne in den Händen hält. Sie symbolisieren drei der geografischen Regionen Lettlands. Seit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Lettlands posiert eine Ehrenwache zu Füßen des Moments.

Sex am Freiheitsdenkmal
Wer durch Riga spaziert, wird überall Kameras feststellen, die einen auf Schritt und Tritt begleiten. Das ist natürlich beim Freiheitsdenkmal erst recht der Fall. Das hätte sich ein 23jähriger Deutscher mit seiner 21jährigen spanischen Freundin merken sollen, als sie im Dezember 2016 Sex am Freiheitsdenkmal hatten. Sie wurden beim sündigen Treiben gefilmt und die Polizei verhaftete das triebhafte Paar. Jeder musste 250 Euro Strafe zahlen und das Video kursierte zudem noch im Internet. Wer suchet, der findet.

Freiheitsdenkmal als beliebter Treffpunkt
Zur Besatzung des Baltikums durch das Deutsche Reich galt das Freiheitsdenkmal als Treffpunkt. Allerdings sagten die deutschen Besatzer nicht Freiheitsdenkmal als Treffpunktadresse sondern man sprach von Metaxa. Metaxa ist der Markenname einer griechischen Weinbrand-Spirituose, die aus Weintrauben hergestellt wird. Die Zahl der Sterne auf der Flasche gibt die Qualität des Brandes an. Die einfachste Version ist der Drei-Sterne-Metaxa. Und da das Freiheitsdenkmal drei goldene Sterne hat, hieß es bei den Soldaten Metaxa.
Heute ist das Freiheitsdenkmal weniger der Treffpunkt der Jugend. Es ist die Laima-Uhr, die ein paar Meter entfernt steht. Laima ist ein Süßwarenhersteller, der 1870 gegründet wurde.

Digitaler Triumphbogen
Zu Zeiten der Sowjetunion stand in Riga ein Denkmal von Lenin. Er deutete mit dem Arm nach Osten Richtung St. Petersburg. Nach der Unabhängigkeit Lettlands im Jahre 1991 wurde das Lenin-Denkmal abgebaut und zur 100-Feier wurde modernes Digital Signage an gleicher Stelle errichtet. Es handelt sich im Volksmund um einen digitalen Triumphbogen. Auf ihn ist unter anderem der Satz zu lesen „Gold ist mein Zuhause“.

Witz aus der Sowjetzeit
In Riga gibt es einen Witz aus der Sowjetzeit, der den Humor seiner Epoche spiegelt. Da sagt der lettische Nationaldichter Rainis gedankenversunken: „Was für ein Blödsinn, was für ein Mist?“ Die Freiheitsstatue reißt die Arme empor und ruft aufgeregt „Was, wo?“ Und Lenin auf seinen Sockel mit dem Arm nach Osten ausgestreckt sagt „Da!“

Verbrannte Erde
Etwas ernster geht es bei einem Denkmal von Michael Andreas Barclay de Tolly. Er war war ein russischer Generalfeldmarschall und Kriegsminister zu Zeiten der napoleonischen Kriege. Eigentlich war er Deutschbalte von einer Familie mit schottischen Wurzeln aus dem Clan der Barclay. Er war für die Politik der verbrannten Erde verantwortlich, in dem er die französischen Truppen in die Tiefe Russlands lockte und Moskau anzündete und so Napoleon zermürbte. Falls jemand noch Krieg und Frieden von Leo Tolstoi gelesen hat, wird er sich erinnern, dass Michael Andreas Barclay de Tolly dort eine wesentliche Rolle gespielt hat.

Reklamekönig Ernst Litfaß – der King der Außenwerbung

15. November 2014

Die Litfaßsäule an der Münzstraße in Berlin.

Die Litfaßsäule an der Münzstraße in Berlin.

Plötzlich stand sie vor mir: Die Litfaßsäule-Säule. Das einst wichtigste Instrument der Außenwerbung stammt aus Berlin und wurde von Ernst Litfaß erfunden. Am 27. Dezember wird sein 140. Todestag begangen. Mal sehen, ob sich die Werbebranche an ihn erinnert und ihm gedenkt. Es wäre auf jeden Fall wichig. Beim Spaziergang durch Ostberlin stand ich auf einmal vor dem Litfaß-Denkmal in der Münzstraße nahe dem Alexanderplatz. Leider war das Denkmal mit Farbe beschmiert. Wer die älteste Litfaßsäule in Berlin sucht, der findet sie übrigens am Berliner Mexikoplatz.

Ernst Litfaß - der King der Außenwerbung

Ernst Litfaß – der King der Außenwerbung

Trotz des Siegeszugs von Digital Signage hat die klassische Litfaßsäule noch immer ihren festen Platz im Straßenbild. Noch heute ist die Litfaßsäule-Säule nicht wegzudenken. Obwohl das Aufkleben eines Plakats deutlich teuerer ist als digitale Anzeigen in den digitalen Beschilderungen nutzen Werber noch gerne diese analoge Form der Außenwerbung. Ich habe von Werbern übrigens gelernt, dass es zwei Arten von Säulen gibt – eine für nur einen Kunden (Ganzsäule) und Säulen an denen mehrere verschiedene Plakate kleben (Allgemeinstelle). Mit seiner Erfindung wurde Ernst Litfass am 5. Dezember 1854 zum Reklamekönig – übrigens hieß die Litfaßsäule damals Annoncier-Säule.

Leider ist das Denkmal beschmiert.

Leider ist das Denkmal beschmiert.

Egal welche Art von Säule ich wähle, auf jeden Fall war die Idee von Ernst Litfaß revolutionär. Er war ein Urgestein der deutschen Werbung. Das wilde Plakatieren im alten Berlin hatte endlich ein Ende, die Obrichkeit konnte Säulen in den Straßen aufstellen und das Berliner Straßenbild war wieder tadellos. Leider hat sich dieser Gedanke des sauberen Straßenbildes in Berlin nicht durchgesetzt. Nur ein paar Meter weiter entfernt von der Gedenk-Litfaßsäule gibt es an Berliner Straßenkreuzungen wilde Plakate. Das Werbeplakat wird auf die nächste Werbung geklebt und der Papierwust um Straßenlaternen wird immer dicker. Wahrscheinlich nennt man dies heute im Werbedeutsch virale Werbung.