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Gleicher Planet, andere Welt: Andy Kopp (Aktion PiT) berichtet von einem Jahr in Togo

13. Juli 2026

„Gleicher Planet, aber eine andere Welt“: Unter diese Überschrift stellte Andy Kopp, stellvertretender Vorsitzender der Aktion PiT Togohilfe, seinen Bericht bei der Mitgliederversammlung des Vereins 2026 in Maisach. Dieses Mal in einem anderen Format. Im Gespräch mit Matthias J. Lange nahm Kopp die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine persönliche Reise durch Togo – ein Land, in dem die Aktion Pit seit Jahrzehnten aktiv ist, Schulen baut, Brunnen finanziert, Patenkinder begleitet und soziale Projekte unterstützt.

Kopp war mit Unterbrechungen rund ein Jahr in Togo. Am 2. September 2024 reiste er nach Lomé, sein letzter Tag dort war der 14. Dezember 2025. Die Hauptstadt beschreibt er als „riesiges Dorf“ mit inzwischen rund 2,4 Millionen Einwohnern. Hochhäuser gebe es kaum, stattdessen breite sich die Stadt flach immer weiter aus. Hühner, Ziegen und andere Tiere gehörten ebenso zum Straßenbild wie das dichte Gewirr aus Häusern, Märkten und Verkehr. Lomé sei eine der wenigen Hauptstädte, die direkt an einer Landesgrenze liege – auf der anderen Seite beginne Ghana, allerdings mit einer harten Grenze, für die Europäer ein Visum benötigen. Hier unsere Aufzeichnung:

In Lomé hat die Aktion PiT Togohilfe ihren Sitz. Das Haus des Vereins dient als Büro, Lager und organisatorisches Zentrum. Dort werden unter anderem Pakete für Patenkinder zusammengestellt, deren Inhalte direkt in Togo eingekauft werden. Das Gebäude steht auf dem Gelände des OCDI, der togolesischen Caritas. Sollte die Aktion PiT es irgendwann nicht mehr benötigen, falle es an die Caritas zurück – eine Lösung, die Kopp ausdrücklich begrüßt.

Seine erste Unterkunft hatte Kopp bei einem Projektpartner, dem Arzt Dr. Kodom. Doch das große Anwesen mit Pool und Angestellten wurde ihm schnell zu einsam. Schließlich mietete er sich ein kleines Apartment bei einer togolesischen Familie. Dort fand er Anschluss, hatte eine Dachterrasse mit Wind und Ausblick, WLAN zum Arbeiten, kaltes Wasser am Morgen und warmes Wasser am Abend, wenn die Sonne den Tank aufgeheizt hatte. Zu seinen täglichen Begleitern gehörten ein Boxerhund und ein Pfau. Unvergesslich blieb ihm auch der Eisverkäufer, der jedes Wochenende mit Megafon durch die Straßen zog und „Crème-Choco“ für 50 Francs, umgerechnet etwa acht Cent, anbot. Probiert hat Kopp das Eis allerdings nicht – westlichen Besuchern würde er es auch nicht empfehlen.

Von Lomé aus führte seine Arbeit immer wieder in verschiedene Regionen des Landes. Im Süden besuchte er Togoville am Togo-See, einen historisch wichtigen Ort. Dort wurde in der Kolonialzeit der Schutzvertrag mit dem deutschen Reich geschlossen, aus dem später Togoland wurde. Heute gilt Togoville auch als Zentrum des Voodoo in Togo. Kopp betonte, dass Voodoo dort nichts mit den aus westlichen Horrorfilmen bekannten Klischees zu tun habe. Es sei eine offen praktizierte Religion, in der Ahnen und verschiedene Gottheiten eine wichtige Rolle spielten.

Ein wichtiger Projektpartner der Aktion Pit ist der König von Zoti. Mit ihm wurde unter anderem ein Krankenhaus für die Region aufgebaut und eingeweiht. Kopp schilderte die Einweihung als großes Ereignis mit Musik, Trommeln, traditionellen Gewändern und einer Voodoo-Zeremonie, bei der sogar ein echtes Krokodil anwesend war. Das neue Krankenhaus ersetzt ein altes, baufälliges Gebäude, in das es bereits hineinregnete. Für Kopp ist bei solchen Projekten entscheidend, dass die Zusammenarbeit nicht von oben herab geschieht. „Auf Augenhöhe“ bedeute für ihn nicht, sich künstlich herabzusetzen, sondern gegenseitigen Respekt zu zeigen, zuzuhören und zugleich klar zu sagen, was möglich ist und was nicht.

Auch Schuluniformen wurden in Zoti übergeben. In Togo besteht Schuluniformpflicht, doch viele Kinder tragen alte, weitergereichte Kleidung. Neue Uniformen seien deshalb für die Kinder ein großes Geschenk. Die Aktion PiT baut außerdem Schulen, wobei die Initiative meist aus den Dörfern selbst kommt. Die Projektpartner kümmern sich um Genehmigungen, Baufortschritt und lokale Organisation. Die Aktion PiT prüft, finanziert, begleitet und dokumentiert – auch, um den Spenderinnen und Spendern in Deutschland zeigen zu können, was mit ihrem Geld geschieht.

Ein weiterer wichtiger Ort ist Kpalimé, touristisch einer der besser erschlossenen Orte Togos. Dort ist das Klima angenehmer als in Lomé, weil die Stadt etwas höher liegt. Ein Projekt der Aktion Pit ist dort Aklala Batik, ein Frauenhaus und Ausbildungszentrum, gegründet von Madame Chantal. Dort werden Frauen in Batik und Schneiderei ausgebildet. Früher erhielten die Absolventinnen nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Nähmaschine, oft aus den Containern, die aus Deutschland nach Togo geschickt wurden. Heute ist das schwieriger geworden, weil die Containertransporte nicht mehr wie früher möglich sind. Zum Üben verwenden die Frauen teilweise alte Zementsäcke, weil Stoffe fehlen. Kopp schilderte dies als eindrucksvolles Beispiel dafür, mit wie wenig Material dort gearbeitet wird.

Die Reise führte ihn auch ins Hochland, in Klöster, Plantagenlandschaften und an Aussichtspunkte. Im Benediktinerkloster von Dzogbégan traf er Patenkinder und sah Kaffee, Kakao und Kochbananen wachsen. Am Aussichtspunkt „Golden Eye“ erzählte er von einem französischen Aussteiger, der dort ein kleines Hotel aufbaute, weil ihn der Blick über Togo nicht mehr losließ.

Ein Schwerpunkt seiner Reise waren Schulprojekte in ländlichen Regionen. In Gando-Kouka etwa besuchte Kopp mit Mitarbeitern der Aktion Pit mehrere Schulen, die kaum mehr als provisorische Unterstände waren. Kinder lernten unter Bäumen oder in einfachen Verschlägen, ohne ausreichende Bänke, Tische oder Tafeln. Sobald es regnet, sei dort kaum Unterricht möglich. Dennoch seien diese Schulen oft bereits staatlich anerkannt und mit Lehrern besetzt. Für Kopp zeigen solche Orte besonders deutlich, weshalb die Arbeit des Vereins notwendig ist: Die Menschen vor Ort wollen Bildung ermöglichen, können aber die Gebäude nicht selbst finanzieren.

In Kara, der zweitgrößten Stadt Togos, lernte Kopp die Evala kennen, traditionelle Ringkämpfe, die als Initiationsritus junger Männer gelten. Auch hier spielte Musik eine zentrale Rolle. Überhaupt, so Kopp, sei in Togo kaum eine Veranstaltung ohne Trommeln, Gesang oder Tanz denkbar. In der Region unterstützt die Aktion Pit zudem ein Blindenzentrum. Dort wurden ein Computer, ein spezieller Drucker für Brailleschrift und eine kleine Brücke finanziert. Diese Brücke sei für sehbehinderte Menschen besonders wichtig, weil ein Weg zwischen Wohnbereich und Schule bei Regen regelmäßig unpassierbar wurde.

Touristisch eindrucksvoll, aber zugleich sozial herausfordernd, sind die Lehmbauten der Tamberma im Norden, die sogenannten Tatas. Sie gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe und werden bis heute bewohnt. Kopp schilderte die Bauweise, die Wohnbereiche, die Küche und die Ahnenfetische vor den Häusern. Die Ahnen seien in Togo nicht Vergangenheit, sondern Teil des Alltags. Auch in dieser Region entstanden Brunnenprojekte der Aktion PiT. Kopp zeigte ältere und neuere Brunnen, darunter den Gerhard-Landgraf-Brunnen aus dem Jahr 2002, der noch immer funktioniert. Viele Brunnen werden von Hand ausgeschachtet, ohne schwere Maschinen. Das erklärt auch, warum solche Projekte Zeit brauchen.

Ein großes Thema war die Sicherheitslage im Norden Togos. In der Savannenregion nahe Burkina Faso ist die Situation angespannt. Immer wieder kommt es zu Übergriffen dschihadistischer Gruppen, genaue Informationen sind schwer zu bekommen. Reisen mit Gruppen seien dort derzeit nicht mehr möglich. Kopp fuhr dennoch hin, teils unter Militärbegleitung, weil er den Patenkindern zeigen wollte: Die Aktion PiT ist weiterhin da. Besonders berührend war das Wiedersehen mit Nata, einem Jungen, der als Baby mit einer Geschwulst am Kopf geboren wurde und von der Aktion PiT zur Operation nach Deutschland geholt worden war. Heute lebt er wieder in Togo, ist fröhlich, lacht viel und wird von seiner Familie begleitet.

Neben Projekten sprach Kopp auch über Alltag, Essen und Reisen. Fufu, das Nationalgericht aus Yamswurzeln, Erdnusssoße, Fisch, Perlhuhn und das Bier „Eku Bavaria“ gehörten für ihn ebenso zu Togo wie staubige Straßen, lange Fahrten in Toyota-Bussen und die große Herzlichkeit der Menschen. Die Reisen der Aktion PiT dauern in der Regel 16 Tage, davon 14 Tage im Land. Besucht werden Projekte, Patenkinder und touristische Stationen – allerdings nicht mehr die gefährdete Savannenregion. Wer mitreist, müsse sich gesundheitlich vorbereiten, etwa wegen Gelbfieberimpfung und Malariaprophylaxe, die ärztlich abgeklärt werden sollte.

Zum Schluss machte Kopp deutlich, dass die Aktion PiT heute keine Projekte von außen überstülpt. Die Vorschläge kommen aus Togo selbst: Dörfer, Schulen, Projektpartner oder Initiativen melden sich, wenn sie Hilfe brauchen. Die Mitarbeiter vor Ort prüfen die Angaben, erst dann wird ein Projekt entwickelt. Genau dieser Ansatz ist für Kopp entscheidend. Sein Jahr in Togo habe ihm gezeigt, wie wichtig das Team vor Ort ist und wie viel Freude die gemeinsame Arbeit macht. Er sei nicht als „großer Chef“ aufgetreten, sondern als jemand, der beobachtet, mitarbeitet und lernt.

Im September will Andy Kopp wieder nach Togo reisen – diesmal etwas früher als die Reisegruppe und für gut einen Monat. Die Verbindung zu Land, Menschen und Projekten ist für ihn längst mehr als Vereinsarbeit. Es ist eine Aufgabe, die ihn geprägt hat. Oder, wie seine Überschrift es ausdrückt: gleicher Planet, aber eine andere Welt.