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Kirchen und Kathedralen – Wo Brüssel still und groß wird

5. Oktober 2026

Meine Frau hat wert darauf gelegt, dass wir in Brüssel auch Kathedralen und Kirchen besichtigen und ich muss zugeben: Es hat sich gelohnt. Hier zwei lohnenswerte Besichtigungen von der Kathedrale St. Michael und St. Gudula und die Kirche Notre-Dame des Victoires.

Kathedrale St. Michael und St. Gudula
Die Kathedrale St. Michael und St. Gudula gehört zu den bedeutendsten Wahrzeichen Brüssels. Der imposante gotische Bau erhebt sich auf einem Hügel im Zentrum der belgischen Hauptstadt und entstand in seiner heutigen Form über mehrere Jahrhunderte hinweg. Besonders eindrucksvoll sind die beiden mächtigen Türme der Westfassade, die großen Glasfenster und der helle, weitläufige Innenraum.

Die Kathedrale ist den beiden Schutzheiligen Michael und Gudula geweiht und spielt bis heute eine wichtige Rolle bei bedeutenden kirchlichen und staatlichen Feierlichkeiten Belgiens. Zu ihren größten Kunstschätzen gehören die prachtvolle barocke Kanzel, historische Glasmalereien und zahlreiche Skulpturen. Trotz ihrer monumentalen Architektur besitzt die Kirche im Inneren eine bemerkenswert ruhige und feierliche Atmosphäre.

Plötzlich wird es still. Hohe gotische Gewölbe ziehen den Blick nach oben, Licht fällt durch farbige Glasfenster und die mächtigen Säulen des Mittelschiffs vermitteln jene Mischung aus Größe und Ruhe, die große Kathedralen so faszinierend macht.

Ihre Geschichte reicht weit zurück. Bereits 1047 ließ Lambert II. von Löwen an dieser Stelle eine romanische Kirche errichten. Die Reliquien der heiligen Gudula wurden hierhergebracht, sodass das Gotteshaus fortan Michael und Gudula gewidmet war. Vom 13. Jahrhundert an entstand an ihrer Stelle die heutige gotische Kirche. Erst 1962 erhielt sie offiziell den Rang einer Kathedrale.

Besonders sehenswert sind die prachtvollen Glasfenster, die Apostelfiguren entlang der Säulen, die Kapellen und die große Orgel. Unter dem heutigen Bau lassen sich sogar noch Überreste der romanischen Vorgängerkirche entdecken. Die Krypta stammt aus dem 11. Jahrhundert und war vermutlich zur Aufnahme der Reliquien der heiligen Gudula bestimmt.

Die Kathedrale ist aber keineswegs nur ein historisches Monument. Sie gehört bis heute zum religiösen und zeremoniellen Leben Belgiens und war Schauplatz bedeutender Ereignisse – nach der großen Restaurierung von 1983 bis 2000 fand hier beispielsweise 1999 die Hochzeit des heutigen Königs Philippe mit Mathilde statt.

2026 ist zudem ein besonderes Jahr: Die Kathedrale feiert 800 Jahre gotische Architektur mit einem umfangreichen Kulturprogramm.

Wer Brüssel besucht, sollte deshalb nicht nur einen Blick auf die eindrucksvolle Doppelturmfassade werfen. Es lohnt sich, hineinzugehen, sich für einige Minuten in eine der Bänke zu setzen und den Raum einfach wirken zu lassen. Zwischen dem Trubel der europäischen Hauptstadt findet man hier einen Ort, an dem acht Jahrhunderte Geschichte plötzlich ganz nah erscheinen.

Achten Sie bei dem Besuch der Kathedrale unbedingt auf die Kanzel.Die monumentale Barockkanzel gehört zu den eindrucksvollsten Kunstwerken der Kirche. Sie wurde 1699 vom Antwerpener Bildhauer Hendrik Frans Verbruggen aus Eichenholz geschaffen und kam 1776 nach Brüssel.
Besonders dramatisch ist die Darstellung am Fuß der Kanzel: Adam und Eva werden nach dem Sündenfall aus dem Paradies vertrieben. Ein Engel mit Flammenschwert, die Schlange und ein Skelett als Sinnbild des Todes verstärken die theatralische Wirkung. Darüber steht die Darstellung von Maria mit dem Jesuskind, die den Sieg über die Schlange und damit die Erlösung symbolisiert. So erzählt die Kanzel in üppiger barocker Bildsprache den Weg von Sünde und Vertreibung hin zu Hoffnung und Erlösung.

Kirche Notre-Dame des Victoires
Die Kirche Notre-Dame des Victoires au Sablon (französisch) oder Onze-Lieve-Vrouw ter Zege op de Zavelkerk (niederländisch), auf Deutsch etwa „Liebfrauenkirche am Sablon“, ist ein am Place du Grand Sablon/Grote Zavel in Brüssel gelegener Sakralbau.

Wer vom Zentrum Brüssels hinauf zum eleganten Sablon-Viertel spaziert, entdeckt mit der Église Notre-Dame des Victoires au Sablon eine der schönsten gotischen Kirchen der belgischen Hauptstadt. Zwischen Antiquitätengeschäften, Galerien und Chocolatiers erhebt sich der reich verzierte Bau mit seinen hohen Spitzbogenfenstern, filigranen Steinmetzarbeiten und zahlreichen kleinen Türmchen beinahe wie eine steinerne Krone über dem Viertel.

Die Geschichte der Kirche beginnt im frühen 14. Jahrhundert. 1304 erhielten die Brüsseler Armbrustschützen das Gelände und errichteten dort zunächst eine kleine Marienkapelle. Ihre große Bedeutung erhielt der Ort durch eine Legende: 1348 soll Béatrice Soetkens eine wundertätige Marienstatue per Boot aus Antwerpen nach Brüssel gebracht haben. Die Verehrung der Madonna wurde so populär, dass zu Beginn des 15. Jahrhunderts der Bau der heutigen, wesentlich größeren Kirche begann. Die Überlieferung um die Marienfigur steht auch am Ursprung des berühmten Brüsseler Ommegang-Festzuges.

Besonders beeindruckend ist das Innere. Die hoch aufragenden Pfeiler und großen Fenster verleihen dem Kirchenraum eine überraschende Leichtigkeit. Gerade der Chor entfaltet durch seine hohen Lanzettfenster eine starke vertikale Wirkung – das Licht wird hier selbst zu einem Teil der Architektur.

Einen genaueren Blick verdient auch die kunstvoll geschnitzte Kanzel von Marc De Vos aus dem Jahr 1697. Einen spannenden Kontrast zur spätgotischen Architektur bilden zudem die beiden prächtigen barocken Kapellen neben dem Chor. Sie entstanden im 17. Jahrhundert für die bedeutende Familie Thurn und Taxis, deren Geschichte eng mit Brüssel verbunden ist.

Gerade dieser Wechsel der Stile macht Notre-Dame du Sablon so reizvoll. Gotische Strenge trifft auf barocke Pracht, mittelalterliche Legenden auf die Geschichte mächtiger Brüsseler Familien. Und überall fällt farbiges Licht durch die großen Glasfenster.

Notre-Dame du Sablon gehört für mich deshalb zu jenen Brüsseler Orten, die man nicht einfach nur fotografieren sollte. Hineingehen, nach oben schauen und ein paar Minuten bleiben – erst dann entfaltet dieser außergewöhnliche Kirchenraum seine ganze Wirkung.

Amerikanische Stimmen, schottische Stille – ein Konzert, das bleibt

15. Juli 2025

Natürlich hat Schottland viel, ganz viel eigene Musik zu bieten, aber wie es der Zufall wollte, trafen wir gleich zweimal auf einen professionellen US-amerikanischen Chor, der in Schottland auf Konzertreise war.

Zunächst erlebte ich die erhabene Atmosphäre der Glasgow Cathedral mit den kraftvollen Stimmen des Masterworks Choir. Inmitten gotischer Architektur und jahrhundertealter Geschichte erfüllt klassische Chormusik den Raum – ein unvergesslicher Moment voller Klang, Spiritualität und Gänsehaut. Ein musikalisches Highlight im Herzen von Glasgow. Hier ist das ganz Konzert als Video.

The Masterworks Choir ist ein renommierter US-Konzertchor, den wir ein paar Tage später in der Kathedrale von Inverness trafen und uns nett unterhielten.

Leider war während des Konzerts die Besichtigung der Gotteshäuser nicht möglich.
Die Glasgow Cathedral, auch bekannt als St. Mungo’s Cathedral, ist eines der bedeutendsten mittelalterlichen Bauwerke Schottlands und das älteste erhaltene Gebäude der Stadt Glasgow. Sie befindet sich im östlichen Stadtzentrum und wurde auf dem Grab des heiligen Mungo (auch Kentigern genannt) errichtet, des Stadtpatrons und christlichen Missionars, der im 6. Jahrhundert lebte. Die heutige Kathedrale stammt größtenteils aus dem 13. Jahrhundert und wurde in der für die Gotik typischen Kreuzform mit hohen Spitzbögen, Rippengewölben und farbigen Glasfenstern erbaut.

Die Kirche ist ein herausragendes Beispiel gotischer Architektur in Schottland und blieb – anders als viele andere mittelalterliche Kirchen – auch nach der Reformation weitgehend unversehrt. Besonders bemerkenswert ist die Krypta, die sich direkt unter dem Chor befindet und das Grab des heiligen Mungo beherbergt. Sie gilt als einer der ältesten Teile des Gebäudes und stammt aus dem 12. Jahrhundert.

Die Glasgow Cathedral diente lange Zeit als Sitz des Erzbischofs von Glasgow, bis die schottische Reformation 1560 die katholische Kirche entmachtete. Heute gehört sie zur Church of Scotland und wird weiterhin aktiv als Gemeindekirche genutzt. Die Kathedrale ist außerdem ein beliebtes Ziel für Touristen und ein geschütztes Denkmal. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Necropolis, ein viktorianischer Friedhof, der oft in Verbindung mit einem Besuch der Kathedrale besichtigt wird.