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Albumkritik: Foreign Tongues von The Rolling Stones

11. Juli 2026

Das Warten hat ein Ende: Pünktlich zum offiziellen Release am 10. Juli 2026 liegt mit „Foreign Tongues“ das mittlerweile 25. Studioalbum der Rolling Stones vor. Nach dem großen Erfolg von Hackney Diamonds (2023) beweisen die Rock-Ikonen um Mick Jagger, Keith Richards und Ronnie Wood, dass sie auch im hohen Alter nichts an Energie eingebüßt haben.

Foreign Tongues ist kein wehmütiges Abschiedswerk, sondern ein erstaunlich druckvolles, modernes Rockalbum. Ein Großteil der Songs basiert auf den über 20 Titeln, die während der Hackney Diamonds-Sessions aufgenommen, aber damals nicht finalisiert wurden. Der Star-Produzent Andrew Watt hat diese Rohlinge im Jahr 2025 und Anfang 2026 gründlich poliert und mit frischem Material ergänzt.
Das Album ist spürbar gitarrenlastiger als sein Vorgänger. Tracks wie die Vorabsingle „In the Stars“ oder „Never Wanna Lose You“ sind klassische, treibende Riff-Rocker, die präzise für die ganz großen Stadionbühnen maßgeschneidert wurden.
Mick Jagger gibt sich textlich überraschend reflektiert und politisch. Er setzt sich mit der aktuellen Weltlage und der eigenen Endlichkeit auseinander, ohne dabei den typischen, leicht arroganten Stones-Charme zu verlieren.
Neben straightem Rock bedient die Band ein breites Spektrum – vom staubigen Americana-Folk auf „Divine Intervention“ bis hin zu einer unerwarteten, rotzigen Coverversion von Amy Winehouses „You Know I’m No Good“.
Fehlen von Ecken und Kanten: Durch die extrem glatte, zeitgemäße Produktion von Andrew Watt vermisst man gelegentlich die dreckigen, ausgedehnten Blues-Jams oder die düstere, unvorhersehbare Atmosphäre früherer Meisterwerke.
Das visuelle Konzept: Das collagenartige Pastell-Cover „Trinity“ des Künstlers Nathaniel Mary Quinn spaltet die Gemüter und wirkt für manche Fans im Vergleich zur Musik etwas zu verkopft. Mir gefällt es.
Wie aufwändig ist das Album?
Um es kurz zu machen: Der Aufwand hinter „Foreign Tongues“ ist gigantisch – sowohl in finanzieller, personeller als auch in logistischer Hinsicht. Die Stones haben für dieses Album alle Hebel der modernen Musikindustrie in Bewegung gesetzt.

Die hochkarätige Gästeliste
Die Band hat eine Riege an Gastmusikern versammelt, die einer Rock-and-Roll-Hall-of-Fame-Gala gleicht. Finanziell und organisatorisch ist ein solches Aufgebot ein absoluter Kraftakt:
Paul McCartney greift erneut zum Bass, Robert Smith (The Cure) bringt eine düstere Post-Punk-Note ein, Chad Smith (Red Hot Chili Peppers) und der langjährige Stones-Begleiter Steve Jordan teilen sich die Drum-Arbeit sowie Steve Winwood und Bruno Mars steuern ebenfalls hochkarätige Parts bei.
Ein emotionaler Höhepunkt ist der Track „Hit Me in the Head“. Hierfür wurden Archiv-Schlagzeugspuren des 2021 verstorbenen Drummers Charlie Watts aus einer Studio-Session in Los Angeles restauriert und meisterhaft in den Song integriert.

Logistik & Studios
Die Aufnahmen erstreckten sich über mehrere Kontinente und Jahre (mit Sessions in 2019, 2021, 2022–2023 und final 2025–2026). Gearbeitet wurde in absoluten High-End-Studios, darunter den geschichtsträchtigen Henson Studios in Los Angeles und den Metropolis Studios in London. Letztere wurden von Mick Jagger bewusst gewählt, um in einer intensiven, kompakten „Londoner Atmosphäre“ den finalen Songs den nötigen Feinschliff zu verpassen.

Die Marketing-Maschinerie
Auch die Promotion-Kampagne war ein marketingtechnischer Geniestreich mit enormem Budget:
Weltweit tauchten im April 2026 in 20 verschiedenen Ländern Street-Art-Poster auf, die den Albumtitel in der jeweiligen Landessprache anteaserten.
Unter dem geheimen Fake-Namen „The Cockroaches“ (eine Anspielung auf ihre eigene Historie) ließen die Stones eine schneeweiße Vinyl-Single in Plattenläden auftauchen, um unter Hardcore-Fans einen Lauffeuer-Hype auszulösen.
Für mich zeigt Foreign Tongues die Rolling Stones als eine perfekt geölte, hochprofessionelle Rock-Maschine. Der immense finanzielle und kreative Aufwand hat sich gelohnt: Das Album klingt frisch, vermeidet pure Nostalgie-Kumpanei und festigt das späte Vermächtnis der Band auf beeindruckende Weise.