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Konzertkritik: Die Rückkehr der Könige BTS in die Allianz Arena

12. Juli 2026

Drei Jahre Zwangspause. Drei Jahre, in denen die Welt auf die Rückkehr der sieben Südkoreaner warten musste. Doch als am Freitag 11. Juli 2026 die ersten Basstöne durch die Münchner Allianz Arena wummerten, war klar: BTS haben nicht nur nahtlos an ihre alten Erfolge angeknüpft, sie haben sich noch einmal neu erfunden. Die Arirang World Tour machte für zwei restlos ausverkaufte Abende in Deutschland halt – und lieferte eine Show ab, die eindrucksvoll erklärte, warum das Phänomen K-Pop die globale Musiklandschaft dominiert.

Auch die Army, die starke Fan-Base von BTS, zeigte sich wieder von der besten Seite. Man verschenkte Freebies, sogar ich als alter Mann wurde mit dem Fan-Material überhäuft. Viele der zumeist weiblichen Fans war gestylt im Look der Band. Es gab kein Schubsen, keinen Streit unter den 72.000 Fans vor und in der Allianz-Arena. Für mich bedeutet BTS auch ein Teil meiner Familiengeschichte. Meine Tochter war einst ein Hardcore-Fans und wir besuchten verschiedene K- und J-Pop-Fans zu ihrer Schulzeit. Bei BTS waren wir zum ersten Mal in Berlin dabei. Dann reisten wir extra zu einem Konzert nach London in die Wembley-Arena. Und nach drei Jahren Pause wollten wir das Tochter-Vater-Erlebnis nochmal mit dem Comeback-Konzert in München krönen.

Mehr als Musik: Die Magie der „Arirang World Tour“
Wer ein K-Pop-Konzert besucht, geht nicht einfach nur hin, um ein Live-Songs zu hören. Es ist ein dreistündiges Hochleistungsspektakel. In München wurde das Stadion von den ARMY Bombs, den Bluetooth-gesteuerten Leuchtstäben der Fans, in ein perfekt synchronisiertes, lila Lichtermeer getaucht, das auf jeden Takt der Musik reagierte.
RM, Jin, SUGA, j-hope, Jimin, V und Jungkook bewiesen auf der Bühne, dass sie die militärische Auszeit genutzt haben, um musikalisch und persönlich zu reifen. Die Setlist war eine schöne Balance:

Die Klassiker: Hymnen wie Dynamite und Spring Day sorgten für ohrenbetäubende Fanchöre, die selbst den Verkehr am Fröttmaninger Ring übertönt haben dürften.

Die neue Ära: Die Tracks ihres Frühjahrs-Comebacks zeigten eine erwachsenere Seite der Band, die modernen Pop, rohen Hip-Hop und traditionelle koreanische Elemente nahtlos verschmelzen lässt.

Die Solo-Stages: Jeder der sieben Musiker bekam den Raum, seine individuelle künstlerische Identität zu präsentieren – von SUGAs intensivem Rap-Feuerwerk bis zu Jimins eleganter Contemporary-Dance-Performance.

Die Architektur der Faszination: Warum K-Pop die Welt erobert
Der unfassbare Hype um dieses Konzert – für das Fans Ticketpreise von mehreren hundert Euro zahlten und aus ganz Europa anreisten – wirft für Außenstehende oft die Frage auf: Warum eigentlich? Die Antwort liegt in der einzigartigen DNA des K-Pop, die BTS in den vergangenen zehn Jahren maßgeblich geprägt und perfektioniert haben:

Absolute visuelle und akustische Perfektion
K-Pop überlässt nichts dem Zufall. Die Choreografien sind bis in die Fingerspitzen synchronisiert, die Bühnenbilder wechseln im Minutentakt und die Outfits haben Haute-Couture-Niveau. Es ist ein multisensorisches Erlebnis. Dass der Live-Gesang trotz der atemraubenden Tanzeinlagen so stabil sitzt, ist das Ergebnis eines jahrelangen, extrem harten Trainingssystems. Westliche Pop-Acts wirken im direkten Vergleich oft fast minimalistisch.

Der Spagat zwischen Übermenschen und besten Freunden
Die größte Leistung von BTS ist die emotionale Bindung zu ihrer Fangemeinde. Auf der Bühne agieren sie wie unnahbare Pop-Gottheiten, doch in ihren Ansprachen zwischen den Songs in München zeigten sie sich unfassbar nahbar, humorvoll und verletzlich. Da durfte sogar das FC Bayern Trikot getragen werden. Durch unzählige Vlog-Formate, Livestreams und Behind-the-Scenes-Material haben Fans das Gefühl, mit ihnen aufgewachsen zu sein. Es ist eine intensive parasoziale Beziehung, die sich für die Fans sehr real und stützend anfühlt.

Botschaften mit Substanz
Während die klassischen Boybands der 90er und 00er Jahre fast ausschließlich auf reine Liebeslieder setzten, adressiert BTS Themen, die wehtun. Sie singen über psychische Gesundheit, den enormen Leistungsdruck der Gesellschaft, Systemkritik und den oft steinigen Weg zur Selbstliebe. Sie geben einer ganzen Generation eine Stimme, die sich in ihren Texten – Sprachbarriere hin oder her – zutiefst verstanden fühlt. In München wurde die koreanische Community aktiviert.

Ein Abend für die BTS-Geschichtsbücher
Das Konzert in München war nicht nur ein Beweis für die ungebrochene Strahlkraft von BTS, sondern auch ein Statement für das Genre selbst. K-Pop ist längst keine kuriose Nische mehr, die von westlichen Medien belächelt wird. Es ist die Speerspitze der modernen Popkultur.
Als das Konzert gegen 22 Uhr endete und sich die sieben Mitglieder tief vor ihrem Publikum verbeugten, blieb ein Stadion voller erschöpfter, aber restlos glücklicher Menschen zurück. Die Könige sind zurück – und sie sitzen fester im Sattel denn je.

BTS in Berlin – BTS will wieder kommen

6. Dezember 2018

BTS in Berlin in der Mercedes Benz Arena.

BTS in Berlin in der Mercedes Benz Arena.

Wow, das war eine Atmosphäre, das war eine Show, das war ein Event. Vor einigen Wochen besuchte ich mit K2 das Kpop-Event des Jahres: BTS in der Berliner Mercedes Benz Arena. Ja, ich geb zu: Es ist nicht unbedingt meine Musik, aber der Auftritt und der ganze Auftrieb der ARMY haben es mir angetan.
K2 ist im Kpop-Fieber und so besuchten wir dieses Jahr die Shows von G-Dragon, GOT7 und eben nun BTS. Alle drei waren auf ihre Weise sehr eindrucksvoll – aber sicher heimste BTS bei den Fans die meisten Lorbeeren ein.
Es war die Welttournee der Boygroup aus Südkorea und das erste Mal in großen Hallen in Deutschland. Es gab zwar schon mal eine Art Mini-Tour vor Jahren als BTS noch keinen bekannt war, aber das zählt nicht so richtig. In Berlin gab es an zwei Abende hintereinander Auftritte in der ausverkauften Mercedes Benz Arena und der Kartenbedarf für ein paar weitere Konzerte bestand durchaus. Nur mit viel, sehr viel Glück hatte ich zwei Karten für BTS bekommen. Innerhalb von Sekunden waren die Tickets verkauft und die Schwarzmarktpreise schossen in perverse Höhen. Wir hatten also Karten für den Innenraum.

Von München nach Berlin mit dem ICE, schnell ins Hotel und Gepäck abgelegt und dann begann etwas, was ich in meiner Karriere als Konzertbesucher nicht kannte: Numbering. An einem Stand wurden Armbändern mit Nummern ausgegeben und dann konnte man sich als Konzertbesucher gestaffelt in abgesperrten Arealen auf den Eintritt einreihen. Besucherinnen erzählten mir, dass man sich für niedrige Nummern, also einen vorderen Stehplatz, schon am frühen Morgen anstellen musste. Nun denn: Ich hatte die Nummer 2765.

Die Warterei vertrieben sich die Fans mit Musikhören und singen. Und genau darum mag ich die Kpop-Fans, ebenso wie die Anime- und Mangafans. Man lässt sich einfach auf dem Boden nieder, teilt mit seinem Nachbarn ein paar Gummibärchen, philosophiert über den anstehenden Auftritt. Also wunderbar friedlich und respektvoll.

Warten vor der Halle auf BTS
Da wir ja feste Plätze hatten, streiften wir ein wenig durch die Gegend um die Mercedes Benz Arena. Mir wurde Random Dance erklärt, was ich als alter Mann auch nicht kannte. Es werden Takte von BTS-Songs gespielt und Fans stürmen auf eine Tanzfläche und machen die komplizierten Moves nach. In der Regel sind es nur ein paar Takte und der Zirkus beginnt von vorne. In Berlin wurden ganze Lieder gespielt und so bekam das Ganze nicht die Dynamik anderer Random Dances, die ich aus YouTube kennenlernen durfte.
Natürlich gab es eine große, ganz große Fotowand mit Fotos der Bandmitglieder. Hier konnten sich Fans mit ihren BTS-Stars fotografieren lassen. Warten, Posen, Smartphone klick und der nächste. Auch hier lief das Ganze ohne Gedränge und Geschupse ab. Großes Lob an die BTS-Fans.

Koordinierte Army Bombs
Interessant war auch ein Stand, an dem die Fans ihre mitgebrachten Lichter, genannt Army Bombs, ab Version 3 synchronisieren konnten. Diese Army Bombs werden von den Hardcore-Fans während des Konzerts nach oben gehalten und im Takt gewippt. Was früher Feuerzeuge, später Smartphone waren, sind heute Army Bombs. Ab Version 3 könnten die Dinger via Blauzahn farblich aufeinander abgestimmt werden. Hinter der Bühne werden die Farben dann koordiniert und so wird der Fan ein Teil der perfekten Show. Wir hatten nur eine Army Bomb Version 2 und uns war das Upgrade zu teuer.
Dann nach ein paar Stunden Warterei ging es los. Die einzelnen Area-Zonen wurden aufgerufen und durften die Mercedes Benz Arena betreten. Wir kamen ziemlich nah an die Bühne ran, die ins Publikum gebaut war. So etwas habe ich bei den Stones erlebt und die Atmosphäre war genial.
Dann wieder Warten bis das Konzert begann. Ich besorgte Getränke, denn die Hitze stieg und die Luft wurde schlechter. Dabei hatte das Konzert noch gar nicht begonnen. Vor allem junge Damen drängelten sich nach vorne. Die Gespräche unter den Fans drehten sich um das Privatleben der Stars. Sie waren tagsüber in Berlin aufgetaucht, residierten in Adlon und bummelten durch Berlin. Sollte man als Fans nun Fotos von den bummelnden BTS-Musikern machen oder die Privatsphäre respektieren?
Dann kam eine Durchsage, dass Jeon Junkook nicht mittanzen kann, weil er sich verletzt hatte. Von den Fans wurde dies mit viel Mitgefühl aufgenommen. Dann ging das Spektakel los. Die Show war perfekt, die Stimmung kochte über, es gab viel Geschrei und Jubel. Ich habe ein paar Videos im Auftrag von K2 gemacht, die dann in den entsprechenden Gruppen geteilt wurden.

BTS sprechen Deutsch und kündigen Besuch in Deutschland an
Gegen Ende des Konzerts gab es noch eine Ansprache der Jungs. Es wurden einige Zeilen auf Deutsch gesprochen, was mit wahnsinnigen Geschrei der Fans quittiert wurde. Unter anderem sagten die Herrschaften auf der Bühne, dass sie 2019 wieder nach Deutschland kommen würden. Ob wir da mit dabei wären? JAAAA brüllte die Halle – inklusive K2. Ich weiß also, dass ich 2019 wieder auf ein Kpop-Konzert gehen darf. Ein Datum steht freilich noch nicht fest.

Hier ein paar Videos, die bei dem Konzert entstanden sind.