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Battlefield Earth – Wenn Größenwahn auf Schallplatte gepresst wird

3. November 2026

Ich habe in einem Laden eine Platte gekauft für wenig Geld, die wirklich schrecklich ist. Warum habe ich sie erstanden? Weil ich neugierig war. Es ist eine musikalische Katastrophe zwischen Science-Fiction-Kitsch, elektronischem Größenwahn und unfreiwilliger Komik.

Es handelt sich um das Album von Battlefield Earth vom Oberscientologen  L. Ron Hubbard. Es ist ein musikalisches Kuriosum, das sich jeder vernünftigen Einordnung entzieht. Was hier als monumentales Science-Fiction-Klangerlebnis verkauft wird, entpuppt sich als eine nahezu unerträgliche Mischung aus synthetischem Bombast, musikalischer Selbstüberschätzung und akustischem Irrsinn. Ein Album, das offenbar die Unendlichkeit des Weltraums beschwören will, dabei aber vor allem die Grenzen des guten Geschmacks auslotet. Gut, dass dieses Album für ein Schnäppchenpreis über die Theke ging – der Verkäufer hatte wohl Mitleid. Ich stellte aber sofort klar, dass ich kein Scientology-Anhänger bin – eigentlich das Gegenteil.

Aber zurück zum Album. Das 1982 veröffentlichte Album Space Jazz: The Soundtrack of the Book Battlefield Earth basiert auf dem gleichnamigen Science-Fiction-Roman des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard. Schon diese Verbindung lässt nichts Gutes erahnen. Hubbard, der sich nicht gerade durch Bescheidenheit auszeichnete, wollte offenbar nicht nur literarisch ganze Universen erschaffen, sondern ihnen auch gleich noch den passenden Soundtrack verpassen. Das Ergebnis ist eine musikalische Hybris, bei der Anspruch und Wirklichkeit Lichtjahre auseinanderliegen.

Dabei ist die Besetzung durchaus bemerkenswert. Mit Musikern wie Chick Corea und Stanley Clarke sind Namen vertreten, die eigentlich für musikalische Virtuosität und anspruchsvollen Jazz stehen. Doch selbst solche Könner können dieses Projekt nicht retten. Ihre Beteiligung macht das Scheitern sogar noch rätselhafter. Man fragt sich unweigerlich, wie es gelingen konnte, aus derart viel musikalischem Talent ein derart befremdliches Hörerlebnis zu produzieren.

Die Musik selbst schwankt zwischen hektischem Jazzrock, elektronischem Gedudel, pseudo-futuristischen Klangexperimenten und theatralischen Passagen, die selbst einem billigen Science-Fiction-Film der siebziger Jahre peinlich gewesen wären. Immer wieder werden Melodien angedeutet, nur um im nächsten Moment von einer Lawine aus Synthesizergeräuschen, rhythmischen Verrenkungen und überflüssigen Effekten begraben zu werden. Was vermutlich nach einer futuristischen Klanglandschaft klingen sollte, erinnert eher an eine außer Kontrolle geratene Vorführung in einem Elektronikgeschäft.

Besonders problematisch ist die völlige Abwesenheit einer überzeugenden musikalischen Dramaturgie. Die Stücke wirken weniger wie durchkomponierte Werke als vielmehr wie eine Aneinanderreihung von Einfällen, die niemand kritisch hinterfragt hat. Alles muss groß, gewaltig, bedeutungsschwer und möglichst außerirdisch klingen. Doch je mehr sich die Musik anstrengt, desto lächerlicher wird sie. Spannung entsteht kaum, Atmosphäre nur zufällig und wirkliche Emotionen bleiben irgendwo zwischen den elektronischen Klangkulissen auf der Strecke.

Das eigentlich Erschreckende an Battlefield Earth ist jedoch seine penetrante Ernsthaftigkeit. Hier scheint niemand auch nur für einen Augenblick daran gedacht zu haben, dass das gesamte Konzept unfreiwillig komisch wirken könnte. Die Platte nimmt sich selbst so wichtig, dass sie unter dem Gewicht ihrer eigenen Ambitionen zusammenbricht. Man hört förmlich den Anspruch heraus, etwas Revolutionäres geschaffen zu haben. Tatsächlich klingt vieles wie eine musikalische Demonstration dessen, was passiert, wenn ein überdimensioniertes Ego auf technische Spielereien und fehlende künstlerische Selbstkritik trifft.

Auch klangästhetisch ist das Album eine Zumutung. Die elektronischen Effekte wirken heute hoffnungslos antiquiert, ohne dabei jenen nostalgischen Charme zu entwickeln, der viele frühe Synthesizerproduktionen so reizvoll macht. Wo andere Künstler mit elektronischen Instrumenten neue Klangwelten erschlossen, produziert Battlefield Earth vor allem künstliche Aufgeregtheit. Das ist nicht visionär, sondern ermüdend. Nicht experimentell, sondern häufig schlicht geschmacklos. Und nicht etwa mutig avantgardistisch, sondern erschreckend beliebig.

Natürlich besitzt die Platte einen gewissen Kuriositätenwert. Sammler obskurer Veröffentlichungen, Freunde musikalischer Fehlleistungen und Liebhaber bizarrer Science-Fiction-Relikte dürften ihre Freude daran haben. Allerdings eher aus kulturhistorischem Interesse als aus musikalischer Begeisterung. Battlefield Earth ist eine jener Schallplatten, die man einmal auflegt, um herauszufinden, ob sie tatsächlich so grotesk klingt, wie ihr Ruf vermuten lässt. Anschließend wandert sie wahrscheinlich für sehr lange Zeit zurück ins Regal.

Besonders bitter ist, dass hier tatsächlich hervorragende Musiker beteiligt waren. Doch musikalische Klasse allein garantiert noch kein gutes Album. Wenn eine künstlerische Vision derart überladen, selbstverliebt und konzeptuell fragwürdig ist, können auch virtuose Instrumentalisten wenig ausrichten. Das Ergebnis bleibt ein aufgeblasenes Klanggebilde, das sich permanent wichtiger nimmt, als es ist.

Am Ende steht eine Schallplatte, die als musikalische Begleitung eines Science-Fiction-Epos gedacht war, selbst aber wie ein gescheitertes Experiment aus einem Paralleluniversum klingt. Battlefield Earth ist kein vergessenes Meisterwerk, das dringend wiederentdeckt werden müsste. Es ist vielmehr ein faszinierendes Dokument dafür, dass Größenwahn, technische Möglichkeiten und prominente Mitwirkende noch lange keine künstlerische Qualität ergeben.

Mein Fazit: Battlefield Earth ist eine akustische Bruchlandung mit Ansage. Ein Album voller Bombast, ohne wirkliche Größe, voller Effekte, ohne überzeugende Wirkung, und voller musikalischer Aktivität, ohne wirklich etwas zu erzählen. Die Platte möchte uns in ferne Galaxien entführen, doch schon nach wenigen Minuten wünscht man sich nichts sehnlicher als die Rückkehr zur Erde. Wer wissen möchte, wie musikalische Selbstüberschätzung klingt, findet hier ein nahezu perfektes Anschauungsobjekt. Als skurriles Sammlerstück interessant, als ernsthaftes Hörerlebnis weitgehend gescheitert.