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Corona-Virus: Tag 3 der Ausgangsbeschränkung – der Blick ins Maisacher Netz

24. März 2020

Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten hatten sich am Sonntag auf bundesweite Einschränkungen verständigt. Generell gilt eine Abstandsregelung von mindestens eineinhalb Metern. Begegnungen in der Öffentlichkeit sind in anderen Bundesländern generell auf zwei Menschen beschränkt, bei uns in Bayern dürfen weiterhin nur Familien beziehungsweise Mitglieder eines Haushalts gemeinsam unterwegs sein. Mein Eindruck in unserem Dorf ist: Es klappt – die Straßen im Dorf sind leer. In der Frauenstraße, einer der wichtigen Straßen zum Gewerbegebiet, fahren kaum Autos. Das Dorfzentrum ist kaum besucht, ein paar Menschen laufen noch von der S-Bahn zu den Firmen.

Wenn die Kontakte nicht im realen Leben stattfinden können, dann gibt es das virtuelle Leben. Meine wichtigsten Werkzeuge sind eMail, Threema, Facetime, Skype sowie Zoom. Und hier kommt auch das größte soziale Netzwerk der Welt ins Spiel: Facebook.
Für mein Dorf gibt es eine Facebook-Gruppe „Du kommst aus Maisach, wenn …„. Administrator der Gruppe mit derzeit 1695 Mitgliedern ist Claus Bender. Ich wollte wissen, ob sich durch Corona im Netz etwas verändert hat.

Spürst du durch Corona einen verstärkten Zugriff auf die Maisacher-Facebook-Gruppe?
Claus Bender: Ja, es passiert gewaltig etwas im Netz. Ich stelle eine Steigerung von rund 100 Prozent fest. Das Informationsbedürfnis ist enorm. Gleichzeitig sind die Mitglieder verstärkt zu Hause und schauen, was sich in der Gruppe tut. Viele möchten sich informieren, viele sich unterhalten und sich zum aktuellen Geschehen äußern. Corona hat derzeit einen extrem starken Einfluss auf die sozialen Medien, im Grunde ist nichts anderes mehr zu lesen.
Allerdings nehmen die pseudowitzigen Bilder und Sprüche seit einer Woche ab, auch hier ist zu spüren, dass diese Pandemie kein Spaß ist.

Seit wann besteht die Gruppe eigentlich und wie sieht ihre Entwicklung aus?
Claus Bender: Die Gruppe wurde am 19. Dezember 2017 von Thomas Wagner gegründet, der mich als Administrator mit ins Boot geholt hat, und ist seitdem stetig gewachsen. Durch die aktuelle Lage bekommen wir vermehrt neue Mitglieder.

Um welche Themen drehen sich die Gespräche in der Maisach-Gruppe?
Claus Bender: Der Schwerpunkt der Beiträge kommt aus Maisach und Gernlinden, weil sie ja die bevölkerungsreichsten Ortsteile sind. Aber auch die kleineren Ortsteile im Gemeindegebiet sind in der Facebook-Gruppe vertreten. Es werden alle möglichen Themen diskutiert von unterschiedlicher Qualität. Immer wieder werden Tiere gesucht, die entlaufen sind, so dass hier eine eigene Gruppe entstanden ist. Natürlich dürfen kleine Kabbeleien nicht fehlen – vor allem durch die historische Rivalität zwischen Maisach und Gernlinden.

Die Gruppe ist ja, trotz zurückliegendem Kommunalwahlkampf, in der Regel politikfrei. Geht das in Zeiten von Corona noch oder spürst du Veränderungen?
Claus Bender: Die Gruppe ist politisch, aber nicht parteipolitisch. Das ist ganz wichtig. Immer wieder gibt es Diskussionen, ob die eine oder andere Veranstaltung von einer politischen Gruppierung eine Parteienwerbung ist oder ob sie der allgemeinen Information dient. Aber Maisach klappt die Kommunikation im Großen und Ganzen sehr gut, ein paar Ausreißer gibt es natürlich immer.

Auf private Initiative von Klaus Engstler hat sich die Corona-Nachbarschaftshilfe Maisach als Facebook-Gruppe gegründet. Unterstützt du diese Aktion und in welcher Form?
Claus Bender: Wir haben die Initiative auf unserem Gruppenbild erwähnt und es ist toll, was Klaus da auf die Beine gestellt hat. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob die Zielgruppe, die unsere Hilfe benötigt, in sozialen Netzwerken aktiv ist. Ich glaube, die Maisacher Senioren sind in der Masse da nicht so weit. Daher ist es gut, dass auch eine klassische Telefonnummer angegeben ist, an die sich die Leute wenden können. Wie stark die Hilfe angenommen wird, kann ich nicht sagen. Es gibt einige Postings von Angeboten in der Maisacher Gruppe.

Greifst du als Administrator in Maisach in die Diskussion ein und stimmst du dich mit Admins anderer Gruppen im Landkreis ab?
Claus Bender: Ich greife ab und zu ein, wenn Beleidigungen oder Beschimpfungen auftreten. Aber die Maisacher sind hier diszipliniert. Es gibt größere Gruppen im Landkreis, da geht es härter zur Sache und dort müssen Beiträge durch den Moderator freigegeben werden, sonst kommt es zu einer Flut an Beschimpfungen. Das ist in Maisach nicht so. Hier geht es gesittet zu. Wir haben auch keine Bilder von Corona-Parties bisher.
Allerdings stehe ich die Gefahr von FakeNews. Hier greife ich ein, denn falsche Informationen sollen nicht veröffentlicht werden. Da erlaube ich mir schon mal nachzufragen und die Quelle zu prüfen.

Eine private Frage: Du hast ja einen Hauptberuf und eine Familie – wie schaffst du das eigentlich?
Claus Bender: Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Meine Frau steigt mir immer wieder aufs Dach, was ich mir hier ans Bein gebunden habe. Ich administriere ja nicht nur die Maisacher Gruppe, sondern unter anderem auch Olching und eine Foto-Gruppe im Landkreis.