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Tag des Denkmals mit blauem Engel im Lichtspielhaus und Ufa-Ausstellung

11. September 2018
Das Lichtspielhaus in Fürstenfeldbruck erstrahlt wieder.

Das Lichtspielhaus in Fürstenfeldbruck erstrahlt wieder.

Im Rahmen des Tag des offenen Denkmals fand im Landkreis Fürstenfeldbruck eine schöne Veranstaltung statt. Ein Stopp bei der Rundreise durch die Denkmäler des Landkreises war auch das alte Kino Lichtspielhaus. Ein Verein hat das Kino meiner Jugend gerettet, mit Hilfe staatlicher Gelder renoviert und wieder eröffnet. 

Das Kino meiner Jugend.

Das Kino meiner Jugend.

Als ich Kind war, gab es in FFB für mich vier Kinos: Das Capitol, das Amper-Lichtspiele, das Lichtspielhaus und ein Kino im Fliegerhorst – ich glaub es hieß Luxor, das ich nur in Begleitung eines Bundeswehrangehörigen besuchen durfte. Es gab noch mehr Kinos früher, aber das war vor meiner Zeit. Alle diese Kinos gehören der Vergangenheit an, bis auf das Lichtspielhaus. Der Verein, die Stadt, die Bürger haben das Kino gerettet und wieder hergerichtet. Adolf Voll war übrigens der Architekt des Kinos, das 1930 erbaut wurde Vielleicht sollte ich Mitglied des Vereins werden. Ich hab spontan einige Ideen, was ich dort einbringen könnte. 

Ein modernes Kino hat Fürstenfeldbruck mit dem Scala, das ich auch sehr gerne mag. Das Fürstenfeldbrucker Kino ist bereits 1930 als Tonfilmkino entstanden und wurde 2013 als Baudenkmal eingestuft. Durch die Zerstörungen des Krieges und Erneuerungswelle der Nachkriegszeit sind nur noch wenige Kinos aus dieser Zeit erhalten. Das Gebäude ist das älteste erhaltene Kino in Bayern „Durch den ungewöhnlich dicht erhaltenen historischen Baubestand ist das Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck ein ausgesprochen seltenes und wichtiges Zeugnis der Kinogeschichte“, so das Landesamt für Denkmalpflege. 

Der blaue Engel auf der großen Leinwand

Auf jeden Fall bekam vor kurzem das historische Kino eine neue Lounge. An am Tag des Denkmals wurde vom Verein auch ein Filmdenkmal gespielt: Der blaue Engel von Josef von Sternberg. Über diesen Ufa-Klassiker braucht man nichts mehr zu schreiben. Es war der Durchbruch für die junge Marlene Dietrich, die bei der Deutschlandpremiere bereits mit von Sternberg in die USA immigrierte. Der großartige Emil Jannings blieb in Deutschland und spielte unter den Nazis. Es war der Übergang von Stimm- zum Tonfilm und ich finde es prima, dass der Verein Lichtspielhaus diesen Klassiker aus dem Archiv der Murnau Stiftung gewählt hat, weil er eine Zeitwende für den Film und die deutsche Gesellschaft darstellt. Meine Gattin hatte zu ihrer Schulzeit das Buch Professor Unrat von Heinrich Mann als Facharbeit verarbeitet und ich muss sie noch näher befragen. 

Der blaue Engel - ein Klassiker auf großer Leinwand.

Der blaue Engel – ein Klassiker auf großer Leinwand.

Es war schön in diesem alten Kino mit neuer Technik zu sitzen und den Film zu genießen. Neben der Leinwand steht ein altes Klavier, das früher im ersten Stock des Kinos stand. An der Decke des Raumes leuchtete die alte Lampe, die schon zu meiner Jugend dort hin. Also Film ab und los gehts.

Die Lampe hing schon damals.

Die Lampe hing schon damals.

Leider quatschten die ganze Zeit der Vorführung ältere Herrschaften und berichteten ihren Nachbarn, was sie auf der Kinoleinwand gerade sehen. Bei modernen Action-Kino ist das weniger ein Problem, weil die Soundkulisse im Kinosaal lauter ist, aber beim Übergang von Stumm- auf Tonfilm hört man jedes Gequatsche in diesem akustisch optimierten Raum: Blub Blub Blah Blah den ganzen Abend – das nervte kolossal.

Ufa-Ausstellung in München 

Auf jeden Fall machte der blaue Engel mir Lust auf die Ufa-Ausstellung, die derzeit im Münchner  Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung läuft.  Bis 16. September gibt es hier Die Ufa – Geschichte einer Marke zu sehen. Die Traumfabrik des deutschen Films Ufa (Universum Film Aktiengesellschaft) hat eine wechselvolle Geschichte, dargestellt in der Ausstellung in sieben Kapiteln. 

Im Ersten Weltkrieg als Propagandainstrument gegründet, hat sich das Unternehmen Ufa heute zum „Content-Produzenten” für verschiedene audiovisuelle Plattformen entwickelt. Die Geschichte der Ufa erzählt daher auch die Geschichte der audiovisuellen Medien.

Unbedingt noch ansehen

Unbedingt noch ansehen

Zu den Konstanten, die sich durch die Geschichte der Marke ziehen, gehören die Stars, vom Unternehmen oft als die „eigenen“ reklamiert. Populäre Unterhaltungsproduktionen zielen auf den internationalen Markt, der sich für die Refinanzierung prestigeträchtiger Produktionen als unabdingbar erweist. Großproduktionen, heute mit Blick auf den globalen Markt „High-End-Dramen“ genannt, sind nur auf Grundlage dieser Mischkalkulation möglich. Häufig geht es darin um Themen und Ereignisse aus der (deutschen) Geschichte – damals wie heute.

Trotz vieler Brüche und Zäsuren in der Firmengeschichte existiert die Marke „Ufa“ seit einhundert Jahren. Der zugkräftige Name hat sich über die Dekaden hinweg gehalten – nicht zuletzt, weil seine Strahlkraft diese Marke schon früh zu einem Asset machte und bis heute macht. 

Präsentiert wird zudem die ökonomische und ästhetische Strategie des Medienkonzerns. Anhand einer Vielzahl von Exponaten, die der Stummfilmzeit über das Aufkommen des Fernsehens bis hin zu aktuellen Innovationen der heutigen UFA reichen, lassen sich die Reaktionen des Unternehmens auf gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen sowie die Marktmechanismen der jeweiligen Epoche nachvollziehen. Ich hab mir auch den Ausstellungskatalog Die Ufa – Geschichte einer Markegekauft, um in Ruhe die Geschichte nachzulesen. 

Lesenswerter Ausstellungskatalog

Lesenswerter Ausstellungskatalog