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Batman, ein moderner Western

26. August 2008

Gestern Nacht habe ich mit ein paar Freunden den neuen Batman, den schwarzen Ritter („The Dark Knight“) angeschaut. Am Ende gab es in Münchner Mathäser Kino Schlussapplaus vom Publikum. Das habe ich lange nicht mehr erlebt. Ich bin etwas unschlüssig, wie mir der Film gefallen hat. Es war auf jeden Fall modernes amerikanisches Action-Kino. Tags zuvor hatte ich mir zur Einstimmung „Batman Begins“ auf DVD reingezogen. Im direkten Vergleich ist der Vorgänger düsterer. Vor allem Gotham City ist dreckiger, hatte mehr CGI-Effekte. Gezeigt wurde eine verfallene moderne Stadt im Untergang. Im Nachfolgefilm rückt Gotham deutlich ab vom SF-Image und näher hin zur amerikanischen Realität. Das hat mir nicht gefallen. Es war eine x-beliebige US-Stadt und nicht mehr mein Gotham-City, die ich mochte. Sehr schön ist dagegen die Charakterisierung der Figuren. Batman ist der gebrochene Held, der mit sich selbst im Zweifel ist. Hier ist die Figur deutlich besser gelungen als vergleichsweise in Spiderman 3. Hier nervte der Held Parker mit seinem Gejammere. Batman ist eben der coolere Hund. Er war eigentlich einer meiner Helden meiner Jugend. Superman war immer zu clean. Spiderman war schon ok, aber richtig am besten fand ich die Grüne Leuchte und eben Batman. Vielleicht hat Batman einfach bessere Chancen, da man unter seiner Maske wenigstens einen Teil seines Gesichts sieht. Bei Spiderman überdeckt die Maske das gesamte Gesicht und so bleibt die Schauspielkunst verborgen. Ach ja Schauspielkunst: Da wäre vor allem Joker zu nennen. Es macht sehr viel Spaß Heath Ledger bei seinem teuflischen Spiel zuzusehen. Es heißt, dass er der verstorbene Star Anwärter auf einen Oscar ist. Es wäre schon sehr amerikanisch, wenn man diesem Helden den Oscar posthum verleihen würde. Heath Ledger hatte es schwer, musste er doch gegen den Mimen Jack Nicholson antreten, der den Joker im düsteren Batman von Tim Burton von 1989 verkörperte. Nicholson spielte seinen Joker als einen übersteigerten McMurphy oder Jack Torrance. Ledger ist ausgezeichnet, doch Nicholson ist noch eine Klasse besser. Daneben gegangen ist allerdings die Vision Batman als moderner James Bond. Nachdem der Original-Bond zu seinen harten Wurzeln zurückkehrt und den Spielzeugwaffen eines Roger Moore abschwört, hat der moderne Batman moderne Waffensysteme, Fluggeräte, Autos und Motorräder. Mir persönlich zuviel Schnickschnack. Irgendwie erinnert mich die Botschaft des neuen Batmans allerdings an einen Film von John Ford von 1962: „Der Mann, der Liberty Valance erschoß“. Das Motto: „If the legend becomes fact, print the legend.“ Gibt dem Volk einen Helden und setzte nicht immer auf die Wahrheit. So verfährt auch Batman, wenn der gute Rechtanwalt Harvey Dent sich zum weißen Ritter mausert. Seine Mutation zum bösen Two-Face bleibt der Öffentlichkeit verborgen. The Show must go on. Wenn die Öffentlichkeit einen Held braucht, dann gebt ihr einen und zerstört nicht die Illusion. Also ist Batman ein moderner Western. Das Duell ist eben nur bombastischer.