Ich besuchte vor kurzem beruflich Berlin. Da hatte ich Lust auf ein kühles Bier. Und ich fand eines im Nikolaiviertel: „Zum Nußbaum“. Bis zu ihrer Zerstörung im Jahr 1943 war sie die älteste Kneipe Berlins. Auf der Fischerinsel befand sich ursprünglich das Giebelhaus „Zum Nußbaum“ von 1571. Das damalige Wirtshaus stand zwischen zwei Spreearmen und hatte einen Nußbaum vor der Tür, der Kneipe ihren Namen gab. Zu den Stammgästen gehörten damals Heinrich Zille und Otto Nagel. In den Jahren 1986/87 wurde das Haus auf analogem Standort vom Architekt Günter Stahn als Gaststätte nach vorhandenen Dokumenten wieder aufgebaut. Cool ist vor allem ein kleines Seitenfenster. Hier gibt es „Bier aus der Luke.“ Hier hat man den Original-Nachbau mit einer genialen Marketingidee verbunden. Das Bierchen kommt aus dem Loch für schlappe zwei Euro. Ich habs gleich mal fotografiert. Prost.
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Marketingidee: Bier aus der Luke
8. September 2008PR-Desaster auf dem Land
29. August 2008In Bayern herrscht derzeit Wahlkampf wie alle wissen. Als mündiger Bürger möchte ich mich natürlich informieren und gehe wie zu alten Zeiten als Tageszeitungsreporter in Wahlveranstaltung diverser Parteien. Schließlich will man ja ein gutes Gefühl haben, welcher Partei man seine Stimme gibt. Neulich kam es zu einem wunderbaren Zwischenfall, einem PR-Desaster erster Güte. Also: Location: Hinterzimmer in einem bayerischen Wirtshaus auf dem Lande. Helle Holztische mit Tischdecke, Salz- und Pfefferstreuer auf dem Tisch, Kruzifix an der Wand. Auf dem Podium sitzt ein Steuerexperte, der vom Ortsvorsitzenden der Partei mit gestelzten Worten angepriesen wird. Der Raum ist gut besetzt. Der Experte ergreift das Wort und referiert über Wegepauschalen, Pauschbeträge, Rentenversicherung. Klingt kompliziert, ist es auch. Aufpassen ist angesagt, um den Ausführungen des Finanzexperten folgen zu können. Da geht die Tür zum Nebenzimmer auf. Die Bedienung kommt herein mit Bier und Kesselfleisch in der Hand. Der Experte ist irritiert, spricht aber weiter. Darauf unterbricht die Bedienung; „Wer hat das Kesselfleisch? Willst noch a Bier?“ Zack, die Konzentration ist weg – beim Publikum und beim Referenten. Alle widmen sich den wichtigen Dingen des Lebens und bestellen noch ne Halbe. Also liebe Politiker: Lasst die Bedienung vor oder nach der Veranstaltung ihre Arbeit machen. Aber nie mitten drin, sonst stielt euch eine Bedienung die Show und das PR-Desaster ist da. Wen ich nun wählen soll, weiß ich immer noch nicht. Aber die Halbe hat geschmeckt.

