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Buchtipp: Wenn Film zur Couture wird: Eine schillernde Liebeserklärung an Mode und Kino

1. Juni 2026

Das großformatige Bildband „Mode im Kino“ von Véronique Le Bris (Edel Books, 2014) ist eine opulente Liebeserklärung an das Wechselspiel zwischen Film und Mode. Die Autorin, Journalistin und Gründerin des Frauen-Filmmagazins Cine‑Woman, vereint auf 368 Seiten rund 250 Fotografien und Illustrationen, die meist ganzseitig sind und den Leser durch fast 100 Jahre Film- und Kostümgeschichte führen. Dazu kommen biografische Skizzen und Filmografien von 46 berühmten Schauspielerinnen – von Gloria Swanson über Audrey Hepburn, Marlene Dietrich und Catherine Deneuve bis zu Nicole Kidman – und Porträts der sie ausstattenden Designer wie Hubert de Givenchy, Christian Dior, Jean Paul Gaultier oder Adrian. So entsteht eine chronologisch aufgebaute Reise vom Schwarz‑Weiß‑Film bis in die Gegenwart, die zeigt, wie stark Mode das Kino geprägt hat und umgekehrt.

Das Buch ist kein nüchterner Katalog, sondern ein üppig bebilderter Chronik starker Frauen – „provokant, anziehend, modisch“ –, wie es der Kulturblog kulturMATERIAL treffend zusammenfasst. Auf großen, teils ikonischen Aufnahmen sieht man etwa den klassischen Chic von Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany’s“, Catherine Deneuve in Luis Buñuels „Belle de Jour“ oder die erotischen Spitzen-Dessous von Nicole Kidman in „Eyes Wide Shut“. Diese Fotografien werden durch Zeichnungen renommierter Modedesigner ergänzt, die Einblicke in die Entstehung der Kostüme geben und die Ära der großen Hollywood-Studios bis heute beleuchten. Jede Schauspielerin erhält nicht nur eine Bilderstrecke, sondern auch kurze Begleittexte zu ihrer Karriere und ihrem Stil; zudem dokumentiert Le Bris die Kooperation mit den jeweiligen Couturiers.

Die Aufmachung ist luxuriös: 24 × 31 cm großes Hardcover mit Spotlack, hochwertiges Fotopapier und eine Fülle großformatiger Bilder. Der Preis von knapp 50  Euro unterstreicht den Anspruch als hochwertiges Coffeetable-Buch. Die Eingangsseiten enthalten eine Vorbemerkung des französischen Filmkritikers Philippe Azoury, der anmerkt, dass der Film ohne Eleganz nicht auskommt und die Mode stets von einer großen Bühne geträumt hat; dieses Zitat dient als Leitmotiv für das gesamte Werk.

Le Bris’ Konzept, Modegeschichte anhand ikonischer Filmrollen zu erzählen, funktioniert hervorragend. Die Porträts großer Stilikonen und ihrer Designer „sprechen Bände“, urteilt das Branchenmagazin imSalon; der Bildband sei eine „Entdeckungsreise in das historische Wechselspiel zwischen Film und Mode“. Viele Kritiker loben die Auswahl von 250 zumeist ganzseitigen Fotografien und Illustrationen, die „wunderschöne Einblicke“ in die Dreiecksbeziehung zwischen Frau, Kino und Mode geben. Gerade die Kombination aus hinter‑den‑Kulissen‑Fotos, Filmstills und Entwurfszeichnungen veranschaulicht die kreative Zusammenarbeit zwischen Kostümbildnern und Couture‑Designern; sie zeigt, wie ein Kleidungsstück nicht nur die Figur einer Schauspielerin definiert, sondern ganze Trends lostritt – etwa der Bubikopf-Look von Louise Brooks oder der androgyne Smoking, den Dietrich populär machte. Ich muss sagen, ich bin ein extremer Fan von Louise Brooks und war über den Artikel über sie begeistert.

Auch die kurzen biografischen Texte bereichern die Bildstrecken um historische Kontexte und Anekdoten. Sie erinnern daran, dass viele dieser Frauen mit ihren Rollen gesellschaftliche Erwartungen sprengten: Brigitte Bardot befreite die Weiblichkeit von starren Konventionen, Jane Fonda prägte Sci-Fi‑Look und Sportmode, Madonna brachte Streetwear auf die Leinwand. Durch diese Vielfalt wird das Buch zu einer Hommage an Frauen als Mode-Ikonen und an die Designer, die ihre Leinwandbilder schufen.

Wer eine wissenschaftliche Analyse der Mode- und Filmgeschichte erwartet, wird allerdings nicht ganz zufrieden sein. „Mode im Kino“ ist in erster Linie ein Bildband, der auf visuelle Opulenz und Nostalgie setzt. Die Texte sind bewusst knapp gehalten, Hintergründe zu Produktionsbedingungen oder gesellschaftspolitischen Aspekten werden nur angedeutet. Das Buch eignet sich deshalb weniger als akademische Studie, sondern vielmehr als Inspirationsquelle für Mode‑ und Filmfans oder als repräsentativer Blickfang in Salons und Wartebereichen – genau dafür empfiehlt es imSalon als „Must‑Have“. Wer tiefergehende Analysen sucht, muss zu ergänzender Literatur greifen.

Insgesamt ist „Mode im Kino“ ein visuelles Schmuckstück, das die Faszination des Kinos für Mode in eindrucksvollen Bildern dokumentiert. Es ehrt die großen Schauspielerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts und zeigt, wie sie gemeinsam mit ihren Kostümdesignern stilprägende Figuren erschaffen haben. Trotz seiner begrenzten Texttiefe liefert das Buch durch seine sorgfältige Auswahl an Fotografien, Skizzen und kurzen Begleittexten ein lebendiges Panorama der Modegeschichte im Film. Für Liebhaber klassischer Eleganz, für Modebegeisterte und für alle, die sich von glamourösen Bildern inspirieren lassen, ist dieser Band eine sinnliche Entdeckungsreise – und ein Dank an die Designer und Kostümbildner, die dafür gesorgt haben, dass Filmstars nicht nur spielen, sondern auch strahlen.

Truman Capote als Comic

12. Oktober 2014

Ich habe ihn lange schon micht mehr gelesen, aber zu seinem 90. Geburtstag am 30. September hatte ich mir ein paar Bücher wieder aus dem Archiv hervorgeholt. Truman Capote
Ich mochte den Stil dieses Schriftstellers, der für mich ein Wegbereiter des New Journalism war, der die Sache einmal anders anging. Natürlich blieb ich wieder an Frühstück bei Tiffany hängen – und dann las ich wieder Kaltblütig, Der Spagat könnte nicht größer sein.
Anschließend schaute ich mir Filme an, ich weinte bei Frühstück bei Tiffany und war begeistert über das schauspielerische Talent des zu früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman, der Capote in dem Film Capote darstellte, der sich um die Geschichte des Kaltblütig-Buches drehte. Und zum Abschluss gab es mit einem meiner Lieblingsfilme Eine Leiche zum Dessert etwas zu lachen, in dem Truman Capote selbst mitspielte. Das sollte es dann auch zum 90. Geburtstag von Truman Capote gewesen sein, doch es fiel mir ein Comic-Buch auf. Beim Surfen durchs Netz weckte es mein Interesse. Es heißt Capote in Kansas und dahinter verbirgt sich eine faszinierende Graphic Novel. Mit Capote in Kansas zeichnen Ande Parks und Chris Samnee ein spannendes, neues Bild des Kultautoren. Die Macher der Graphic Novel mischen dabei gekonnt Biografisches mit Fiktionalem und erstellen ein packendes Bild des grandiosen Autors. Sie zeigen die wichtigsten sechs Jahre, die in seinem berühmtesten Buch Kaltblütig gipfelten.

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Autor Ande Parks und Zeichner Chris Samnee bringen dem Leser mit Truman Capote eine der schillerndsten Persönlichkeiten aus dem Amerika der Kennedy-Ära näher. Der Autor und Lebemann ließ Ende der 1960er Jahre Champagner, Partys und seinen Lebensgefährten zurück, um in Kansas den kaltblütigen Mord an der ehrbaren Familie Clutter zu dokumentieren. Es wurde sein Meisterwerk: Kaltblütig, ein Tatsachenroman, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte, ein literarischer Meilenstein. Capotes Buch wird in den Jahren 1965/66 zum Bestseller, der dem Vorgängerroman Frühstück bei Tiffany, der mehr noch als durch das Buch durch die Verfilmung mit Audrey Hepburn von 1961 Weltruhm erlangte, in nichts nachsteht.
Parks lässt den Leser teilhaben, wie Capote zusammen mit seiner Freundin aus Jugendtagen, Harper Lee (der Autorin von Wer die Nachtigall stört…), New York verlässt und in Kansas Gespräche mit der Polizei und den Freunden der Familie führt, um nach und nach das Puzzle der grausigen Tat zusammenzufügen. Als Harper Lee nach New York zurückkehrt, tritt die ermordete Nancy Clutter, genannt Nan, als Gesprächspartnerin an ihre Stelle. Dabei spielen die Macher geschickt mit der Frage, ob Nan ein Geist ist oder Capotes durch Drogenkonsum erweiterter Imagination entspringt. So oder so – er ist auf ihre Führung angewiesen, vor allem, als er auf die mutmaßlichen Mörder trifft und einen von ihnen als sympathischen, um nicht zu sagen anziehenden Mann kennenlernt.
Es ist diese Mischung aus biografischen Fakten und fiktionalen Elementen, die diese Momentaufnahme aus Capotes Leben so spannend und fesselnd macht. Eigentlich schreibt Parks über die Entstehungsgeschichte eines literarischen Meisterwerks, aber der Leser beobachtet den Autor Capote dabei, wie er sich den Menschen und Morden der Stadt nähert.
Zeichner Chris Samnee weiß diesen Plot in Schwarz-Weiß-Bilder umzusetzen, die eine der Zeit entsprechende „Noir“-Stimmung schaffen, wie sie zum Teil auch den Romanen von Capote eigen ist. Alles scheint sich vor den Lichtern der Stadt abzuspielen – die Bilder entstehen durch die Silhouetten und die Schatten, die das grelle Licht wirft. In dieser Schattenwelt von Kansas wandelt die Hauptfigur – Parks und Samnee erlauben dem Leser, ihr zu folgen.
Der Comic Capote in Kansas ist bei Panni Comics erschienen und es gibt eine 22seitige Leseprobe auf der Website des Verlages.