Rückblick auf meine Matinee: Dressed to Kill (USA 1980)

Brian De Palmas „Dressed to Kill“ ist kein Thriller, der sein Publikum einfach nur durch eine Geschichte führt. Er zieht es hinein in ein Spiel aus Blicken, Täuschungen, Verlangen und Angst. Von Beginn an entsteht eine Atmosphäre, in der Traum und Realität, Erotik und Bedrohung, Eleganz und Gewalt gefährlich nah beieinanderliegen. Ich besprach den Film in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee am 7 Juni dreht sich um Über dem Jenseits von 1981, der auch unter dem Titel Die Geisterstadt der Zombies bekannt ist Karten gibt es hier.

De Palma inszeniert in „Dressed to Kill“ ein Kino der Beobachtung. Figuren sehen einander an, verfolgen einander, deuten Zeichen und geraten dabei immer tiefer in Unsicherheit. Was ist wirklich? Was ist Fantasie? Wer blickt – und wer wird selbst zum Objekt eines fremden Blicks? Aus dieser Spannung entwickelt „Dressed to Kill“ seine besondere Kraft. Der Film ist weniger ein geradliniger Krimi als ein nervöser, hoch stilisierter Albtraum über Begehren, Schuldgefühle und die dunklen Winkel der menschlichen Psyche. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags.

Zu Beginn steht Kate Miller im Zentrum, eine Frau, die in einem geordneten, aber innerlich leeren Leben festzustecken scheint. Sie sehnt sich nach Nähe, nach Leidenschaft, nach einem Ausbruch aus der Routine. Diese Sehnsucht führt sie in eine der berühmtesten Szenen des Films: eine fast stumme Begegnung in einem Museum. Ohne viele Worte erzählt De Palma hier von Anziehung, Unsicherheit, Verführung und Kontrollverlust. Die Kamera folgt Blicken und Bewegungen, lässt Räume zu Labyrinthen werden und verwandelt das Museum in einen Ort der Versuchung. Doch was zunächst wie ein Moment möglicher Befreiung wirkt, kippt plötzlich ins Grauen. Aus Verlangen wird Gefahr, aus Schönheit wird Schock, aus einem Spiel der Blicke eine Katastrophe.

Unübersehbar steht „Dressed to Kill“ in der Tradition Alfred Hitchcocks, besonders von „Psycho“. De Palma greift Motive auf, spiegelt sie, überhöht sie und treibt sie in ein bewusst künstliches, fast opernhaftes Kino. Der abrupte Perspektivwechsel, die Unsicherheit über Identität, der Psychiater als erklärende Instanz, die Verbindung von Sexualität und Gewalt – all das erinnert an Hitchcock. Doch De Palma macht daraus keinen bloßen Nachbau. Er formt ein eigenes Werk, das mit Split Screens, Spiegeln, langen Kamerafahrten und raffinierten Bildkompositionen arbeitet. Die Kamera wird zum Komplizen des Voyeurismus. Wir schauen hin, obwohl wir spüren, dass dieses Schauen selbst Teil des Problems ist.

Gerade deshalb bleibt der Film bis heute reizvoll und schwierig zugleich. „Dressed to Kill“ ist brillant fotografiert, elegant montiert und ungeheuer spannend. Gleichzeitig ist er ein Werk, das aus heutiger Sicht Fragen aufwirft. Seine Darstellung von Geschlecht, Sexualität und Gewalt ist problematisch und fordert Widerspruch heraus. Der Film fasziniert und irritiert, oft im selben Augenblick. Genau darin liegt seine Aktualität als Gesprächsanlass: Wie betrachten wir heute einen Thriller von 1980, der damals provozierte und heute anders gelesen wird? Wo liegt die Grenze zwischen stilistischer Meisterschaft und fragwürdiger Projektion? Warum entfalten diese Bilder trotz aller berechtigten Kritik noch immer eine solche Wirkung?

Die Matinee bietet die Möglichkeit, „Dressed to Kill“ nicht nur als spannenden Klassiker zu erleben, sondern ihn auch gemeinsam einzuordnen. Es geht um die Macht des Kinos, Angst und Lust miteinander zu verknüpfen. Um Frauenbilder im Thriller. Um Masken, Identitäten und verdrängte Wünsche. Und natürlich um Brian De Palma, einen Regisseur, der sein Publikum selten beruhigt, sondern es gezielt verunsichert.

Auf der großen Leinwand entfaltet der Film eine besondere Wirkung. Die Musik, die Farben, die gleitenden Kamerabewegungen und die plötzlichen Schocks machen „Dressed to Kill“ zu einem körperlichen Kinoerlebnis. Das ist kein Film für nebenbei, sondern ein Werk, das im dunklen Kinosaal seine ganze suggestive Kraft entwickelt. Man glaubt, die Mechanismen zu durchschauen, und merkt doch immer wieder, wie sehr man selbst in De Palmas Spiel aus Täuschung, Begierde und Angst verstrickt wird.

„Dressed to Kill“ ist ein Film wie ein Spiegel in einem dunklen Raum. Er zeigt nicht nur Täter, Opfer und Abgründe, sondern auch unsere eigene Lust am Sehen. Darum lohnt sich diese Matinee: als Wiederentdeckung eines großen, umstrittenen und sinnlichen Thrillers, als Blick auf ein prägendes Stück Suspense-Kino und als Einladung zum Gespräch über die Schattenseiten der Popkultur. Ein Film, der nicht einfach endet, wenn das Licht wieder angeht. Er bleibt haften – in Bildern, Fragen und vielleicht auch in einem leichten Schauder auf dem Heimweg.
Die nächste Matinee am 7 Juni dreht sich um Über dem Jenseits von 1981, der auch unter dem Titel Die Geisterstadt der Zombies bekannt ist. Karten gibt es hier.

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