Zwischen Verehrung und Zweifel: Die Wagner-Büste auf dem Grünen Hügel

Die Bayreuther Festspiele feiern dieses Jahr ihren 150. Geburtstag. Grund genug, dass ich mal wieder auf den Grünen Hügel vorbeischaute. Wie jedes Mal schaute ich mir die berühmte Büste des Komponisten vor dem Festspielhaus an und machte mir so meine Gedanken. Ich liebe Wagner als Musiker, lehne ihn aber als Politiker ab. Bei näheren Betrachten habe ich so meine Zweifel an der Büste.

Die Wagner-Büste von Arno Breker auf dem Grünen Hügel in Bayreuth gehört zu jenen Kunstwerken, an denen sich Glanz, Mythos und historische Belastung des Festspielorts auf besondere Weise verdichten. Sie steht im Park vor dem Festspielhaus und zeigt Richard Wagner in einer idealisierenden, repräsentativen Form, wie sie für Brekers Porträtkunst typisch ist; Bildnachweise und Ortsangaben verorten die Bronze ausdrücklich im Festspielpark beziehungsweise nahe dem Festspielhaus, die Entstehung wird mit 1986 angegeben.

Als plastisches Denkmal will die Büste den Festspielgründer ehren und die Aura des Ortes unterstreichen. Zugleich trägt sie aber die Handschrift eines Künstlers, dessen Name untrennbar mit der Kunstpolitik des Nationalsozialismus verbunden ist. Arno Breker war einer der prominentesten Bildhauer des NS-Staates und wurde von Adolf Hitler besonders gefördert; gerade deshalb wird seine Wagner-Büste in Bayreuth von mir nicht nur als Huldigung an den Komponisten wahrgenommen, sondern immer auch als geschichtspolitisch aufgeladenes Objekt.

So steht die Büste heute weniger einfach als dekoratives Denkmal im Park, sondern eher als stiller Prüfstein für den Umgang Bayreuths mit seiner eigenen Vergangenheit. Wer auf dem Grünen Hügel an ihr vorbeigeht, sieht nicht nur das Gesicht Richard Wagners, sondern begegnet zugleich einer schwierigen Erinnerungsschicht deutscher Kulturgeschichte: dem Nachleben eines Komponistenmythos, der Verehrungskultur von Bayreuth und der Frage, wie mit Werken eines politisch schwer belasteten Künstlers im öffentlichen Raum umzugehen ist. Gerade darin liegt die eigentliche Bedeutung dieser Büste: Sie ist nicht bloß ein Porträt, sondern ein Symbol für die Spannungen zwischen Kunst, Erinnerung und Geschichte am wohl berühmtesten Opernort Deutschlands.

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