Corona-Virus: Tag 37 der Ausgangsbeschränkung – Mein Kommentar zum Schulanfang in der Krise

Heute wieder Schulbank drücken.

Heute wieder Schulbank drücken.

Heute beginnt der Schulunterricht für die Abschlussklassen an bayerischen Schulen. Und um es mit Han Solo zu sagen: „Ich hab ein verdammt schlechtes Gefühl.“ Viele Entscheidungen des Ministerpräsidenten in Corona-Zeiten unterstütze ich, aber die Entscheidung, Schüler und Lehrer wieder in die Schule zu schicken, halte ich für absolut falsch. Meiner Meinung wäre es richtig gewesen und hätte wirkliche Größe gezeigt, den Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen ihre Zeugnisse zu geben und bis zum offiziellen Schulbeginn Mitte September ein sinnvolles und praktikables Schulkonzept mit Digitalisierung zu entwickeln.
Ich arbeitete viel an Schulen in Bayern und Deutschland, also vor Corona. Ich kam ganz schön rum. Wir haben noch immer ein Schuldenken wie vor 100 Jahren, obwohl sich die Welt drastisch verändert hat. Durch Corona noch viel einschneidender. Die Verantwortlichen in der Politik werden nicht müde, dies gebetsmühlenartig zu wiederholen. Ein Ereignis, an das sich meine Eltern erinnern, war die Ermordung Kennedys. Mich prägte der 11. September und meine Kinder werden die Zeit vor und nach Corona einteilen.
Meine Forderung und Bitte an die Politik: Übertreibt es nicht. Ein Notabitur und ähnliches gab es früher auch schon und aus den Kindern ist auch etwas geworden – Helmut Schmidt wurde sogar der beste Kanzler, den die CDU je hatte.


Fürwahr ich bin betroffen. K1 macht dieses Jahr sein Abi. Ich hab ein großes Problem damit, dass mit meinem Kind experimentiert wird. Wenn Corona wirklich so gefährlich ist – und das glaube ich -, warum gehen die Verantwortlichen in der Politik so leichtsinnig mit dieser Gefahr um. Ja, es gibt Konzepte für den Unterricht und die Hygiene, die habe ich auch über das Elternportal bekommen und gelesen. Und ja, ich sehe, wie sich die Lehrerschaft von K1 alle Mühe gibt – es ist ja auch ihr Leben.

Ich habe viel Kontakt zu Lehrern und auch zu deren Verbänden und weiß, dass sich viele Pädagogen alle Mühe geben, aber dennoch: Sind wir doch ehrlich und gestehen es uns ein: Das Schuljahr ist gelaufen und halten wir nicht krampfhaft an alten Zöpfen fest. Vorsicht ist das Gebot und nicht Übermut – nicht auf Teufel komm raus, Abschlussprüfungen erzwingen. In Italien fällt die Schule bis zum September aus. Italien macht vieles falsch, aber dies machen sie absolut richtig.
Und jetzt ist die digitale Kompetenz gefordert. Digitalministerin Judith Gerlach, bitte zeigen Sie Flagge und mischen Sie sich ein. Jetzt kann Bayern zeigen, ob es wirklich für digitale Bildung reif ist oder ob es nur Lippenbekenntnisse sind. Das digitale Lernen in dieser Form war vorhanden, doch war es gut und nachhaltig? Der Kulturminister ist zumindest der Meinung, wie er uns Eltern in einem Elternbrief mitteilt.
Was passiert eigentlich mit den Abschlussprüfungen, wenn an irgendeiner Schule Corona ausbricht und Schüler erkranken? Dann können die Verantwortlichen die Prüfungen in die Tonne treten. Wenn morgen die Schule beginnt und die Inkubationszeit 14 Tage dauert, dann stehen die Prüfungen direkt vor der Tür. Hypothetisch mal angenommen: Interessant wird auch der interfamiläre Umgang. K1 begegnet in der Schule oder in der S-Bahn gegebenenfalls Infizierten und steckt sich an. Wenn K1 nach Hause kommt, steckt K1 vielleicht dann unsere Familie an und meine Eltern sind Hochrisikopatienten. Na prima. Liebe Leute, ihr spielt mit dem Leben. Die Ausgangsbeschränkung sollen zurückgefahren werden, obwohl sie sich bewährt haben?
Matthias J. Lange

Waschbecken in der Schule.

Waschbecken in der Schule.

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3 Antworten to “Corona-Virus: Tag 37 der Ausgangsbeschränkung – Mein Kommentar zum Schulanfang in der Krise”

  1. Dr. Richard Bartels Says:

    Gratulation, sehr guter Text !

    mit freundlichen Grüßen

    Dr. Richard Bartels

    >

  2. Eva Schierjott Says:

    Helmut Schmidt und CDU?

    • redaktion42 Says:

      das war Humor – als Schmidt den NATO Doppelbeschluss gegen den Willen der Linken in der SPD durchsetzte, wurde er als „bester Kanzler der CDU“ bezeichnet. Ein Humor der Politische Bildung der 80er

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