Corona-Virus: Tag 33 der Ausgangsbeschränkung – Start von Ramadan in der Corona-Krise

Heute abend beginnt für die Muslime der Fastenmomat Ramadan. Ramadan startet am Abend von Donnerstag, 23. April und endet am Abend vom Samstag, 23. Mai. Und dieses Jahr wird Ramadan aufgrund Corona und Ausgangsbeschränkung auch in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck unter besonderen Umständen begangen.
Leider kann nicht ermittelt werden, wie viele Muslime in der Gemeinde Maisach wohnen. Der Leiter des Maisacher Einwohnermeldeamtes erklärte auf Anfrage: „In unserem Einwohnermeldeamtsverfahren werden nur steuererhebende Religionen erfasst. Dazu zählt der muslimische Glauben nicht dazu.“

Die sympathischen Jungs vom Deniz Kebap-Haus in Maisach

Die sympathischen Jungs vom Deniz Kebap-Haus in Maisach

Aber natürlich sind es viele Moslems. Wie die sympathischen Jungs vom Deniz Kebap-Haus in Maisach. Sie begehen Ramadan innerhalb der Familie, ohne große Zusammenkünfte. Die Moschee in Fürstenfeldbruck sei zudem geschlossen. „Dieses Jahr ist alles etwas anders.“
Leider weiß ich zu wenig über diese große Weltreligion. Ich frage deshalb bei meinem Kollegen Fabian Schmidmeier nach. Er ist Islamwissenschaftler M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Orientalische Philologie und Islamwissenschaft an der FAU Erlangen-Nürnberg und dort Co-Koordinator der Forschungsstelle „Key Concepts in Interreligious Discourses“ (KCID). Er ist ein langjähriger Bloggerkollege und bloggt zu Islam- und Nahost-bezogene Themen auf www.abrahamicstudies.com

Am Donnerstag beginnt Ramadan. Was bedeutet dieses Fest für Muslime?
Schmidmeier: Der Fastenmonat Ramadan ist für viele Muslime eine der Zeiten, auf die sie sich im Jahr am meisten freuen. Nach muslimischer Tradition begann in diesem Monat die Offenbarung des Korans an den Propheten Muhammad in der sogenannten „Nacht der Bestimmung“ (Lailatu l-Qadr). Das Fasten (ṣaum/ ṣiyām) während dieses Monats ist eine der fünf Säulen des Islams, also eine der zentralen Pflichten für alle Muslime. In Sure 2:183-185 im Koran wird dies beschrieben und festgelegt. In dieser Zeit soll man in sich kehren, zur Ruhe kommen, den Koran lesen und auch mal für ein paar Stunden gewisse Entbehrungen spüren, die gerade wir in unseren Breitengraden nicht kennen. Ausgenommen von der religiösen Pflicht sind alle, denen das Fasten nicht möglich ist, z.B. aufgrund von Reisen, Krankheiten, Schwangerschaft, weil sie Ärzte im OP sind u.a. Es ist auch ein Monat für Wohltätigkeiten gegenüber Bedürftigen. Am Ende des Fastenmonats soll eine Almose an Arme und Bedürftige gegeben werden (Zakāt al-Fiṭr). Das alles endet mit dem Zuckerfest (‚Eid al-Fiṭr), das bei Muslimen etwa ähnlich intensiv gefeiert wird wie Weihnachten bei Christen.

Wie läuft Ramadan ab?
Schmidmeier: Fasten soll man ab Beginn des Sonnenaufgangs bis Sonnenuntergang, was häufig eine große Herausforderung ist, denn man verzichtet sowohl auf Essen als auch auf Trinken. Zudem ist der Konsum von Tabak oder auch Geschlechtsverkehr tagsüber aus religiöser Sicht nicht gestattet. Um den Tag besser durchhalten zu können stehen viele Muslime morgens vor Tagesanbruch für ein Frühstück (Saḥūr) auf, um etwas zu essen und vor allem genügend zu trinken. Der Körper soll keinesfalls geschädigt werden. Abends wird dann gemeinsam das Fasten gebrochen (Iftār). Dies geschieht oft im Kreise der Familie, mit Freunden oder in der Gemeinde. In Moscheen gibt es häufig kostenlos Essen für alle, ob nun muslimisch oder nicht.

Die Moschee in FFB ist im Moment geschlossen.

Die Moschee in FFB ist im Moment geschlossen.

Moscheen sind wie christliche Kirchen im Moment geschlossen. Wie feiert Moslems jetzt ihre Gottesdienste?
Schmidmeier: In Zeiten von Corona ist das Gemeinschaftsgebet in der Moschee genauso wenig möglich, wie in Kirchen oder Synagogen. In den islamischen Überlieferungen gibt es tatsächlich Präzedenzfälle für ein Verhalten Seuchen oder Naturkatastrophen, bei denen ein normales Gemeindeleben nicht mehr fortgeführt werden konnte. So wurde jetzt in zahlreichen mehrheitlich muslimischen Ländern der Gebetsruf analog zu verschiedenen Prophetenüberlieferungen dahingehend geändert, dass man nicht zum Gebet in die Moschee kommen, sondern zuhause beten solle. (hierzu auf meinem Blog🙂 Der Schutz von Menschenleben und der körperlichen Unversehrtheit sind Prämissen im islamischen Glauben. Die Menschen beten also zuhause, manche Gottesdienste, wie zB das Freitagsgebet, werden inzwischen aber auch live gestreamt.

Zur Tradition gehört das gemeinsame Essen nach Sonnenuntergang. Hat sich durch Corona daran etwas geändert.
Schmidmeier: Ja, die Pandemie ändert natürlich alles. Die zahlreichen Besuche während des Ramadan, das gemeinsame Fastenbrechen in der Gemeinde etc. gehen jetzt natürlich nicht. Das wird etwas ganz neues. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man auch hier z.B. live streamt oder aber im kleinen Kreis daheim das Fasten bricht. Hoffentlich wird möglichst bald ein Impfstoff gefunden, sodass es im nächsten Jahr wieder normal ablaufen kann.

Gibt es Vorgaben für Ramadan von der WHO?
Schmidmeier: Gelehrte orientieren sich hier auch weitgehend an den Empfehlungen der WHO. Es wurde sogar über eine Verschiebung des Fastens diskutiert. Doch im Islam gibt es keine oberste Instanz, wie bei der katholischen Kirche der Papst. Ein islamisches Gutachten (Fatwa) hat immer nur den Charakter einer unverbindlichen Empfehlung, in sofern muss der einzelne Gläubige hier für sich entscheiden, was richtig ist. Von der WHO gibt es tatsächlich eine Handreichung extra für den Fastenmonat Ramadan mit Tipps und Daten für ein sicheres Fasten während dieser Pandemie:

Ab Montag gilt in Bayern Maskenpflicht in Geschäften und ÖPNV. Eine praktische Frage: Wohin mit dem Bart bei der Maske?
Schmidmeier: Der Bart, sofern überhaupt vorhanden, soll natürlich möglichst unter die Maske kommen. Das wird bei den meisten Muslimen insbesondere hierzulande wohl auch kein Problem sein.

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