Weltpremiere Geld sofort – Heinz Erhardt-Film aufgetaucht

Mit Geld sofort kam ein bisher nicht bekannter Heinz Erhard Film ins Fernsehen. Foto: NDR

Mit Geld sofort kam ein bisher nicht bekannter Heinz Erhard Film ins Fernsehen. Foto: NDR

Es ist wirklich schön, wenn man einer Weltpremiere im Fernsehen beiwohnt, die einem etwas bedeutet. So gestern in der Nacht. Gestern Abend sah ich einen Kurzfilm, von dem keiner wusste, dass er je existiert hat. „Geld sofort“ mit dem legendären Heinz Erhardt. Knapp 37 Minuten dauert der in schwarz-weiß gedrehte 16 mm-Fernsehfilm. Er wurde wahrscheinlich Ende der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufgenommen und verschwand dann sofort. Erhadt trug damals noch eine Brille mit runden Gläsern, wie auch diesem Film. Erst später – mit zunehmenden Erfolg in Deutschland – wechselte Erhardt das Brillengestell in ein dunkleres, wuchtigeres Modell.


Genaueres wissen wir aber nicht. Es gibt bisher keine Auszeichnungen über den Film, nicht von Heinz Erhardt-Experten, noch von dessen Familie, noch von Fans des großen Österreiches Oskar Sima, der den Gegenpart von Erhardt spielt. Der Film exisitierte einfach nicht – bis jetzt.

Der österreichische Volksschauspieler Oskar Sima spielte Direktor Ehrlich. Foto: NDR

Der österreichische Volksschauspieler Oskar Sima spielte Direktor Ehrlich. Foto: NDR

Zur Handlung: Heinz Erhardt spielt Herrn Zatke, einen Vertreter für Vogelsand, der sich für seine Hochzeit bei den Finanzierungsbüro Ehrlich und Co. 800 und später 3000 Mark leihen möchte. Dabei werden dem etwas naiven Zatke Zug um Zug die 50 DM Scheine nur so aus seiner eigenen Tasche von den windigen Finanzmanagern gezogen. Em Ende siegt aber das Gute und die Übeltäter werden von der Polizei überführt.


Der Kurzfilm ist kein Schenkelklopfer wie spätere Heinz Erhardt-Filme wie Drillinge an Bord oder Immer die Autofahrer oder die Willi Winzig-Reihe. Er ist eher ein beschauliches Kammerspiel mit mahnenden Zeigefinger. Der naive, etwas tollpatschige Zatke wird verführt – das Dritte Reich lag damals noch nicht lange zurück.
Gedreht wurde der Fernsehfilm von Johann Alexander Hübler-Kahla, der in der Münchner Georgenstraße 27 residierte. Das ist nicht der einzige Hinweis auf den möglichen Drehort München. Zudem begann die begabte Nebendarstellerin Christiane Schmidtmer Ende der fünfziger ihre Schauspielausbildung in München, was Hinweise auf München und die mögliche Enstehungszeit des Fernsehfilms liefert. In einem Zwischenschnitt gibt es Aufnahmen von leeren und belebten Stachus. Zudem fährt Heinz Erhardt alias Herr Zatke zu Beginn mit einer Straßenbahn und die Haltestelle „Südtiroler Straße“ wird angesagt. Das ist eine Haltestelle der Münchner Tram Richtung Grünwald, wo die Bavaria Filmstudios liegen. Damit sind die Filmhistoriker und Filmjournalisten aus dem Münchner Raum nun gefragt, mehr über „Geld sofort“ zu recherchieren. Vielleicht erinnert sich ja der ein oder andere Statist oder Beleuchter noch an den Film.

Nächste Haltestelle Südtiroler Straße - ein Hinweis auf München? Foto: NDR

Nächste Haltestelle Südtiroler Straße – ein Hinweis auf München? Foto: NDR

Der Film stammt aus einem Archiv eines unbekannten Sammlers, der nun in den 90ern ist und sein Archiv auflöst. Er überließ eine 16 mm Kopie von „Geld sofort“ dem Wiener Sammler Helmut Werner, der wohl das größte private Heinz Erhardt-Archiv betreibt. Werner wandte sich an Nicola Tyszkiewicz, eine Enkelin von Heinz Erhardt. Sie verwaltet den Nachlass des berühmten Schauspielers. Diese war restlos begeistert über diesen Film und der NDR strahlte das Werk zu später Stunde nun aus und ließ uns an einem Stück Filmgeschichte teilhaben. Dafür vielen Dank – es war großartig.
Nur eine Kritik sei erlaubt: Warum zeigt der NDR den Film so spät in der Nacht, warum nicht die ARD? Das wäre doch mal eine sinnvolle Verwendung von GEZ-Gebühren gewesen.

Der Wiener Sammler Helmut Werner besitzt das größte Erhardt-Archiv und bekam den Film. Foto: NDR

Der Wiener Sammler Helmut Werner besitzt das größte Erhardt-Archiv und bekam den Film. Foto: NDR

Warum so spät und nicht in der ARD - frage ich. Heinz Erhardt in Geld sofort. Foto: NDR

Warum so spät und nicht in der ARD – frage ich. Heinz Erhardt in Geld sofort. Foto: NDR

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