Neue Chancen für Fotografie

Der Kameramarkt ist in Bewegung – technisch und kreativ. In meinem Fotoseminaren stelle ich fest: Die klassischen Kompaktkameras sind massiv auf dem Rückzug und die Teilnehmer setzen derzeit auf digitale Spiegelreflexkameras. Und: Die wirklichen Fotoenthusiasten suchen neue Wege,

Die jüngsten Zahlen des der Branchenverband der japanischen Kamerahersteller CIPA sprechen eine deutliche Sprache. Einbruch, Einbruch, Einbruch überall. Von Januar und Dezember 2013 gingen bei Nikon, Canon und Co nur noch 63 Millionen Kameras über die Ladentische – im Jahr 2012 waren es noch 100 Millionen Kameras. Das ist ein Einbruch von 40 Prozent. Betroffen sind alle Sparten von Kameras, aber in den Keller gingen vor allem die Kompaktkameras. Das sind die Kameras mit fest verbauten Objektiven. Meiner Einschätzung nach wurden sie eindeutlich von Smartphone abgelöst.

Hatte ich früher eine Kompaktkamera als Schnappschusskamera mit dabei, greife ich heute nur noch zum Smartphone – in meinem Fall das iPhone. Ich trage nicht mehr zwei Geräte mit mir herum. Das Telefon mit Fotofunktion hat die klassische Fotokamera ersetzt. Auch für die journalistische Arbeit werden die Smartphones eingesetzt – die BBC macht es vor. Andere Beispiele sind noch härter. Wir erinnern uns, im Juni 2013 hat die Chicago Sun-Times alle Fotografen entlassen und sie durch Reporter mit iPhones ersetzt. Ich habe darüber geschrieben.

Der Trend soll zu spiegellosen Systemkameras gehen, wenn ich den Herstellern glauben darf. Davon merke ich in meinen Fotoseminaren nur bedingt etwas. Die Kameras werden eingesetzt, aber sind nicht in der Masse zu sehen. Die Mehrheit der Teilnehmer setzt dann doch auf digitale Spiegelreflexkameras.

Was ist die Konsequenz? Ich denke, Kameras werden bewusst nur noch von Leuten gekauft, die sich mit Fotografie beruflich oder als ernsthaftes Hobby auseinandersetzen wollen. Die Knipserei wird dem Smartphone überlassen. Das wird der Fotografie als Kunstform neuen Auftrieb verleihen. Davon bin ich überzeugt. Allerdings wird der Markt für die japanischen Hersteller sicherlich nicht wachsen. Dabei sehe ich auch in der Smartphone-Fotografie einen interessanten Trend sich bildlich auszudrücken. Instagram und Co machen den Anfang.

Mit Interesse beobachte ich die Entwicklung von Kamerasystemen wie die Lytro Lichtfeldkamera oder die 360fly. Mit meiner Lytro experimentiere ich noch herum und kann noch kein Urteil fällen. Die Möglichkeiten, die Lichtfeldfotografie bietet, sind aber enorm.

Eine interessante Weiterentwicklung,

Eine interessante Weiterentwicklung,

Die 360fly soll im Herbst 2014 auf den Markt kommen. Sie macht 360 Grad Videos, die mit entsprechender App anzuschauen sein sollen. Was ich auf der Website des Herstellers sehe, macht mich sehr neugierig. Also Fotografie entwickelt sich weiter. Es liegt an uns, in welche Richtung. Ich freue mich auf die neuen Eindrücke und Bilder.

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2 Antworten to “Neue Chancen für Fotografie”

  1. Dirk Beichert Says:

    Die Trends, die Du beschrieben hast, bestehen unzweifelhaft. Etwas, dass sich aber nur in überschaubarem Maße verändert, ist der Anteil der Menschen, der Fotografie bewusst betreibt. Der also „mit Licht malt“ (wie Fotografie wörtlich übersetzt heisst). Leute, die also Geld, aber vor allem Zeit investieren, nicht nur um ihr Gerät zu beherrschen, sondern kreativ gestalterisch tätig zu werden. Es gibt immer mehr tolle Inspiration und Instagram & Co. geben Otto-Normalknipser für einen Moment die Illusion, kreativ gewesen zu sein, aber die Bereitschaft, sich mit gestalterischen Elementen wie Bildkomposition, Brennweite, Tiefenunschärfe oder der Bildbearbeitung auseinanderzusetzen ist (nach meiner ganz persönlichen und statistisch keineswegs untermauerten Meinung nach) nicht nennenswert angestiegen. Denn die Mensch-Maschine hat sich im Gegensatz zur Technik in den letzten 50 Jahren nicht nennenswert weiterentwickelt.

  2. lcsksr Says:

    Die Zukunft wird sicherlich spiegellos, eines der Spitzenmodelle von Sony macht das vor. Der einzige Grund, der noch für den Spiegel spricht, ist der deutlich schnellere Autofokus.

    Auseinandersetzung mit Fotografie ist relativ. Die DSLRs sind billig wie noch nie und dank verschiedener Presets fast idiotensicher. Manuelle Einstellungen benutzt kaum noch jemand, die Spiegelreflex ist die neue Schnappschusskamera, wenn ein Smartphone „zu billig“ wirkt. Die Experimentierfreude ist nicht mehr vorhanden, es werden stumpf die Kitobjektive im Automatik-Modus benutzt. Die einzigen Experimente ist das herumpfuschen mit HDR, und zwar so lange, bis alles künstlich wirkt und unscharf ist. Ich finde diese Entwicklung traurig.

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