Buchkritik: „10 Fragen zu Videospielen“ von Rudolf Thomas Inderst und Daniel Wüllner

Jahrelang lag dieses Buch auf meinem Stapel mit dem Titel „das sollte ich mal lesen“. Und jahrelang wanderte dieses Buch immer wieder nach hinten. Warum, weiß ich eigentlich auch nicht. Ich hatte wohl einfach keine Lust darauf. Dabei ist das Buch 10 Fragen zu Videospielen von Rudolf Thomas Inderst und Daniel Wüllner ein guter Beitrag zur immer wieder aufflammenden Diskussion um Videogames.

2009 ist das Buch erschienen und ist geschickt aufgebaut. Nicht die Autoren beantworten die 10 Fragen zu Videospielen, sondern User. Die beiden Autoren haben ihre Fragen an die Mitglieder der Netzgemeinde und bekamen 50 verwertbare Antwortbögen zurück. Damit lässt sich prima arbeiten. Die Fragen gliedern sich in vier Bereiche: Grundlagenforschung – worüber sprechen wir eigentlich?, Deutsche Klassiker – was Dichter und Denker bewegt, Nerdism Daily – Fragen für den Liebhaber und Der Blick in die Glaskugel – mutige Voraussagen.

Die Antworten der 50 Befragten sind ein Spiegelbild der deutschen (Spiegel-)Gesellschaft, vom Gelegenheitsspieler bis zum Hardcore-Zocker. Und wir stellen auch fest: Videogames sind Kulturgüter geworden. Es spielen nicht potentielle Massenmörder, wie so mancher Politiker gerne behauptet. Nein, Spiele ziehen sich durch die gesamte Gesellschaft, durch alle Schichten und Altersgruppen, durch jeden Bildungs- und Einkommensstand. Wer Videogamer in eine Ecke stellen möchte, der hat in unserer Gesellschaft etwas nicht verstanden. Ich will nicht von Leuten regiert werden, die dies einfach nicht wahrhaben wollen.

Mich haben von den 10 Fragen zu Videospielen vor allem zwei Fragen am meisten interessiert: Welches war dein nachhaltigstes Spielerlebnis? und die Frage nach der Glaskugel.

Die Antworten nach dem Spielerlebnis beantworteten die Befragten meist mit Retro-Games. Ich würde es ebenso machen. Nach langem Überlegen kam ich auf Fort Apocalypse, das ich gerne auf meinem C64 mit Datasette und TurboTabe 64 gezockt habe. 1982 veröffentlicht fand es bald den Weg in mein Kinderzimmer und ich rettete mit meinem Hubschrauber 16 Kameraden in einer unterirdischen Festung. Natürlich musste ich böse Panzer, Laserkanonen und andere Fallen überwinden. Als ich das erste Mal den Reaktor der gegnerischen Festung zerstörte, da fühlte ich mich großartig.

Aber an der Frage nach der Glaskugel zeigte sich, wie gute die Auswahl der Antworten durch das Autorenduo Rudolf Thomas Inderst und Daniel Wüllner war. Wir befanden uns im Jahr 2009 und einige Antworten trafen voll ins Schwarze, was die Voraussagen betrifft. In diesem Buch wurde der Trend zu Stereo3D voraus gesagt. So wurde auch vorausgesagt, dass Apple größer in den Videospielmarkt einsteigt – was dann mit dem iPhone/iPad/iPod touch auch geschehen ist. Mehr Koop-Modi in Games sowie Shops im Netz, Cloud Games und sogar Geo-Caching. Speicherung der Datenstände in der Cloud und Videogames wandern an die Hochschulen.

Wer sich ernsthaft mit dem Thema Videogames auseinandersetzen will oder Anregungen zum Nachdenken braucht, sollte zu diesem Buch 10 Fragen zu Videospielen greifen. Und ich entschuldige mich aufrichtig, dass ich das Buch fast drei Jahre liegen gelassen habe. Es war ein Fehler.

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen - Achtung das System speichert Namen und IP-Adresse

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.


%d Bloggern gefällt das: