Dracula im Film 1: Bram Stoker´s Dracula 1992

Durch das Lesen einer BA-Arbeit einer Bekannten zum Thema Vampire entdeckte ich meine alte Liebe zu Dracula-Filmen wieder. Sicherlich habe ich mindestens 50 verschiedene Verfilmungen des Stoffes von Bram Stoker auf DVD oder Blu ray. Künftig will ich in diesem Blog Zug um Zug über meine Dracula-Filmsammlung berichten. Ich loser Reihenfolge schaue ich mir immer wieder die Verfilmungen an und blogge darüber. Den Beginn macht die Francis Ford Coppola-Verfilmung Bram Stoker’s Dracula aus dem Jahr 1992.

Aus heutiger Sicht mutet der Film wie ein großer Videoclip an, damals hatte er mir im Kino gefallen, weil er sich zum einen relativ eng an die Vorlage von Bram Stoker hielt, zum anderem bildgewaltig dargestellt wurde. Nach wiederholten Ansehen bleibt die Faszination für das Set. Wer Kostüme liebt, wird diesen Film lieben und sieht über die Schwächen einiger Darsteller hinweg. Vor allem die Kostüme der japanischen Designerin Eiko Ishioka hatten und haben es mir bis heute angetan. Durch Coppola bekam ich Zugang zu dieser Designerin und verehre ihre Arbeit bis heute.

Der Film lebt von den Kostümen, die auch mit dem Oscar ausgezeichnet wurden. Viele bleiben mir in Erinnerung: Die rote Rüstung von Dracula, die Insektenähnlichen Klauen von Renfield, das echsenhafte Hochzeitskleid von Lucy oder das hochgeschlossene gedämpfte Kleid von Mina als die das erste Mal ihren Prinzen trifft. Farben spielen in diesem Film einer große Rolle. Das dunkle Rot der Rüstung, das lüsterne Orange von Lucys Nachgewand oder ihr erotisches, eng anliegendes Schlangenkleid beim Abendempfang, Dieses Set schafft Atmosphäre und beherrscht den Film. Ein letzter optischer Höhepunkt des Films war das Ende des Grafen. Imposant war das Reisedress von Dracula am Ende des Films – als hätte Gustav Klimt die Darsteller eingekleidet. Jugendstil pur. Mit dem Filmset verbunden war auch eine extrem eindringliche Kameraarbeit von Michael Ballhaus, garniert mit visuellen Effekten aus dem Höhepunkt der MTV-Zeit. Der Film beginnt mit einem optischen Leckerbissen: Der Graf tritt gegen die Türken an und schlachtet seine Feinde ab. Fast erinnerten die Szenen an alte Scherenschnitten oder die Rotovisionstechnik von Ralph Bashki aus „Herr der Ringe“. Dracula pfählt seine Gegner grausam, bis dieser zu einer List greifen. Aus dem Verteidiger der Kirche, wird in einer dramatischen Sequenz ein Geschöpf der Nacht. Er schwört Gott ab und versinkt in Blut.

Coppola versteht es, einen eindringlichen Dracula als Oper für das Kinos zu inszenieren, griff aber leider bei manchen Darsteller voll daneben. Zunächst die guten Darsteller: Dazu gehört ganz klar mein Liebling Tom Waits als Irrer Renfield. Wunderbar, wie er den zerrissenen Insassen des Irrenhauses spielt, Spinnen und Würmer vertilgt und sich in der fabelhaften Gefängniskleidung von Eiko Ishioka mit überlangen Armen in die Schauspielgeschichte spielt. Großartig. Auch die Leistung von Gary Oldman als Dracula sucht seinesgleichen. Er gibt eine sehr emotionale Interpretation des Grafen, sehr eindringlich. Oldman zeigt die Zerrissenheit der Figur sehr glaubwürdig.

Ganz und gar nicht auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft, aber nicht negativ spielt Anthony Hopkins den Retter Abraham van Helsing. Zwar gibt er dem Professor eine eigene Interpretation, aber den Holländer nehme ich ihm nicht immer ab. Aber zumindest kopiert Hopkings nicht die großen van Helsing-Vorbilder, sondern sucht seinen eigenen Weg, schießt aber über das Ziel hinaus. Herzhaft lachen musste ich über die Ankunft van Helsing bei Lucy. Die Szene ist ähnlich des Auftretens von Max von Sydow beim Exorzist 1973. Der Retter kommt als Schatten – schönes Filmzitat. Und damit komme ich zur den beiden absoluten Fehlbesetzungen des Films: Wionna Ryder als Mina und Keanu Reeves als Jonathan Harker. Beide waren zur Zeit des Films absolute Superstars, bringen aber in Bram Stoker´s Dracula kein besondere Leistung. Wahrscheinlich wurden sie aufgrund ihrer damaligen Popularität von Coppola gewählt. Heute zeigt sich, dass die Figuren blas sind und hölzern durch die Szenen agieren. Wie gut hätte Dracula werden können, wenn die beiden Hauptdarsteller besser besetzt wären. Zumindest Ryder versucht gegen Ende etwas von Schauspiel, während der junge Reeves, der seine Frau an den alten Vampir verlor, mehr Kampf, mehr Spannung hätte zeigen können. Dracula ist schließlich auch ein Liebesfilm. Hier bitte mehr Konflikte, mehr Tiefe der Darsteller und Emotionen, wenn sich Mina von ihrem Mann abwendet und sich dem alten Grafen hinwendet.

Natürlich ist der Film aufgrund seiner Geschichte hoch erotisch und zeigt für einen US-Film viel Haut und sogar Brüste. Wer bei den entsprechenden Szenen genau hinsieht, sieht eine schöne Monica Bellucci in ihrem ersten US-Film als eine von Draculas Bräuten, nackt, sehr erotisch und wunderschön.

Alles in allem ist Bram Stoker’s Dracula einer der besseren Dracula-Verfilmungen. Francis Ford Coppola zeigte wieder, dass der einst junge Wilde es immer noch drauf hat. Mir macht der Film nach fast 20 Jahren immer noch Spaß. Sicherlich liegt es daran, weil sich Coppola immer wieder an Murnau orientiert hat. Coppola bezeichnete Nosferatu als beste Dracula-Verfilmung aller Zeiten.

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