Filmtipp: Sie leben von John Carpenter (1988)

Vor kurzem hatte ich zusammen mit einem Kollegen ein Webinar zur politischen Bedeutung von John Carpenter. Klingt eigenartig, aber viele Carpenter-Filme beinhalten massive Gesellschaftskritik. Ich ging auf Dark Star und seine Biografie ein und entdeckte für mich wieder die Perle Sie leben aus dem Jahre 1988. Da ich die Bluray Version noch nicht besessen hatte, bestellte ich mir den B-Movie umgehend in einer Kombination Film/Soundtrack.

Carpenter ist neben Charlie Chaplin einer der wenigen Regisseure, die selbst der eigene Filmkomponist sind. Und die Score zu vielen seiner Filme gehen einfach ins Ohr und über eine minimalistische Faszination aus. Für mich nach all den Jahren noch immer beeindruckend ist die Musik zu Assault, Halloween und The Fog. Einen deutlichen schwereren Zugang habe ich zu dem Gitarrenbetonen Score von Ghosts of Mars. Der Score von Sie leben liegt irgendwo in der Mitte. Er erinnert, wie bei Carpenter oft, an einen Western. Zum 20. Geburtstag des Films wurde der Score in der kompletten Form mit 29 Tracks auf den Markt gebracht.


Aber zurück zum Film: Ich habe Sie leben 1988 damals im Kino gesehen. Carpenter befand sich im Niedergang seines Schaffens und nach Sie leben kam der unsägliche Jagd auf einen Unsichtbaren 1992. Sie leben war aber noch ein wirkliches Highligt: Konsumkritik pur – Aufstand gegen die Yuppie-Invasion. Die Hauptrolle spielte der kanadische Wrestler Roddy Piper, der 1995 2015 an Herzstillstand überraschend verstarb. Roddy Piper war jetzt nicht der große Charakterdarsteller, aber er spielte die Rolle des arbeitslosen Ölarbeiters John Nada eindrucksvoll. Genau so wollte es Carpenter damals: Kein Hollywood-Sonnyboy, sondern ein Arbeitertyp mit Narben und Schwielen. Durch den Blick einer speziellen Sonnenbrille erkannte unser Held John, dass die Erde von Alien beherrscht wird, die den Planet durch radikalen Konsum und Verführung ausplündern. Klingt jetzt ein wenig an den Haaren herbeigezogen, aber der B-Movie ist Konsumkritik an der Reagan-Ära pur und macht zudem noch unglaublich Spaß.

Zudem ist es Carpenter gelungen, eine der besten Zweikampfszene der Filmgeschichte zu drehen. Die Figuren John und Frank hauen sich die Köpfe ein, weil keiner nachgeben will. John will Frank überzeugen, dass er die Zauberbrille aufsetzen soll und der will partout nicht. Möchte er gar aus der Konsumwelt gar nicht entfliehen?

Wer die Brille dann doch auf der Nase hat, sieht überall die Aufforderung zum Kauf. Auch das Schild Gehorchen/Obey taucht immer wieder auf.
Fun Fact: Obey Clothing ist ein beliebtes Bekleidungsunternehmen, das 2001 vom Straßenkünstler und Illustrator Shepard Fairey als Erweiterung seiner Arbeit im Bereich Aktivismus gegründet wurde. Die Idee kam ihm beim Betrachten des sehenswerten Carpenter-Films Sie leben.

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2 Antworten to “Filmtipp: Sie leben von John Carpenter (1988)”

  1. Andi Says:

    Rowdy Roddy Piper starb erst 2015. Er trat bis zu seinem Tod immer wieder in Wrestlingshows auf. Einer der ganz Großen!

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