Ich stand mit Joe Cocker am Buffet – ein Nachruf

Mit 70. Jahren ist Joe Cocker verstorben und die Gazetten sind voll mit Nachrufen über sein musikalisches Lebenswerk. Der Mann hat einiges aufgenommen und wenn ich ehrlich bin, dann gefällt mir so richtig nur Mad Dogs & Englishmen. Diese Aufnahmen haben mich wirklich gepackt. Und ich fand Up Where We Belong im Duett mit Jennifer Warnes wunderbar. Mit den anderen späteren Aufnahmen hat Cocker richtig Geld gemacht, aber ich mochte die Produkte nicht, die mit seinen Songs in Verbindung standen: Ich fand 9 1/2 Wochen einen schrecklichen Werbeclip-Film eines begabten Werbeclip-Regisseurs und wenn ich den Newman Song You Can Leave Your Hat On höre, muss ich an diesen Film denken. Noch schlimmer: Wenn ich Sail Away höre, weiß ich, welches Bier ich garantiert nicht trinken werde. Aber egal, Joe Cocker hat sein Publikum gefunden und nun ist er leider zu früh verstorben.
Eine persönliche Begegnung hatte ich mit ihm am 2. Juli 1989 im Augsburger Rosenaustadion. Er war dort Headlinier eines Open Airs zusammen mit der Kölner Kapelle BAP. Unter anderem trat noch Suzanne Vega auf, die mit ihren leisen Songs fast unterging. Ich war zum Fotografieren dort.

cocker
Cocker lieferte eine gute Show ab und ich hab einige Songs aus dem Fotograben vor der Bühne mitbekommen. Damals war es üblich, dass man zehn Minuten oder die ersten drei Songs eines Künstlers vom Fotograben fotografieren durfte. Da sahen die Herrschaften noch gut aus und wirkten auf den Fotos noch sehenswert frisch. Leider kommen die meisten Künstler erst nach 10 Minuten in Fahrt und sind aufgewärmt und später im Konzert hat man die besseren Actionfotos. Nicht bei Joe Cocker. Er war ein Profi in dem Geschäft und wusste um seine Wirkung. Also positionierte er sich gleich für uns Fotografen richtig und gestikulierte in Cockerscher Manier herum und es gelangen schöne Aufnahmen.
Hinter der Bühne – im so genannten Backstage-Bereich – gab es während des Konzerts immer was zu Futtern und Künstler, Management, Veranstalter und auch wir von der Presse konnten uns an einem aufgebauten schwäbischen Buffet bedienen. Dabei galt es, den Künstlern immer den Vorrang zu lassen. Machen wir auch brav und als wir an der Reihe waren, stand Cocker schon wieder in der Schlange. Gut erzogen wie wir waren – und vor allem um nicht die wertvollen Backstage-Pässe zu verlieren – ließen wir den Sänger vor und so kam es, dass ich hinter Joe Cocker am Buffet stand. Ich weiß nicht mehr, was der Meister von Woodstock alles auf seinem Teller aufhäufte, aber er war ein guter Essen – und ich kann das wahrlich beurteilen. Ich danke ihm kurz für das optimale Posing auf der Bühne, er knurrte etwas und das war meine persönliche Begegnung mit Joe Cocker. Ich kann also sagen: Ich stand hinter Joe Cocker beim Buffet und er hat mich angeknurrt. Reicht nicht gerade für eine Geschichte im Rolling Stone, aber nett war es trotzdem.
Schade, dass Cocker mit 70. Jahren nun verstorben ist. Ich werde mir heute Mad Dogs & Englishmen anhören und bei Youtube den genialen Film mit einem hervorragenden Leon Russell anschauen. Danke für diesen Blues Mr. Cocker

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