Zwölf Uhr mittags – Meisterwerk von Fred Zinnemann

Das erste Mal sah ich den Film bei meinem Onkel, der sich einen frühen Betamax-Videorekorder gekauft hatte. Ich fieberte vor dem Röhrenfernseher mit, weil mich die Handlung des Schwarzweißfilms so packte. Mein Onkel schenkte mir dann noch ein schwarz-rotes Kinoplakat aus der Bravo, das eine Zeitlang in meinem Jugendzimmer hin – neben Sean Connery. Und all die Jahre habe ich diesem Klassiker die Treue gehalten: Gemeint ist Zwölf Uhr mittags von Fred Zinnemann, der heute vor 25 Jahren verstarb.

Zinnemann wird unter Filmfreunden als Synonym für Zivilcourage genannt und Zwölf Uhr mittags ist das beste Beispiel dafür. Genial mit Gary Cooper und Grace Kelly besetzt, ist der Film ein grandioses Beispiel für diese Zivilcourage. Ein Mann tritt dem Bösen entgegen, wird nur von seiner Frau unterstützt, während ihn Freunde und Mitbürger der Stadt alleine lassen. Er hätte fliehen können, doch er hätte niemals zur Ruhe kommen können, daher tritt er gegen das Böse an.

Ich habe den Film auf DVD, dann auf Bluray und hab mir vor kurzem die Super 8-Version geholt, leider hab ich die Laserdisc Version bisher verpasst. 1952 kam High Noon, wie der Film im Original hieß, in die Kinos und veränderte den Western schlagartig.

Zinnemann, der in Österreich-Ungarn geboren war und 1929 nach Hollywood emigrierte, setzte bei High Noon auf ein interessantes filmisches Mittel – und ich glaube, das war es, was mir als Jugendlicher und mich noch heute faszinierte. Von der Ästhetik des Fotos des Bürgerkriegsfotografen Mathew Brady wusste ich damals nichts, aber die Erzählweise faszinierte mich. Die knapp 90 Minuten Filmzeit (eigentlich waren es 85 Minuten) sind in Echtzeit gedreht. Das bedeutet, die Uhr läuft in Realzeit ab. Es gibt keine Rückblenden. So wird die Spannung erhöht. Die vergebliche Suche des Sheriffs nach Mitstreitern unter den Bürgern von Hadleyville, der Streit mit seiner Ehefrau und der Mitbewohner, die ihn zur Flucht überreden wollen, das Eintreffen des Bösen Frank Miller mit der Bahn und schließlich das Duell in den verlassenen Straßen von Hadleyville.

Was mir imponiert hat, war auch das Ende: Die Mitbürger gratulieren zum Sieg, aber unser Sheriff wirft seinen Stern in den Dreck und reitet mit seiner Frau davon. Es ist getan, was getan werden musste.
Und die Musik von Dimitri Tiomkin ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Die Zeile „Do Not Forsake Me“ von Ned Washington, gesungen von Tex Ritter, summe ich noch heute dann und wann. Großes Kino, ganz großes Kino und toller Score.
Ausdrücklicher Dank geht an David Dietrich, mein Kollege der Facebook-Gruppe Erdbeben 1974, der mich an den Todestag von Fred Zinnemann erinnerte und einen hervorragend Beitrag schrieb.

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