Buchtipp: Out of Office von Elke Frank und Thorsten Hübschen

Während andere am 1. Mai demonstrieren, habe ich mein Arbeitszimmer aufgeräumt. Dabei fiel mir ein Buch von 2015 in die Hände: Out of Office – warum wir die Arbeit neu erfinden müssen.

Geschrieben wurde es von den damaligen Microsoft-Managern Elke Frank und Thorsten Hübschen. Im Jahre 2015 habe ich mir viele Gedanken zu dem Buch gemacht, deshalb unterbrach ich mein Aufräumen und las wieder in dem Buch. Beide Autoren haben schon vor längerem Mircosoft verlassen und dennoch sind die Aussagen des Buches für mich noch immer gültig.

Es traf mich aus heiterem Himmel: Verdammt, die beiden Autoren hatten mit ihren damaligen Thesen recht. Ich blicke in mein Arbeitszimmer und nahm die Veränderung wahr. Corona war der Beschleuniger dieser Veränderung der Arbeitswelt, meiner Arbeitswelt. War ich bis März 2020 drei, vier Tage die Woche unterwegs bei Kunden, bin ich seit Corona zu Hause und habe meinen persönlichen Workflow komplett geändert – Out of Office eben.

Da wird am 1. Mai von den Gewerkschaften vom digitalen Proletariat geredet und ich stelle fest, dass ich mehr und mehr zu einem Wissensarbeiter geworden bin. Ich war von der Lektüre von Out of Office derart gefesselt, dass ich das Aufräumen auf einen späteren Tag verschob und mich mit einem Espresso niederließ und las.

Ich brauche kein externes Büro anbieten, da ich ein großzügiges Arbeitszimmer habe. Die Kinder hatten im HomeSchooling ihre Arbeitsplätze, nur die Gattin ist ins zwei Kilometer entfernte Büro geradelt, um die heimische Internet-Leitung nicht zu stark zu strapazieren. Ein Büro im eigentlichen Sinne, also einen extra angemieteten Raum, braucht unsere Familie nicht. Ja, ich weiß, es gibt andere Familien mit Platzproblemen. Aber bei uns ist Out of Office kein Problem und ich muss sagen: Ich genieße es, dass ich zu Hause bin und nicht unterwegs sein muss. Damit wir uns richtig verstehen: Ich lehne Corona ab und freue mich auf den Tag, wenn wir wieder unter Leute kommen und ich wieder vor Ort sein darf. Aber die Zeit vor Corona lässt sich nicht zurückdrehen. Zoom, Teams, Webex und Co haben viel verändert und ich möchte es nicht missen. Im Moment plane ich den nächsten Schritt. Wenn es soweit ist, dann an dieser Stelle mehr.

Corona hat den Umbau der Arbeitswelt beschleunigt. Der Untertitel des Buches Out of Office heißt dann auch folgerichtig: „Warum wir die Arbeit neu erfinden müssen“. Von Corona haben die Autoren damals 2015 natürlich nichts gewusst, aber sie hatten eine Ahnung, das eine Veränderung vor der Tür steht. Ich hoffe nur, dass unsere bundesdeutsche Gesellschaft diesen Veränderungsprozess mitgeht. Allerdings habe ich ein schlechtes Gefühl: Viele in meiner Umgebung wollen die Zeit vor März 2020 zurückdrehen.

Out of Office bei SAP
Vor kurzem meldete sich auch Cawa Younosi, Personalchef bei SAP Deutschland in einer Diskussionsrunde auf der didacta digital 2021 zum Thema Digitalisierung zu Wort. „Sie ist Fluch und Segen zugleich. Vieles wird niedrigschwelliger, wenn die technischen Grundvoraussetzungen vorhanden sind. Der Fluch ist, dass man darauf achten muss, sich nicht selbst aus zubeuten und zu wissen, wann man den Rechner runterfahren sollte.“ Interessant war die Antwort Cawa Younosis auf die Frage: Welche Entwicklungen aus der Pandemie werden sich langfristig durchsetzen? „Die Flexibilität im Hinblick auf den Arbeitsort wird zunehmen. Der Anteil der Arbeit, die nicht im Büro erbracht wird, wird nochmal steigen. Was sich ebenfalls fortsetzen wird, ist die Vermenschlichung der Arbeitswelt. Ich bin nicht mehr nur Cawa, sondern gleichzeitig Familienvater, vielleicht auch Hunde- oder Katzenbesitzer, man weiß, wie meine Wohnung aussieht. Kurz: Wir sind menschlicher geworden.“

Out of Office
Das Autorenduo Frank/Hübschen beschreibt ihre Version der Zukunft der Arbeit in einer Welt der kommerzialisierten Büroarbeit. Sie wissen natürlich, dass es die Welt des Handwerks, der Industrie, des Verkaufs gibt, aber sie kümmern sich in ihrem Buch um die spannenden Veränderungen der Büroarbeit. „Wir können nicht länger an einen Ort binden und von ihnen ihre Arbeits- und Schaffenskraft einfordern, ohne ihnen eine angemessene und individuelle Arbeitsumgebung zu schaffen.“ Interessant. Vertrauen ohne Überwachung – da würden einige meiner alten Überwachungschefs tot umfallen. Das bedeutet, dass Gespräche über Zielvorgaben nicht nur einmal Jahr stattfinden, sondern wie bei MS alle viertel Jahre projektbezogen. „Flexibles Arbeiten sollte auf einer gesunden Mischung aus Vertrauen, Kommunikation und Zielvereinbarung basieren.“

Die Autoren kritisieren den mangelnden Veränderungswillen von Unternehmen, die geprägt sind im Denken der industriellen Revolution und des Taylorismus. Doch die heutige Welt der Wissensarbeiter sieht anders aus und ist keine „organisierte Legehennenhaltung.“

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