Die Welt ändert sich – auch in Passau bei der PNP

Sehr sympathisch und offen: Verlegerin Angelika Diekmann.

Sehr sympathisch und offen: Verlegerin Angelika Diekmann.

Selten habe ich so offen eine Einschätzung über die Verlagsbranche gehört wie ein Statement der Verlegerin der Passauer Neuen Presse (PNP) Angelika Diekmann. Bei einem Besuch des Internationalen PresseClubs München im Oktober 2019 beschied die Dame dem Print-Medium keine glorreiche Zukunft und schlug gegenüber den Münchner Journalisten interessante Überlegungen an.

Engagement in Osteuropa
Diekmann spielt mit dem Gedanken, dass Engagement der PNP in Osteuropa weiter zurückzuschrauben. Die PNP schaue in den gekauften Verlagen auf die Zahlen, die Redaktionen in Osteuropa blieben dagegen immer eigenständig. In Tschechien habe sich der Verlag aufgrund von politischen Druck der dort Herrschenden aber bereits schon zurückgezogen. Dies könne aufgrund der politischen Situation in Polen ebenso geschehen. Kaczyńskis nationalkonservativer politischer Kurs führt dazu, dass die Luft für ein deutsches Engagement dünner wird.

Die PNP ist in der Region eine Größe.

Die PNP ist in der Region eine Größe.

Zudem vollziehe sich die Digitalisierung in Polen schneller – die gedruckte Zeitung verliere immer mehr an Leser. „Die Polen sind sehr viel früher ins Internet gegangen und haben die Zeitungen online gelesen“, so Angelika Diekmann. „Und online wird das Geld nicht mehr verdient. Man hat einen großen Apparat, der muss ja bezahlt werden. Das passt dann ja nicht mehr.“ Zur Plänen einer Bezahlschranke Paywall wollte sich die Verlegerin nicht äußern. Hohe Kosten entstehen durch die Regionalzeitungen, weil Journalisten in der Fläche vorhanden sind und bezahlt werden wollen. Großverlage wie Springer mit nationalen Blättern haben es im Ausland einfacher als die PNP mit einer lokalen, personalintensiven Struktur.

Angelika Diekmann mit dem Vorsitzenden des Münchner PresseClubs Peter Schmalz.

Angelika Diekmann mit dem Vorsitzenden des Münchner PresseClubs Peter Schmalz.

Schlüssel umdrehen
Verlagshäuser befinden sich in der Krise. Der Wandel vom Verlags- zum Medienhaus sieht der Besucher der PNP eindrucksvoll. Viele Medienunternehmungen unter einem Dach um Synergieeffekte zu nutzen. Doch: „Jeder Verlag, auch der kleinste Regionalverlag, ist aktiv. Nur das Geld wird nicht mehr verdient wie mit dem gedruckten Wort.“
Auch das moderne Druckhaus der PNP mit modernsten Druckmaschinen von MAN leidet durch den Rückgang der Zeitungsauflage und der Werbung. Die Frage stellt sich wirklich, in wie vielen Jahren man bei diesen Druckzentren „den Schlüssel umdrehen wird“

Synergieeffekte beim Donaukurier
Der Kauf des Donaukuriers war für die Branche eine Überraschung. „Man kauft nur eine Zeitung, wenn es Synergieeffekte gibt“, so die Verlegerin. Synergieeffekt heißt zum Beispiel den Mantel zentral zu produzieren. „Das ist alles noch nicht gemacht, aber in den Köpfen“, stellte Angelika Diekmann klar. „Es ist für Journalisten nicht schön.“
Zum Postdienst der PNP konnte die Verlegerin nichts sagen. Sie verwies auf ihre Tochter, die das Unternehmen führt. „Wenn etwas nicht läuft, dann stellt sie es ein. Den Postdienst gibt es noch“, so Angelika Diekmann.

PNP und die Kirche
Die PNP ist in der Region Monopolzeitung. Hier versuchte der neue Bischof von Passau gegen das Monopol anzugehen indem er auf soziale Netzwerke setze. Stefan Oster, Jahrgang 1965, ist sicherlich kein liberaler Geist. Er kennt die Spielregeln der Medienbranche. Nach dem Abitur am Gymnasium Neutraubling absolvierte er eine Ausbildung zum Zeitungsredakteur; anschließend auch zum Hörfunkredakteur und -moderator. Er arbeitete nach der Ausbildung einige Jahre für diverse Medien im Print- und Hörfunkbereich, teilweise fest angestellt, teilweise als freier Journalist.
„Da gab es mal Ärger“, so Angelika Diekmann. Er sei ein „Dogmatiker hoch zehn“. Er habe sich bei der Amtsübernahme in Passau durch die PNP angegriffen gefühlt. „Wir sind das Spiegelbild seines Tuns gewesen“, so Diekmann. Oster hat via soziale Netzwerke reagiert. „Was ich gehört habe, muss es sich beruhigt haben.“
Zu den einstmals aggressiven Scharfrichtern in Passau meinte die Verlegerin: „Sie sind nicht mehr scharf und wir sind eine andere Generation.“ Die Kabarettisten der Scharfrichter wie Bruno Jonas und Siegfried Zimmerschied machten der konervativen Passauer Gesellschaft das Leben schwer. So verhängte der einstige Chefredakteur der PNP eine Nachrichtensperre über die Kabarett-Veranstaltungen, der Generalvikar des Bistums erstattete Anzeige wegen Gotteslästerung und die Stadt Passau verhängte Aufführungsverbote. „Die Journalisten gibt es heute nicht mehr, die damals Ursache des Problems waren.“

Menschen in Europa
Angelika Diekmann war einstmals Kulturredakteur. Als Verlegerin ist sie der Kultur weiterhin verbunden. Sie schuf die Reihe Menschen in Europa und es ist ihr sichtlich eine Herzensangelegenheit prominente nach Passau zu holen und auszuzeichnen. Damit schaut die Kulturwelt nach Passau. „Was eignet sich besser als Kunst, die Menschen im vereinten Europa einander näher zu bringen?“ so Diekmann. Aus dieser Überlegung wuchs 1996 die Idee, europäische Künstler und ihre Heimatländer am Stammsitz der Verlagsgruppe vorzustellen. Mit ihnen treffen sich heute europäische Spitzenpolitiker alljährlich in Passau zum Austausch jenseits des Protokolls. In diesem Jahr ging der MiE-Kunst Award an den Künstler Ai Weiwei.

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