Mein DVD-Tipp: Downton Abbey

DowntonAbbey

Im Moment fahre ich voll auf die Serie Downton Abbey ab. Ich geb ja zu, das Leben als Lord hätte schon etwas gehabt. Die englischen Klamotten habe ich im Grunde schon, es fehlt nur das entsprechende Gebäude, Grundbesitz, Manieren – also eigentlich alles. Als Kind habe ich begeistert die englische TV-Serie Das Haus am Eaton Place geschaut. Ich fand das dort gezeigte Leben von Lord/Lady Bellamy und deren Dienstboten faszinierend. Mal sehen, ob mir die Serie heute noch genauso gefällt.

Bis es soweit ist, erfreue ich mich an Downton Abbey. Die Serie spielt etwa zur selben Zeit wie Das Haus am Eaton Place, aber eben nicht in London, sondern auf dem englischen Land in dem fiktiven Landsitz Downton Abbey.

Die Serie bietet alles, was ein Kostümschinken braucht: Tolle Klamotten, fiese Intrigen, schöne Aufnahmen von Gebäuden und Landschaften und viel, viel persönliche Schicksalsschläge, die mich als Zuschauer fesseln und immer wieder die nächste Folge auf DVD anschauen lassen.

Aber Downton Abbey bietet mehr. Es ist auch ein Stück Zeitgeschichte mit Sozialkritik. Selbstverständlich nicht kopflastig politisierend, sondern Häppchen für Häppchen  Gesellschaftskritik auf TV-Niveau. Die Serie beginnt mit dem Untergang der Titanic und ist im Grunde ein Omen für die gesamte Serie. Der Untergang einer Welt, die für unveränderbar angesehen wurde. Überall beginnt es in der Serie zu bröckeln. Die Welt verändert sich und die handelnden Figuren sind zum Teil hilflos, zum Teil forcieren sie den Wandel.

Der Wandel ist vielfältig. Da wäre einmal die Medizin. Neue Medikamente und Verfahren retten Leben. In der alten Welt wäre die Kranken einfach gestorben, weil sich etablierte Ärztestrukturen nicht ändern wollten. Nur durch Druck von Isobel Crawley kommen neue Techniken zum Einsatz. Apropos Technik: Wunderbar zu sehen, wie in Downton Abbey die Elektrizität einzieht und die Kerzen- und Petroleumbeleuchtung verdrängt. Gräfinwitwe Violet Crawley, exzellent durch Maggie Smith dargestellt, hält das elektrische Licht mit ihrem schwarzen Fächer ab und reagiert auf die Neuerung nervös. Köstlich ist auch die Einführung des Telefons. Die Adelsfamilie entschließt sich zum Kauf von zwei Apparaten, eines für den Adel, eines für die Dienerschaft. Und es ist herrlich, wie Butler Charles Carson vorgibt, die Technik zu beherrschen, aber im Geheimen das Abheben des Hörers übt. Irgendwie erinnert mich das an die heutige Zeit. Internet und soziale Netzwerke müssen verarbeitet werden, denn die Welt ändert sich weiter.

Interessant ist auch die geänderte politische Welt. Eine berufliche Stellung ist nicht gottgegeben, sondern kann geändert werden. Ein Dienstmädchen begehrt gegen die Strukturen auf, lernt Schreibmaschine und bewirbt sich als Sekretärin. Frauen fordern das Wahlrecht und die Herrschaft des Adels wird durch Bedienstete in Frage gestellt. Die einen sind klassische Sozialisten (arbeiten aber im Dienst der Herrschaft), andere sind nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs sorgt dafür, dass die alte Welt des Empire kollabiert und etwas neues entsteht.

Ich möchte nicht zuviel verraten, kann aber Freunden der gepflegten Unterhaltung die Serie ans Herz legen. Wer vor der Glotze ein wenig schmachten und sich nett unterhalten will, ist mit Downton Abbey an der richtigen Adresse. Leider ist die deutsche Übersetzung nicht immer astrein. So wird immer wieder von „Ihre Lordschaft“ gesprochen, wo das Protokoll doch „Eure Lordschaft“ vorgibt. Aber was solls? Wer Lust hat und es versteht, schaltet einfach die englische Tonspur an.

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