Frage an alle: Bringt Facebook unseren Theatern etwas?

Aufgrund eines Interviews mit mir, das in der Wirtschaftszeitung aktiv erschienen ist, erreichte mich eine interessante Anfrage. Diese Anfrage von einer Studentin für Kultur- und Medienmanagement will ich gerne weitergeben und diskutieren. Sie lautet schlicht und einfach: Sollen deutsche Theater auf Facebook setzen und was bringt es ihnen eigentlich? Und: Hätte Shakespeare als Theater-Teilhaber heute eine Facebook-Präsenz?

Eine kurze Recherche zeigt: Zahlreiche Theater sind bereits in Facebook aktiv. Für sie kann Facebook ein tolles Marketingtool sein. Interessierte werden auf den aktuellen Spielplan aufmerksam gemacht. Es wird gemeldet, wenn Restkarten erhältlich sind oder Aufführungen ausverkauft sind. Es ist möglich, Facebook mit dem Ticketsystem zu koppeln und Karten direkt zu bestellen. Und natürlich sind Verlosungen u.a. möglich.

Im Vorfeld einer Aufführung kann über den Stand der Proben berichtet werden. Vernetzungen mit YouTube zeigen Videos von den Proben, Gespräche mit Schauspielern, Regisseuren, Kreativen allgemein und natürlich der Theaterführung. Was im Vorfeld funktioniert, klappt natürlich auch im Nachgang. Die veröffentlichte Meinung wird präsentiert und vor allem wird durch Social Media die Meinung des Publikums dargestellt. Es gilt nicht mehr der alte Zeitungsspruch: Wie es Ihnen gefallen hat, lesen Sie morgen im Tageblatt. Der Theaterfan kommt zu Wort und das ist gut so, denn er zahlt für seine Karten und sein Theater. Wenn die Theaterbetreiber fit sind, gehen Sie nach der Premiere mit der Videokamera herum und sammeln Statements. Das ist aktive Bindung des Publikums.

Aufkleber mit Aussagen in der Stadt verbreitet, mit QR-Code versehen oder anderen viralen Marketingmitteln sorgen für Aufmerksamkeit in neuen Zielgruppen.

Sehr schön fand ich beispielsweise den Auftritt des Thalia-Theaters, bei dem Annika Stadler (Dramaturgie), Jochen Strauch (Marketing/Kommunikation), Luk Perceval (Leitender Regisseur), Heinz-Werner Köster (Verwaltungsdirektor) posten. Stark, was die Kreativen auf die Beine stellen und über 6500 Fans sind der Dank.

Und ob Shakespeare in Facebook wäre? Na klar, der Mann wollte Geld verdienen und er ist dorthin gegangen, wo sein Publikum ist. Heute wäre das auch im Internet und bei Facebook. Was meint ihr denn dazu?

Zur Inspiration gibt es noch eine der besten Szenen aus dem Monaco: „A rechter Sch..dreck wars!“

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4 Antworten to “Frage an alle: Bringt Facebook unseren Theatern etwas?”

  1. Sabine schreier Says:

    Drin sein oder nicht, das ist heut die Frage! #Facebook
    …so ein Theater um ein so wichtiges Thema …ist legitim, aber unnötig. 😉

  2. Frank Says:

    Die Frage „Sollen deutsche Theater auf Facebook setzen“ würde ich mit „Nein“ beantworten. Theater – egal von wo – sollen in erster Linie auf Qualität und Originalität setzen. Sie sollten allerdings Facebook nutzen.

    Theater – wie jede Form der Kunst – ist Interaktion. Und das muss sich nicht nur auf das Geschehen auf der Bühne, auf die Beziehung zwischen Bühne und Publikum beschränken. Social Networks, Facebook wegen der Möglichkeit der medialen Ergänzungen besonders, bieten eine neue Ebene der Interaktion und der Kommunikation. Das Ergebnis Deiner kurzen Recherche zeigt ja einige Beispiele dafür.

    Ich selbst betreue eine Seite für die Freilichtbühne Bökendorf, bei der ich selbst dabei bin. Ohne massive Werbung zu betreiben (im Programmheft dieses Jahres war noch kein Hinweis auf Facebook und Twitter) steuern wir auf das 300. „Gefällt mir“ zu, Tendenz steigend. Facebook ist auch für ein Theater eine sehr niederschwellige Kontaktmöglichkeit. Die Frage „Wir kommen mit fünf Leuten, müssen wir reservieren?“ ist schnell bei Facebook getippt. Wichtig ist dann allerdings, dass auch zeitnah eine Antwort kommt.

    Und: Natürlich wäre Shakespeare bei Facebook. Vielleicht wäre er gar der Sascha Lobo (oder Matthias J. Lange? 😉 ) seiner Zeit gewesen. Der Mann – ich meine Shakespeare – hat so viel versucht und damit so viel Erfolg gehabt. Der hätte sich Facebook nie entgehen lassen.

  3. bgks Says:

    Soso. Shakespeare, das war doch dieses Pseudonym, das keinen Originaltext hinterlassen hat …

    Und, nunja, wo der Höhepunkt einer Sylvesterfeier ist, nebeneinanderhockend SMS ins Handy zu hacken, da ist dann wohl die Pause im Theater so zu gestalten, dass im Handy gecheckt wird, was die anderen während der Aufführung als Kommentare ins selbige gehackt haben.

    Jedenfalls ist ein guter Grund, das Theater zu meiden, wenn sich dort Leute tummeln, denen »Stand der Proben» und »Videos von den Proben, Gespräche mit Schauspielern, Regisseuren« wichtig sind. Schlimm genug, wenn als »Making of« Gequatsche daherkommt, wie Schauspieler ihren Character verstanden haben.

    Nunja. Wer Kultur studiert, hat meist keine. Kultur findet statt.

  4. Frank Says:

    @ bgks: Wer das Theater meidet wegen der Medien-Vorlieben der anderen Besucher, der zeigt natürlich, dass er/sie Kultur verstanden hat. Ach ja, ich vergaß: „Wer Kultur studiert, hat meist keine. Kultur findet statt.“ Das ist wahrhaft tiefsinnig, bgks, ganz großes (Kultur-?)-Kino. 😀

    Mir ist ehrlich gesagt ziemlich schnuppe ob mein Sitznachbar im Theater Twitter oder Facebook, Micky-Maus oder Shakespeare liest. Meinetwegen kann er auch trommeln, um Nachrichten zu versenden und zu empfangen (nach der Vorstellung bitte). Aber um während der Aufführung Nachrichten tippende Zeitgenossen ging es in der Frage an sich auch nicht.

    Vielleicht hätte Matthias J. Lange sie für bgks doch besser getrommelt.

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