Gebrauchte eBooks dürfen nicht weiterverkauft werden – warum eigentlich?

Ich liebe Bücher, nein genauer: Ich liebe Inhalte – in welcher Form mir ein Inhalt dargeboten wird, ist mir in der Regel egal. Da bin ich flexibel. Ich lese Romane und Fachbücher in der Regel am Kindle, bildgewaltige Kunstbücher in der Regel aus Papier.

Der goldene Handschuh ist prima als eBook, aber weiterverkaufen darf ich ihn nicht.

Der goldene Handschuh ist prima als eBook, aber weiterverkaufen darf ich ihn nicht.

Aber ich merke, wie stark der Lobbyismus von Verlagen in unserer Gesellschaft ist. Der Europäische Gerichtshof hat unlängst geurteilt (Az. C-263/18): Gebrauchte E-Books dürfen nicht weiterverkauft werden.
Ich halte mich mit einer Richterschelte zurück, aber dennoch passt so ein Urteil nicht in ein digitales Zeitalter. Anlass für diese Urteil war eine Klage der niederländischen Verlegerverbände Verlegerlobbys NUV und GAU, die gegen die niederländische Firma Tom Kabinet geklagt hatte. Diese betreibt nach Nicholas Negropontes Idee Total digital einen Marktplatz für gebrauchte E-Books. Negroponte schrieb schon 1995 in seinem Buch Total digital/being digital den für die Digitalwirtschaft wichtigen Satz „move bits, not atoms!“
Das Urteil des EuGH ist für mich ein Rückschritt in analoge Zeiten. Die Weitergabe entspreche einer öffentlichen Wiedergabe, die eine Zustimmung der Urheber voraussetzt.
Damit kann der Börsenverein des deutschen Buchhandel zum Jahresende ein Fass aufmachen und feiern. Die Entscheidung sei ein großer Erfolg, „denn sie sichert ein faires Urheberrecht“, erklärt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. Seine ausführliche Begründung: „Das Urteil ist somit ein wichtiges Zeichen für alle Rechteinhaber und Anbieter digitaler Medien und die gesamte Buch- und Kreativbranche. Es ermöglicht Verlagen und Händlern, weiter an innovativen Geschäftsmodellen mit digitalen Medien zu arbeiten, wovon letztlich die Verbraucher profitieren. Anders als physische Medien können digitale Inhalte praktisch unendlich vervielfältigt und weitergegeben werden, ohne sich jemals abzunutzen. Der Primärmarkt etwa für E-Books und Hörbücher würde komplett zerstört werden, wenn es einen legalen ‚Gebrauchtmarkt‘ für sie gäbe.“

Schon 2015 urteilte ein deutsches Gericht so und ich habe darüber gebloggt.
Doch leider sehe ich keine „innovativen Geschäftsmodellen mit digitalen Medien“ von denen der Lobbyist da spricht. Es ist analoges Denken in einer digitalen Welt. Ich frage mich, welche berechtigten Interessen beim Urheber verletzt werden, wenn die Lizenz einfach den Besitzer wechselt?
Ich kann auch keine Lösung anbieten, stelle aber fest: Meine gedruckten Bücher kann ich nach dem Lesen in öffentliche Bücherschränke einstellen, an Freunde verschenken oder am Flohmarkt oder Online-Marktplätzen versilbern. Bei digitalen gekauften Inhalten wie Musik, Filme, Spielen, Hörbücher und eben eBooks geht das nicht. Wenn ich diesen Content nicht mehr mag, bleibt nur das Löschen. Mit dem Kauf des E-Buches habe ich aber das Recht erstanden, es jederzeit lesen zu können. Wenn ich dieses Recht nicht mehr benötige, dann muss ich es auch verkaufen können.
Wo ist hier eine Lösung? Was ist eure Meinung?

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3 Antworten to “Gebrauchte eBooks dürfen nicht weiterverkauft werden – warum eigentlich?”

  1. michaelhomberg Says:

    Über Blockchain-Lizensierung wäre ein Weiterverkauf sicherlich möglich. Fragt mal nach bei https://license.rocks/, dieser StartUp ist erfolgreich auf Lizensierung von Software (wo es viele illegale Kopien gibt) spezialisiert

  2. Armin Fimberger Says:

    Wenn man das 35 Seiten starke Urteil liest, geht es primär darum, wie und wo iBooks veröffentlicht werden. Die Conclusio des Urteils ist, die Überlassung eines eBooks zur dauerhaften Nutzung an die Öffentlichkeit durch herunterladen. Also die öffentliche Wiedergabe. Die Zugänglichmachung der Werke in der Weise, dass Mitgliedern der Öffentlichkeit von Orten und zu Zeiten ihrer Wahl zugänglich sind. Es geht also darum, dass eBooks nicht im Sinne wie beispielsweise beim Lesezirkel, verwendet werden dürfen. Ich kann das Urteil drehen und wenden und komme nicht zwangsläufig auf das Verbot ein eBook privat zu verkaufen. Dem privaten Verkauf von eBooks schieben meist die AGBs der Hersteller einen Riegel vor. Auch der ursprüngliche Fall in den Niederlanden handelt von der Veröffentlichung von eBooks auf Plattformen im Internet. Nur ganz am Rande kann man gegebenfalls eine Ableitung zum privaten Verkauf von eBooks herbeiführen.

  3. fneumeier Says:

    Ich wollte Dir zuerst widersprechen mit dem Argument: „Du kauft da eben nur Nutzungsrechte und kein physikalisches Buch (das Du ja auch für alle möglichen anderen Zwecke wie Feuer anzünden, Blätter trocknen o.ä. nutzen kannst).“

    Aber letztlich gebe ich Dir aber dann doch Recht, weil:

    a) der Preis dem meistens nicht angemessen ist, sprich: identisch oder sehr nahe am Print-Preis liegt.

    b) kein Mechanismus vorhanden ist, der die Verlage zur Etablierung eines Systems zwingt, das eine Weitergabe von eBooks auf eine Weise ermöglicht, die unkompliziert ist und zugleich das Raubkopie-Problem löst, sprich: Sicherstellt, dass EIN Buch eben auch nur EINMAL weitergegeben werden kann und danach auch vom ursprünglichen Käufer nicht mehr gelesen werden kann.

    Amazon hat da mit seinem Ausleihe-System schon in eine gute Richtung gedacht, aber das bezieht sich halt auf ein monatliches Abo-System und nicht auf Einzelbücher.

    Mein Lösungsansatz für das Problem wäre also ein Zwang für die Verlage, das Weiterverkaufen/Weitergeben von eBooks legal zu ermöglichen. Als Kompromiss könnte ich mich sogar anfreunden mit einem Konzept, bei dem der Eigentümerwechel 50 Cent Gebühren kostet – quasi als Ausgleich, dass das Weitergeben digitaler Bücher natürlich viel leichter geht als bei Print und daher intensiver betrieben wird. Das würde dann dem Aufwand entsprechen, den ich bei einem Print-Buch z.B. für Flohmarkt oder Postversand hätte.

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