Ausstellungstipp: Kunsthalle München – gut wahr schön

1Noch bis zum 28. Januar 2018 gibt es in der Kunsthalle München die Ausstellung „gut wahr schön“ zu sehen. Sie zeigt Werke des Pariser Salons aus dem Musée d‘Orsay. Ich habe mir die Bilder und Skulpturen angesehen und vieles dort hat mich nachdenklich gemacht.

Gibt es Kriterien dafür, was Kunst ist? Was ist gute und was ist schlechte Kunst? Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich die Bilder und die Begleittexte sowie den exzellenten Katalog der Ausstellung ansah. In mir hat die Ausstellung viel bewegt und ich bin den Organisatoren der Kunsthalle für diesen Input sehr dankbar.
Was zeigt also die Ausstellung unter dem seltsamen Titel „gut wahr schön“? Der jährliche Pariser Salon, der Salon de Paris, war im 19. Jahrhundert die weltweit wichtigste Kunstausstellung und das gesellschaftliche Ereignis schlechthin. Hunderttausende Besucher kamen, um dort das vielfältige Schaffen der damals bedeutendsten Künstler zu bewundern. Anhand von über 100 Kunstwerken, von denen die meisten noch nie in Deutschland zu sehen waren, zeigt die Ausstellung in der Kunsthalle München, wie im Pariser Salon klassische Tradition auf modernes Leben traf. Es gilt, diesen wesentlichen Bereich der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts neu zu entdecken. Ich machte mich auf zu dieser Entdeckungstour.

Pro Raum gab es zwei, drei Bilder, die mich wirklich fesselten aus unterschiedlichen Gründen. Und wenn ich die Begleittexte las, stellte ich mir die Frage, wer eigentlich ausstellen durfte und wer nicht. Viele der Bilder sind Ergebnisse von Wettbewerben und die Jury-Mitglieder von damals entschieden, wer Sieger war und wer eben nicht. Von ihrem Urteil hing es ab, ob ein Künstler seine Werke finanziell hochpreisig an den Mann bringen konnte. Die Jury hatte eine unglaubliche Macht in diesem Kunstgeschäft. Da der Pariser Salon so etwas wie eine extrem wichtige Kunstmesse war, saß diese Jury an einer Schlüsselposition. Und die Ausstellung zeigte, die Willkür dieser Jury, denn viele Künstler, die damals groß gehandelt wurden, sind heute vergessen. Kunst liegt also hier im Auge des Betrachter.

Historienmalerei als sterbende Kunst
Beim Lesen des Katalogs, dessen Anschaffung für 29 Euro, ich ausdrücklich empfehle, kommt im Vorwort das Problem der staatlich geförderten Historienmalerei zur Sprache. Die Bilder sollten was Erhabenes darstellen, oft Motive aus der Mythologie, der Antike oder des Christentums. So lautete der Auftrag und die Maler und Bildhauer machten sich frisch ans Werk. Gleichzeitig brach aber eine neue Zeit der Wissenschaft und der Industrialisierung an. Wie konnte eine solch rückwärtsgerichtete Kunst noch Antworten auf die Fragen der Zeit geben? Wird eine solche Kunst noch ernstgenommen? Und als dann noch für Frankreich der Krieg gegen Deutschland 1871 verloren ging, stand die französische Kunst vor einem riesigen Problem der Identifikation. Technisches Können, argumentierte die Jury bis spät ins 19. Jahrhundert, sollten die Künstler vor allem mit großformatigen, höchst anspruchsvollen Darstellungen unter Beweis stellen.

Wer durch die wunderschöne Ausstellung wandert, der verspürt viel vom Geist einer untergegangen Epoche und die Versuche, einen neuen Weg einzuschlagen – immer wieder der Gegensatz von Ideal contra Wirklichkeit. Schon die Salonkritiker des zweiten Kaiserreiches schrieben immer wieder den Untergang der Historienmalerei herbei. Und am Ende kam es auch so. Die Vormachtstellung des Pariser Salons verblasste. Da half auch die ganze Akt-Malerei nicht mehr. Zu lesen war sogar von Pin Up-Girls anstelle von klassischem Akt – böse, böse. Es wurde über den Substanzverlust des Schönen diskutiert. Ich muss zugeben, dass ich vor dieser Ausstellung in der Kunsthalle München von den Künstlern und dieser Diskussion wenig mitbekommen hatte.

Noch bevor die Ausstellung beginnt, hängt am Eingang eine Fotografie eines unbekannten Fotografen, der die Künstler der damaligen Epoche zeigt – freilich nur Männer. Es ist interessant, wie sich die Herren Künstler vor der Kamera positionieren. Mal ernst, mal humorvoll, mal würdig, mal arrogant – was müssen das für Grabenkämpfe innerhalb der illustren Künstlerschar gewesen sein. Wie hieß es bei Kubrick in Barry Lyndon: „Ob arm, ob reich, am Ende sind sie alle gleich.“
Ich bin dankbar, dass ich die Ausstellung gut wahr schön nicht verpasst habe. Wer sich für Kunst in München interessiert, sollte bis zum 28. Februar 2018 auf in die Kunsthalle machen und in eine vergangene Zeit eintauchen.

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