Brauchen Lehrer eine geschäftliche E-Mail-Adresse?

Am Rande einer Lehrerfortbildung habe ich eine Diskussion zwischen Pädagogen belauscht, die meinen Puls in die Höhe getrieben hat. Es ging darum, ob die Schule ihren Lehrern eine geschäftliche E-Mail-Adresse einrichten soll oder nicht.
Ich spitze die Ohren, mischte mich aber nicht ein. Ich als Papa von schulpflichtigen Kindern verstand das Problem der Lehrkraft zunächst überhaupt nicht. Kommunikation gehört zum Alltag und für mich wäre eine geschäftliche E-Mail-Adresse für Lehrer eine Selbstverständlichkeit. Die Lehrkraft müsste keine seltsame Web.de oder gmx-Adresse herausgegeben, die gerne im SPAM-Folter landet, sondern zeigt mit der Domain nach außen, dass er Lehrer einer bestimmten Schule ist.

Braucht der Lehrer eine E-Mail-Adresse von seiner Schule? Bei Wilhelm Busch hatte Lehrer Lämpel keine.

Braucht der Lehrer eine E-Mail-Adresse von seiner Schule? Bei Wilhelm Busch hatte Lehrer Lämpel keine.

Aber ganz so einfach ist es wohl nicht, wie ich bei meinen belauschten Gespräch mitbekam. Ich hörte in der Diskussion eine absolute Verweigerungshaltung bei einem Lehrer heraus. Angst vor Überwachung habe er, Angst vor der Schulleitung oder gar der NSA. Da wäre er als Lehrer ja immer erreichbar für den Chef!
Sagt mal, geht’s noch! Erreichbar für den Arbeitgeber, für die Eltern oder gar die Schüler – ja wo kommen wir da hin? Lieber Mann, wer bezahlt dich eigentlich? Und dann wollte der Lehrer noch eine klare Anweisung, wie oft er denn seine E-Mail abrufen sollte. Jeden Tag? Jeden Tag E-Mails abrufen? Er hatte sichtlich Angst vor noch mehr Bürokratie im Job. Es reiche doch, wenn man ein Fach im Lehrerzimmer habe und über das Sekretariat erreichbar sei. Er gebe seine private E-Mail ebenso nicht heraus, wie seine private Telefonnummer.
Andere Lehrer sprachen an den Verweigerer hin, wie an ein totes Pferd. Sie zählten die Vorteile auf, die Verantwortung eines Pädagogen gegenüber der Schulfamilie. Aber es war nutzlos. Der Lehrkörper verweigerte sich den Entwicklungen, die überall auf der Welt Standard sind. Er werde das Thema in der nächsten Lehrerkonferenz zur Sprache bringen. Da ist er wieder, der berühmte Sacke Reis.
Ich möchte ausdrücklich betonen, dass der verweigernde Lehrer in der Minderzahl war, aber die Diskussion mit den Befürwortern trotzdem recht heftig war. Keinesfalls darf man alle Lehrer in einen Topf werfen, aber diese Haltung macht mir Angst. Schließlich unterrichten diese Menschen meine Kinder, meine Zukunft. Das macht mir wirklich Angst.

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5 Antworten to “Brauchen Lehrer eine geschäftliche E-Mail-Adresse?”

  1. Josef Kurz Says:

    Du triffst den Nagel auf den Kopf; meine Erfahrungen als langjähriger Elternbeiratsvorsitzender waren noch krasser !!!!

  2. Michi Says:

    Wenn ich Dir erzähle, was ich bei einer DGB Veranstaltung in Berlin mit den Lehrern der GEW erlebt habe, würde Dir richtig schlecht werden. Sowas von reaktionär und beratungsresistent habe ich noch nie erlebt.
    Von daher paßt das von Dir erlebte zu meiner Erfahrung.
    Allerdings, und das macht mir Hoffnung, kenne ich auch ein paar, die im Jetzt schon angekommen sind.
    Es gibt dicke BRetter zu bohren.

  3. DoSchu Says:

    Statt für die Gegenwart oder gar Zukunft vorbereiten wird an der Schule die Vergangenheit trainiert… Einige Studierenden haben in den 90er Jahren im Studienfach Informatik die Uni verlassen, weil es so ein krasser Unterschied zum wahren Leben war. Erklärt diese Situation die Schulmüdigkeit und Drop-outs dieser Tage?

  4. Silvia ME Says:

    Ich weiß, was du meinst.
    Und doch verstehe ich den Kollegen.
    Meiner Meinung nach ist es das Recht jedes Menschen, technische Entwicklungen nicht zwingend mit durchlaufen zu müssen. Freie Entscheidung. Außer, man ist in einem Beruf, der einen dazu zwingt. Lehrersein gehört nicht dazu. Tatsächlich ist es vormittags für Schüler in den Pausen ansprechbar, für Eltern in seiner Sprechstunde (da kann man auch anrufen). Klar wäre es für alle anderen bequemer. Das steht ja außer Frage.
    Doch erlebe ich auch mit, wie unsere Gesellschaft sich so verändert, dass das persönliche Gespräch immer mehr hinten ansteht hinter Email, Whatsapp, Sms etc. Ja, vielmehr noch: Viele Menschen (die andere extreme Seite) drücken sich um den echten, realen Kontakt und verstecken sich hinter geschriebenen Texten. Diese Menschen sind ebenso besorgniserregend, wenn man sich erregen will.

    Aus Sicht einer Lehrerin sage ich: Wir haben uns ganz anderen Herausforderungen zu stellen als dafür zu sorgen, dass alle Kollegen zwangsemailisiert werden.
    Und Beratungs- und Fortschrittsresistente hast du in jedem Betrieb, das weiß ich auch aus eigener Erfahrung (1,5 Jahre in der Personalabteilung eines intern. Konzerns).

  5. DoSchu Says:

    Schon die Studie des Bitkom „Digitale Schule“ gesehen? Demnach stehen Lehrende „digitalen Medien eher posititv gegenüber“ – wobei ich die Formulierung „gegenüber“ wiederum recht entlarvend empfinde 😉
    http://www.bitkom.org/de/publikationen/38338_81533.aspx

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