Hitlers Bunker unter dem Obersalzberg

Unterhalb des als “Führersperrgebiet” deklarierten Areals auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden entstand ab Sommer 1943 ein weit verzweigtes Netz von Bunkertunneln. Insgesamt wurden über sechs Kilometer Stollen und Kavernen tief in den Fels gesprengt. Durch das Dokumentationszentrum Obersalzberg lässt sich ein Teil des Bunkerssystems besichtigen. Ich habe mir ausführlich die Bunkeranlagen angeschaut und mich im hervorragenden Dokumentationszentrum informiert. Klare und ausdrückliche Empfehlung von meiner Seite.

Bei meiner Besichtigung mitten im Winter war nicht viel los und ich konnte die meiste Zeit die Anlage alleine besichtigen und mir meine Gedanken dazu machen. Es war interessant und bedrückend durch dieses Bauwerk zu gehen. Ich habe einen VR 360 Grad Film gedreht, der die Atmosphäre in diesem Bunkersystem einfängt.

Die Anlage lag bis zu etwa 60 Meter unter der Oberfläche und verband zahlreiche zentrale Bauten der NS-Führungsriege: So führten Tunnel vom Berghof (Hitlers Wohnsitz) hinab in das Hauptstollensystem, weitere Abzweigungen führten etwa zu Martin Bormanns Haus und zur SS-Kaserne. Aus Sicherheitsgründen hielt Bormann allerdings die Bunker seiner Rivalen strikt getrennt – insbesondere Görings eigenen Luftschutzstollen ließ er nicht an Hitlers Tunnelsystem anbinden. Alle wichtigen Eingänge – etwa beim Hotel Platterhof oder dem Hotel Zum Türken – wurden mit massiven Stahltüren, Schleusen und MG-Nischen gesichert, um bei Bombenangriffen Druckwellen und Giftgas abfangen zu können. Vom Platterhof-Eingang beispielsweise führten 190 Stufen hinab in die Tiefe, an deren Ende sich eine unterirdische „Hauptstraße“ durch den Fels zog. Insgesamt umfasste der Komplex Dutzende Räume – darunter Wohn- und Büroräume, Führungszentralen, Telefonvermittlung, Lagerräume und sogar Hundezwinger und sanitäre Anlagen für Hitlers Personal .

Technisch war der Tiefbunker hochmodern ausgestattet: Eigene Notstrom-Dieselaggregate, Lüftungs- und Heizsysteme, Brunnen und Wasserreservoirs sowie Pumpen für Abwasser sicherten im Ernstfall eine autarke Versorgung unter Tage. Die Tunnelwände wurden mit 30–60 cm dickem Beton ausgekleidet, mit Abdichtungen gegen eindringendes Wasser versehen und teils weiß verputzt. Einige Bereiche waren aufwendig ausgebaut – Hitlers und Bormanns private Suiten erhielten Parkettböden, teure Teppiche und holzgetäfelte Wände. Außenposten wie einfache Wachmannschaften mussten sich hingegen mit nacktem Fels und provisorischen Bänken in feuchten Seitentunneln begnügen. Die Mehrheit der Stollen war bis Kriegsende im April 1945 fertiggestellt, wenngleich laufend Erweiterungswünsche (etwa nach zusätzlichen Bunkerräumen für Flak- und Stabsabteilungen) zu neuen Baustellen führten.

Den Bau dieses unterirdischen Festungswerks ermöglichten erst Zwangsarbeiter in großer Zahl: Bis zu 6.000 Männer, zumeist aus der Tschechoslowakei, Italien und Polen, mussten unter hohem Zeitdruck am Obersalzberg schuften. Noch bis Kriegsende wurde hier gearbeitet. Ihnen oblag die harte Spreng- und Betonarbeit im Berg; deutsche Fachleute überwachten lediglich die Arbeiten. Die Arbeitsbedingungen im Berg galten zwar als etwas besser als in manchen Rüstungsfabriken oder Konzentrationslagern, doch standen die Arbeiter unter rigider Kontrolle und hatten keine Wahl – bei „Fehlverhalten“ drohten drakonische Strafen. Gearbeitet wurde in zwei Schichten rund um die Uhr, und die Pausen fanden aus Zeitersparnisgründen ebenfalls unter Tage statt. Zweimal täglich bekamen die Zwangsarbeiter lediglich dünne Suppe zu essen, die in Milchkannen in die Stollen geliefert wurde  – eine dieser Milchkannen fand sich Jahrzehnte später noch im Bunker wieder und zeugt von den einstigen Bedingungen.

Vom Luftschutz zum alpinen Befehlsstand
Die Bunker unter dem Obersalzberg wurden primär als Luftschutzbunker konzipiert, doch Bormann plante mehr als bloße Schutzräume. Er sah den Obersalzberg als potentiellen Führungsbunker einer „Alpenfestung“, falls Berlin unhaltbar würde. So integrierte man in die weitläufigen Stollen auch eine Befehlszentrale mit Fernmeldeanlage, Büroräume für die NSDAP-Kanzlei und Unterkünfte für Führungsstäbe.

Tatsächlich verbrachte Adolf Hitler vor 1944 einen beträchtlichen Teil seiner Regierungszeit auf dem Obersalzberg und führte von dort aus Regierungsgeschäfte – nahezu ein Drittel seiner Amtszeit, insgesamt fast vier Jahre, hielt er sich in seinem Berghof auf . In den ersten Kriegsjahren fanden dort sogar wichtige diplomatische Treffen und Entscheidungsrunden statt (etwa 1938 die Unterredung mit Österreichs Kanzler Schuschnigg, die zum „Anschluss“ führte). Hermann Göring, Martin Bormann und andere NS-Größen nutzten ihre Obersalzberg-Villen gleichfalls als Zweitquartiere neben Berlin, so dass der Obersalzberg als „zweiter Regierungssitz“ des NS-Staates gelten kann. In Erwartung zunehmender Luftangriffe sollten die Bunker diesem NS-Machtzentrum ab 1943 nun endlich einen dauerhaften Schutz und die Möglichkeit ungestörter Weiterarbeit im Berg bieten.

Allerdings kam es kaum zu regulären „Bunker-Alltagsszenarien“, da sich die Kriegslage schnell verschlechterte. Hitler selbst nutzte die Obersalzberg-Bunker nie als permanentes Führerhauptquartier – nach dem D-Day 1944 verließ er den Obersalzberg endgültig und zog die Führung der Wehrmacht in Berlin bzw. Ostpreußen zusammen. Zwar hatte es bis dahin Probealarme gegeben, bei denen Hitler angeblich mit seinem Stab in den Bunker hinabstieg, doch im Ernstfall blieb er aus Propagandagründen lieber „über Tage“. So soll Hitler bei einzelnen Fliegeralarmen demonstrativ im Freien geblieben sein, um sich als unerschütterlich zu inszenieren.

Göring hingegen bezog spätestens im Frühjahr 1945 regelmäßig seinen persönlichen Bunkertrakt. Als am 25. April 1945 ein großer britischer Bomberangriff den Obersalzberg traf, hielt sich Göring vor Ort auf und begab sich mit dem übrigen Personal in die Stollenanlagen. Rund 3.000 Personen – von SS-Wachen über Dienstpersonal bis zu Zivilisten der Umgebung – suchten während des Bombardements in den Bunkern Schutz. Dank der stabilen Bauweise überstanden die meisten den Angriff: Obwohl die Royal Air Force mit über 350 Bombern insgesamt 1200 Tonnen Bomben abwarf (darunter riesige „Tallboy“-Bunkerbrecher), kamen nur etwa 30 Menschen ums Leben. Sämtliche Gebäude des Führersperrgebiets – bis auf das hoch gelegene Kehlsteinhaus – wurden dagegen schwer beschädigt oder zerstört. Noch am selben Tag legten abziehende SS-Truppen Feuer in den Ruinen, was Plünderungen durch Anwohner jedoch nicht verhinderte. Hitler selbst weilte zu diesem Zeitpunkt im Führerbunker in Berlin und erlebte das Ende seines „Dritten Reiches“ dort – fünf Tage später nahm er sich das Leben .

In den letzten Kriegstagen dienten die Obersalzberg-Bunker v.a. der Vernichtung von Beweismaterial. Beispielsweise ließ Martin Bormann aus seinem Berliner Exil seiner Ehefrau auf dem Obersalzberg den Befehl zukommen, belastende Akten im Bunker zu verbrennen . Noch heute finden sich in manchen Stollen rußgeschwärzte Wände, wo in jenen Apriltagen 1945 große Feuer mit Dokumenten loderten.
Diese Rußschichten machten es späteren Besuchern leicht, ihren eigenen Namen in die Wände zu kratzen – die Rußpartikel kontrastieren weiß, sobald man sie mit einem Schlüssel oder Stein abreibt. Auf diese Weise hinterließen in den Jahrzehnten nach Kriegsende zahllose Menschen Inschriften in den Bunkergängen – von einfachen Soldaten und Einheimischen bis hin zu Gruseltouristen und Neonazis, die heimlich in die zeitweise unbewachten Stollen eindrangen.

Als in den ersten Maitagen 1945 amerikanische und französische Truppen Berchtesgaden erreichten, fanden sie auf dem Obersalzberg kein aktives „Alpenfestungs“-Personal mehr vor – die Tunnel waren leer, es kam zu keinen Kämpfen. Dennoch entwickelte sich zwischen der US-Armee und der französischen 2e DB-Panzerdivision ein Wettlauf um das Prestige, Hitlers Bergresidenz als Erste zu besetzen. Schließlich hissen Amerikaner und Franzosen am 5. Mai 1945 gemeinsam ihre Flaggen über den rauchenden Trümmern auf dem Obersalzberg. In den Bunkern hinterließen drei französische Soldaten ihre Initialen („AG PS DA“) und ritzten zur Erinnerung an den Sieg ihre Einheit – „2e Division Blindée“ – sowie das Datum 5.5.1945 in eine Betonwand ein. Flankiert wurde diese Inschrift von zwei eingeritzten Lothringer Kreuzen, dem Symbol der französischen Streitkräfte im Krieg. Solche Graffiti der Alliierten markierten buchstäblich das Ende der NS-Herrschaft am Obersalzberg.

Dokumentationszentrum und museale Zugänglichkeit der Bunker
Unmittelbar nach der kampflosen Übergabe des Obersalzbergs am 4. Mai 1945 übernahm die US-Armee die Kontrolle über das Gebiet. Die Amerikaner erklärten das gesamte Areal zunächst zum Sperrgebiet und verhinderten so eine ungeregelte Besichtigung durch die lokale Bevölkerung oder gar Alt-Nazis. Plünderungen ließen sich dennoch nicht völlig eindämmen: Bereits in den ersten Tagen nach Einmarsch bedienten sich sowohl Einheimische als auch alliierte Soldaten großzügig an den Überresten. Aus den Bunkern verschwanden in den Nachkriegsjahren nahezu alle technischen Einrichtungen, Einbauten und Wertgegenstände – die weitläufigen Tunnel standen bald leer und waren verwahrlost.

Wie Zeitzeugen berichten, wurde buchstäblich „alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest“ war, von Holzvertäfelungen über Mobiliar bis zu Rohrleitungen. Übrig blieb schließlich fast nur der nackte Fels und Beton. Einzige Relikte waren etwa ein riesiger Stahlschrank, der von GIs mit einer Panzerfaust aufgeschossen worden war (einer Legende nach war er leer) – oder die eingangs erwähnte rostige Milchkanne, die Jahrzehnte unbemerkt in einem Seitentunnel lag.

Nach Kriegsende nutzte die US-Armee das Obersalzberg-Areal über 50 Jahre lang als Erholungszentrum für amerikanische Soldaten (Armed Forces Recreation Center). Für die deutsche Öffentlichkeit blieb das Gelände damit bis in die 1990er Jahre weitgehend unzugänglich.
Lediglich das Kehlsteinhaus und seine Bergstraße wurden früh für den zivilen Tourismus freigegeben – sie entwickelten sich ab den 1950ern zu einem regelrechten Besuchermagneten, während der eigentliche Obersalzberg darunter nahezu entzogen war . Um zu verhindern, dass die Ruinen von Hitlers Berghof zu einer Wallfahrtsstätte für Neonazis werden könnten, sprengten die US-Besatzer und bayerischen Behörden 1952 fast alle stehengebliebenen NS-Gebäudereste, einschließlich der ausgebrannten Berghof-Ruine. Auch oberirdische Spuren der Bunkereingänge wurden teils eingeebnet. 

Dennoch pilgerten weiterhin Neugierige und Alt-Nazis auf den Berg – viele Jahre lang teils begünstigt durch dubiose Touristenführer und trivialisierende Broschüren, die vor Ort verkauft wurden. Erst nachdem die US-Truppen 1996 den Obersalzberg endgültig räumten, konnte sich Bayern der aktiven Erinnerungsarbeit annehmen. Man beschloss ein „Zwei-Säulen-Konzept“: Einerseits sollte das Areal behutsam touristisch entwickelt werden (etwa durch ein Hotel), andererseits aber eine historische Bildungsstätte entstehen . So eröffnete am 20. Oktober 1999 das Dokumentationszentrum Obersalzberg als moderner Lern- und Erinnerungsort.

Von Anfang an bezog die Dokumentation die originalen Bunker in ihr Museumskonzept ein. Ein Teil der weitläufigen Untergrundanlage – insbesondere die Stollen unter dem ehemaligen Hotel Platterhof bzw. Gästehaus Hoher Göll, auf dessen Fundament der Museumsbau errichtet wurde  – ist für Besucher seither zugänglich. Über das Museumsgebäude gelangt man in einen rund 200 Meter langen Bunkerabschnitt, der heute als authentisches Ausstellungsobjekt dient. Dieser Bereich umfasst u.a. die ehemaligen Büroräume der NSDAP-Kanzlei am Obersalzberg (teils mit originalen Einbauten) sowie Verbindungsstollen mit einigen Nebenräumen wie Vorratskellern. Schon 1999 stieß diese Bunker-Teilausstellung auf großes Interesse, so dass 2006 ein zusätzlicher Ausstellungsraum im Bunker für Wechselausstellungen ausgebaut wurde. Von 2017 bis 2023 war die Anlage wegen umfangreicher Erweiterungsarbeiten geschlossen, doch seit der Wiedereröffnung der Dokumentation (neue Dauerausstellung “Idyll und Verbrechen”) ist der Bunker wieder im Rahmen des Rundgangs zugänglich . Besucher passieren originale engen Gänge, sehen Gerätschaften und Relikte und stoßen auf erklärende Tafeln, die die Funktion jedes Abschnitts erläutern. So wird der historische Tiefbunker selbst zum Exponat, das die Geschichte des Ortes greifbar macht.

Um die Sicherheit und den pädagogischen Mehrwert zu gewährleisten, bleibt freilich nur ein begrenzter Teil der Gesamtanlage begehbar – viele Stollen sind aus statischen Gründen versiegelt oder liegen auf privatem Gelände (etwa unter dem Hotel Zum Türken, das eigene Führungen durch seinen Bunkerabschnitt anbietet). Der für die Öffentlichkeit geöffnete Sektor im Dokumentationszentrum ist dagegen gut gesichert, beleuchtet und mit einem Audioguide sowie Führungen erschlossen. Besucher erhalten so einen Eindruck der beklemmenden Enge und Kälte im Berg und lernen gleichzeitig die historischen Zusammenhänge kennen. In Vitrinen sind Funde ausgestellt, etwa originale Baupläne, Werkzeug oder Fundstücke wie die erwähnte Milchkanne oder Lebensmittelmarken der Kriegszeit, die im Bunker gefunden wurden. Zusätzlich vermitteln Medienstationen Interviews mit Zeitzeugen, die vom Alltag am Obersalzberg oder der Zwangsarbeit im Bergbau berichten. Die Kombination aus originalem Schauplatz und kritischer Einordnung soll einen verantwortungsvollen Umgang mit dem schwierigen Erbe ermöglichen.

Heutiger Umgang mit dem NS-Erbe
Die Bunker unter dem Obersalzberg verkörpern einen historischen Täterort, der bis heute sensibel behandelt werden muss. Bereits kurz nach Kriegsende zeigte sich, wie ambivalent das Erbe ist: Einerseits hatten die Alliierten – insbesondere die Franzosen – ihre Spuren stolz hinterlassen. Andererseits zog die Anlage früh auch nostalgische Anhänger des NS-Regimes an. So kam es schon in den 1950ern zu regelrechten “Sensationstouren” ehemals Verfolgter, Neugieriger, aber auch Ewiggestriger, die teils illegal in die gesperrten Bunker vordrangen . In den dunklen Tunneln fanden sich mit der Zeit beschmierte Hakenkreuze und Parolen wie „Heil Adolf“ – ein Hinweis darauf, dass manche Besucher den Ort zu glorifizieren versuchten. Diesem unerwünschten Umgang setzt man heute aktive Aufarbeitung entgegen.

Die Dokumentation Obersalzberg versteht sich ausdrücklich als Lernort, der die Verbrechen des NS-Regimes aufarbeitet und Entmystifizierung betreibt. So wird z.B. an den Bunkerwänden nicht nur die militärische Funktion erläutert, sondern auch an die Ausbeutung der Zwangsarbeiter erinnert, die diese „Alpenfestung“ unter unmenschlichen Bedingungen errichten mussten.

Das Gelände selbst wird ebenfalls bewusst unspektakulär gehalten, um keinen Heldenmythos zu befördern. Vom früheren Berghof steht heute fast nichts mehr – lediglich eine überwachsene Stützmauer und eine Hinweistafel erinnern an den Ort . Dennoch erscheinen nach wie vor vereinzelt Neonazis, die dort Kerzen oder Botschaften als Verehrung platzieren . Die Mitarbeiter der Dokumentation sammeln solche Relikte (über 50 teils mit Hakenkreuzen versehene Grablichter wurden seit 2015 entfernt) und nutzen sie als mahnende Exponate in der Ausstellung. Damit wird offensiv gezeigt, dass der Kampf um die Deutungshoheit über Orte wie den Obersalzberg bis in die Gegenwart reicht.

Insgesamt gilt die Einbindung der Bunker ins pädagogische Konzept als gelungen. Das Dokumentationszentrum Obersalzberg – getragen vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin – wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2025 mit dem europäischen Luigi Micheletti Award für seine innovative Dauerausstellung „Idyll und Verbrechen“. Diese Ausstellung kontrastiert bewusst die idyllische Alpenlandschaft (die von den Nazis propagandistisch als heile Welt inszeniert wurde) mit den Verbrechen, die hinter den Kulissen geplant wurden.

Die Bunkeranlagen spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie sind das greifbare Symbol dafür, wie aus dem friedlichen Bergbauerndorf Obersalzberg ein hermetisch abgeriegelter Unrechtsort und schließlich ein Endzeit-Zufluchtsort der NS-Elite wurde. Indem man die unterirdischen Räume für Besucher öffnet, entzaubert man zugleich manche Legende – etwa den Mythos der „unbesiegbaren Alpenfestung“, die sich in Wahrheit als überdimensioniertes und letztlich nutzloses Bauprojekt entpuppte. Die Bunker werden so nicht ehrfürchtig verherrlicht, sondern kritisch kontextualisiert: als Teil der Infrastruktur eines verbrecherischen Regimes, das am Ende trotz aller Betonwände in Trümmern versank.

Die heutige Erinnerungsarbeit am Obersalzberg zeigt, dass ein solch belastetes Erbe produktiv genutzt werden kann, um Geschichte aufzuarbeiten statt zu verdrängen. Durch behutsame architektonische Integration, wissenschaftliche Begleitung und offensives pädagogisches Konzept gelingt es, die Bunker weder zum Wallfahrtsort für Rechtsradikale noch zum reißerischen Gruselkabinett verkommen zu lassen. Vielmehr dienen sie als mahnendes Anschauungsobjekt, das tausenden Besuchern jährlich die Abgründe der NS-Herrschaft vor Augen führt – an dem Ort, wo einst Macht und Idylle auf verhängnisvolle Weise zusammentrafen.

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