Buchhandel – das Sterben geht weiter

Steve Jobs Biografie als gedrucktes Buch.

Steve Jobs Biografie als gedrucktes Buch.

Auf einem meiner jüngsten Seminare erneuerte ich meine These, dass der Buchhandel in der jetzigen Form sterben wird. Der Börsenverband des Deutschen Buchhandels setzt mit der Aktion Buy Local dagegen, um zu retten, was noch zu retten ist. Vor kurzem hatte ich dazu eine Diskussion mit einem engagierten Buchhändler auf Facebook, der sich massiv gegen den Kauf bei Amazon und Co wehrt – verständlich.

Aber jetzt gibt es neue Zahlen vom kränkelnden Buchmarkt. Freunde, es sieht nicht gut aus. Der Gesamtumsatz 2012 von Büchern sinkt in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 1 %. Trotz der Aktion Buy Local sind die Verlierer die Buchläden. Im Ladengeschäft ging der Umsatz sogar um 3,7 Prozent zurück. Die Zahlen stammen vom Börsenverein des deutschen Buchhandels selbst.

Zu den Verlieren gehört das Fachbuch. Hier hatten Verlage einen Rückgang von 3 Prozent zu verzeichnen. Und nur wegen des Mami-Pornos (wie es die Twitterkollegin @langnauerin) das Buch Shades of Grey bezeichnete, ist die Belletristik leicht um 0,8 Prozent gewachsen. Der Strukturwandel geht weiter. Übrigens: Im Januar 2013 sind drei große Ketten vom Struktur- und Medienwandel erwischt worden – nicht bei uns, sondern im englischsprachigen Ausland: Nach Virgin Megastores und HMV stirbt nun Blockbuster UK.

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10 Antworten to “Buchhandel – das Sterben geht weiter”

  1. Avatar von Sven Heublein Sven Heublein Says:

    Ich muss dir immer noch widersprechen: Wenn der Buchhandel seine lokalen Stärken herausstellt und der Kunde merkt, dass er über den Buchladen vor Ort genauso rasch seine Bücher bekommt wie über Internet-Riesen, hat er eine Chance!

  2. Avatar von Krababl Krababl Says:

    Was dem Buchhandel fehlt sind zum einen mal engagierte Verkäufer, denn was nutzt das, wenn der Inhaber auf Biegen und Brechen seinen Laden halten will aber das Gesamtbild es nicht zulässt. Weiterbildungsmassnahmen der Angestellten um ihnen beizubringen wie die Branche heute funktioniert sind unabdingbar. Die Branche steckt noch immer in alten Schuhen fest und das bedarf es endlich zu begreifen.
    Der Buchkauf muss zum Anderen zum echten Kauferlebnis werden. Nicht die Preisreduzierten Artikel locken Kunden in den Laden sondern geschultes, freundliches und fachkompetentes Personal. Warum muss man in einer Buchhandlung nur Bücher kaufen können? Ich meine damit nicht, dass auch Grußkarten, Kalender usw. etwas ausrichten können. Ich meine, dass z.B. ein Zusammenschluss mit einem Friseur oder Kaffee etwas Leben in die Bude kommt. Veranstaltungen, Lesungen usw…
    Dazu gehört natürlich auch ein gelungener Internetauftritt. Nicht weil es andere tun sondern einen Auftritt der seines Gleichen sucht. Konzipiert von jemandem, der sich mit Beidem auskennt. Sowohl mit der Buchbranche als auch mit dem Web.
    Das Gleiche gilt aber nicht nur für die Buchbranche. Vielen anderen Branchen geht es ebenso. Gerade die kleinen Geschäfte sind oft mit den „neuen“ Verkaufsstrategien überfordert und viele hochtrabende „Spezialisten“ des Social Media sprechen nur den gehobenen Mittelstand an. Wo sind die Spezialisten, die dem kleinen Mann helfen ihre Angst vor dem Internet zu überwinden? Früher ist man durch die Stadt gelaufen und hat Handzettel verteilt. Das war einfach. Heute funktioniert das immer noch ähnlich. Nur ohne Handzettel. Die kleinen Läden haben meiner Meinung nach auf jeden Fall eine Chance aber es ist niemand da, der ihnen helfen kann sich der Zeit anzupassen. Der ihnen zeigt, dass das Internet nicht böse ist. Was helfen denn diese vielen Infografiken von Studien aus den USA?….

  3. Avatar von Bernd Lutz Bernd Lutz Says:

    Das sehe ich leider auch so. Ich kann hier in Darmstadt beobachten, wie die kleinen Buchhändler immer stärker von den großen Buchhandelsketten verdrängt weren. Der Schritt von einer großen Buchhandelskette zu Amazon ist dan auch nicht mehr so groß, es fällt einem leichter direkt bei Amazon zu bestellen. Das bestellen bei Amazon ist natürlich auch sehr bequem, die Auswahl ist groß, man bekommt Vorschläge, Kommentare, etc. Wenn Amazon dann auch noch, wie geplant die Lieferung von einigen Artikeln am gleichen Tag flächendeckend einführt, dann sehe ich schwarz für den kleinen Buchhandel. Hinzu kommt auch noch, dass auch Bücher immer stärker digital verkauft werden. Hier ist Amazon mit seiner Kindle Reihe, als Hard- aber auch als Software, führend und bindet die Kunden an sich. Große Ketten versuchen da noch mit einigen Lesegeräten dagegen zu halten, kleine Buchhändler haben da kaum Chancen etwas dagegen zu setzen, sie können ja nichtmal die Bücher verkaufen.
    Ich glaube nicht, dass ein verbesserter Internetauftritt oder ein verändertes Kauferlebnis da viel ändern können. Für mich besteht der „lokale Buchmarkt“ aus den kleinen bis mittelgroßen Läden, die ihren Charme aus dem Wissen und der Hingabe der Besitzer beziehen. Gut, eine Kaffeeecke passt sicher in einen Buchladen, aber muss sich auch erstmal tragen.
    Ich vermute auch, dass immer mehr kleine Läden sich nur noch ein paar Jahre halten werden, dass immer mehr große Ketten den Buchmarkt vor Ort übernehmen und dass Amazon den Onlinehandel beherrschen wird. Besonders bei Fachbüchern wird der Trend sehr viel stärker zum digitalen Buch gehen, da dies Vorteile gegenüber dem schnell veralteten, statischen, gedruckten Buch hat.
    Das Buch wird dadurch immer mehr zum reinen Lesestoff, das Stöbern durch Buchregale beim Kauf, das haptische Erlebnis beim Lesen, die Bücherregale zu Hause werden langsam durch digitale Downloads, hunderte von Büchern in der Hosentasche und der Gefahr, dass alle Bücher weg sind, falls Amazon meint den Account sperren zu müssen, ersetzt.

  4. Avatar von Claus Böbel Claus Böbel Says:

    Ich kann nur bestätigen, dass das Internet als „Katalysator“, als Verkaufmotor auch für andere Branchen (bei mir Metzgerei) sehr viel bewirken kann.
    Ohne Internet hätte ich mit meiner Metzgerei auch mehr „Probleme“. Mittlerweile generiere ich direkt 35% meiner Umsätze online und indirekt „hängen“ mehr als 50% am Internet. Und das in einer Brache die nicht unbedingt für Internetshopping … bekannt ist.

  5. Avatar von Armin Armin Says:

    Ich möchte nicht zu sehr vom Buchhandel ablenken, der natürlich am tiefsten in der Krise steckt, aber wenn ich mir ansehe, welche Menschen in IHK-Vorträgen über Social Media mit Papier und Bleistift kommen und das was sie das hören für sie eine einzige Schreckensmeldung ist, dann kann man doch behaupten, dass gerade bei den kleinen Einzelhändlern aller Branchen noch sehr viel Nachholbedarf besteht. Der Betreiber eines Schuhladens steht dem großen, bösen Internet gegenüber. Die Zahlen belegen es.
    Dass es anders funktionieren kann sprechen doch die zahlreichen Beispiele von Unternehmen, die sich der Sache angenommen haben. Der Schritt, sich mehr den socialen Medien anzunehmen hat sie zwar nicht reich gemacht aber sie haben gelernt, dass das Internet nicht böse ist. Sie bekommen Resonanz von ihren Kunden, lernen tagtäglich und bekommen vor allem Motivation aus den Erfahrungen, die sie machen. Die Kluft zwischen dem kleinen Einzelhandel und dem Internet ist leider immer noch viel zu groß. Nur leider sind die „großen“ Marketing- und Social Media Spezialisten nicht in der Lage sich zum kleinen Mann herunter zu lassen und in seiner Sprache Tipps und Tricks zu geben. Ratschläge über die die Profis lachen weil sie das doch schon längst wissen (aus den zahlreichen Infografiken aus den USA z.B., über die sie tagtäglich mit ihren Kollegen kräftig diskutieren). Wir sprechen von Unternehmen, die nicht in der Lage sind jemanden einzustellen, der sich ums Internet kümmern kann. Wir sprechen über Firmeninhaber, die selbst das Zepter in die Hand nehmen müssen und die Angst vor dem Internet zu verlieren.

  6. Avatar von Dominik Dominik Says:

    Ohne die vorherigen Kommentare gelesen zu haben, möchte ich auch mein statement dazu abgeben.
    Ich finde diese Veränderung im Buchmarkt gut und einfach zeitgemäß.
    Natürlich sehen das die Einzelhändler und andere Leute (insbesondere die ältere Generation, meine Eltern eingeschlossen) anders.
    Ich denke damals, als Johannes Gutenberg den Buchdruck erfunden hat, haben sich die Mönche genauso über die Veränderung geärgert wie jetzt so manch einer.
    Ich selber kaufe mir meine Bücher sowieso nur noch über Amazon Kindle. Außer das Buch ist genial, dann brauche ich es auch im Regal.
    Mfg
    D. M. Weis

  7. Avatar von Jörg Helf Jörg Helf Says:

    Ich mag Bücher und habe viele Bücher zu Hause im Regal stehen.

    Ich sammele zum Beispiel gerne die Romane über „Sherlock Holmes“ und besitze die deutsche Orginalausgaben aus dem Jahre 1990, 1986, 1975, 1965 und sogar aus dem Jahr 1902/1907 und finde es einfach nur klasse sowas im regal stehen zu haben.

    Ich habe zwar auch ein iPad, aber lese darauf nur Nachrichten oder Zeitschriften, aber sehr selten Bücher, außer ich fahre in Urlaub.

    Ich denke das Sterben der Buchhandeln ist noch sehr weit entfernt.

    Ich gehe gerne in eine Buchhandel und kaufe mir gerne ein Buch, egal ob Fachbücher oder Romane.

    Was ich Klasse finde ist, das meine Buchhandel, ein Cafe mit drin hat, so das man auch mal ein Kaffee usw. trinken kann und auch die Beratung finde ich klasse und es finden auch oft Buchvorstellungen oder Lesungen statt und sowas lockt immer Menschen an.

    Das ist die Wandlung, die die kleinen Buchhandel machen müssen.

    Denn wenn ich ein Fachbuch über ein Grafikprogramm kaufen möchte und es von dieser Software mehere Autoren und Verlage gibt, will ich sie mir vorher im Buchhandel anschauen und da kann Amazon zum Beispiel nicht mithalten.

    Für mich hat also ein Buchhandel noch viele Vorteile.

    Gruß Jörg

  8. Avatar von fneumeier fneumeier Says:

    Kommt darauf an, wie Du den „Buchhandel in heutiger Form“ definierst – deshalb mag ich solche pauschalen Statistiken „Deutscher Buchhandel minus X Prozent“ auch nicht … Weltbild ist anders als Hugendubel und Buchhandlung Meier ist anders als Buch-Cafe Müller, ich glaube, da muss man sehr stark differenzieren.

    Was definitiv sterben wird sind Buchhandlungen, die keine Service bieten, die billige, aber ahnungslose Berater beschäftigen, Händler die Vorauskasse bei Bestellungen verlangen, etc.

    Was mich aber sehr positiv stimmt ist die Erfahrung mit meinem aktuellen Buch, veröffentlicht per Print-on-Demand bei epubli, also nicht in den normalen Distributionskanälen für den Buchhandel erhältlich, aber über ISBN-Nummer bestellbar (und natürlich bei Amazon verfügbar). Was mich dabei sehr überrascht ist, wie viele Buchbestellungen trotz des relativ komplizierten Wegs in der Buchhandlung um die Ecke bestellt werden. Bei einigen Händlern weiß ich sogar, dass sie das Buch auf eigene Rechnung bestellen und ins Regal stellen.

    Das zeigt für mich, dass der klassische Buchhandel nach wie vor funktioniert und v.a. eben auch von den Käufern unterstützt wird. Werbung gibt’s für mein Buch nicht, außer im Internet – d.h. die Kunden stoßen im Web auf das Buch, entscheiden sich dann aber zu einem großen Teil dazu, es trotzdem nicht per Klick bei Amazon zu bestellen, sondern in ihrer örtlichen Buchhandlung zu kaufen.

    Es kommt also darauf an, ob die Buchhandlungen es schaffen, Kundenbindung herzustellen – das ist jedenfalls meine Überzeugung. Und da haben kleine Händler vermutlich sogar deutlich bessere Chancen als relativ gesichtslose, unpersönliche Grossketten.

  9. Avatar von Stephan Stephan Says:

    Es ist nur ein Frage der Zeit, wann das elektronische Buch das auf Papier gedruckte ablösen wird. Einen Nischenmarkt wird es weiter geben, wie bei der Schallplatte, aber die meisten Bücher sind eben nicht so hochwertig, dass sie aufgehoben werden müssten. Somit wird es auch den Buchhandel nicht mehr geben. Den Platten/CD Laden gibt es auch nicht mehr.

  10. Avatar von Victor Fuchs Victor Fuchs Says:

    die Buchpreisbindung gilt nur für den Verkaufspreis, nicht für den Großhandelspreis. „Riesen“ wie Amazon haben gegenüber dem normalen Buchhandel einen enormen Rabattvorteil und Naturgemäß weniger anteilige Personal und Raumkosten. Bei vielen lokalen Buchhändlern kann man zwischenzeitlich auch via Internet bestellen, die Lieferzeit ist ist -wenn überhaupt- nur unwesentlich länger. Buy local: Auch aus Gründen der Najchhaltigkeit sollte das wo immer möglich unser aller Motto sein. Die traurige Binsenweisheit ist, dass es an uns Verbrauchern selber liegt, ob der kleine Buchhändler um die Ecke eine Überlegenschance hat.

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