Die Lust am Schrecken: Warum wir Krimis so lieben

Mit einem ebenso unterhaltsamen wie kenntnisreichen Vortrag startete ich wieder den zweiten Teil meiner Reihe in der Maisacher Gemeindebücherei in die Reihe „Maisacher Gespräche zur Popkultur“.

Unter dem augenzwinkernden Titel „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ widmete ich sich der Frage, warum Krimis bis heute eine so große Faszination ausüben. Dabei spannte ich den Bogen von den Anfängen der Kriminalliteratur im 19. Jahrhundert bis zu modernen Thrillern, Serien und Polizeifilmen. Hier die Aufzeichnung:

Gleich zu Beginn gab es noch einen aktuellen Hinweis in eigener Sache: Die Gemeindebücherei Maisach ist seit kurzem auch mit einem Podcast am Start, dessen erste Folge bereits online ist.

Ich führte mein Publikum mit spürbarer Leidenschaft durch die Geschichte des Krimis. Ich erinnerte an Edgar Allan Poe als Wegbereiter des Genres, an Arthur Conan Doyle mit Sherlock Holmes, an Agatha Christie mit Miss Marple und Hercule Poirot sowie an die Blütezeit des klassischen Rätselkrimis. Zugleich zeigte ich, wie sich das Genre im Lauf der Jahrzehnte immer weiter ausdifferenziert hat: vom Landhauskrimi über den Psychothriller bis hin zum Justizroman, Lokalkrimi oder Serial-Killer-Stoff. Auch aktuelle Autorinnen und Autoren wie Simon Beckett, Sebastian Fitzek oder David Safier mit seiner Reihe um „Miss Merkel“ fanden ihren Platz in meinen Streifzug durch die Welt des Verbrechens.

Besonders anschaulich wurde der Vortrag dort, wo ich die Verbindung von Literatur und Film in den Mittelpunkt rückte. Krimis, so meine These, seien aus der Populärkultur nicht wegzudenken, gerade weil sie in so vielen Formen funktionieren: als Roman, Hörspiel, Podcast, Kinofilm oder Fernsehserie. Ich sprach über den Film noir der 1940er Jahre mit seiner düsteren Bildsprache und moralisch zwielichtigen Figuren, über Alfred Hitchcock und dessen Spiel mit Suspense und Voyeurismus, über Edgar-Wallace-Verfilmungen, Humphrey Bogart, Dirty Harry und French Connection. Auch Serien und neuere Formate wie Nordic Noir oder True Crime bezog ich in meine Betrachtungen mit ein.

Im Zentrum stand immer wieder die Frage, warum Menschen Krimis so lieben. Ich erklärte das Genre als intellektuelles Rätselspiel, das Spannung erzeugt, ohne das Publikum selbst in Gefahr zu bringen. Hinzu komme der Wunsch nach Ordnung und Gerechtigkeit: Während die Wirklichkeit oft chaotisch und unerquicklich sei, stelle der Krimi am Ende zumindest erzählerisch die Ordnung wieder her. Darüber hinaus erlaube das Genre einen Blick in die dunklen Seiten der menschlichen Natur, in Aggression, Angst, Rache und Abgründe, die im Alltag meist verborgen bleiben. Gerade diese Mischung aus Nervenkitzel, moralischer Orientierung und sicherer Distanz mache die anhaltende Attraktivität des Krimis aus.

Mit vielen Beispielen, Anekdoten und Querverweisen gelang mir einen Abend, der zugleich informativ und kurzweilig war. Dabei blieb auch Raum für Diskussionen mit dem Publikum, das sich mit eigenen Beobachtungen einbrachte, etwa zur Entwicklung des modernen Krimis, zur Rolle von Hörspielen oder zu immer brutaleren Darstellungen in neueren Stoffen. So wurde der Vortrag nicht nur zu einer kleinen Kulturgeschichte des Verbrechens, sondern auch zu einer lebendigen Reflexion darüber, was Krimis über unsere Gesellschaft und über uns selbst erzählen. Zum Abschluss warb ich bereits für die nächste Ausgabe der „Maisacher Gespräche zur Popkultur“: Dann geht es um Monster, Vampire, Frankenstein und Dracula.

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