Ich liebe solche Geschichten, wenn Kulturwerke wieder entdeckt werden. Ich jubilierte beispielsweise beim Film Metropolis. Die Restaurierung von Fritz Langs „Metropolis“ verdankt ihren entscheidenden Durchbruch einer spektakulären Entdeckung im Jahr 2008.
In Buenos Aires stieß man im Archiv des Museo del Cine auf eine nahezu vollständige 16-mm-Kopie des Films, die dort Jahrzehnte lang unbeachtet gelagert hatte. Diese Fassung enthielt zahlreiche Szenen, die seit der Premiere 1927 als verschollen galten, weil der Film kurz nach Veröffentlichung massiv gekürzt worden war. Die Wiederentdeckung ermöglichte Filmhistorikern und Restauratoren, die Handlung neu zu ordnen, fehlende Sequenzen einzufügen und zentrale Figuren besser nachvollziehbar zu machen. In einem aufwendigen Prozess wurde das Material digital restauriert, stabilisiert und mit vorhandenen Elementen abgeglichen. Das Ergebnis war die sogenannte „Rekonstruktion von 2010“, die „Metropolis“ so vollständig zeigt wie seit fast einem Jahrhundert nicht mehr und heute als Meilenstein der Filmarchäologie gilt.
Und jetzt fand man Werke des großen Bach. Mit großer Freude gab das Bach‑Archiv Leipzig gestern bekannt, dass zwei bislang unbekannte Orgelwerke von Johann Sebastian Bach identifiziert wurden. Die Werke mit den Katalognummern BWV 1178 (Ciacona in d-Moll) und BWV 1179 (Ciacona in g-Moll) stammen bereits aus der Jugendzeit des Komponisten und sind erstmals nach über 320 Jahren wieder öffentlich zu hören.

Der Leipziger Bach-Forscher Peter Wollny und sein Team stießen im Rahmen des Forschungsportals „BACH“ in den Beständen der Königlichen Bibliothek Belgiens auf Abschriften, in denen ein fehlendes Puzzleteil – der Schreiber – schließlich klar zugeordnet wurde.
Die Entdeckung fügt sich ein in jahrzehntelange wissenschaftliche Arbeit und öffnet ein neues Fenster in Bachs Frühwerk. Am 17. November 2025 feierte Leipzig mit einer Festveranstaltung in der Thomaskirche die Welterstaufführung dieser Werke – live gestreamt und von der Bach-Gemeinde weltweit verfolgt. Es ist ein Moment, in dem Wissenschaft, Kultur und Leidenschaft zusammenfinden – und das musikalische Erbe Bachs um zwei Schätze reicher wird.
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