Ich erarbeite gerade für einen Kunden ein Seminarkonzept zum Thema „Interkulturelle Kommunikation für Journalisten“. Hier stelle ich zunächst klassische Beispiele von Missverständnissen vor. Wie werden wir im Ausland gesehen und für Journalisten natürlich sehr interessant – wie sehen wir Ausländer? Viele Informationen bekomme ich unter anderem von einem Kollegen der NürnbergMesse, der sich oft in Asien aufhält. Dort ist das Thema Visitenkarten immer ein Klassiker.
Erhalte ich eine Visitenkarte, so darf ich sie keinesfalls locker flockig in die Innentasche stecken. Hier riecht es nach Schweiß und es wird als Beleidigung aufgefasst. Ein absolutes No ist auch ein Unterbringen in der Gesäßtasche. Ordnungsgemäß wird die Visitenkarte mit beiden Händen überreicht bzw. in Empfang genommen und dann begutachtet. „Ach, Sie sind der Blabla und arbeiten als Blubblub.“ Anschließend wird die Karte in einer speziellen Visitenkartentasche verstaut. Diese und ähnliche Beispiele sind bekannt, werden aber dennoch auf den Geschäftsreisen in Asien immer wieder vergessen.
Ich bin vielmehr in den USA unterwegs. Alkohol und Amerikaner passen offiziell nicht zusammen. Eine Flasche Alkohol zu kaufen ist in manchen Staaten schwieriger als der Kauf einer Waffe – ja auch dies ist natürlich ein Klischee. Aber die braunen Papiertüten, in denen Alkohol eingewickelt ist, gehören zum Straßenbild mancher Großstädte. Jeder weiß, dass sich in den Tüten Alkohol befindet, aber eine braune Papiertüte wahrt den Schein. Aufpassen, wenn Sie für eine Party mehrere Kästen Bier kaufen wollen – in einigen Staaten darf nur ein Kasten pro Auto transportiert werden und der Kasten darf natürlich für niemanden zu sehen sein.
Aber auch die Amerikaner haben schöne Klischees über uns Deutsche. Bei meiner Einreise in die Staaten werde ich regelmäßig von Mitarbeitern der Homeland-Security gefragt, ob denn das ganze Jahr Oktoberfest sei. Noch besser: Ob Adolf Hitler weiterhin an der Macht sei oder ob wir in Bayern noch den König hätten? Dabei will der Beamte eigentlich nur freundlich sein.
Bei meinen Recherchen habe ich ein tolles YouTube-Video gefunden: Stackenblochen G Es ist eine geniale Verarschung deutscher Tugenden: In einer angeblichen TV-Show sollen die Teilnehmer Gegenstände im rechten Winkel anordnen. Dazu gehört natürlich auch die Hummelfigur als deutsches Kulturgut. Dann überprüfen Männer in Uniformen (Schäferhund inklusive), ob die Aufgabe erfüllt wurde („Ich sag‘ Nein Stackenblochen!“ = „Das liegt nicht im rechten Winkel!“). „Stackenblochen“ ist eine Verballhornung des Ausdrucks „to stack the blocks“, also das exakte Aufeinanderlegen von Ziegeln beim Hochziehen einer Steinmauer. Wunderbar.
Kindergärten sollen künftig GEMA-Gebühren zahlen. Nachdem die Sache bei Twitter in den vergangenen Wochen rauf und runter lief, bekamen die Massenmedien davon Wind. Warum regen wir uns über die GEMA-Forderungen auf? Ich bin nicht unbedingt der beste Freund der GEMA, aber die Organisation macht genau das, wofür sie gegründet wurde: Sie vertritt die Rechte der Musiker und bringt den Musikanten da draußen ein paar Euro.
Die GEMA hat im Auftrag der VG Musikedition zu Weihnachten rund 36.000 Kindergärten angeschrieben und verlangt Geld für Kopien von Liederzetteln. 500 Kopien sollen 56 Euro plus Mehrwertsteuer kosten. Die Träger der Kindergärten sind von den Forderungen überrascht und nun beginnt das große Jammern. Wo soll das Geld herkommen?
Ich frag mich auch, warum Kindergärten kopierte Noten brauchen? Meine Kinder konnten im Kindergarten nicht Texte lesen, geschweige denn Noten lesen. Zur Klarstellung: Es ist super, wenn im Kindergarten gesungen und musiziert wird. Musikalische Früherziehung kann nicht früh genug einsetzen. Musik bereichert das Leben.
Bevor jetzt wieder ein Geschrei einsetzt: Wie wäre es, wenn die Kindergärten endlich ein Rahmenabkommen mit der GEMA schließen? Schulen oder auch Verbände haben es gemacht. Dann können sie Musik nutzen und keiner hat ein Problem. Ich zahl jetzt schon einen Obolus für Kleber, Papier, Bastelzeugs, Taschentücher usw. da kommt es auf ein paar Euro GEMA-Gebühr nicht an, bzw. vielleicht kann ich die internen Kosten anders verteilen. Ist es beispielsweise ein kirchlicher Kindergarten, so kann die Kirche einspringen, die sowieso GEMA-Gebühren für das Kopieren von Gottesdiensttexten zahlt.
Das einzige Problem ist vielleicht, dass sich Kindergärten endlich professionalisieren müssen.
Als Papa von zwei (ehemaligen) Kindergartenkinder musste ich über das amateurhafte Herumwursteln von Kindergärten immer den Kopfschütteln. Ein Beispiel war der traditionelle St. Martins-Umzug. Da wird aufwendig ein Pferd samt St. Martin organisiert, die Straße von der Polizei abgesperrt und zeitweise stand auch eine tragbare Lautsprecheranlage zum Mitsingen der Lieder zur Verfügung. Doch Pferd reitete irgendwo voran, die Kinder trotteten hinterher. Der Umzug wurde immer länger zu einer Art Lindwurm und nahm die Länge einer Fronleichnamsprozession ein. Die transportablen Lautsprecher wurde gleich nach der Brgüßung eingepackt und als man wieder zusammenkam und die Weihnachtswünsche anhören wollte, gab es keine Verstärker. Ein Teil des Kindergartenumzugs bummelte immernoch irgendwo in der Prämie herum, während die Streber ganz vorne mit dabei waren und schon Feuer machten. Jeder sang irgendwas vor sich hin: Mehr als die erste Strophe von Laterne, Laterne ging aber bei den meisten Papas und Mamas nicht.
Übrigens: GEMA-pflichtige Noten hätten da auch nichts gebracht, es war ja stockdunkel.
Flashmobs sind ein wunderbares Mittel um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Eine besondere Überraschung hatte die Fluggesellschaft Spanair zu Weihnachten. Spät abends kam am 24. Dezember eine Maschine von Barcelona nach Las Palmas am Flughafen ab. Die Passagiere waren erschöpft, müde und es wartete eine schöne Überraschung am Gepäckband.
Die Mitarbeiter von Spanair haben individuelle Weihnachtspäckchen für die Passiere geschnürt und sie mit den Namen der Passagiere verstehen. Dann wurde sie aufs Rollband gelegt und die Aktion schlug ein, wie eine Bombe. Die übermüdeten Passagiere waren hellwach und total begeistert. So verbreitet man positive Stimmung. Es wurden Fotos gemacht und jeder erzählte seinen Freunden und Familien live und über soziale Netzwerke von der Aktion. Coole Aktion. Spanair hat das Ganze gefilmt und sie in YouTube gestellt.
So macht Social Media Spaß und auch dies ist eine neue Form von PR von Spanair.
Die EU verbietet die alte Glühbirne und hat dafür auch gute Gründe wie Energieeffizienz. Aber ich bin ehrlich: Von den neuen Energiesparlampen bin ich bisher enttäuscht. Ich finde sie einfach zu dunkel. Sie brauchen eine Zeit bis sie ihre volle Leuchtkraft entfalten. Da waren mir die alten Glühbirnen lieber. Klick und es war hell und nicht einige Zeit ein Gefunzel. Das überzeugt mich nicht.
Und jetzt sehe ich im Kinderkanal in der Sendung Logo, dass manche Energiesparlampen auch ziemlich gefährlich sein können. Wenn die Lampe zu Bruch geht, kann giftiges Quecksilber entweichen. Dankeschön liebe Leuchtmittelindustrie. Habt ihr sie noch alle?
Falls die Energiesparlampe zu Bruch geht, heißt es als Empfehlung: Fenster auf, alle Personen aus dem Zimmer und 15 Minuten Durchzug. Die Scherben mit Handschuh aufsammeln und dann in ein verschließbares Gefäß. Anschließend alles zum Sondermüll. Ich habe beim Kauf von Energiesparlampen darauf geachtet, dass die Birne mit einer Art Gummiüberzug eingekleidet sind, damit sie beim Runterfallen nicht kaputt gehen. Leider nimmt durch dieses Gummikondom die Leuchtkraft ab.
Wenn es die Möglichkeit gibt, kaufe ich jetzt Restbestände der alten Glühbirne auf. Sie haben geleuchtet und waren nicht extrem gefährlich. Hier könnte die Politik in Form von Ilse „Internet nein Danke“ Aigner mal aktiv werden. Oder geht das nicht, weil Osram mit Sitz in München von der neuen EG-Verordnung profitiert?
Zur Klarstellung: Ich bin nicht gegen Energiesparen, aber ich habe etwas dagegen, wenn ich mir überteuerte und zudem noch hochgiftige Birnen in die Hütte hängen soll.
Man spricht deutsh – dieser Polt-Film von 1988 kam mir in den Sinn als ich von der jüngsten Aktion unseres Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer hörte. Anstatt um sich um die massiven Probleme der Deutschen Bahn zu kümmern, die bundesdeutschen Straßen auszubessern, Maut einzutreiben oder Straßen einzuweihen kümmert sich der einst schönste Mann des Deutschen Bundestages um die deutsche Sprache. Das ist lobenswert, bedient aber wieder mal nur eine gewisse Wählerklientel. Ramsauer will durchsetzen, dass in seinem Ministerium und bei der Bahn die deutschen statt den englischen Ausdrücken verwendet werden, also Fahrschein statt Ticket oder Klappcomputer statt Laptop.
Damit greif er eine Initiative des SPD-Bundestagspräsidenten Wolfgang „Zottel“ Thierse auf, der den Verfall der deutschen Sprache bereits im November 2005 beklagte. Grundsätzlich haben Thierse und sein Anhänger Ramsauer recht: Wir müssen uns um den Erhalt unserer Sprache kümmern. Das hat nichts mit Deutschtümelei zu tun.
Jetzt kommt sicher einer auf die Idee, auch andere Wörter zu streichen: Durch die Napoleonische Zeit haben wir in Bayern viele Wörter der Franzosen, für die es schöne deutsche Wörter gibt: So legt sich Peter Ramsauer aufs Canapé statt aufs Sofa, öffnet sein Portemonnaie statt seinen Geldbeutel oder läuft auf dem Trottoir statt auf dem Gehweg. Leute, ich kann das ganze Gerede nicht mehr hören. Ich bin nicht Politikmüde – gewiss nicht, aber ich bin Politkermüde.
Gleichzeitig müssen wir in einer globalisierten Welt – und das haben uns diese Politiker auch eingebrockt – auch globalisiert denken. Dies ist derzeit nun mal Englisch. Zwar spricht unser Außenminister kein Englisch, aber mein Sohn wird in der dritten Klasse laut Lehrplan gezwungen Englisch zu lernen. Dabei sollte der kleine Mann vielmehr den Umgang mit seiner Heimatsprache lernen.
Für viele bei uns auf dem Land ist Deutsch die erste Fremdsprache nach ihrem Dialekt.
Interessant wird es, ob Ramsauer wirklich statt SMS jetzt Kurznachrichtendienst oder für den CD-Player nun Kompaktschallplattenspieler sagt. Wie wäre es mit Lichtabtaster statt Scanner und wie wäre es, wenn man einfach mal seine Aufgaben als Politiker macht und nicht so einen Quatsch verzapft?
Cars 2 kommt am 28. Juli 2011 in die deutschen Kinos.
In den Zimmern meiner Kinder gibt es viele Helden, aber einer wird richtig geliebt: Lightning McQueen
Sie erinnern sich? Das ist der Held des Pixar-Hits Cars. Meine Kinder lieben ihn, weil er ein toller Held ist. Ich liebe ihn, weil er von meiner Lieblingsanimationsfirma Pixar kommt. Daher ist es ok, wenn es bei uns zu Hause Cars Geschirr, Bettwäsche, Rennautos, Filme, Malbücher, Zahnbürsten, Puzzles und und und von Cars gibt.
Muss ich mir Sorgen machen? In jüngster Zeit findet die Jugend keinen rechten Gefallen mehr an Lightning McQueen. Er ist zum Alltag geworden, der Zauber ist ein wenig verfolgen. Schließlich kam Cars 2006 auf die Leinwand. Es wird also Zeit für einen Schuss neue Magie. Und die bringt uns Pixar mit Cars 2. Der deutsche Start ist der 28. Juli 2011.
Regie führt wieder Pixar-Frontman John Lasseter und ich bin gespannt. Wenn ich die Handlung betrachte, wird es eine Mischung aus Cars 1 und der Bond-Parodie „Die Unglaublichen.“
Hier schon mal die Inhaltsangabe, wie sie von Disney verbreitet wird: Lightning McQueen ist das schnellste Rennauto der Welt! Das glaubt er zumindest. Und um das zu beweisen, begibt er sich mit seinem besten Freund, dem etwas in die Jahre gekommenen Abschleppwagen Hook, auf eine Reise rund um den Globus und bis nach Europa! Denn Lightning McQueen tritt in CARS 2 im allerersten World Grand Prix gegen die Rennelite der ganzen Welt an. Aber der Weg zum Champion ist lang. Und nicht nur Lightning muss in diesem Wettkampf alles geben, auch der liebenswerte Hook erlebt das Abenteuer seines Lebens, als er unwissentlich geradewegs mitten in eine Spionage-Affäre hineingerät. Hin und her gerissen, seinem Freund bei dessen wichtigstem Rennen zur Seite zu stehen und gleichzeitig seine eigene, actiongeladene Geheimagenten-Mission zu erfüllen, begibt sich Hook vor den Augen der Welt und mit seinen Freunden im Schlepptau, auf eine explosive Verfolgungsjagd durch Japan und Europa. Soviel der etwas redigierte PR-Text.
CARS 2 entstand unter der Koregie von Brad Lewis („Ratatouille“), als Produzentin fungierte Visual Effects Veteranin Denise Ream (“Oben”). CARS 2 startet am 28. Juli 2011 auf den deutschen Leinwänden in ausgewählten Kinos auch in Disney Digital 3D und IMAX 3D.
Ich bin sehr gespannt auf den Film und freue mich, ein neues Werk von Pixar zu erleben. Mal sehen, was die Steve Jobs-Company an technischen Effekten zu bieten hat: Cars 1 brachte das Rennfeeling perfekt animiert auf die Leinwand. Als Fan freu ich mich, wohin die Reise dieses Mal geht. Und die ganze Familie freut sich über die neuen Fan-Artikel aus dem Hause Disney.
Vor kurzem stand die Filmwelt Kopf. Es sind 17 Minuten Material von Stanley Kubricks Meisterwerk 2001 – Odyssee im Weltraum in eine Salzmine in Kansas gefunden worden. Vfx-Guru Douglas Trumbull hat die Tricks von 2001 geschaffen und arbeitet derzeit mit David Larson an einer Retrospektive. Dort stießen sie auf das Material. Das Salzbergwerk ist ein unterirdisches Filmsarchiv. Die Filme sind dort in Tresoren aufbewahrt. Da es sich um Originalfilme handelt, werden sie dort gelagert, um sie bei der richtigen Temperatur zu halten und vor Licht zu schützen.
Die 17 Minuten Szenen wurden nach der Premiere von 2001 persönlich von Regiegott Kubrick herausgeschnitten. Sie zeigen u.a. Frank Poole beim Joggen in der Zentrifuge oder bei einem Weltraumspaziergang, einige Einstellungen von HAL und Szenen vom Beginn der Menschheit.
Aber gesehen hat das Material die Öffentlichkeit nicht. Wir wissen nur, dass das Material in perfekter Qualität vorliegt. Und die Fans würden es natürlich gerne sehen, denn kaum einer war bei der Premiere in New York dabei und kann sich an die entfallenen Szenen erinnern,
Wie wir wissen, achtet Familie Kubrick aber genau darauf, was veröffentlicht wird und was nicht.
Und so stand auch Warner Home Video gleich parat und erklärte: Es werde keine neue Version von 2001 geben. Die 2007 veröffentlichte Blu ray Version zeigt das Material, wie es Kubrick freigeben hatte und damit basta. Warner stellte klar: „Der Film ist so wie er ihn zeigen und bewahren wollte und Warner Home Video hat keine Pläne, die Vision von Herrn Kubrick zu erweitern oder zu verändern.“
Klingt sehr schön, aber ich denke, die Wahrheit liegt woanders. Die Erben von Stanley Kubrick erlauben keine neue Version. Warner würde alles zu Geld machen und auch Klassiker nochmals herausbringen, wenn sich damit Geld verdienen würde. Wie wir am Beispiel der Veröffentlichungspolitik von „Herr der Ringe“ auf Blu ray gesehen haben, ist Warner vor allem am Geld interessiert und nicht an der Kunst.
Im Falle 2001 muss sich Warner wohl Christiane Kubrick und Jan Harlan fügen, die (bisher) entschieden haben: Keine neue Version von 2001.
Schade muss ich sagen, denn ich hätte gerne die verschollenen 17 Minuten des Meisterwerks gesehen. Und weil ich schon am Maulen bin: Ich hätte außerdem endlich gerne Barry Lyndon auf Blu ray.
Ilse Aigner als Verbraucherschützerin ist immer gerne zur Stelle, wenn es um neues Futter für die Massenmedien und ihre Wählerschaft geht. Aigner bedient oftmals ein gewisses Wählerklientel, das sich nicht mit neuen Techniken beschäftigen will (oder kann) und daher den Aussagen der streitbaren Dame gerne folgt. Einst beschwor die Aignerin die Angst vor Google Streetview. Doch nur ein Bruchteil der Deutschen folgte ihrem Boykottaufruf. Auch die Drohung gegen Facebook war ein Sturm im Wasserglas. Aigner löschte ihren Facebook-Account und siehe da, die Welt dreht sich weiter. Erst als vier US-Senatoren einen offenen Brief an Mark Zuckerberg schrieben, änderte Facebook seine Privateinstellungen.
Nun hat Ilse Aigner die fliegenden Drohnen im Visier. Sie sieht Datenschutzlücken beim Einsatz der fliegenden Helikopter aus dem Elektromarkt. Waren die Drohnen in der guten alten Zeit nur den Militärs zum Töten und Auskundschaften vorbehalten, kann ich heute mit dem fliegenden Auge die Nachbarin beim Sonnenbaden beobachten. Spannen hieß es zu meiner Zeit.
Und ich glaube, dass sich die Gesetzeslage nicht verändert hat. Auch früher war es verboten, auf einen Baum zu klettern und die Nachbarin mit Teleobjektiv oder Fernglas zu beobachten. Auch früher war es verboten, den Helikopter oder den Ballon mit einer Kamera auszustatten und zum Spannen zu nutzen. Es hat sich nichts an der Gesetzeslage geändert, doch Frau Aigner sieht populär schwadronierend wie sie nun mal ist, auf einmal Datenschutzlücken. Meine AR.Drone von Parrot kann ich mit dem iPad und iPhone steuern und die Bilder live übertragen. Ja, die Technik ist billiger geworden und daher wird sie auch gekauft. Ich kann die Drohne zum Spannen nutzen, aber ich kann auch wunderbar damit fliegen. Ich denke, der durchschnittliche Modellflieger von früher ist kein Spanner, und der Drohnenlenker von heute auch nicht. Aber gleich mal einen Generalverdacht aussprechen, so sichert sich Aigner die Stimmen ihrer ahnungslosen Klientel.
An der Gesetzeslage hat sich aber nichts geändert. Was statt einer Gesetzesverschärfung gebraucht wird, ist Medienkompetenz. Wie gehe ich mit modernen Techniken sinnvoll und verantwortungsvoll um? Das ist die Herausforderung mit der sich Frau Aigner und Kollegen beschäftigen sollten. Wie lernen Kinder (und Erwachsene und Politiker) einen modernen Umgang mit Medien? Dazu gehört auch die Drohne, die sich mit neuen Medien steuern lässt. Ein Verbot ist das Letzte, was wir brauchen.
Und ich lese in den Agenturen, dass die Linkspartei auch Gefahren durch die Drohnen sieht. CSU-Aigner und Linke sind sich einig? Ist die Linke nicht die Partei der ehemaligen SED, die durch Ausspionieren ihrer Bürger großartige Erfahrungen gesammelt hat? Hier empfehle ich: Einfach mal die Klappe halten. Wer selbst im Glashaus sitzt …
Ich glaube an Social Media, aber ich glaube nicht an jede Plattform. Daran muss ich immer denken, wenn ich die neuen Schlagzeilen über den Bildungsstand der Social Media Commuinitys lese. Diese Schlagzeilen gehen den Kritikern von Social Media runter wie Öl. So besagen sie ganz pauschal, dass Social Media User schlecht gebildet sind. Ich entgegne hier lapidar. Einfach mal die Klappe halten und den Kopf einschalten. Aber wie üblich labbern Leute mit, die sich wunderbar mit Halbwissen umgeben.
Wie sagte es Churchill? Glaube nur der Statistik, die du selbst gefälscht hat. Nun, ich werfe den jüngsten Studien der AGOF und der ARD-ZDF-Online-Studie nicht Fälschung vor, doch ggf eine gewisse subjektive Auswahl. Sie haben den Bildungsstand der User von VZ, Lokalisten und Wer-kennt-wen untersucht. Heraus kam: Die User sich schlecht gebildet, aber sie sind zumindest berufstätig.
Gleich vorweg: Zu Wer-kennt-wen kann ich keine Aussage machen. Diese Plattform spielt bei uns in Bayern eine untergeordnete Rolle. Aber ich stelle auf meinen zahlreichen Seminaren und Vorträge rein subjektiv fest: VZ-Netzwerke verlieren massiv an User. Alles wandert zu Facebook. „Warum soll ich die schlechte Kopie nutzen, wenn das Original weitaus besser ist“, sagte mir eine Seminarteilnehmerin. Der Stern von VZ ist im Sinken. Die fitten, aktiven User haben dies erkannt und wechseln zu Facebook. Der Rest bliebt. Wer geistig nicht mobil ist, der bleibt am Alten haften. Und wir wissen ja: Das einzig Beständige im Web ist die Veränderung. Und bei den Lokalisten sind in der Regel die Partygänger und viele Selbstdarsteller aktiv. Wenn ich abends jemanden treffen will, dann bin ich gut bei den Lokalisten aufgehoben.
Die neuen Studien geben Auskunft darüber, wer die besagten Netzwerken nutzt. So ist der Großteil der User in allen drei Netzwerken berufstätig. Bei den Lokalisten befinden sich 25.7 Prozent noch in der Lehre, der Schule oder im Studium, 62,2 Prozent sind berufstätig und nur 12,1 Prozent sind Rentner oder nicht berufstätig. Die Zahlen für Wer-kennt-wen.de sind ähnlich: 20 Prozent sind in der Ausbildung, 67,1 Prozent gehen einem Beruf nach und 12,9 Prozent sind nicht berufstätig. Nur bei den VZ-Netzwerken mit dem SchülerVZ und dem StudiVZ verschieben sich die Verhältnisse ein wenig. Demnach sind dort 37,5 Prozent in der Ausbildung, nur 48,3 Prozent sind berufstätig und immerhin 14,2 Prozent sind nicht berufstätig.
Diese User von dieser Social Networks sind schlecht gebildet. Bei den Lokalisten haben 35,7 Prozent keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss, 33,8 Prozent besuchen eine weiterführende Schule und 29,5 Prozent haben das Abitur, Fachabitur oder einen Fach- bzw. Hochschulabschluss. Bei Wer-kennt-wen.de: 40 Prozent haben keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss, 32,7 Prozent besuchen eine weiterführende Schule, 27,3 Prozent haben das Abitur, Fachabitur oder einen Fach- bzw. Hochschulabschluss. Bei den VZ-Netzwerken liegen die Verhältnisse verständlicherweise etwas anders. 30,3 Prozent haben keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss, 37,6 Prozent besuchen eine weiterführende Schule und immerhin 32 Prozent haben das Abitur, Fachabitur oder einen Fach- bzw. Hochschulabschluss.
Ich halte die Studien für nett und es lässt sich trefflich darüber streiten. Aber wichtiger wären beispielsweise die Zahlen von Facebook, Twitter oder Xing. Ich bin mir sicher, dort sehen die Ergebnisse komplett anders aus. Irgendwie hatte der alte Churchill doch recht.
Einen sehr netten Film über die Geburt von Jesus Christus im Web 2.0-Zeitalter habe ich bei YouTube gefunden. Zum Einsatz kommen alle die Tools, die wir so lieben und täglich einsetzen. Falls Jesus heute geboren würde, so läuft die Kommunikation über seine Geburt sicher so ab. Ich wünsche alles Gute zu Weihnachten 2010.