Posts Tagged ‘Hörspiel’

Tolkiens Der Hobbit auf Vinyl

22. Oktober 2013

LP1

Das Thema Vinyl ist eigentlich bei mir durch. Bis auf ein paar Singles für die Juxebox kaufe ich keine Schallplatten mehr. Eigentlich. Aber es gibt Ausnahmen, denn ich habe ja noch drei vollfunktionstüchtige Schallplattenspieler, die ab und zu Futter brauchen. Mein neuester Kauf ist eine kleine Liebhaberei. Ich habe mir die limitierte Vinyl-Box vom Der Hobbit angeschafft.

Ursprünglich sollte die Box mit sechs 180 Gramm schweren LPs in einer Auflage von 500 Exemplaren herauskommen. Der Münchner Hörverlag war über die Resonanz wohl selbst überrascht und erhöhte die Auflage schnell mal auf 7000 Stück und die gehen weg wie warme Semmeln.

Da gilt es für den Sammler aus Mittelerde schnell zuzuschlagen. Natürlich gibt es nichts neues, denn die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1980 und wurde schon lange auf CD veröffentlicht. Es handelt sich um das Hörspiel des WDR, das die zuständige Redakteurin Ingeborg Oehme-Tröndle zusammen mit Hörspielregisseur Heinz Dieter Köhler produziert hat. Das Teil hat nun mehr fast 35 Jahre auf dem Rücken und wirkt ein wenig angestaubt. Heutige Hörspiele klingen flotter, voller, schneller und bombastischer. Aber es hat auch seine unvergleichlichen Höhepunkte. Ich liebe beispielsweise den Auftritt von Wolfgang Spier als Ballin und vor allem die Gollum-Interpretation des legendären Jürgen von Manger. Es ist eben ein Spiel der Stimmen und die musikalischen Einlagen sind dezent. Es ist eine gelungene Inszenierung der Stimmen. Es ist nicht Peter Jacksons VFX-Kracher als Hörspiel. Wer dies erwartet, der wird massiv enttäuscht. Es ist ein Kammerspiel, das seine Wirkung durch ausgebildete Sprecher erzielt. Und die zwingen den Zuhörer wirklich zum Zuhören und sich auf das Einlassen der Stimmen. Beim Hören sollte man schließlich immer bedenken: Das Teil wurde für das Radio produziert.

Für mich als Herr der Ringe-Fan der frühen Jahre verstärkt die Vinyl-Ausgabe Der Hobbit nochmals den Reiz vergangener Tage. Ich habe mir gerne das Hörspiel zweimal auf LP angehört und bin dann dazu übergegangen, dass Hörspiel auf CD für unterwegs als mp3 zu rippen.

LP2

Vor 74 Jahren griff uns der Mars an. Krieg der Welten von Orson Welles

30. Oktober 2012
Der geniale Orson Welles versetzte New York in Aufruhr.

Der geniale Orson Welles versetzte New York in Aufruhr.

Wir erinnern uns: Am 12. Oktober 2012 fand das Marsauto Curiosity ein seltsames funkelndes, silbernes Objekt auf dem Mars. Haben es die Marsianer hinterlassen? Es sollte uns eine Warnung sein, denn eigentlich fand heute vor 74 Jahren bereits die Invasion vom Mars statt.

Damals fand der erste Medienhype statt. Sein Ursacher war der geniale Orson Welles, der die Macht des Radios ausnutzte. Radio war das modernste Medium der Zeit. Welles inszenierte den H.G. Wells Roman „Krieg der Welten“/ War of the Worlds als Hörspiel. Das Buch von Herbert George Wells stammt aus dem Jahre 1898 und gilt als Satire auf die Kolonialpolitik der Briten: Technisch überlegene Marsianer wollen die Welt erobern, um an deren Rohstoffe zu kommen, und in Großbritannien fangen sie an.

Orson Welles übertrug die Geschichte nach New York und arbeite mit allen erdenklichen Effekten des Mediums. Das berühmteste Lehrstück der Radiogeschichte begann als normale Rundfunkübertragung einer Tanzveranstaltung aus einem New Yorker Hotel. Immer wieder wird die flotte Tanzmusik unterbrochen von Eilmeldungen. Die Marisaner seien gelandet. Die Invasion vom Mars hat begonnen und das Radio war live am 30. Oktober 1938 dabei. Liveeinspielungen, Interviews und Audioeffekte sorgten dafür, dass eine bedrückende Atmosphäre aufkam.

Einige Zuhörer der damaligen Zeit glaubten die Inszenierung  War of the Worlds von Orson Welles. Sie nahmen die Berichterstattung für bare Münze und flohen aus New York, um den Kampfmaschinen von Mars zu entgehen. Von der Inszenierung hatten sie nichts mitbekommen. Welles hatte die Zeitungen im Vorfeld über die drohende Marsinvasion informiert, und diese hatten die Geschichte mit vermeintlichen Hysterien aufgebauscht. Orson Welles wusste um die Macht der Medien, schließlich drehte er später mit Citizen Kane einen der wichtigsten Filme der Geschichte.

Haben wir etwas aus der Geschichte gelernt?

Filmtipp: Schloss des Schreckens

24. April 2012

Wer Lust auf einen gepflegten Schauerfilm hat, dem empfehle ich die digital überarbeitete Blu ray von Schloss des Schreckens. Der Film steht in der von mir verehrten Tradition der Spukhäuser und bietet 100 Minuten spannende Gruselunterhaltung. Der Film von Jack Clayton entstand 1961 und ist für mich einer der besten Filme der wandlungsfähigen Deborah Kerr. Die britische Schauspielerin spielt hier einfach wunderbar.

Wer Symbole liebt, der wird in diesem Film fündig. Eine Andeutung hier, ein Hinweis da. Das ist kein Wunder, denn kein geringerer als Truman Capote schrieb das Drehbuch. Er schrieb die Unsicherheit in den Film hinein, ob die Hauptdarstellerin nun besessen ist oder die zu beaufsichtigenden Zöglinge. Der Film bekam wegen seiner sexuellen Andeutungen seinerzeit ein strenges Jugendverbot.

Musik und Kostüme spielen in diesem Schwarzweißfilm tragende Rollen. Die Kostüme verändern sich, das Grauen kündigt sich mit der Melodie „”O Willow Waly” von George Auric an. Das Szenenbild mit wehenden Vorhängen und flackernden Kerzen sind atmosphärisch dicht, vor allem in der technisch sehr aufwändig restaurierten Fassung. Hier kommt der subtile Horror glasklar zur Geltung. Das Märchenschloss wandet sich zum Spukhaus, die Psyche der Personen verändern sich. Wahnsinn greift um sich und es ist alles wunderbar inszeniert. Hier passt alles: Die Szene im Schilf, die geisterhaften Gestalten am Fenster, die aufgerissen Augen und dann das Finale umringt von Soldatenstatuen. Und hier bricht auch dann der ganze Horror herein. Der Kreis schließt sich: Die erste Einstellung des Films Schloss des Schreckens wird am Ende wieder aufgenommen und erklärt alles – und sie trifft bis ins Mark. Mich hat der Film nicht losgelassen.

Sehr nett ist die Zugabe des Hörspiels „die Unschuldsengel“ auf der Blu ray. Hier wäre mir zwar eine klassische CD lieber gewesen, scheiterte aber wohl aus Kostengründen, denn der Film Schloss des Schreckens wird nur Liebhaber erreichen. Da hilft es auch nichts, dem Cover einen modernen Anstrich zu geben. Gott sei Dank ist es ein Wendecover mit den historischen Coverentwürfen und ohne FSK-Button.

Sind Hörspielkassetten heute noch sinnvoll?

5. Oktober 2009

Beutel mit Kassetten

Eine interessante Diskussion entwickelte sich vor kurzem auf einem Seminar zwischen mir und einer Seminarteilnehmerin. Ich berichtete, dass mein Sohn von seiner Tante eine Tüte mit Hörspielkassetten von Benjamin Blümchen und Sesamstraße geschenkt bekommen hatte. Fragend wandte sich der Nachwuchs an mich: „Papa, was ist denn das?“ Mein Sohn kannte keine Kassetten mehr. Wir haben auch ein Problem, denn wir haben nur noch ein Tape Deck im Haushalt. Die Seminarteilnehmerin fand dies entsetzlich. Ich müsste meine Kinder an das Medium Kassette heranführen. Wie könnten sie denn im Baumhaus ihre Hörspiele hören?

Ich erklärte, dass ich keinen Bedarf mehr an Kassetten habe, genauso wie ich keinen Bedarf mehr an den Tonbändern meines Vaters habe. Ich schloss das Tape Deck aus dem Keller, es war sogar ein teueres Doppel-Tape-Deck von JVC, an den Mac an und digitalisierte die Hörspiele. Zeitraubend und vom Klangergebnis her nicht gerade berauschend. Vielleicht ist es besser, wie ich es mit Hui Buh-Hörspielen gemacht habe. Ich habe es aufgegeben, meine Schallplatten zu digitalisieren und mir stattdessen für ein paar Euro die Hörspiele als MP3 gekauft. Diese liegen auf dem zentralen Hausserver und sind für alle Familienmitglieder zugänglich. Für mich ist es wichtiger, dass mein Sohn einen iPod und Rechner bedienen kann, anstatt eines antiken Kassettenrekorders. Ich habe auch mein analoges Diktiergerät mit den kleinen durchsichtigen Plastikkassetten mit weißen Aufklebern weggeworfen. Das digitale Aufnahmegerät oder sogar der Rekorder im iPhone macht einen besseren Dienst. Das ist für mich der Lauf der Dinge.

Nun, meine Seminarteilnehmerin verstand meine Argumentation nicht. Sie fand meine Einstellung „entsetzlich“. Ok, damit kann ich leben.


Sturm im Wohnzimmer

3. Februar 2009

burg

Ein Sturm ist durch die Burg gefegt. Mauerteile sind abgebrochen, Türme sind eingestürzt und liegen zerborsten im Burghof. Edle Ritter und Bogenschützen wurden in Massen dahingerafft. Waffen, Ausrüstung, Fässer sind verstreut. Ein Angriffsturm hängt schief an einem Fachwerkhaus. – Unser Wohnzimmer sieht aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hat. Dabei sind doch nur die roten Drachen der Drachenritter über die gegnerische Burg gekommen und haben alles kurz und klein geschlagen.

Eine Ausnahme? Nein, nicht wirklich. Mein Sohn hat mit seinen Playmobil-Figuren gespielt und alles in die Schlacht geworfen, was er so hatte. Da macht es auch nichts, wenn in der Ritterburg auch die Feenwelt seiner Schwester auftaucht oder ein Sheriff aus dem wilden Westen neben einem Baukran der Moderne steht. Es ist die Ansicht des Spielers, was passt und was nicht. Sohnemann ist auf jeden Fall in seine Playmo-Welt versunken und spielt begeistert mit dem Plastik aus Franken.  Unterstützt wird es durch gerippte CDs, die über iTunes laufen: Das Hörspiel: Die Playmos: Dinos greifen an, ist derzeit ein Renner. Selbst ich kann schon einige Dialoge fehlerfrei mitsprechen. Also Sohn liebt Playmobil.

Genauso wie sein Vater übrigens. Ich war und bin auch ein Playmo-Fan. Bei mir begann es um 1974/75 als meine Eltern mit eine Ritterausstattung kauften. Ich wollte zu Beginn keine Figuren, was sich kurz darauf als blöde Entscheidung entpuppte. Ich wollte Ritterzubehör: Bänke, Tische, Waffenständer, Hellebarden, Schwerter und ich glaube, Schilder waren auch dabei. Teile von dem Zeug haben wir noch heute und es kommt in der aktuellen Ritterwelt des Sohns zum Einsatz. Spielzeug, das Generationen einsetzen.

Bei mir begann es mit Ritter, dann kamen Bauarbeiter hinzu – später natürlich die klassische Berufe wie Feuerwehr und Polizei. Ich machte einen Abstecher in den wilden Westen, zum Camping und landete irgendwann auch bei britischen Garden des 18. Jahrhunderts. Mit Wachhäuschen und Gewehr mit Bajonett waren sie eine Zeitlang meine Lieblingsfiguren. Ganz hohes Ansehen hatte bei mir übrigens ein Kamerateam. Es hatte eine weiße Fernsehkamera, die auf einen blauen Ständer befestigt war. Leider wurde die Kamera in jugendlichen Leichtsinn etwas schief beklebt. Ich denke, dieses TV-Team war der Auslöser meiner späterer Journalistenkarriere.

Heute müssen die Playmos aber ruhen. Gestern habe ich im Twitter der Bild gelesen, dass der Playmobil-Erfinder Hans Beck im Alter von 79 Jahren verstorben ist. Trauer ist bei den Figuren angesagt, wenn der Papa  von ihnen gegangen ist. 2,2 Milliarden Figuren wurden gefertigt und ich habe das Gefühl, ein Großteil davon steht in unserem Wohnzimmer. Firmeninhaber Horst Brandstätter hatte den gelernten Möbeltischler und passionierten Modellbauer 1958 aus über 20 Bewerbern ausgewählt und es war die richtige Entscheidung. Die Playmo-Welten haben mich begleitet und auch meinen Sohn. Und wenn meine Kinder mal Kinder haben sollten, werde ich ihnen als Opa auch Playmo schenken. Vielleicht auch Ritter, damit dann das Wohnzimmer meiner Kinder genauso wie ein Saustall aussieht, wie das meinige jetzt. 


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