Mit ‘Amazon’ getaggte Artikel

Kennt ihr noch Picture-Discs? Record Store Day (2)

18. April 2013

Der Record Store Day steht am 20. April vor der Tür und es ist einmal wieder Zeit in den Keller zu gehen, um mehrere Meter Langspielplatten durchzusehen. Ich habe zwar noch zwei Schallplattenspieler, aber ich nutze sie nur noch zum Digitalisieren von seltenen Scheiben. In der Regel kaufe ich mir alte Aufnahmen bei Amazon oder iTunes nach, weil ich keine Lust habe, alte Rauschescheiben zu digitalisieren und schlimmer noch, anschließend nachzuarbeiten. Ich bin einfach zu faul oder mir fehlt schlichtweg die Zeit.

Beim Durchblättern der LP-Covers denke ich an schöne Zeiten zurück. Als ich als Jugendlicher in meinem Bett lag und mir die LPs rauf und runter anhörte. Ich kannte jedes Knacken, jedes Rauschen und natürlich jeden Song. Ich lernte Texte auswenig, entdeckte die Cover-Arts von Pink Floyd oder Yes. Ich war ein LP-Fan und mochte immer gerne das Gesamtwerk eines Künstlers. Singles oder gar Maxi-Singles waren nicht so mein Fall. Ich gab viel Geld für Bootlegs aus, verbrachte meine Freizeit auf Schallplattenbörsen und Flohmärkten und reiste sogar einmal mit zwei leeren Koffern nach London, um dort in Second Hand-Läden Vinyl im großen Stil einzukaufen.

Bei meinem jüngsten Kellergang zog ich vergessene Picture-Discs hervor. Sie hatten einen schlechteren Klang als herkömmliche Schallplatten, aber waren damals in Sammlerkreisen beliebt. Zunächst hatte ich ein paar farbige und transparente LPs und sah bei meinem Schallplattenbegeisterten Onkel eine Johnny Cash Picture-Disc. Wenn ich mal Schallplatten mit dem Konterfei meines Stars gefunden hatte, kaufte ich sie.

Auswahl meiner Picture Discs: Hendrix, Elvis und Dylan.

Auswahl meiner Picture Discs: Hendrix, Elvis und Dylan.

Auf die Schnelle fischte ich bei meinem Kellergang aus meinen LP-Regalen drei Scheiben hervor: Elvis, Hendrix und Dylan. Ich habe noch andere, wie Beatles, Who und Led Zeppelin – muss aber wohl mein Ordnungssystem verbessern.

Die LP Pictures of Elvis stammt aus dem Jahr 1984 von dem dänischen Label All Round trending. Es sind die üblichen willkürlichen Hits enthalten von Heartbreak Hotel bis Hound Dog. Das Bild zeigt einen Elvis der siebziger Jahre – also insgesamt ein schrecklicher Mix. Der Verkaufswert liegt heute bei 20 Euro, also hab ich mit dem Kauf der Platte damals keine große Wertsteigerung erfahren.

Die nächste Aufnahme hörte ich gerne, weil es mich an eine Session erinnerte. Es handelt sich um die Jimi Hendrix-LP: Second Time Around aus dem Jahre 1979. Es ist eine schreckliche Bootleg-Platte. Produzent war ein Ed Chalpin und das Schweizer Label hieß Astan Music AG. Der Preis liegt heute bei 30 US-Dollar – hey ich bin reich.

Meine Lieblings-Picture Disc war aber eine Platte ohne Musik. Es handelt es sich um die legendäre Pressekonferenz von Dylan 1965. Es ist die vollständige Aufnahme der San Francisco Press Conference vom Dezember 1965. Das Teil liegt es auch auf DVD, aber ich hatte damals eine Picture-Disc aus London. Sie kostete 5 englische Pfund. Die LP mit zwei verschiedenen Bildern aus der PK stammt aus dem Jahr 1988 und kommt vom Label HIGHWAY 61. Sie bringt heute um die 60 US-Dollar.

Schallplatten werden immer seltener, trotz eines gewisser Liebhaber. Vor kurzem ist eines der letzten Schallplatten-Presswerke Europas ist bei einem Feuer fast vollständig zerstört worden. Warum der Brand in der Produktionshalle der Pallas Group im niedersächsischen Diepholz ausbrach, ist noch unklar. Dort wurden Schallplatten aus Vinyl gepresst – zum Teil mit museumsreifen Maschinen. Etwa 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Der Schaden geht in die Millionen. Und das Sterben der Schallplatte hat sich dadurch beschleunigt.

Vormerken: Am 20. April ist der Record Store Day (1)

17. April 2013

Am 20. April ist der Record Store Day, also der Tag der Schallplattengeschäfte. Während ich als Kind jeden Samstag im örtlichen Schallplattenladen Sound verbracht hatte, ist für mich heute die Zeit der Plattenläden vorbei. Der Record Store Day ist eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Im Grunde wird krampfhaft versucht, etwas Sterbendes am Leben zu erhalten.

Dazu zwei Geschichten aus meiner jüngsten Vergangenheit: Als ich vergangenes Jahr in New York weilte, wollte ich den Aufenthalt mit dem Kauf der Beatles-Box in Mono krönen. Ich dachte mir, naiv wie ich bin, wenn irgendwo die Beatles zu haben sind, dann wohl in New York. Denkste. Zusammen mit meiner Frau hielt ich Ausschau nach CD-Läden, konnte aber keinen größeren Stores mehr finden. Ich wollte so was wie Tower Records oder Virgin Mega Stores. Aber nichts fanden wir.

Hab ich schon mal etwas von Amazon gehört, wurde ich in NYC gefragt.

Hab ich schon mal etwas von Amazon gehört, wurde ich in NYC gefragt.

Als wir im ehemaligen Künstlerviertel in New York spazieren gingen, dem Greenwich Village, schaute ich bei der Bleecker Street vorbei und traf auf den legendären Bleecker Street Records (39 Bleecker St. zwischen Carmine und Leroy streets). Übrigens wird der Laden im April 2013 wohl schließen, weil der Vermieter die Miete auf  27.000 US-Dollar anheben will. Naja, dem Betreiber von Bleecker Street Records schilderte ich mein Beatles-Problem und fragte nach Stores in New York. Der Typ schaute mich kurz an und ordnete dann seine Vinyl-Schallplatten weiter. Er sagte lakonisch zu mir: „Hast du schon mal was von Amazon und iTunes gehört?“

Das nächste Erlebnis mit einem Schallplattengeschäft hatte ich in Köln. Neben dem Millowitsch Theater in der Aachener Strasse 5 ist der Parallel Schallplatten. Das Sortiment umfasst Jazz, Funk, Soul, HipHop, Reggae, Soundtracks, Entertainer, Easy Listening, Country, Rock, Pop, Indie, New Wave, Industrial, Avantgarde und Klassik. Der Online-Shop ist interessant. Ich verbrachte ein paar Stunden in dem Schallplattengeschäft, fachsimpelte und quatschte – und kaufte am Schluss eine CD mit Musik vom C64. Ja, ich geb es zu, ich schäme mich dafür. Ich wollte eigentlich eine paar Singles, wurde aber nicht mehr fündig.

Blick in eine Parallel-Welt bei Parallel Schallplatten in Köln.

Blick in eine Parallel-Welt bei Parallel Schallplatten in Köln.

Vielleicht bewege ich mich am Record Store Day doch noch in ein paar Shops. In München gibt es noch welche. Schließlich gibt es an dem Tag eine neue Dylan Single, die ich brauche. Columbia Records will eine neue Dylan-Single veröffentlichen: Es handelt sich um eine Demo-Version von Wigwam und damit ein Teil der anstehenden Bootleg Series Vol. 10. Auf der B-Seite gibt es eine unveröffentlichte Version von Thirsty Boots. Insgesamt handelt sich um Aufnahmen einer von Fans ungeliebten Dylan-Phase mit abgedroschenen Schlagern. Ich bin sehr gespannt auf die Aufnahmen.

Trotz einiger Vinyl-Platten und einer gewissen Szene halte ich den Schallplattenmarkt als Massenmarkt für tot. Dennoch kann ich mich nicht überwinden, meine Vinyl-Schätze im Keller zu verkaufen. Sie werden noch einige Jahre dort verstauben. Aber ich verspreche: Neue Schallplatten werde ich keine mehr kaufen, höchstens noch ein paar Singles.

Parallel Schallplatten in Köln.

Parallel Schallplatten in Köln.

Buchhandel – das Sterben geht weiter

17. Januar 2013
Steve Jobs Biografie als gedrucktes Buch.

Steve Jobs Biografie als gedrucktes Buch.

Auf einem meiner jüngsten Seminare erneuerte ich meine These, dass der Buchhandel in der jetzigen Form sterben wird. Der Börsenverband des Deutschen Buchhandels setzt mit der Aktion Buy Local dagegen, um zu retten, was noch zu retten ist. Vor kurzem hatte ich dazu eine Diskussion mit einem engagierten Buchhändler auf Facebook, der sich massiv gegen den Kauf bei Amazon und Co wehrt – verständlich.

Aber jetzt gibt es neue Zahlen vom kränkelnden Buchmarkt. Freunde, es sieht nicht gut aus. Der Gesamtumsatz 2012 von Büchern sinkt in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 1 %. Trotz der Aktion Buy Local sind die Verlierer die Buchläden. Im Ladengeschäft ging der Umsatz sogar um 3,7 Prozent zurück. Die Zahlen stammen vom Börsenverein des deutschen Buchhandels selbst.

Zu den Verlieren gehört das Fachbuch. Hier hatten Verlage einen Rückgang von 3 Prozent zu verzeichnen. Und nur wegen des Mami-Pornos (wie es die Twitterkollegin @langnauerin) das Buch Shades of Grey bezeichnete, ist die Belletristik leicht um 0,8 Prozent gewachsen. Der Strukturwandel geht weiter. Übrigens: Im Januar 2013 sind drei große Ketten vom Struktur- und Medienwandel erwischt worden – nicht bei uns, sondern im englischsprachigen Ausland: Nach Virgin Megastores und HMV stirbt nun Blockbuster UK.

Calvendo: Die Chance Fotos zu Geld machen

19. November 2012

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit an einen Kalender für das nächste Jahr zu denken. Seit Jahren gibt es im Fotohandel die Möglichkeit seinen eigenen Kalender zu basteln. Das ist zwar schön individuell, aber die Auflage ist überschaubar und Geld verdiene ich in der Regel mit meinen Bilder auch nichts.

Fotografen mit guten Bildern gibt es viele. Sie haben jetzt die Chance, ihre Bilder als Kalender herauszugeben und über den Buchhandel zu verkaufen. Die Chance dazu bietet ein tolles Projekt eines ehemaligen Chefs von mir: Calvendo. Calvendo ist der erste Verlag, der es talentierten kreativ Schaffenden ermöglicht, individuelle Wandkalender und Posterbücher mit ihren eigenen Fotos, Grafiken und Texten nicht nur zu veröffentlichen, sondern auch international über den Buchhandel zu verkaufen. Das klingt doch ganz gut.

Die Kollegen von Calvendo produzieren die Kalender und Posterbücher einzeln auf Bestellung, im Printing-on-Demand-Verfahren. Die Bestellungen kommen vor allem aus dem Buchhandel (Amazon, Thalia, Hugendubel etc.), aber auch von anderen Vertriebspartnern aus dem In- und Ausland – und wenn sie wollen auch von den Urhebern selbst.

Ich finde die Idee faszinierend. In meinem Archiv schlummern zahlreiche Bilder aus verschiedenen Themenwelten: Reise, IT, Kunst und vieles mehr. Einige von ihnen habe ich bei Fotoagenturen angeboten, aber ein Kalender wäre auch eine reizvolle Sache. Und so wie es mir geht, geht es anderen auch. Ich denke da an die große Anzahl von Bildjournalisten, die wunderbares Material ungenutzt in ihren Archiven haben.

Die Nutzung der Plattform kostet Urheber nichts. Als Kunde erhalte ich von jedem verkauften Exemplare bis zu 30 Prozent der Einnahmen. Das klingt nicht viel, ist aber besser als wenn die Bilder im Archiv vergammeln. Hinter dem Projekt steht die Cornelsen Verlagsgruppe. In den ersten vier Wochen seines Bestehens hat der Verlag bereits 1000 Kalender und Posterbücher produziert.Wer sich einen Eindruck von den bereits produzierten Stücken verschaffen will, kann dies in dem schön gemachten Blog mit Hintergrundgeschichten oder in der Galerie machen.

Das Handling ist einfach. Es gibt einen eigenen Publisher, in dem man selbst den Kalender gestalten kann. Oder wer fit ist, kann sein eigenes PDF hochladen. Auf der Website gibt es eine gut gemachte Anleitung, die jedermann versteht. Zudem gibt es ein eigenes Handbuch zum kostenlosen Download, in dem nochmals alles erklärt wird. Der Ablauf ist simpel. Der Fotograf lädt seinen Kalenderentwurf als PDF hoch. Dieses PDF wird von einer Jury begutachtet. Einige Jurymitglieder kenne ich sogar und ich kann sagen, es sind gute Leute darunter. Gibt die Jury grünes Licht, bekommt der Kalender eine ISBN-Nummer und wird im klassischen Buchhandel und online über Amazon angeboten. Gedruckt wird dann per Print-on-Demand, so entstehen keine teuren Lagerkosten.

Die Werbung hängt natürlich vom Urheber ab, wobei Calvendo den Fotografen unterstützt. Aber aber ein wenig zu Geld kommen will, sollte die Werbung für seinen Kalender nicht dem Zufall überlassen. Vor allem ein individuelles Marketing über soziale Netzwerke kann den Verkauf kräftig ankurbeln. Und nicht vergessen, in wenigen Wochen ist Weihnachten. Firmen sind immer auf der Suche nach einem passenden Geschenk. Mir gefällt die Idee und ich werde es sicher ausprobieren.

Der nächste Schritt bei Calvendo steht auch fest: Kreative etc. können über Calvendo auch eigenes Business machen, ohne selbst Bildmaterial oder andere Rechte zu haben. Wer Bildrechteinhaber kennt (z.B. Museen, Archive), zum Mitmachen motiviert und das Layout organisiert, bekommt zwischen 5 Prozent und 10 Prozent von den Einnahmen pro verkauftem Stück. Also Leute, ran an die Archive und überlegt, wie man die digitalen Schätze zu Geld machen kann.

Der Buchladen wird sterben

10. Oktober 2012
Digitale Lesegeräte auf der Buchmesse. Foto: Bernd Hartung

Digitale Lesegeräte auf der Buchmesse. Foto: Bernd Hartung

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels betreibt Lobbyarbeit und hält an alten Zöpfen fest. Seinen Mitgliedern streut er Sand in die Augen. Anstelle seine Mitglieder auf die neue Zeit vorzubereiten, hat sich der Verband den Erhalt der bestehenden Strukturen auf seine Fahnen geschrieben. Diesen Eindruck bekam ich bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Gottfried Honnefelder, seines Zeichens Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagte: „Der unabhängige Buchhandel ist mehr als nur ein Vertriebsweg, denn Literatur entsteht in Wechselwirkung mit der Kultur ihrer Verbreitung“, so Honnefelder. „Eine Bildungsnation braucht den stationären Buchhandel.“

Hallo Herr Honnefelder, die Bildungsnation hat längst entschieden! Ich sage: Der Buchhandel über die Form des traditionellen Buchladens an der Ecke wird sterben. Die Bildungsnation hat auch den Schallplatten- und CD-Laden sterben lassen. Musik gehört auch zur Bildung, zur Kultur und siehe da, trotz Sterben des Schallplatten- und CD-Laden gibt es weiterhin Musik. Diese Kulturform ist ins Netz gewandert und hat sich geändert. Ich bestelle meine Musik entweder als CD bei Amazon und Co oder lade sie bei Amazon oder iTunes. Und genauso wird es den Büchern ergehen. Ich kaufe entweder die Papiervariante oder lese ein eBook über Onlineshops.

Und gleich geht das große Wehklagen los: Untergang des Abendlandes und so. Erinnern Sie sich bitte. Wenn jemand in den achtziger Jahren gesagt hätte, dass Plattenläden sterben würden, dann wäre er ausgelacht worden. Schallplatten haben Millionenumsätze generiert – Michael Jacksons Thriller war eines der meist verkauftesten Alben. Und heute? Die Musikindustrie musste sich den Gegebenheiten anpassen. Napster war eine Kriegserklärung, die legalen Geschäfte kamen mit iTunes und Amazon. Musik wird aus dem Netz geladen. Aber nicht mehr die Musikindustrie hat den Daumen drauf, sondern neue Player sind aufgetaucht.

Warum ich welches Album kaufen soll, sagt mir auch das Netz. Empfehlungsmarketing von meinen Freunden funktioniert. Wenn mir Gleichgesinnte sagen, dass neue Dylan-Album sei hervorragend, dann brauche ich keinen Musikkritiker oder einen Plattenhändler mehr. Soziale Netzwerke helfen mir den Überblick zu bewahren, was neues am Markt erschienen ist. Wie sagte ein amerikanischer Student: Wenn die Nachricht wichtig für mich ist, wird sie einen Weg zu mir finden, egal über welchen Kanal. So sieht doch die Realität aus.

Und immer höre ich: Mein Buchhändler berät mich doch so gut, dann antworte ich: Er ist Händler und seine Aufgabe ist es zu verkaufen. Wenn er 20 Minuten mir ein Buch schmackhaft macht, ist das wunderbar, als Verkäufer ist er allerdings nicht zu gebrauchen, denn der Ladenbesitzer muss Miete zahlen. Empfehlungsmarketing im Buchbereich ist noch sensibler als bei Musik. Ich muss noch mehr Vertrauen zu meinen Freunden haben, denn ich zum Lesen brauche ich deutlich mehr Zeit als zum Anhören einer CD.

Und die Buchläden vor Ort schließen schon jetzt: Gottfried Honnefelder weiß es doch genau. In Essen warf Thalia hin. Seit der Einweihung des Baedeker-Hauses vor 84 Jahren war hier nie etwas anderes als eine Buchhandlung. Am 15. Oktober ist Schluss damit. Das Stammhaus von Heinrich Hugendubel in München am Literaturhaus, das seit 1893 Bestand hatte, ist geschlossen. Die Mayersche Buchhandlung in Köln in der Schildergasse schließt und wird wohl – ironisch – einem Apple Retail Store weichen.

Der Buchvertrieb über stationäre Buchläden geht zurück und wird bis auf wenige Läden nicht mehr existieren. Ich sage voraus, dass der Siegeszug von eBooks gerade erst begonnen hat. Nach Aussage der Bitkom lesen derzeit elf Prozent aller Bundesbürger E-Books. Rund ein Viertel (23 Prozent) aller Bundesbürger lesen elektronische Publikationen (Zeitungen, Comcis, Bücher, auf Tablets, E-Readern oder Smartphones.

Ich glaube aber auch, dass es weiter Bücher geben wird, allerdings in anderen Editionen. Ich kaufe mir weiterhin schön aufgemachte Editionen, liebevoll gestaltete Exemplare. Das Taschenbuch oder das gebundene Buch mit nur Text, dies kann ich digital genauso lesen. Bei der Musik kaufe ich das Album oder den Song digital, aber Special Editions mit DVD, Booklets und Konzertkarten oder hochwertigen Drucken, erwerbe ich analog. Diese Chance sehe ich auch für Bücher. Einen edlen Bildband erwerbe ich lieber analog, aber das geht auch über Onlineshops. Also lieber Herr Gottfried Honnefelder bereiten Sie bitte die Branche auf die Zeitenwende vor.

Die Cloud bekommt den BigBrotherAwards 2012

17. April 2012

Der BigBrotherAwards 2012 wird Wasser auf die Mühlen der Gegner des Cloud Computings sein. Ich bereite gerade ein Seminar zum Thema Cloud vor und sammle Argumente für und gegen die digitale Wolke. Und mit dem BigBrotherAwards 2012, der am 15. April 2012 verliehen wurde, haben die Wolkengegner sicherlich ein paar Argumente mehr.

Seit dem Jahr 2000 werden in Deutschland die BigBrotherAwards an Firmen, Organisationen und Personen verliehen, die die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen oder persönliche Daten Dritten zugänglich machen. Die deutschen Jury besteht aus Vertretern der Organisationen FoeBuD e.V., Deutsche Vereinigung für Datenschutz (DVD), Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF), Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft (Fitug), Chaos Computer Club (CCC), Humanistische Union (HU) und die Internationale Liga für Menschenrechte (ILMR) an.

Der BigBrotherAward in der Kategorie Kommunikation geht an die Cloud als Trend, Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zu entziehen. Wer Adressbücher und Fotos – und damit die Daten anderer Menschen – oder Archive, Vertriebsinfos und Firmeninterna unverschlüsselt in die Cloud verlagert, handelt mindestens fahrlässig, so die Laudatoren des BigBrotherAwards. Fast alle Cloud-Anbieter sind amerikanische Firmen – und die sind laut Foreign Intelligence Surveillance Act verpflichtet, US-Behörden Zugriff auf alle Daten in der Cloud zu geben, auch wenn sich die Rechnerparks auf europäischem Boden befinden. Das 2008 vom Bundesverfassungsgericht postulierte Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme wird damit eklatant verletzt, so die Begründung des BigBrotherAwards. Die ausführliche Begründung gibt es hier zu lesen.

Beim Thema Cloud schlagen die Emotionen hoch. Der Cloud-Anbieter Dropbox zum Beispiel spart schlicht Speicherplatz, indem er die Hashwerte der Dateien der Nutzer vergleicht – und wenn der gleich ist, die Datei nur einmal abspeichert, auch wenn sie vielen Nutzerinnen „gehört“. Dropbox versprach Nutzern eine sichere Verschlüsselung, doch tatsächlich hat Dropbox den Generalschlüssel. Auch meine Lieblingsfirma Apple kann verschlüsselte iCloud-Daten einsehen und behält sich in den Nutzungsbedingungen vor, die Daten zu entschlüsseln und weiterzugeben, wenn sie es für „angemessen“ halten.

Google, Amazon, Facebook etc. haben noch einen anderen wichtigen Grund: Ihre Dienste sind „gratis“ und finanzieren sich durch Werbung. Und um die Werbung auf die Nutzer kontextabhängig abzustimmen, müssen die Firmen deren Inhalte lesen können. Facbook kaufte vor kurzem Instragram wegen der Cloud-Fotos und den Daten möglicher Neukunden.

Warum aber lassen sich so viele Menschen und Firmen auf das Cloud-Computing ein? Wahrscheinlich weil es gratis und furchtbar praktisch ist. „Bei der Wahl zwischen kurzfristigem ökonomischen Vorteil und einem langfristigen abstrakten Wert wie der Privatsphäre zieht der abstrakte Wert fast immer den Kürzeren“ urteilt der BigBrotherAward.

Übrigens, dieser Beitrag wurde mithilfe des Cloud-Dienstes WordPress und der Cloud-Textverarbeitung Google docs geschrieben.

Preisalternative: eBook-Reader von Weltbild

10. Januar 2012
Aufsteller des eBook-Readers in dem örtlichen Weltbild-Laden.

Aufsteller des eBook-Readers in dem örtlichen Weltbild-Laden.

Wer sich kein iPad/Galaxy leisten will oder sich nicht an den Amazon Kindle binden will und dennoch eBooks lesen will, der sollte sich den eBook-Reader von Weltbild mal näher ansehen. Ich wollte es, doch leider fiel die Beratung in meiner örtlichen Weltbild-Filiale eher schlecht aus. Die Mitarbeiter dort verkaufen wohl lieber gedruckte Bücher (und sichern ihren Arbeitsplatz). Ich bekam als Info einen Papierflyer in die Hand gedrückt „eBooks – die leichte Art des Lesens“.

Naja, zumindest konnte ich das Gerät anfassen und die Funktionsweise im Netz nachlesen. Weltbild spielt eine wichtige Rolle auf den deutschen Buchmarkt. Es gibt über 100.000 eBooks auf der Plattform. Wer englischsprachige Titel braucht, der greift besser zu Amazon, aber wer ausschließlich deutsche Bücher will, sollte mal bei Weltbild hereinschauen. Auch wenn Weltbild vom ihrem Mehrheitseigentümer der katholischen Kirche wegen erotischen Publikationen verkauft wird, wird der Online-Buchmarkt weiter unter einem neuen Eigentümer expandieren. Übrigens gibt es den Reader auch bei der Hugendubel-Kette.

Der Reader kostet nur 60 Euro und liegt damit 40 Euro unter dem subventionierten Amazon Reader, hat aber keine 3G oder WLAN-Funktion. Der Reader ist ein TrekStor-Reader und hat ein 17,7 cm (7“) LCD-Farbdisplay. Amazon bietet nur ein schwarzweißes E-Ink-Display. Allerdings kann ich nicht in der Sonne lesen und auch das Demogeräte in der örtlichen Weltbild-Filiale spiegelte die Beleuchtung der des Shops wider.

Der Li-Polymer-Akku reicht dagegen nur für bis zu 8 Stunden Lesevergnügen. Die Bücher werden anders als bei Apple oder Amazon mit ihren Cloud-Diensten auf den Reader gespeichert. Dafür steht ein 2 GB interner Speicher für bis zu 2.000 eBooks zur Verfügung, der aber durch micro-SD/-SDHC Speicherkarten erweitert werden kann. Als Formate gehen EPUB, PDF, TXT, FB2 mit Adobe DRM. Mich hat das Gefummle mit dem Adobe DRM abgeschreckt – für mich ist die Adobe Digital Edition nicht die Weisheit aller Dinge. Ich muss das Buch auf den Rechner (PC oder Mac) laden und dann auf den Weltbild-Reader überspielen. Das gefällt mir als digitaler Nomade nicht so.

Ich kann unterwegs zudem Fotos ansehen oder mp3 anhören. Die mitglieferten Kopfhörer erzeugen einen blechigen Sound und keine Freude und sollten ersetzt werden.

Dennoch: Der Weltbild eBook-Reader ist eine preisgünstige Alternative.

 

Kindle oder iPad – welcher ist der bessere eBook-Reader?

4. Januar 2012

Nach Fotos, Musik, Filmen stehen nun Bücher in elektronischer Form auf meinen Programm. Doch welchen eBook-Reader soll ich wählen? Ich besorgte mir in den USA einen Sony Reader, aber das war eindeutig ein Fehlkauf. Allerdings weckte Sony in mir die Begeisterung für eBooks. Sony hat bis auf die PS3 den Sprung ins 21. Jahrhundert für mich verpasst, schade.

Seit einiger Zeit nutzte ich das Apple iPad 2 und den Amazon Kindle zum Lesen meiner digitalen Bücher. Aber jetzt ist meine Wahl gefallen: Der Kindle ist für mich das bessere Device, wenn es um klassische eBooks geht. Unter klassischen eBooks verstehe ich reine Text-Bücher.

Ich wählte die Kindle-Version mit 3G und Tastatur. Vom neuen 99 Euro WLAN Kindle halte ich nichts, denn ich bin oft auf Reisen und will spontan unterwegs ein eBook am Strand oder in einem Hotelzimmer laden. Die Kosten für den Handy-Chip und die Übertragungsgebühr übernimmt brav Amazon. Dafür kaufe ich auch brav im Amazon Store ein. So ist der Deal, bei dem ich mich an Amazon binde und meine Seele verkaufe.

Das Handling des Kindle ist im Zeitalter des Touch Screen eine Katastrophe. Kleine Tasten und eine grausame Benutzerführung sind mir ein Gräuel. Die Farbe ist zudem eine Frechheit.

Aber der Lesekomfort durch die E-Ink-Technologie ist grandios. Und der Stromverbrauch ist minimal. Der Akku zieht nur Strom beim Umblättern. Laut Amazon hält eine Ladung bis zu zwei Monate bei ausgeschalteter Wi-Fi-Funktion, wenn ich täglich bis zu einer halben Stunde lese. Lese ich pro Tag eine Stunde, beträgt sie bis zu einem Monat. Und das Teil ist mit 247 Gramm superleicht und passt in meine Jackett-Innentasche.

Und auch wirklich praktisch: Der Bildschirm des Kindle liest sich wie Papier, sodass er im Gegensatz zu den meisten anderen Bildschirmarten sogar in hellem Sonnenlicht gut lesbar ist und das ist wirklich stark.

Natürlich hat das iPad auch überzeugende Argumente. Aber mein Hauptproblem mit dem iPad ist die Vielfalt. Wenn ich den Kindle nutze, lese ich oder ich lese nicht. So einfach ist das. Beim iPad bin ich abgelenkt. Wenn ich lese, dann checke ich E-Mails nebenbei, surfe im Web, spiele ein Spiel, höre Musik oder schaue einen Film. Oder ich lese eine interaktive Zeitschrift wie Wired oder um Klassen langweiliger den Spiegel.

Fazit: Also für klassische eBooks ist der Kindle genial, für den Rest das iPad ideal. Und der Kindle Fire? Den mag ich nicht, ist ja schließlich ein iPad für Arme.

Buchtipp: Business-Knigge: Die besten Tipps für stilsicheres Auftreten von Kai Oppel

26. Dezember 2011

Ich stieß auf den Business-Knigge: Die besten Tipps für stilsicheres Auftreten durch eine Amazon-Empfehlung und besorgte mir die Kindle-Version. Nach der Lektüre bin ich zwiegespalten. Ich habe mich über oberlehrerhafte Tipps geärgert und ich habe dem Autor Kai Oppel immer wieder zugestimmt. Ich weiß nicht genau, was ich von den Buch mit seinen Ratschlägen halten soll? Vielleicht liegt es daran, dass mich meine Eltern gut erzogen haben und ich die meisten der vorgeschlagenen Ratschläge wusste, viele davon befolge. Aber wenn ich alle Regeln dieses Business-Knigges befolgen würde, wäre das Geschäftsleben total öde und steif. So manches Mal kam ich mir beim Lesen in die miefigen 50er Jahre versetzt.

Meine Eltern bekamen zur Hochzeit einen Ratgeber „1×1 des guten Tons“ geschenkt. Und viele Tipps des aktuellen Knigge-Buches aus dem Jahre 2007 kommen mir übernommen vor, aber nicht an die aktuelle Zeit angepasst. Wenn es mehr Leben und etwas mehr Spaß in der Geschäftswelt geben würde, dann müssten nicht alle herumlaufen, wie Banker und Versicherungstypen (und wir wissen ja, wie letztere Klientel die Sau rauslässt, wenn sie sich unbeobachtet fühlen).

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass dieses Buch wohl eher für die klassische Finanz- und Verwaltungsbranche geschrieben ist. Ich kenne genug andere Branchen, in denen es lockerer und farbenfroher zugeht und wo so ein Buch mit diesen Tipps nur Kopfschütteln hervorbringen würde. Nein, die Welt ist bunter und das ist gut so.

Aber dennoch empfehle ich das Buch Business-Knigge: Die besten Tipps für stilsicheres Auftreten, dass manches Mal deutlich ausführlicher sein könnte. Gerade vielen jungen Kollegen könnten sich ein paar Tipps abschauen, sei es in Modefragen (Tennissocken oder Flip-Flops im Geschäftsalltag), sei es vor allem im Umgang im ÖPNV und Tischsitten. Etwas mehr Stil könnte der Umgang mit Kollegen manchmal schon vertragen. Auch eine Einschränkung: Dieses Buch ist nur für den Umgang in Deutschland mit Deutschen geeignet. In Zeiten der interkulturellen Kommunikation gehört der Knigge dann doch ins 18. Jahrhundert der Nationalstaaten.

Das Problem mit Amazon Fire

29. September 2011

Amazon bringt den eBook-Markt mit der Veröffentlichung von neuen Readern weiter in Schwung. Während in Deutschland ein Light-Reader für 100 Euro veröffentlicht wurde, tritt Amazon in den USA gegen den Konkurrenten Apple an. Das Flaggschiff nennt sich Fire und ist nur in den USA erhältlich.

Fire wird in den Medien als iPad-Killer bezeichnet. Klingt gut, aber trifft die Sache nicht so richtig: Zu wenig Speicher, keine 3G-Variante, keine Kamera, Content nur aus dem Amazon-Store und als OS ein geschlossenes Android-System mit Anschluss an den Amazon Market. Dennoch das Teil kostet nur 200 US-Dollar und das ist schon eine Ansage. Cool ist die Anbindung an die Amazon Cloud, das wird Apple mit iCloud in wenigen Tagen auch bringen. Also der Weg in die Cloud ist klar vorgezeichnet. Die anderen Specs sind: 7-Zoll-Multitouch-IPS-Display (1.024 x 600 Pixel), Dual-Core-Prozessor, 8 GByte interner Flash-Speicher, WLAN nach 802.11b/g/n, Micro-USB- und Kopfhöreranschluss und 8 Stunden Akkulaufzeit.

Das Teil sieht richtig fett aus. Bei uns wird die Sache nicht laufen, weil der Videocontent derzeit nicht im deutschen Amazon-Store vorhanden ist. Aber Amazon hat den richtigen Schritt gemacht, eBooks unter das Volk zu bringen. Zudem stehen Amazon-Prime-Kunden 11.000 Filme und Serienfolgen kostenlos zur Verfügung aber nur in den USA.

Amazon senkt für Werbezwecke zeitweise im Oktober die eBook-Preise in UK. Für den User ist das eine feine Sache, für den Erzeuger ist eine Frechheit. Mit den Deals of the day verdienen die Entwickler von Apps und Büchern nichts mehr, wenn Amazon sie zu Schleuderpreisen anbietet. Aber die Entwickler sind ja nur brave Lämmer mit denen man so was machen kann. Die deutschen Entwickler sind sowieso die Gelackmeierten.  Mit Bestürzung haben deutsche Android-Entwickler auf die Entscheidung von Amazon reagiert, keine neuen Android-Apps aus Deutschland in den Amazon Appstore einzustellen. „Das ist ein schwerer Rückschlag für die deutsche Android-Community“, so Thomas Eisenbarth, Geschäftsführer der deutschen Android-Plattform SmartAppFinder. „Wir bieten mit SmartAppFinder deutschen Entwicklern die Chance, ihre Apps weiterhin weltweit zu vertreiben und von den zahlreichen Vorteilen unserer Plattform zu profitieren.“ Amazon hatte unlängst die deutsche Community informiert aufgrund eines Rechtsstreits mit Apple derzeit keine Apps aus Deutschland mehr aufzunehmen.


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